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Ökumenischer Freiluft-Gottesdienst zum Tag des Johannes mit Johannisfeuer

Ev. Thomasgemeinde & Kath. Kirchort St. Mauritius

Samstag, 26. Juni 2021, 21.00 Uhr auf dem Vorplatz der Thomaskirche

Mit Klaus Neumann und Stefan Herok

Lisa Rau (Gesang), Eva Heiny (Trompete) und Gabriela Blaudow (Klavier)

In der Zeit um die kürzeste Nacht des Jahres wird in vielen Gemeinden an den Geburtstag von Johannes dem Täufer, dem Wegbereiter Jesu, mit einem Gottesdienst und einem Feuer gedacht. Das Johannisfeuer – bei uns ein Feuerkorb – symbolisiert Johannes’ Zeugnis vom “wahren Licht der Welt”.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen! 

Johannisgottesdienst 2020

Bitte tragen Sie eine med. Maske, achten Sie auf ausreichend Abstand zueinander und tragen Sie sich zu Beginn in die Teilnehmerliste ein. Bei Regen wird der Gottesdienst kurzfristig abgesagt. Aktuelle Infos finden Sie auf dieser Website.

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Thomaskirche geöffnet

Wir freuen uns, wieder mit Ihnen Gottesdienst zu feiern zur gewohnten Zeit in der Thomaskirche um 10.00 Uhr (bzw. Familiengottesdienste um 11.00 Uhr).

Der Kirchenvorstand hat ein Sicherheitskonzept beschlossen, dem wir alle folgen müssen. Dazu gehört:

  • Bitte besuchen Sie den Gottesdienst nicht, wenn Sie Erkältungs- oder grippeähnliche Symptome haben.
  • Bitte nehmen Sie den Sitz ein, der Ihnen vom Kirchenvorsteher gezeigt wird. Nur die Plätze, auf denen ein Gottesdienstblatt liegt, können belegt werden.
  • Ab sofort sind auch in Gottesdiensten medizinische Masken zu tragen. Bei Bedarf wenden Sie sich gerne an den Kirchenvorstand. Bitte behalten Sie Ihre Maske während des Gottesdienstes auf.
  • Bitte halten Sie auch beim Ein- und Ausgang einen Abstand zu anderen Gottesdienstbesuchern von mindestens 2 Metern.
  • Bitte singen Sie bei den „Liedern ohne Worte“ nicht mit. Singen ist leider nicht erlaubt.
  • Bitte notieren Sie nach dem Gottesdienst Ihren Namen und Ihre Anschrift auf diesen Zettel und lassen Sie ihn auf Ihrem Platz liegen. (Wir sammeln die Blätter, verschließen sie in einem Umschlag und bewahren sie etwa drei Wochen auf für den unwahrscheinlichen Fall, dass eine Infektion dokumentiert werden muss.)

Wir danken Ihnen für die Beachtung und für Ihr Verständnis!

Der Kirchenvorstand der ev. Thomaskirchengemeinde

2. Sonntag nach Trinitatis, 13. Juni 2021

Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber darum, dass ihr prophetisch redet! Denn wer in Zungen redet, der redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand versteht ihn: im Geist redet er Geheimnisse. Wer aber prophetisch redet, der redet zu Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung. Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, der erbaut die Gemeinde. Ich möchte, dass ihr alle in Zungen reden könnt; aber noch viel mehr, dass ihr prophetisch redet. Denn wer prophetisch redet, ist größer als der, der in Zungen redet; es sei denn, er legt es auch aus, auf dass die Gemeinde erbaut werde. Nun aber, Brüder und Schwestern, wenn ich zu euch käme und redete in Zungen, was würde ich euch nützen, wenn ich nicht mit euch redete in Worten der Offenbarung oder der Erkenntnis oder der Prophetie oder der Lehre? So verhält es sich auch mit leblosen Instrumenten, es sei eine Flöte oder eine Harfe: Wenn sie nicht unterschiedliche Töne von sich geben, wie kann man erkennen, was auf der Flöte oder auf der Harfe gespielt wird? Und wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zur Schlacht rüsten? So auch ihr: Wenn ihr in Zungen redet und nicht mit deutlichen Worten, wie kann man wissen, was gemeint ist? Ihr werdet in den Wind reden. Es gibt vielerlei Sprachen in der Welt, und nichts ist ohne Sprache. Wenn ich nun die Bedeutung der Sprache nicht kenne, werde ich ein Fremder sein für den, der redet, und der redet, wird für mich ein Fremder sein. So auch ihr: Da ihr euch bemüht um die Gaben des Geistes, so trachtet danach, dass ihr sie im Überfluss habt und so die Gemeinde erbaut. 

