Christi Himmelfahrt: Freiluftgottesdienst im Kurpark

Ev. Versöhnungsgemeinde und Ev. Thomasgemeinde

Donnerstag, 26. Mai 2022, 11.00 Uhr, Kurpark Wiesbaden, An der Dietenmühle/Parkstraße

(Christi Himmelfahrt 2021, Foto: B. Sauer)

Mit Pfarrerin Petra Hartmann, Pfarrer Dr. Klaus Neumann und Gemeindepädagoge Achim Hoock. Musikalische Gestaltung: Posaunenchor Bläserkreis Wiesbaden

Wie in jedem Jahr feiern wir Christi Himmelfahrt gemeinsam mit der Versöhnungsgemeinde im Kurpark und laden Sie dazu herzlich ein! Sitzmöglichkeiten sind vorhanden. Wer mag, bringt eine Picknickdecke mit. Danach gibt es Brezeln und Wein, Wasser und Saft.

(Bei Regen findet der Gottesdienst in der Versöhnungsgemeinde, Kirchbachstr. 44, statt.)

Pilgerwanderung durch die Weinberge von Nackenheim nach Nierstein 

Samstag, 21. Mai 2022, ab 10.00 Uhr

(Blick auf die Kirche St. Kilian in Nierstein. Foto: K. Neumann)

Die diesjährige ökumenische Pilgerwanderung der Thomasgemeinde und des Kirchorts St. Mauritius beginnt am Nackenheimer Bahnhof um 10.00 Uhr und führt uns ca. 7 Kilometer auf einem der schönsten Wege entlang des Rheins, vorbei am Roten Hang, dem weltbekannten Riesling-Terroir auf rotem Boden, bis nach Nierstein. Der Blick auf dem Rheinterrassenweg reicht von den maigrünen Weinbergen über den Fluss bis ins hessische Ried, nach Frankfurt und in den Taunus. Mittags geht es vom Niersteiner Bahnhof mit der S-Bahn (sie verkehrt halbstündlich) zurück nach Nackenheim oder weiter nach Wiesbaden. Die Strecke ist einfach zu laufen und für die ganze Familie geeignet. Alle sind herzlich willkommen!

Bitte Brotzeit und Getränk mitbringen und eine med. Maske für die S-Bahn nicht vergessen. Weitere Informationen erhalten Sie bei Pfarrer Dr. Klaus Neumann unter der Tel. 0611.52 35 46.

Die Anreise erfolgt privat. Wer mit der S-Bahn von Wiesbaden aus kommen möchte: Abfahrt ab Wiesbaden Hbf mit der S8 (Rtg. Offenbach) um 8.48 Uhr. / Ankunft in Mainz Hbf um 9.01 (Gl 5a) / Umstieg in die S6 (Rtg. Bensheim) um 9.22 Uhr (Gl.5a) / Ankunft in Nackenheim Bhf. um 9.37 Uhr.

Palmsonntag, 10. April 2022

Solches redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen: Verherrliche deinen Sohn, auf dass der Sohn dich verherrliche; so wie du ihm Macht gegeben hast über alle Menschen, auf dass er ihnen alles gebe, was du ihm gegeben hast: das ewige Leben. Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Ich habe dich verherrlicht auf Erden und das Werk vollendet, das du mir gegeben hast, damit ich es tue.Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast. (Johannesevangelium 17,1-8)

Neulich im Konfirmandenunterricht haben wir über die Schöpfung gesprochen, über Gott und den Urknall, über den Beginn von allem und über den Anfang des Alls, darüber dass mit dem allerersten Anfang Raum und Zeit begann, und dass man deshalb auch eigentlich nicht von einem „Bevor“ der Schöpfung, oder eben einem „Bevor“ des Urknalls sprechen kann. „Bevor“ und „Danach“ sind ja Kategorien der Zeit, die nicht auf einen Zustand ohne Zeit angewendet werden können. 

