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Thomaskirche geöffnet

Wir freuen uns, wieder mit Ihnen Gottesdienst zu feiern!

Ab Juni feiern wir wieder zur gewohnten Zeit in der Thomaskirche um 10.00 Uhr (bzw. Familiengottesdienste um 11.00 Uhr).

Der Kirchenvorstand hat ein Sicherheitskonzept beschlossen, dem wir alle folgen müssen. Dazu gehört:

  • Bitte nehmen Sie den Sitz ein, der Ihnen vom Kirchenvorsteher gezeigt wird. Nur die Plätze, auf denen ein Gottesdienstblatt liegt, können belegt werden.
  • Bitte behalten Sie Ihre Maske während des Gottesdienstes auf.
  • Bitte halten Sie auch beim Ein- und Ausgang einen Abstand zu anderen Gottesdienstbesuchern von mindestens 2 Metern.
  • Bitte singen Sie bei den „Liedern ohne Worte“ nicht mit. Singen ist leider nicht erlaubt.
  • Bitte notieren Sie nach dem Gottesdienst Ihren Namen und Ihre Anschrift auf diesen Zettel und lassen Sie ihn auf Ihrem Platz liegen. (Wir sammeln die Blätter, verschließen sie in einem Umschlag und bewahren sie etwa drei Wochen auf für den unwahrscheinlichen Fall, dass eine Infektion dokumentiert werden muss.)

Wir danken Ihnen für die Beachtung und für Ihr Verständnis!

Der Kirchenvorstand der ev. Thomaskirchengemeinde

Lebendiger Adventskalender 2020

Eine ökumenische Aktion des Kath. Kirchorts St. Mauritius und der Ev. Thomasgemeinde

Beim Lebendigen Adventskalender trifft sich Groß und Klein zu Geschichten, Gedichten und Musik vom 28.11. bis 23.12. jeweils von 19.00-19.15 Uhr in einem Garten oder auf einer freien Fläche in der Nachbarschaft. Alle sind herzlich willkommen!

Bitte beachten Sie die geltenden Hygienevorschriften: nur im Freien, 1,5m Abstand, Maske, nicht singen, essen oder trinken und bitte mit eigenem Stift in die Teilnehmerliste eintragen. 

Wir suchen noch Gastgeber! Wenn Sie mitmachen möchten, freuen wir uns über Ihre Anmeldung möglichst bis zum 4.11.20 unter 0162.7474131 oder asmeine@gmx.de. Nähere Infos erhalten Sie dort.

Predigttext für den 19. Sonntag nach Trinitatis, 18. Oktober 2020

Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen und gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören. Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus. (Brief an die Epheser 4,22-32)

Gibt es ein Menschenrecht auf Party? Eher nicht – andererseits steht in einem der wichtigsten Texte zum Thema in christlich-aufklärerischem Geist das „Streben nach Glück“ ausdrücklich neben und nach „Leben“ und „Freiheit“ als den unveräußerlichen Rechten eines jeden Menschen (“We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.” Amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776).

Man konnte beinahe – liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde – beinahe den Eindruck bekommen, als sei das wichtigste Thema in dieser Zeit und das höchste Recht des Menschen, insbesondere des jungen Menschen – aber fühlen wir uns nicht alle jung, zumindest jünger als wir sind – als sei es das wichtigste Thema und Menschenrecht, dass der Mensch Spaß habe und feiere. Selbst gemeinhin seriöse Zeitschriften ließen ihre Edelfedern spitzen, um das Recht auf Party der feiernden Jugend gegen das Recht auf Leben von 90jährigen abzuwägen; ja es wurde vor einem neuen Biedermeier gewarnt, wenn nun womöglich für ein paar Wochen das lustige Treiben in Parks und Clubs der Hauptstadt und anderswo coronahalber einzuschränken wäre. Geht’s noch? Selbst dem Feierwütigsten müsste doch bei vorübergehender Nüchternheit einleuchten, dass Lebensrecht vor Feierrecht geht und Lebensschutz vor Partyschutz – sagt einer, der selbst der 90 deutlich näher als der zwanzig ist, also doppelt: aus Befangenheit und aus Betroffenheit. Zudem geht es ja nicht um das Ende der Party sondern nur um ihre Unterbrechung bis zum Ende der Seuche.