(1. Korinther 14,1-12)

„Bla, Bla, Bla“ schmückte vor ein paar Jahren in großen Buchstaben das T-Shirt eines unserer Konfirmanden, was wohl als Kommentar auf sein Erleben in Unterricht und Gottesdienst zu lesen war.

„Bla, Bla, Bla“ könnte auch die knappe aber zutreffende Inhaltsangabe mancher Konferenzen sein, Elternabende eingeschlossen; Sitzungen des Kirchenvorstandes ausdrücklich nicht!

Und wenn Sie heute, liebe Schwestern und Brüder, den Inhalt der Predigt mit einem augenrollenden „Bla,Bla,Bla“ zusammenfassen, soll mich das nicht kränken. Denn genau darum geht es heute im Predigttext: um silbige Lautgebilde ohne vernünftigen Inhalt, um unverständliche lautmalende Verdoppelungen von Silben, um Lautreihen ohne oder ohne eindeutige Bedeutung: kurz um Glossolalie, also um „Bla,Bla,Bla“ in Gebet und Gottesdienst.

Was ist das überhaupt, Glossolalie? Glossolalie ist das von Paulus erfundene griechische Wort für das unverständliche Sprechen im Geist, wörtlich „Zungenrede“: Unser Wort Lallen stammt hörbar vom griechischen Wort „Lalein“ ab, das in Glossolalie steckt. Lallen ist selbst ein Lallwort wie: Mama, Papa, summ-summ-summ, Lalala; Tralala; Barbar; Abba; BlaBlaBla, also lautmalerische und silbenverdoppelnde Lautgebilde, die oft erst – aber durchaus nicht immer – durch den wiederholten Gebrauch eine Bedeutung annehmen können, wie in den Tierrufen, die zu Tiernamen werden – aber keineswegs müssen: Wau-Wau, Guru-Guru, Kuckuck, Zilpzalp.

Lallworte bilden als „kanonisches Lallen“ eine wichtige Stufe – die Lallphase – des frühkindlichen Spracherwerbs: ohne Lallen, kein Sprechen – wenn zum Entzücken der Eltern aus der Reihe Mamamamamama endlich Mama und aus Papapapapa schließlich Papa wird.

Auch Erwachsene fallen bisweilen in silbige Lautgebilde ohne weitere Bedeutung zurück – krankheitshalber oder alkoholinduziert etwa – aber auch – durchaus willentlich – im populären oder im karnevalistischen Lied: „Yeah, Yeah, Yeah“ in der Liverpooler Variante; „Ritsch Ratsch die Bötz kapott“ auf Kölsche Weise und „Rucki-Zucki“ auf Meenzerisch. Auch der Alpenjodler darf hier genannt werden: „Jodelidi-dudödel-du“ (ob es dann zu einem Jodeldiplom reicht, muss sich zeigen). Und von dort ist es nicht mehr weit zu den Rufen der Wagnerschen Walküren: „Hojotoho“; oder dem Gesang der Rheintöchter: „Wagalaweia Wallala weialaweia“ bis zu den Lautgedichten eines Christian Morgenstern oder Ernst Jandl als kulturellen Hochformen der säkularen, nicht-religiösen Glossolalie:

Das große Lalula

Kroklokwafzi? Semememi!

Seiokrontro – prafriplo:

Bifzi, bafzi; hulalemi:

quasti basti bo …

Lalu lalu lalu lalu la! (1. Strophe des gleichnamigen Gedichts von Christian Morgenstern)

Glossolalie bedient sich solcher in ihrer Bedeutung nicht festgelegter Lautreihen und hält sie – nun in ihrer religiösen Ausprägung – für direkte Äußerungen des göttlichen Geistes.