Die Bibel selbst hat für diesen Zustand ohne oder außerhalb der Zeit den Begriff der „Ewigkeit“ angewendet, mit der eben nicht eine endlose Zeit gemeint ist – so etwa, wenn wir sagen: das dauert ja ewig; so also eigentlich nicht – sondern ein Zustand ohne Zeit gemeint ist: die Ewigkeit dauert ja gerade nicht ewig, wenn „dauern“ eine lange Zeit bezeichnet. Ewigkeit dauert nicht, nicht einmal ewig, sie ist zeitlos. (Insofern wird man das überaus lustige Wort des großen Woody Allen aus theologischen Gründen zurückweisen müssen, der bekanntlich gesagt hat: Die Ewigkeit dauert lange, besonders gegen Ende.)

Den Faden dieses wie immer sehr anregenden Gesprächs mit unseren Konfirmanden möchte ich heute aufnehmen im Nachdenken über unseren Predigttext, in dem sich Jesus von seinen Jüngern aus der Zeit in Gottes Ewigkeit verabschiedet; er und sie – wie wir ja auch am Beginn der Karwoche – gehen auf das Ende seines irdischen, menschlichen Lebens zu. Gerade beim Evangelisten Johannes wird das katastrophische menschlich-irdische Ende Jesu, sein gewaltsamer Tod am Kreuz, als Eingang – oder Rückkehr – in Gottes Herrlichkeit gedeutet und daher treffend Erhöhung genannt. Bei Johannes wird Jesus nicht erst in seiner Auferstehung zu Gott erhöht, sondern schon in Tod und Kreuz erhöht; und darin von Gott verherrlicht.  

Jesus verabschiedet sich von seinen Jüngern mit Reden über Gott und die Welt und einem Gebet, dessen Anfang wir heute hören und das durch zwei Schlüsselbegriffe geprägt wird, die mehrfach wiederholt werden: „verherrlichen“/ „Herrlichkeit“ – gleich sechsmal – und „ewig“ – zweimal genannt aber dreimal gemeint. Beide beschreiben, was nun mit Jesus geschieht; vor allem aber kennzeichnen sie, wer oder wie Gott ist.

Herrlichkeit ist das Wesen Gottes, mit der er die Welt erfüllt. „Heilig, heilig, heilig ist der Herr, alle Lande sind seiner Ehre voll – eigentlich seiner Herrlichkeit voll“ heißt es beim Propheten Jesaja (Jesaja 6,3). „Herrlichkeit“ bezeichnet den Lichtglanz Gottes, den Lichtglanz, in dem Gott lebt, der ihn umgibt und der von ihm ausstrahlt, der also nach den Worten des Jesaja auf seiner ganzen Schöpfung liegt. Gott wohnt im Licht – Licht ist göttlich– Licht ist Leben – ohne Licht kein Leben; das Licht hat die Menschen seit jeher über alle Maße fasziniert – und noch heute sind es die faszinierenden Eigenschaften des Lichts – seine Geschwindigkeit, seine Struktur, seine Wirkungen – denen die Forscher nachgehen, um die innersten Geheimnisse der Natur zu ergründen.

Wenn also unser Text gerade diesen Lichtglanz und diese Herrlichkeit hervorhebt, geht es ihm zunächst genau darum, den Lichtglanz, und zwar den Lichtglanz Gottes auf Jesus den Sohn zu lenken, der zu Gott im Gebet spricht: Verherrliche deinen Sohn, auf dass der Sohn dich verherrlicheIhnen beiden, Gott Vater und Gott Sohn, soll unsere ganze, ungeteilte Aufmerksamkeit gelten, sie sollen ins Scheinwerferlicht getaucht werden, das die Finsternis unterbricht und erhellt. So beginnt ja schon das Johannesevangelium, mit seiner ganz eigenen Geburtsgeschichte: „Das Licht scheint in der Finsternis“ (Johannes 1,5), „Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet“ (V.9), „und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, als des eingeborenen Sohnes vom Vater“ (V.14). 

Dieses Licht auf Jesus Christus ist das Licht Gottes; es dient dazu, diesen Menschen Jesus als Gottes Sohn, als Gott zu identifizieren, ihn zu verherrlichen, ihn zu vergöttlichen: „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10,30), sagt Jesus, und an anderer Stelle: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12)

Wer sich zu Jesus in das göttliche Licht stellt, wird mit dem Sohn mitverherrlicht und hat so Anteil an der Ewigkeit Gottes; Jesus wird von Gott in seinen Lichtstrahl gestellt, um auch uns zu erleuchten: auf dass er ihnen alles gebe, was du ihm gegeben hast: das ewige Leben. Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.