Allerdings könnte man doch auch schon fragen, was das eigentlich soll, was für eine Idee des Feierns (und also des Glücks, bzw. des Strebens nach Glück) diese Partykultur steuert, die sich nicht unterbrechen lassen will und nicht unterbrechen lassen kann. Aber vielleicht ist da gar keine Idee sondern bloß Lustprinzip und Spaßbefehl, reiner triebgesteuerter Hedonismus, den auch der Autor unseres Briefes meint und vor dem er warnt, wenn er von zugrunde richtenden, trügerischen Begierden spricht, oder in den Zeilen davor mahnt, nicht wie die Heiden zu leben „in der Nichtigkeit ihres Sinnes. Ihr Verstand ist verfinstert, und sie sind entfremdet dem Leben, das aus Gott ist, durch die Unwissenheit, die in ihnen ist, und durch die Verstockung ihres Herzens. Sie sind abgestumpft und haben sich der Ausschweifung ergeben, um allerlei unreine Dinge zu treiben.“ (Epheser 4,17-19) Verfinstert, entfremdet, verstockt, abgestumpft – zugedröhnt, würde man heute sagen – , der Ausschweifung ergeben – hier drückt jemand ordentlich auf die Spaßbremse.

Man nimmt an, dass Paulus und seine Schüler hier nicht nur einem spießig biedermeierlichen Ressentiment folgen, sondern auch auf Verdächtigungen der heidnischen Umwelt gegen die christliche Gemeinde reagieren, galt doch der Kultstifter Jesus als „Fresser und Weinsäufer“ (Matthäus 11,19) und der Geburtstag der Kirche konnte von Außenstehenden als Trinkgelage missverstanden werden („Sie sind voll des süßen Weins“ Apostelgeschichte 2,13).

Der in der Antike berühmt berüchtigte Bacchanalienskandal lag zwar einige Generationen zurück aber lastete dennoch auf dem kollektiven Gedächtnis. Damals (also 186 vor Christus) wurden die Bacchanalien, Feste zu Ehren des Gottes Bacchus, verboten und unterdrückt, wilde nächtliche drogengeschwängerte und alkoholgetränkte, auch sexuelle Ausschweifungen von Frauen und Männern in Parks und Gärten, die nach Meinung der Obrigkeit Sicherheit und Ordnung gefährdeten. Auch nach dem Verbot hat es sie weiterhin – aber möglichst reglementiert – gegeben (und sie leben bis heute als uralte heidnische Wurzeln in unseren Karnevalsfeiern fort). Sicherlich hat es sie auch in der Nachbarschaft der Christen gegeben – aber damit wollte Paulus nichts zu tun haben. Er grenzt sich und die Seinen mit geradezu protestantischer Schärfe und Klarheit davon ab.

Er grenzt sich ab, und zwar weder aus Ressentiment noch zuerst aus Furcht vor einer Kultverwechslung, sondern aus Gründen des Glaubens: Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Die Gegenüberstellung von altem und neuem Menschen ist eine berühmte Denkfigur des Apostel Paulus, die – wie die ähnliche Redeweise von äußerem und inneren Menschen – die zunächst nicht sichtbare aber alles verändernde neue Wirklichkeit der Auferstehung im alten Leben bezeichnet: Alles ist anders – auch wenn alles so aussieht wie vorher; alles ist neu – auch wenn oberflächlich alles beim Alten bleibt: äußerlich Sünder – in Wahrheit gerecht, gerecht gesprochen durch Gott: „simul justus et peccator“ in der berühmten Wendung Luthers (Luther, Vorlesung über den Römerbrief 1515/16).

Dieser Rechtfertigung aus Glauben als innerem Geschehen entsprechen die menschlichen Versuche der Heiligung des Lebens nach außen, die hier der Apostelschüler in Anlehnung an 10 Gebote und Bergpredigt mit Beispielen beschreibt: Nicht Lügen, keine – auch keine verbale Gewalt (Die Anregung, lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen, hat schon manche Ehe gerettet.), nicht Stehlen! Besonders zeitgemäß klingt die Warnung vor faulem Geschwätz, vor Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung und aller Bosheit. (Hier kann jeder mit seinen Gedanken eintragen, was ihm an Beschimpfungen durch andere Verkehrsteilnehmer, an Pöbeleien wenig liebenswerter Zeitgenossen, an Gelegenheiten, wenn man mal wieder für dumm verkauft werden sollte, so einfällt – vorausgesetzt man gedenkt der eigenen Liebenswürdigkeiten, mit denen man andere bedacht hat, gleich mit.) Weg mit dem faulen Geschwätz!