Während Glossolalie in unseren Gottesdiensten – wie ich finde: zurecht – keine Rolle spielt, ist sie heutzutage das Markenzeichen charismatischer und pfingstlicher Gemeinden. Allein: Auf den Apostel Paulus können sie sich nicht berufen, eher schon auf seine Gegner in Korinth, die wie sie die Glossolalie als Ausweis ihrer Begabung durch den Geist sehen: Nur die Glossolalen – so die Behauptung – sind die wahren Charismatiker und erwerben so ihren Ruhm.

Dieser Behauptung – ihrem Wahrheitsmoment aber vor allem ihrer Widerlegung – widmet der Apostel das ganze 14. Kapitel seines Korintherbriefs, aber auch schon die Ausführungen in den vorausgehenden Kapiteln gehören dazu: Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz und eine klingende Schelle – womit Paulus die Liebe – und zwar als Fürsorge, Rücksichtnahme, Erbarmen: also Nächstenliebe – vor alle charismatische und pseudocharismatische Leistungsschau stellt. Strebt nach der Liebe! (V.1) bringt es Paulus gleich im Einleitungssatz kurz und knackig auf den Punkt – und meint damit: Strebt nach der Liebe – und nicht nach glossolalischen Geist-Erweisen.

Paulus erwidert den Glossolalen und Charismatikern in Korinth, dass insbesondere die Zungenrede nicht – zumindest nicht ausreichend – der Erbauung meines Nächsten und dem Aufbau der Gemeinde dient, weil sie nämlich die zwischenmenschliche Kommunikation verweigert: Glossolalie spricht im besten Fall mit Gott und im schlimmen Fall nur mit mir selbst – keinesfalls aber mit meinem Nächsten. Und immer wenn Paulus der Zungenrede ein relatives Recht einräumt oder ein zaghaftes Lob zu zollen scheint, verbindet er es mit einer Pflicht zur Übersetzung, weil sonst Sprecher und Hörer sich gegenseitig zum „Barbaren“ (V.11), schlimmer noch: zum „Idioten“ machen: Wenn du Gott lobst im Geist, wie soll der, der als Unkundiger – wörtlich im Griechischen: als Idiot – dabeisteht, das Amen sagen auf dein Dankgebet, da er doch nicht weiß, was du sagst? (1. Korinther 14,16). Und genauso bin ich mir noch jedes Mal in sogenannten charismatischen Gottesdiensten vorgekommen, als Barbar und Idiot – und habe in meinem Hochmut die anderen ebenfalls dafür gehalten.

Wenn wir also heute mehr als das „Bla,Bla,Bla“ mitnehmen, dann ist es die absolute Hochschätzung der verständlichen Sprache im Gottesdienst, weil nur sie den Anderen, den Nächsten erreicht und Gemeinschaft bilden kann. Und wenn Paulus sein Plädoyer für die verständliche Sprache in die universelle Aussage münden lässt: Es gibt vielerlei Sprachen in der Welt, und nichts ist ohne Sprache. (V.10), dann kann man darin auch ein Echo des alles durchdringenden Wortes – des Logos – Gottes hören: Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort (Anfang des Johannesevangeliums, Johannes 1,1).

Und mitzunehmen ist weiterhin der wiederholte Hinweis auf die Notwendigkeit uns gegenseitig zu übersetzen und zu deuten und auszulegen – Paulus verwendet das Wort, dass unserer Hermeneutik, unserer Lehre vom Verstehen und Deuten zugrunde liegt. Keineswegs nur den unverständlichen Zungenredner gilt es zu übersetzen und zu deuten – verständlich zu machen – sondern im Grunde alles und jedes, zumindest jede menschliche Äußerung, die eigenen zuerst: Wer also in Zungen redet, der bete, dass er´s auch auslegen könne. (14,13; Ist aber kein Ausleger da, so schweige er in der Gemeinde und rede für sich selber und für Gott 14,28). Paulus plädiert für den Vorrang der Hermeneutik, also des Verstehens, der Deutung, der Auslegung – Religion als Lebensdeutung, Religion als Deutung aller Lebensäußerungen: wie wahr! – was könnte daran auszusetzen sein?