Immer und immer wieder spricht Jesus im Johannesevangelium davon, dass der Glaube an Jesus Christus, an Gottes Sohn das ewige Leben ist; also jetzt schon ist; nicht erst zukünftig durch ihn sein werde oder erworben würde, sondern wie gesagt: schon ist: „Wer glaubt, hat das ewige Leben“ (Johannes 6,47, und öfter). Leuchtet uns das ein? Erhellt uns das? Trifft uns ein Strahl des göttlichen Lichts?

Man muss an dieser Stelle die Worte Jesu und die Lehre des Johannes nicht unnötig komplizieren. Trotz der häufigen Verwendung von Vokabeln der Erkenntnis und der Weisheit – auch hier in unserem Textabschnitt ist von „wahrhaftigem Erkennen“ die Rede – geht es glaube ich nicht um komplizierte Spekulationen oder Geheimlehren (wie lange angenommen wurde), sondern eher um das Verstehen als Geistesblitz oder, dass uns ein Licht aufgeht; es geht nicht so sehr um die Anstrengung des Denkens sondern um die Leichtigkeit des einen, aber entscheidenden Gedankens; nicht um die Erkenntnis als mühevolles Werk sondern als Gabe und Geschenk. 

Wir kennen das aus unseren eigenen Erfahrungen des Verstehens, das natürlich mit Mühe und Anstrengungen verbunden ist – sonst müssten wir ja nicht 13 oder mehr Jahre die Schulbank drücken – aber das uns in den raren Momenten der Erkenntnis mühelos erscheinen kann; wenn uns einmal doch der Groschen gefallen und das Licht wie angeschaltet aufgegangen sein sollte, dann liegt das Ergebnis vor uns, es bietet sich als offensichtlich dar, als könne esgar nicht anders sein.

In den Jesusgeschichten – insbesondere aus der Hand des Johannes – erleben wir immer wieder diesen Vorgang des plötzlichen Verstehens – wie auch den des dauerhaften Nichtverstehens. Auch darüber macht sich Johannes und sein Jesus keine Illusionen, dass es nämlich Menschen gibt und geben wird, die im Dunkeln bleiben und denen kein Licht aufgeht. Aber es gibt eben auch die, auf die das Licht trifft, die mitverherrlicht werden durch den Lichtglanz Gottes in Jesus Christus – und darin das ewige Leben haben.

Wer nämlich dieses Licht auf unserer Welt und in seinem Nächsten erkennt; wer wahrnimmt, dass die Natur nicht nur sinnloser Zufall ist, sondern Gottes Schönheit an sich trägt – noch unter dem Elektronenmikroskop oder im Teilchenbeschleuniger an sich träg; und wer im menschlichen Gegenüber Gott selbst erkennt – nach dem Johanneswort: „Gott ist Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“ (1. Johannesbrief 4,16), der lebt „ewig“, wie Johannes und sein Jesus es hier meinen. Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.       

Nochmal: Wer in der Welt und im Nächsten Gott erkennt, der erlebt jetzt schon „Ewigkeit“; wer in diesem Sinne glaubt, der hat das „ewige Leben“, der weiß sich von Gott geborgen. Wer weiß, dass Gott da ist, der weiß, dass Gott für ihn da ist; auch in den Stunden des Leidens und Sterbens wird Gott für uns da sein; auch dann wenn die Mächte der Finsternis ihr menschenfressendes Haupt erheben.

Diese Zuversicht trotz aller Bedrängnis strahlt Jesus hier kurz vor seinem Tod aus. Gott, da ist er sich sicher, lässt ihn nicht im Tod, sondern erhöht ihn zu sich, hat das schon getan, wie er sagt: „Ich bin nicht mehr in der Welt; sie aber sind in der Welt, und ich komme zu dir.“ (Johannes 17,11). Mit dieser Zuversicht wollen wir mit ihm in diese Woche gehen.

Konzert mit dem Leipziger Vokalensemble Consortium Vivente

Sonntag, 24. April 2022, 16.00 Uhr in der Ev. Thomaskirche, Wiesbaden

Consortium Vivente

Das Leipziger Vokalensemble Consortium Vivente ist eine Gruppe von sechs ehemaligen Mitgliedern des THOMANERCHORs Leipzig: Pascal Leonhardt, Henrik Weimann, Lukas Neumann, Adam Wahlgren, Jasper Lieckfeldt und Max Gläser.