Es kann ja eigentlich gar nicht anders sein, als dass das neue Wesen des Menschen von innen nach außen drängt; andererseits bleibt es draußen bis auf einige wenige Zeichen und Wunder als Vorzeichen der endgültigen Gottesherrschaft vorerst beim Alten; das heißt, die menschlichen Bemühungen um ein besseres, heiliges Leben sind insgesamt zum Scheitern verurteilt und auf Vergebung angewiesen: vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus. Das wäre nur dann ein überflüssiger Rat, wenn unsere Bemühungen der Heiligung nachhaltig wären, sind sie aber nicht! Und deshalb ist der Rat zu Vergebung hier wie so oft Fluchtpunkt und Pointe des heiliggemäßen Lebens: vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

Was bleibt aber von den unveräußerlichen Rechten auf „Leben, Freiheit und Streben nach Glück“, zu dem selbstverständlich auch Fest, Feier und Party gehören – zu ihrer Zeit, die eben jetzt nicht in Zeiten der Seuche ist. Wir würden ja als Einzelne genauso wenig fiebrig und krank feiern gehen – also auch nicht, wenn die Gesellschaft insgesamt fiebert und krankt. Es werden auch wieder andere Zeiten kommen.

Von einem Zeitfaktor spricht auch unser Bibeltext: betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Als Tag der Erlösung wird uns das Ende der Seuche sicherlich vorkommen; auch wenn hier im Bibeltext Erlösung natürlich in einem viel umfassenderen Sinn gemeint ist. Keine Feier kann uns von den Leiden des Lebens erlösen – und wahrscheinlich ist genau das das Problem mit uns und unseren Partys: dass wir sie missverstehen, dass wir sie nicht zur Feier unseres Lebens sondern als Flucht aus dem Leben missbrauchen, dass sie uns darin trügerische Begierden werden und zugrunde richten.

Deswegen und dagegen ruft uns der Apostelschüler zur Ordnung: Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Amen.

Ökumenische Hubertusandacht an der Feldkapelle

Sonntag, 18. Oktober 2020, 17.00 Uhr

Hubertusandacht. 2019

Mit Pfarrer Dr. Klaus Neumann und Pastoralreferent Stefan Herok

Wie jedes Jahr laden Sie die ev. Thomasgemeinde und der kath. Kirchort St. Mauritius herzlich zur ökumenischen Hubertusandacht ein, die ganz in der Nähe der beiden Kirchen, an einem besonderen Ort in der Natur gefeiert wird: an der Feldkapelle im Tennelbachtal.  Das Parforcehorncorps Jagdschloss Platte unter der Leitung von Karl-Heinz Kliegel begleitet die Andacht mit prächtiger Blasmusik. 

Wir freuen uns, Sie dort zu sehen!

Bitte achten Sie auf einen Abstand von 1,5m zu Ihrem Nachbarn, tragen sich in die Teilnehmerliste ein und tragen Sie einen Mund-Nasen-Schutz. Vielen Dank!

Bei starkem Regen wird die Andacht kurzfristig abgesagt.

Parforcehorncorps Jagdschloss Platte

 

Gemeindefest zum Erntedank Sonntag, 27. September – Update Bilder

Am Sonntagnachmittag, 27.9.2020, feiern wir unser Gemeindefest auf dem baumbestandenen Vorplatz der Thomaskirche und laden Groß und Klein herzlich dazu ein!

15.00 UhrFamiliengottesdienst zum Erntedank

mit Pfarrer Dr. Klaus Neumann und Gemeindepädagoge Achim Hoock

Der Altar mit Früchten

ca. 16.00 Uhr – Open air-Klavierkonzert bei Kuchen und Getränken

Gabriela Blaudow und Alesja Herb spielen vierhändig Feurig-Virtuoses von Brahms, Dvoràk und Liszt und schwungvolle Stücke aus Jazz und Moderne.

Gabriela Blaudow und Alesja Herb (vorne) am Flügel

ab 17.00 UhrGrillen und Ausklang

Bitte beachten Sie die geltenden Hygieneregeln vor Ort und bringen einen Mund-Nasen-Schutz mit.