Vielleicht das: Jede Deutung bedeutet eine Distanzierung vom Geschehen. Deutung teilt und trennt – nämlich meinen Verstand vom Erlebnis. Deutend trete ich aus dem Geschehen heraus, stelle mich neben mich, schaue mir selbst über die Schulter. Manche kennen das von solchen Momenten auf einer Party oder in Gesellschaft, wenn wir uns nach ausgelassenen Momenten auf einmal fragen: Was mache ich eigentlich hier? Dann ist die Stimmung futsch.

Deutung ist immer Deutung von etwas und reden über etwas – nicht die Sache selbst. Deutung produziert unvermeidlich einen Verlust an Gegenwart, an Lebendigkeit. Nichts ist unlustiger als ein erklärter Witz und nichts langweiliger als ein fortlaufend gedeuteter Gottesdienst – außer man machte die Deutung selbst zum Witz, bzw. die Deutung zum Teil des Gottesdienstes wie in der Predigt.

Vielleicht ging und geht es also den Glossolalen um das Erleben der Sache selbst, in diesem Fall um das Wirken des Geistes, um die Erfahrung der Gegenwart Gottes: „die unmittelbare Gegenwart des ganzen ungeteilten Daseins“ wie der Schleiermacherfreund Henrik Steffens sie erst für das Reich Gottes in Aussicht stellt. Dann wäre die Forderung des Apostel Paulus nach Deutung der Glossolalie ein schlichtes Missverständnis – allerdings genauso die Meinung der Korinther, dass das glossolalische Charisma einen Ruhm vor den Menschen begründe.

Diesseits solcher Missverständnisse müssten wir dem unmittelbaren Erleben von Sprache und der direkten Erfahrung von Präsenz Gelegenheiten verschaffen: wie es z.B. in den schon erwähnten Lautgedichten geschieht, die unter Umgehung der inhaltlichen Dimension die Materialität von Sprache hörbar und sichtbar machen, allerdings für den gottesdienstlichen Gebrauch kaum geeignet erscheinen; oder in manchen Meditationsübungen, die immer und immer wieder dieselbe Silbe, dasselbe Wort oder denselben Satz wiederholen: „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner“ (hundertfach hintereinander wiederholtes Jesusgebet der orthodoxen Kirche).

Oder – für mich einleuchtender – wie wir es in der Musik erfahren, die, wenn sie nicht gerade als Programmmusik eine Geschichte erzählen will, Ausdruck ohne Inhalt – Lieder ohne Worte – darstellt. Musik ermöglicht eine einzigartige Zeiterfahrung – mit jeder Note und jedem Takt erleben wir die Gegenwart und wie sie vergeht. Es ist sicherlich kein Zufall, dass dem Glossolalie-Kritiker Paulus hier Musik und Musikinstrumente einfallen: Zither und Flöte und Posaune, ihre Laute und Töne, wobei diese gerade keine inhaltsbezogene Sprache sprechen aber in ihren Tönen und Tonfolgen dennoch Menschen erreichen, Menschen bewegen und Menschen verbinden. Für viele ist das Musikerlebnis Gottesdienst – und für nicht wenige ist es das mehr als eine Predigt. Das muss man nicht kritisieren. Vielleicht ist Musik nämlich gerade das, was einen Gottesdienst davor bewahrt, eine „langweilige Schulstunde“ zu sein. (So die eindrückliche Kennzeichnung eines evangelischen Gottesdienstes durch unseren Heidelberger Lehrer und Theologen Dietrich Ritschl.) Amen.

Kirchenvorstandswahl 2021 – Wahlergebnis

Logo "Engagiert" zur Kirchenvorstandswahl 2021

Herzlichen Dank und herzlichen Glückwunsch!

Die Kirchenvorstandswahl am 13. Juni hat folgendes Ergebnis gebracht. In der Reihenfolge ihres Stimmergebnisses mit jeweils deutlich über Zweidrittel der abgegebenen Stimmen (160; 12,4 % der Wahlberechtigten Mitglieder der Thomasgemeinde) wurden gewählt:

Tom Reinefeld, 138

Corinna Jäger, 133

Katrin Sünderhauf, 133

Dr. Kevin Grau, 132

Björn Sauer, 132

Dr. Anne Sophie Meine, 131

Peter Schirmer, 130

Prof. Dr. Christian Sprang, 126

Wir danken den Wählerinnen und Wählern aus der Gemeinde für das große Vertrauen und sagen dem neuen (alten) Kirchenvorstand: Herzlichen Glückwunsch!