Gegründet hat sich das Ensemble im Sommer 2018 aus der Idee heraus, nach dem Abitur und dem damit verbundenen Austritt aus dem Thomanerchor eine eigene abschließende Sommerreise zu gestalten und weiterhin aktiv zusammen zu musizieren. Diese und andere Projekte führten das Vokalensemble in verschiedenste Regionen Norddeutschlands mit Konzerten u.a. in der Evangelischen Kirche im Ostseebad Binz, im Klosterstift zum Heiligengrabe, in der Klosterkirche Rehna sowie zum Abschluss der Friedrich-Stellwagen-Orgeltage in Stralsund. Seither gestaltet das Ensemble regelmäßig Konzerte in seiner Heimatstadt Leipzig sowie Gastspiele in anderen Städten in Deutschland. Das breitgefächerte Repertoire der ehemaligen Thomaner reicht von der Renaissance bis zur Moderne mit weltlicher und geistlicher Musik.

Programm in der Ev. Thomaskirche, Wiesbaden: Reise durch die Leipziger Musikwelt mit Werken von Johann Sebastian Bach, Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Ernst Friedrich Richter, Gustav Schreck u.a.

https://www.consortiumvivente.de

Hilfe für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine

Auch Nachbarn und Gemeindeglieder sind besorgt über die Ereignisse in der Ukraine und wollen helfen. Uns haben schon einzelne Angebote für Wohnungen für Kriegsflüchtlinge erreicht, andere fragen nach Möglichkeiten zu spenden.

Wir unterstützen deshalb das Angebot der Stadt Wiesbaden, sich bei einer dafür eingerichteten Stelle zu melden, wo alle Anfragen koordiniert werden.    

Wenn Sie privat Wohnraum zur Verfügung stellen möchten, wenden Sie sich bitte an: ukraine-hilfe@wiesbaden.de

Dort beantwortet ein Team von Freiwilligen alle Fragen rund um das Thema Unterbringung und Wohnraum sowie zur Sicherstellung des Lebensunterhalts der aus der Ukraine geflohenen Menschen.

Sollten Sie keine Möglichkeit haben, e-mails zu schreiben: melden Sie sich bitte beim Kirchenvorstand / Katrin Sünderhauf: 0172/9972889, wir leiten Ihr Hilfsangebot gern für Sie weiter.

Für Spenden: 
Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin
Evangelische Bank
IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02
BIC: GENODEF1EK1
Stichwort: Ukraine Krise

Predigttext für den Sonntag Estomihi, letzter Sonntag vor der Passionszeit, 27. Februar 2022 

Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir, Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist. Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Will mir jemand nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben behalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s erhalten. Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele? Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem abtrünnigen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln. (Markus 8, 34-38)

Unter dem Eindruck der grässlichen Nachrichten aus der Ukraine hören wir heute in der Bibel davon, dass es das Leben in der Nachfolge Jesu, dass es das gute und wahre Leben nicht umsonst gibt, sondern dass das neue Leben uns etwas kosten kann und kosten wird, nicht weniger nämlich als das alte falsche Leben.

Unter dem Eindruck eines, der die Welt gewinnen will und darüber längst seine Seele verloren hat – aber was interessiert mich eigentlich dessen nachtschwarze Seele, wenn darüber so viele andere Seelen Schaden nehmen? – unter dem Eindruck eines, der sich nicht nur die übelsten Gewaltherrscher zum Vorbild nimmt, sondern gleich den Satan selbst mit seinem Lügen und Morden höchstpersönlich zum Beispiel zu nehmen scheint – Geh weg von mir, Satan! Aber so schnell wird man ihn nicht los – unter diesem Eindruck lesen und hören wir vom angekündigten Leiden, vom Verworfen werden, von den Kosten des gerechten und wahren Lebens, vom abtrünnigen und sündigen Geschlecht, und können doch gar nicht anders, als beides aufeinander zu beziehen:

Ja, der Satan hat immer wieder, auch heute Wiedergänger in der wirklich gelebten Welt, und dieser, der uns gerade plagt, vermag nach all den Jahren seines Unwesens – politische Meuchelmorde, Abschüsse ziviler Flugzeuge, getarnte Invasionen, rechtswidrige Annektionen, Unterstützung anderer Diktatoren, Manipulationen von Wahlen im eigenen und in fremden Ländern und so vieles mehr an Grausamkeiten und Scheußlichkeiten – dieser Unmensch vermag immer noch, erstaunlicherweise immer noch uns allzu harmlos Arglose zu überraschen mit seiner Heimtücke und seiner Bosheit, seinem Lügen und seinem Morden; und ja, es kostet etwas, ihn loszuwerden oder ihn zumindest auf Abstand zu halten: Geh weg von mir, Satan!