Johannes Brahms’ “Schicksalslied” nach Friedrich Hölderlin

Das Jahr 2020 kennt neben Beethoven noch einen weiteren großen Jubilar. Vor 250 Jahren, am 20. März 1770, wurde Friedrich Hölderlin geboren, einer der größten deutschen Dichter – zu seiner Zeit nur von wenigen erkannt und erst im 20. Jahrhundert rezipiert, etwa von nicht weniger als 20 Komponisten. Von der strengen Mutter für das evangelische Pfarramt vorgesehen, konnte sich Hölderlin nie dazu durchringen. Die Poesie galt ihm alles. Als hochgebildeter, von der griechischen Antike faszinierter „Sprachkünstler” erneuerte er die traditionellen Gedichtformen und schuf in seinem Roman “Hyperion”, in seinen Hymnen, Oden und Elegien einen bis dahin ungekannten Ton von hohem Pathos und außergewöhnlicher Musikalität. Selbst wenn man seine Gedichte nicht kennt, hat man vielleicht schon von seiner bewegten Biografie, seiner tragischen Liebe zu Suzette, der Frau des Frankfurter Bankiers Gontard, oder vom Tübinger “Hölderlin-Turm” gehört, wo der an einer schweren Psychose erkrankte Dichter von 1806 bis zu seinem Tod 1843 bei einer Schreinerfamilie untergebracht war und von ihr gepflegt wurde. Einen guten Einstieg in Hölderlins Welt bietet z.B. das “Schicksalslied” für Chor und Orchester von Johannes Brahms. In seiner Schönheit und Dramatik erinnert das im Sommer 1868 begonnene Werk an Brahms’ Deutsches Requiem von 1867. Die emotionale Fallhöhe des Gedichts aus “Hyperion” setzt der Komponist in einen quasi lichtdurchfluteten, schwebenden ersten Teil und einen stürmischeren, düsteren zweiten Teil um. Beim dritten Teil, der Wiederholung des sanften Anfangs, war sich Brahms auch noch nach der Uraufführung 1871 unschlüssig. Er beließ es dabei. Das Gedicht endet in Verzweiflung – die Musik aber sollte, wie das Requiem, mit der Hoffnung ausklingen.

Anne Sophie Meine

Schicksalslied
aus Hölderlins Roman “Hyperion oder
der Eremit in Griechenland” (1797/99)

Ihr wandelt droben im Licht
Auf weichem Boden, selige Genien!
Glänzende Götterlüfte
Rühren euch leicht,
Wie die Finger der Künstlerin
Heilige Saiten.
Schicksallos, wie der schlafende
Säugling, atmen die Himmlischen;
Keusch bewahrt
In bescheidener Knospe,
Blühet ewig
Ihnen der Geist,
Und die seligen Augen
Blicken in stiller
Ewiger Klarheit.
Doch uns ist gegeben,
Auf keiner Stätte zu ruhn,
Es schwinden, es fallen
Die leidenden Menschen
Blindlings von einer
Stunde zur andern,
Wie Wasser von Klippe
Zu Klippe geworfen,
Jahr lang ins Ungewisse hinab.

Mehr zu Hölderlin unter www.hoelderlin2020.de: mit vielen interessanten Texten, (virtuellen) Ausstellungen, Gesprächen und Radio-Podcasts.
Lyrik-CD: Friedrich Hölderlin: Gedichte. Mit Mathias Wiemann. SWR2 Lesung
1947/1956, SWR edition 2013.
Musik-CD: J. Brahms: Werke für Chor und Orchester, u.a. Danish National Choir & SO, Gerd Albrecht, Chandos 2004.

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie die große Tiefe. Herr, du hilfst Menschen und Tieren. Wie köstlich ist deine Güte, Gott, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben! Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. (aus Psalm 36).

Mein Lieblingspsalm spricht und singt von der alles umfassenden Gnade Gottes, der Leben und immer mehr und neues Leben schenkt. Ich spreche ihn bei den meisten Tauf- und Traugottesdiensten, die in besonderer Weise Feste des Lebens sind, das Leben feiern, und spreche ihn auch sonst gern, und denke an ihn in der Natur, am Meer, in den Bergen, unter weitem Himmel: Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist. Auch in diesem Jahr ist das so, in dem so vieles anders ist oder doch anders scheint. Eindringlich, vielleicht eindringlicher als sonst oft vermittelt die Seuche die Zerbrechlichkeit unseres menschlichen Lebens; aber wer einmal ernsthaft krank war oder einen Sterbenden begleitet hat, wusste das eigentlich schon vorher, dass wir zerbrechlich, dass wir sterblich sind; das wussten ja schon die alten Griechen, die die Menschen die „Sterblichen“ nannten und in der Bibel steht es natürlich auch: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden (Psalm 90,12).