Einen herzlichen Dank auch dem Wahlvorstand – (v.l.n.r.) Dr. Jan Nieswiodek, Wolfgang Nierhaus, Barbara Ward und Kerstin Riedel – der in großer Gelassenheit und Ausdauer bei frischer Luft und Sonnenschein die Wahl geleitet hat.

Bilderrätsel Religiöses Wiesbaden

Auf Schritt und Tritt begegnen einem religiöse Motive in unserer schönen Stadt. Allein die weithin sichtbaren Kirchen, aber auch vieles mehr zeigen überdeutlich Rang und Rolle von Religion in einer nur scheinbar säkularen Umwelt. Wir laden Sie ein, Texte und Bilder unseres Bilderrätsels zuzuordnen und die Fragen zu beantworten. Die ersten fünf Einsender mit vollständig richtigen Lösungen erhalten eine ganz und gar unreligiöse Wiesbadener Süßigkeit zur Belohnung.

Wir freuen uns auf Ihre Antworten bis 15. Juli unter: Thomasgemeinde.Wiesbaden@ekhn.de

Stadtspaziergang über den Nordfriedhof

Dienstag, 4. Mai 2021, 18.30 Uhr an der Trauerhalle

Anmeldung bitte unter Tel. 0611.52 35 46

Angelegt auf der Anhöhe zwischen Nerotal und Adamstal und 1877 eingeweiht, ist der Nordfriedhof heute der zweitgrößte Friedhof der Stadt. Wegen seiner Park- und Waldlandschaft und der vielen historistischen Grabmäler steht er als Ganzes unter Denkmalschutz. Er ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert, vor allem jetzt im Mai, wenn die Bäume blühen! Unseren Stadtspaziergang beginnen wir mit Pfarrer Dr. Neumann an der Trauerhalle mit einem Psalmgebet und erkunden dann einige der sepulkralen Kunstschätze und Kuriositäten des Nordfriedhofs. 

Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, melden Sie sich bitte telefonisch an unter Tel. 0611. 52 35 46. Bitte tragen Sie eine med. Maske und halten Sie zu jeder Zeit Abstand zueinander. Der Friedhof schließt um 20.00 Uhr. Bei starkem Regen fällt der Spaziergang aus. Änderungen unter www.thomasgemeinde.de

500 Jahre Reformationsjubiläum – Wormser Reichstag 1521

Vor genau 500 Jahren, im April 1521, machte sich Martin Luther von Wittenberg aus auf den Weg durch Thüringen, Hessen und Rheinhessen nach Worms, wo er vor dem dortigen Reichstag den Widerruf seines Standpunkts verweigerte. Der Reformator verließ die Stadt als Geächteter des Kaisers und reiste wieder zurück nach Thüringen, zur Wartburg.

“Hier gehe ich, ich kann nicht anders” (frei nach Luther)

Unsere für den 24. April 2021 geplante Pilgerwanderung nach Worms können wir aufgrund der geltenden Corona-Bestimmungen nun nicht gemeinsam unternehmen. Stattdessen laden wir Sie ein zu einer individuellen Pilgerwanderung zwischen Wiesbaden und Worms, bei der Sie sich ein Wegstück selbst aussuchen und in der nächsten Zeit, wann sich Ihnen die Gelegenheit bietet, erwandern: etwa auf dem RheinTerrassenweg durch die Weinberge von Nackenheim zur Katharinenkirche in Oppenheim oder von der Bergkirche von Osthofen zum Landschaftspark von Schloss Herrnsheim weiter  in Worms zum Dom, zum Luther-Denkmal oder zum jüdischen Friedhof…

Genaue Etappenvorschläge – vom Spaziergang bis zum Tagesausflug – finden Sie unter www.lutherweg1521.de  und www.rheinhessen.de/rheinterrassenweg

https://www.lutherweg1521.de

Schicken Sie ein Foto Ihrer Wanderung an neumann-klausphilipp@t-online.de. Wir setzen unseren Pilgerweg als gemeinsame Fotostrecke auf www.thomasgemeinde.de. Alle, die ein oder mehrere Fotos einschicken, bekommen als Dankeschön eine Flasche vom Weinberg der EKHN in Nierstein. 