Aber wenn er sich als bösartiger Bär im Schafspelz erstmal eingenistet und unentbehrlich gemacht hat, kostet es umso mehr, ihn wieder loszuwerden; und es wird ein Vielfaches davon kosten – und es kostet die Menschen in der Ukraine jetzt schon ein Vielfaches – ihn nicht losgeworden zu haben und sich nicht aus seiner Abhängigkeit befreien zu können. Genau davon spricht unser Text: Von den Kosten des gerechten und wahren und letztlich des guten Lebens: Denn wer sein Leben behalten will, der wird’s verlieren.  

Natürlich weiß unser Bibeltext nichts von russischen Gewaltherrschern, aber er weiß von dem Wunsch, von der Gier von uns Menschen die Welt zu gewinnen, koste es was es wolle. Und der Text interessiert sich nicht für die armen Seelen in der Ukraine oder anderer überfallener Staaten, die solches gewalttätiges Weltgewinnen-Wollen kosten – andere Texte der Bibel natürlich sehr wohl – sondern unser Text interessiert sich für die Kosten für die eigene Seele selbst: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele? Er richtet sich also an uns, die wir im Durchschnitt weniger Schaden nach außen anrichten können als Diktatoren, aber deren Seele ganz genauso gefährdet ist wie die jener.

Dabei ist hier ja überhaupt nicht gemeint, dass jeder Wunsch, die Welt zu gewinnen, der Seele Schaden müsste. Wenn damit das Streben nach Erfolg gemeint ist, im Beruf, im Sport, in der Gesellschaft, auch im Wettbewerb der Staaten untereinander, dann darf man sich sicher sein, dass Gott seine Freude an uns hat, wenn wir mit den von ihm an uns gegebenen Gaben wirken. Unser Bibelwort richtet sich keineswegs mit einer generellen Warnung oder gar einem Verbot an die begnadeten Musiker, die Sportler, die Geschäftsleute, die Forscher oder die Politiker, keinen gerechten Gebrauch ihrer besonderen Gaben und Fähigkeiten zu machen – sondern es richtet sich an sie und uns alle, es bei unserem Erfolgsstreben nicht zu übertreiben, es also bei allen äußeren Erfolgen nicht gegen die Seele zu wenden, der Seele nicht zu schaden; unser Inneres nicht verhärten oder vereisen oder ausbrennen zu lassen. Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele?

Jesus belässt es nicht bei diesem Wort, das – meine ich – auch den religiös Unmusikalischen verständlich sein müsste, sondern er fügt es ein in seinen Ruf in die Nachfolge. Dadurch verliert es nicht unbedingt an Allgemeinverständlichkeit, gewinnt aber an Konkretheit und an Konturen. Die Rücksicht auf das eigene Seelenheil besteht und geschieht in der Absage an die wahrscheinlich naturgegebene Rücksichtslosigkeit des natürlichen Menschen. Während dieser sich im immerwährenden Kampf ums Dasein befindet, in dem der Stärkste – und nur der Stärkste – überlebt, fordert Jesus uns auf, sein Lebensmodell zu übernehmen, das von der Rücksichtnahme für andere lebt und in der Hingabe für andere seine Erfüllung findet: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Nur die Hingabe an den anderen, also die Gabe, nichts für sich selbst zu sein zu vermögen, lässt mich – nach Jesus – das Leben und das Seelenheil finden.

Das erklärt dann auch den paradox formulierten Satz: Denn wer sein Leben behalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s erhalten.Nur wer bereit ist, die Gewaltlogik des natürlichen Menschen mit seinem Kampf ums Dasein zu verlassen, kann das wahre, gerechte und gute Leben erringen; er muss aber damit rechnen, das Leben zu verlieren. Sein Kreuz auf sich zu nehmen, heißt: das Leben am Kreuz verlieren zu können. Eine unerwartet harte Botschaft, die aber zu diesen unerwartet harten Zeiten passt.