Auch unsere Psalmverse wissen davon, deuten das an, wenn von Hilfe, von Zuflucht, von Licht die Rede ist: Hilfe wovor, Zuflucht wohin, Licht in der Dunkelheit? Ohne diese Tiefendimension, ohne den Schatten über dem Bild, das der Psalm zeichnet, wäre es bloß Kitsch, ein alberner Schlager oder leerer Trivialroman. Der könnte uns allenfalls betäuben, aber nicht erheben, was er doch tut. Menschliches Leben ist hilfsbedürftig, braucht Zuflucht und Schutz, sucht Orientierung, wenn es geht, Orientierung am Licht des Lebens, damit wir nicht im Dunkeln herumirren. Zerbrechlichkeit und Sterblichkeit kränken unseren Anspruch auf Autonomie, wieso es nur folgerichtig, aber absurd ist, dass viele Menschen und mittlerweile sogar das meistens doch ganz vernünftige Bundesverfassungsgericht den selbstgewählten Tod – also die definitive Negation von Autonomie – für den letzten Test und entscheidenden Ausdruck menschlicher Selbstbestimmung halten.

(Dass wir diesem Urteil des Gerichts weniger als die notwendige Beachtung und Kritik zuwenden, gehört zu den Kollateralschäden der Seuche, die alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.) Das Leben aktiv zu beenden oder dabei zu helfen, darf nicht für staatliche oder ärztliche Pflicht gehalten werden, sondern vielmehr die Fürsorge der Lebenden für die Sterbenden. (Und dass in Zeiten der Seuche so viele Menschen unbegleitet und ungetröstet sterben mussten, das ist allerdings ihr größter Schaden.)

So wie Religion möglicherweise im Bestattungskult einen Ursprung hat, so lässt sich – glaube ich – umgekehrt unser Sterben nicht ohne den Glauben denken und ertragen. Mit dem Leben hat uns Gott das Sterben gegeben, leben können heißt sterben müssen (was hier religiös gemeint ist, aber auch biologisch stimmt.) Unsere Aufgabe als Menschen, unsere Lebensaufgabe besteht darin, das Geschenk unseres Lebens anzunehmen – zu feiern! – und dabei dem, der uns das Leben gab, so zu vertrauen, dass wir es loslassen können, wenn er es uns wieder nimmt. Nicht zufällig bildet der Himmel den Ort ab, an den uns Gott nach dem Tod führt: Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist – viel weiter, als wir uns das denken können.

Klaus Neumann, Pfarrer

Ökumenischer Freiluft-Gottesdienst zum Tag des Apostels Thomas am 3. Juli 2020 – Update Bilder

Die Ev. Thomasgemeinde und der kath. Kirchort St. Mauritius laden Sie herzlich ein zum ökumenischen Freiluft-Gottesdienst zum Tag des Apostels Thomas am Freitag, 3. Juli 2020, um 20.00 Uhr vor der Thomaskirche.

Mit Pfarrer Dr. Klaus Neumann und Pastoralreferent Stefan Herok

Gabriela Blaudow am Klavier

Nachdem sich unser Johannisgottesdienst am 20. Juni solch großen Zuspruchs erfreut hat, möchten wir die Reihe der sommerlichen Freiluft-Gottesdienste gerne fortsetzen! Am 3. Juli geht es um den Namensgeber der Thomaskirche.

Bitte tragen Sie einen Mund-/Nasenschutz. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Bei Regen wird der Gottesdienst kurzfristig abgesagt.

Ökumenische Pilgerwanderung am Samstag, 13. Juni 2020 – Update Bilder

Bilder der Wanderung

Eine unserer Veranstaltungen, die wir vor der Corona-Zeit angekündigt hatten, musste nicht abgesagt werden und kann also stattfinden – vorausgesetzt, wir halten genügend Abstand zueinander: Zur ökumenischen Pilgerwanderung der Thomasgemeinde und St. Mauritius laden wir Sie herzlich ein!

Wir treffen uns am Samstag, 13. Juni 2020, um 9.00 Uhr am Kloster Klarenthal und wandern auf abwechslungsreichen Wegen in schöner Natur bis zum Kloster Eberbach.

Postkarte vom Kloster Klarenthal – © Virtuelles Stadtteilmuseum Wiesbaden-Klarenthal
Kloster Eberbach

Die Rückfahrt ist individuell mit Bus und Bahn. Gute Kondition und festes Wanderschuhwerk sind erforderlich. Die Wanderung dauert mehrere Stunden und führt über einige hundert Höhenmeter. Bei schlechtem Wetter (Dauerregen, Gewitter, Sturm) fällt die Pilgerwanderung aus.

Wir freuen uns auf die gemeinsame Wanderung!

Pfarramt der Thomasgemeinde: Tel. 0611. 52 35 46