Wir freuen uns auf Ihre Entdeckungen!

(Fotos: Klaus Neumann)

Bilder vom Lutherweg in Nierstein, Guntersblum und Trebur

500 Jahre Josquin Desprez († 1521)

Ob es Ludwig XI. oder Ludwig XII. war, dem Josquin, der wohl größte Komponist der Renaissance, einen Streich spielte, ist auch nach 500 Jahren noch nicht völlig geklärt. Auf jeden Fall war es der französische König persönlich, der den Meister um eine eigene Gesangspartie bat: er wolle bei einer Aufführung gerne einmal mitsingen. Josquin tat, wie ihm befohlen. Allerdings hielt er von den sanglichen Qualitäten des Königs so wenig, dass er dessen Stimme nur auf einem einzigen Ton komponierte.

Wer sich so etwas traut, weiß um seinen Wert. Nicht nur wegen seines kantigen Charakters wird Josquin oft mit Beethoven verglichen. Josquins Erneuerungen der frankoflämischen Vokalpolyphonie strahlten weit voraus bis hin zu J.S. Bach. Zwar sind die Stationen seines Lebens – St. Quentin, Aix-en-Provence, Paris, Mailand bei Kardinal Ascanio Sforza, Sixtinische Kapelle in

Rom, Mailand, Ferrara, zurück nach Nordfrankreich – nicht lückenlos rekonstruierbar. Aber einiges gilt doch als gesichert, z.B. dass Josquin 1503 in Ferrara als Kapellmeister am Hofe des Herzogs Ercole I. d’Este mit 200 Dukaten das höchste Gehalt verhandelte, das je ein Musiker dort erhalten hatte. Für den Herzog, eine schillernde, Pracht liebende Persönlichkeit, schrieb er eine ebenso prachtvolle Messe, die “Missa Hercules dux Ferrariae”. Schon zu Lebzeiten war sein Vorname in aller Munde, bei Herrschern, Musikern und Dichtern. In Italien verglich man ihn posthum mit Michelangelo. Als erstem Komponisten der Musikgeschichte wurde ihm ein Individualdruck seiner Messen mit dem hochmodernen Notendruckverfahren mit Metalllettern gewidmet. Eine größere Ehre gab es nicht.

Zu Josquins berührendsten Werken zählt die französische Trauermotette über den Tod Ockeghems, der 1497 an der damaligen Pandemie, der Pest, verstarb. Die “déploration de la mort de Jehan Ockeghem” imitiert mit fünf Stimmen den Stil des älteren Komponisten in unablässig ineinanderfließenden Linien über einem Cantus firmus aus dem Introitus “Requiem aeternam”. Ein pures Meisterwerk ist die “Missa Pange Lingua” für vier Gesangsstimmen. In der Regel singen höchstens drei Sänger je eine Stimme. Allen fünf Sätzen (Kyrie, Credo, Gloria, Sanctus und Agnus Dei) liegt der gleichnamige Hymnus von Thomas von Aquin zugrunde. Größere und kleinere Fragmente der berühmten Melodie ziehen sich nach den komplexen Regeln des Kontrapunkts echoartig durch das gesamte Stück. Gleichzeitig lässt Josquin kaum eine Gelegenheit der expressiven Ausdeutung des Textes durch die Musik aus und verleiht ihm dadurch noch mehr Tiefe. Mit Josquin setzt die Kunst der musikalischen Interpretation des Textes, später ein Hauptmerkmal des Barock, ein.

Luther schätzte Josquins Musik sehr und kannte sie in Form von Lautentabulaturen, also Transkriptionen von polyphonen Gesangsstücken für Zupfinstrumente. In den Tischreden schrieb er über den Nordfranzosen, der selbst nie in Deutschland gewesen war: “So hat Gott das Evangelium auch durch die Musik gepredigt, wie man an Josquin sieht.”