Und man ist beinahe versucht, sie auch im Krieg in der Ukraine abgebildet zu finden, wenn die ukrainische Führung in ihrer Hauptstadt aushält und dabei droht ihr eigenes Leben zu verlieren, um dem Land ein besseres Leben zu ermöglichen; ein besseres als das miserable Leben unter der Gewaltherrschaft ihrer übermächtigen Nachbarn. Aber eine Versuchung und Täuschung wäre eine solche Deutung allein schon deshalb, weil das angegriffene und überfallene Land ja keineswegs freiwillig sondern aus äußerem Zwang das Schwächere ist und seine Selbstbestimmung verlieren wird. Wenn sie könnten, würden sie sich wehren – was sie ja auch noch tun.  

So bleibt uns das überaus unbefriedigende Fazit, dass das Wort vom Kreuz und der Ruf in die Nachfolge eben doch nicht zur Deutung solcher kriegerischer Konflikte geeignet ist, selbst wenn es in diesen Zeiten erklingt. Nach dem überwiegenden Zeugnis der christlichen Tradition lässt sich die Botschaft Jesu darauf – also auf staatliche oder zwischenstaatliche Konflikte – einfach nicht anwenden. Sondern wenn seine Botschaft eine Wahrheit hat, erweist sie sich in uns selbst: dort, wo die Seele sitzt: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele? Amen.

Besuch des Jüdischen Museums Frankfurt mit Führung

Am Sonntag, 3. April 2022, um 15.00 Uhr laden die ev. Thomasgemeinde und die kath. St. Mauritius-Gemeinde zu einer gemeinsamen Besichtigung des neuen Jüdischen Museums am Bertha-Pappenheim-Platz ein.

Im Oktober 2020 wurden das restaurierte Rothschild-Palais und ein neuer, architektonisch ebenfalls beeindruckender Lichtbau im früheren Garten des Palais von der Stadt Frankfurt feierlich eingeweiht. Mit seinen zwei Häusern – dem Museumskomplex am Bertha-Pappenheim-Platz und dem Museum Judengasse in der Battonnstraße – zählt das Jüdische Museum zu den sehenswertesten Institutionen der Frankfurter Museumslandschaft.

Sie können zwischen zwei Führungen (1 und 2), die beide um 15.00 Uhr beginnen und ca. 45 Minuten dauern, wählen. Im Anschluss haben Sie die Möglichkeit, sich bis 18.00 Uhr weiter im Museum umzuschauen. Die Hin- und Rückreise erfolgt privat (z.B. per S-Bahn S1 um 13.35 Uhr ab WI Hbf bis Ffm Hbf, dann 800m Fußweg entlang der Kaiserstr.; Parkhaus: z.B. “Am Theater”) . Im Jüdischen Museum gilt die 2G+-Regel. Die Führung selbst ist für die Teilnehmer kostenlos, der Eintritt pro Person kostet 7 Euro. Der Treffpunkt ist um 14.45 Uhr am Eingang bei der Sicherheitskontrolle. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bitten wir um Ihre Anmeldung bis Freitag, 1. April unter Tel. 0162.7474131 oder per Mail unter asmeine@gmx.de.

Tradition und Ritual (Führung 1): “Die Führung zeigt die Vielfalt der jüdischen Religionspraxis. Sie greift die Frage der innerjüdischen Diversität auf und ermöglicht den Zugang zur jüdischen Philosophie und zu den verschiedenen religiösen Ritualen, weist aber auch auf die Besonderheiten des individuellen, kollektiven, religiösen sowie kulturellen Selbstverständnisses hin.”

Highlights der Ausstellung (Führung 2): “Vielseitig und dynamisch präsentiert sich die jüdische Geschichte Frankfurts von 1800 bis heute. Sie öffnet Fenster zu den Errungenschaften der Emanzipation und zum Aufbruch in die Moderne. Zugleich zeigt sie, wie eng Aufklärung und Modernisierung mit Judenfeindschaft bis hin zur Schoa verbunden sind. Die Führung gibt einen Überblick zu den Themen unserer Dauerausstellung ‘Wir sind Jetzt. Jüdisches Frankfurt von der Aufklärung bis zu Gegenwart’ und erzählt die Geschichte des Hauses. Dabei stellen wir die zentralen Objekte der Ausstellung vor.“

Jüdisches Museum Frankfurt
Bertha-Pappenheim-Platz 1
60311 Frankfurt am Main

Ukraine: Kirchen rufen zu Glocken und Gebet auf

Die ev. Thomasgemeinde lädt ab 25.2.2022 mit einem täglichen Glockengeläut um 12.00 Uhr zum Friedensgebet ein.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung hat die evangelischen Gemeinden dazu aufgerufen, angesichts des Angriffs von Russland auf die Ukraine „von heute an und in den nächsten Tagen um zwölf Uhr die Glocken zu läuten und für den Frieden zu beten“. Das Läuten der Glocken sei ein „Aufruf, innezuhalten“ und auch „persönlich zu beten“.

Nach Worten Jungs ist der militärische Angriff der russischen Regierung „entsetzlich und versetzt viele Menschen in große Angst.“ Die Folgen seien nicht absehbar. Jung: „Ich unterstütze alle Appelle an die russische Regierung, die militärischen Aggressionen sofort zu beenden und die Truppen abzuziehen. Für alle, die jetzt politisch zu entscheiden haben, bitte ich um Besonnenheit und den Willen, Eskalationen zu vermeiden und Wege des Friedens zu suchen und zu gehen. Krieg bringt schreckliches Leiden und Not über Menschen. Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“

Ehrung von Dr. Hans Seiler

(Terminänderung: der Termin wurde vom 27. Februar auf den 27. März verlegt.)

Am Sonntag, 27. März 2022, erhält Dr. Hans Seiler im Gottesdienst die Ehrenurkunde der EKHN aus den Händen von Dekan Dr. Martin Mencke als Anerkennung und Auszeichnung für seinen jahrzehntelangen und außergewöhnlichen ehrenamtlichen Einsatz in der Ev. Thomasgemeinde und im Dekanat Wiesbaden.

Dr. Seiler war 30 Jahre lang Mitglied des Kirchenvorstands (1979-2009), 19 Jahre Synodaler in der Dekanatssynode (1985-2009), 11 Jahre Mitglied des Bauausschusses der Thomasgemeinde (1998-2009) und seit 2003 Prädikant im Dekanat Wiesbaden. In dieser Funktion hielt er zwei- bis viermal jährlich Gottesdienste in der Thomaskirche und den umliegenden Gemeinden. Für die Thomasgemeinde organisierte und leitete er unzählige Gemeindefahrten zu sehenswerten Zielen in der Region. Er war Mitglied im sonntäglichen Liturgiechor der Gemeinde und arbeitete viele Jahre lang in der Redaktion des Gemeindebriefes mit.

Die Thomasgemeinde ist sehr erfreut über diese hohe Auszeichnung eines ihrer Mitglieder und dankt Herrn Dr. Seiler von Herzen für alles, was er für die Gemeinde geleistet und bewegt hat! Ein großer Dank gebührt dabei auch Ursula Seiler, seiner Frau, die so viele Unternehmungen stets mitgetragen und unterstützt hat.

Dr. Hans Seiler (Wittenberg 2015)
Rom 2017

Besuch der Wiesbadener Synagoge am 8.2.2022

Mitten in der Stadt, in einem Innenhof der Friedrichstraße, befindet sich die Wiesbadener Synagoge, aber nur wenigen ist sie tatsächlich bekannt. Mit einem lebhaften und detailreichen Vortrag führte Steve Landau, der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde und Leiter der Jüdischen Lehrhauses, unsere Gruppe von St. Mauritius und der Thomasgemeinde in die Geschichte und den Alltag seiner Gemeinde ein und gab Antwort auf verschiedenste Fragen. Unter anderem erklärte er auch die Besonderheiten des 1966 eingeweihten Bauwerks mit den großen farbigen Fenstern. Besonders interessant war der Blick auf die hinter einem Vorhang verborgenen, prächtig geschmückten Torarollen! Wir sind froh und dankbar darüber, dass es eine lebendige jüdische Gemeinde in unserer Stadt gibt.

(Fotos: Klaus Neumann)