Anne Sophie Meine

CD-Tipps: The Tallis Scholars sing Josquin, Label Gimell 2015, mit “Missa Pange Lingua”; The Hilliard Ensemble: Missa Hercules Dux Ferrariae, Motets & Chansons, Label Plg Classics Warner 2004, mit “La déploration de la mort de Jehan Ockeghem”.

Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist

Jesus Christus spricht:
Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist.
(Lukasevangelium 6,36; Jahreslosung für das Jahr 2021)

Es versteht sich nicht von selbst, dass wir Gott für barmherzig und schon gar nicht, dass wir ihn für einen barmherzigen Vater halten. Gerade in Zeiten der Seuche könnte man ja auch auf das Gegenteil kommen, dass er grausam wäre, ein grausamer Herrscher, der uns Menschlein mit harter Hand straft und prüft und uns zeigt, wer der Herr ist. Es soll ja sogar solche Väter gegeben haben, die ihre Kinder mit harter Hand erziehen, getreu dem Bibelwort: „Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er, und er schlägt jeden Sohn, den er annimmt.“ (Hebräerbrief 12,6 nach Sprüche 3,12) Und es soll sogar Theologen gegeben haben, die diese Form der schwarzen Pädagogik als die höhere Barmherzigkeit verkauften, Pfui Teufel!

Wahr bleibt, dass weder Gottes Barmherzigkeit am Lauf der Welt ablesbar ist (was die Bibel übrigens auch nicht behauptet; wohl aber gibt es historische Momente göttlicher Barmherzigkeit!), noch dass alle real existierenden Väter zum Bild der Barmherzigkeit taugen (was ebenfalls den Autoren der Bibel nicht entgangen ist; wohl aber erzählen sie und nicht nur ausnahmsweise von löblichen Beispielen!). Dennoch wissen wir, auch wenn wir selbst keinen solchen erlebt haben sollten, was mit der väterlichen Barmherzigkeit gemeint ist und nicht umsonst hat sich in der Bibel das Gottesbild „Vater“ weithin durchgesetzt – nach eher zurückhaltenden Anfängen im Alten Testament hin zur dominanten Metapher bei Jesus, der uns seinen Vater im Himmel als unseren Vater zu glauben gibt: „Vater unser im Himmel …“

Was genau ist mit der väterlichen, genauer (wie gleich zu sehen ist): elterlichen Barmherzigkeit gemeint, mit der uns Gott begegnet und mit der wir anderen begegnen sollen? Barmherzigkeit ist eher Kraft als bloße Eigenschaft, und zwar die, die von sich selbst absieht und anderes Leben schenkt: einem anderen seiner selbst Platz zum Leben einräumt. Das wird bildlich überdeutlich sichtbar an einem der vielen Begriffe für Barmherzigkeit in der Hebräischen Bibel, der nämlich zugleich auch Mutterleib bedeutet.

Natürlich ist Barmherzigkeit als das Geschenk des Lebens nicht zuerst oder vor allem biologisch gemeint, sondern umfassend als Selbstzurücknahme, als Verzicht auf eigene Ansprüche zugunsten eines anderen, der seine Ansprüche nicht anmelden, geschweige denn durchsetzen kann. Der Barmherzige gibt von dem, was er zu viel hat, einem anderen, der davon zu wenig hat. Das müsste er nicht – aber vielleicht doch und deshalb hat die Bibel Alten Testaments neben die großen Bereiche des Straf- und des Kultgesetzes den nicht geringeren des Erbarmensgesetzes gesetzt, dessen Grund und Auftrag unser Bibelwort zusammenfasst: Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist.

Barmherzigkeit ist nach biblischem Verständnis nicht die philanthropische Kür der Privilegierten, die sie sich leisten können, sondern von Gott auferlegte Pflicht, sich von der Bedürftigkeit anderer anrühren zu lassen und mit ihnen die eigenen Lebensmöglichkeiten zu teilen. Sie ist der für eine gelingende Gesellschaft unverzichtbare Verzicht auf eigene Privilegien zugunsten von Solidarität mit denen, die weniger vom Leben haben, damit auch die leben können.

Klaus Neumann, Pfarrer