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Thomaskirche geöffnet

Wir freuen uns, wieder mit Ihnen Gottesdienst zu feiern!

An den Maisonntagen (10. Mai, 17. Mai und 24. Mai) bis Pfingsten halten wir das Mittagsgebet zum Glockenschlag am Sonntag um 12.00 Uhr, zu dem wir die Gemeinde nun wieder in die Kirche einladen dürfen.

An Christi Himmelfahrt feiern wir gemeinsam mit der Versöhnungsgemeinde Gottesdienst im Kurpark am 21. Mai um 11.00 Uhr, an der gewohnten Stelle (links von der Dietenmühle).

An Pfingsten, 31. Mai, feiern wir erstmals wieder Gottesdienst zur gewohnten Zeit um 10.00 Uhr in der Thomaskirche.

Und am Pfingstmontag treffen wir uns zu unserer kleinen ökumenischen Prozession um 9.30 Uhr an der Mauritiuskirche mit anschließendem kurzen Gottesdienst in der Thomaskirche. Ab Juni feiern wir wieder zur gewohnten Zeit in der Thomaskirche um 10.00 Uhr (bzw. Familiengottesdienste um 11.00 Uhr).

Der Kirchenvorstand hat ein Sicherheitskonzept beschlossen, dem wir alle folgen müssen. Dazu gehört:

  • Bitte nehmen Sie den Sitz ein, der Ihnen vom Kirchenvorsteher gezeigt wird. Nur die Plätze, auf denen ein Gottesdienstblatt liegt, können belegt werden.
  • Bitte behalten Sie Ihre Maske während des Gottesdienstes auf.
  • Bitte halten Sie auch beim Ein- und Ausgang einen Abstand zu anderen Gottesdienstbesuchern von mindestens 2 Metern.
  • Bitte singen Sie bei den „Liedern ohne Worte“ nicht mit. Singen ist leider nicht erlaubt.
  • Bitte notieren Sie nach dem Gottesdienst Ihren Namen und Ihre Anschrift auf diesen Zettel und lassen Sie ihn auf Ihrem Platz liegen. (Wir sammeln die Blätter, verschließen sie in einem Umschlag und bewahren sie etwa drei Wochen auf für den unwahrscheinlichen Fall, dass eine Infektion dokumentiert werden muss.)

Wir danken Ihnen für die Beachtung und für Ihr Verständnis!

Der Kirchenvorstand der ev. Thomaskirchengemeinde

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Einander beistehen

Liebe Gemeindemitglieder,
liebe Nachbarinnen und Nachbarn
der ev. Thomasgemeinde!

Durch das Corona-Virus sind viele Dinge, die uns bisher selbstverständlich waren, derzeit nicht mehr möglich. Sie sollen aber wissen, dass wir gerade auch jetzt in dieser schwierigen Situation für Sie da sind! Einander beistehen, das können und wollen wir auch jetzt. Für ein seelsorgerliches Gespräch steht Ihnen Pfarrer Dr. Klaus Neumann gerne telefonisch unter 0611/52 35 46 zur Verfügung. 

Wir laden mit vielen anderen Gemeinden dazu ein, jeden Mittag gegen 12.00 Uhr, wenn die Glocken läuten, einen Moment innezuhalten und ein Vaterunser oder ein anderes Gebet zu beten: miteinander, füreinander, für die Kranken, für ihre Familien. Auch am Sonntag soll es um 12.00 Uhr für das gemeinsame Gebet läuten.

Ganz praktisch bieten wir Ihnen zusammen mit unserer katholischen Nachbargemeinde St. Mauritius unsere Hilfe an: Wer selbst auf Hilfe angewiesen ist und keine Angehörigen in der Nähe hat, den unterstützen wir gerne, in dem wir für Sie einkaufen. Wenden Sie sich hierfür bitte telefonisch an:

Anne Sophie Meine unter 0162/7474131 oder
Katrin Sünderhauf unter 0172/99 72 889 oder das
Pfarramt der Thomasgemeinde unter 0611/52 35 46.

Das Phänomen der Stille

In der Anfangszeit der Krise, als der Alltagslärm verstummte, nahmen wir alle plötzlich wieder wahr, wie still es sein kann. Seit es ihn gibt, horcht der Mensch. Er muss die Stille deuten. Ist eine unsichtbare Gefahr im Verzug? Oder ist sie Ausdruck des Friedens? Ganz still ist es nie. Naturgeräusche gehören dazu. Das Singen entstand daraus, und aus ihm die Musik. Sie ist wiederum ohne Stille nicht denkbar, denn Musik wird von Stille eingerahmt. Eine gezähmte Stille, in ihrer Dauer sauber notiert und gezielt gesetzt, ist die Pause. Dauert sie länger als erwartet, wird sie zur Stille umgedeutet. Der Mensch horcht auf (wie wir heute): Was passiert hier? Wann geht es weiter?

Eine unglaubliche Idee übernahmen die antiken Pythagoräer von den Babyloniern: die Sphärenharmonie. Sie stellten sich die Strecke von der Erde zum Himmel als gespannte Saite vor, die von den umlaufenden Planeten in exakten Höhenverhältnissen zum Schwingen gebracht wird. Dass ausgerechnet der Mensch die Sphärenharmonie nicht hören kann, war noch lange kein Argument gegen ihre Existenz. Die Idee wurde Jahrhunderte lang immer wieder diskutiert. Schließlich überwog die uns heute noch prägende Dialektik: Musik ist das Hörbare – Stille ist ihr Gegenteil.

Der Barockmusiker Johann Sebastian Bach setzte die längere Generalpause als rhetorische Figur ein, die z.B. in beiden Passionen den Tod Christi nach den Worten „…und verschied“ eindrucksvoll symbolisiert. Ein Freigeist wie Beethoven nutzte oft sehr dramatische Pausen. Ein Beispiel: Im Schlusssatz der 9. Sinfonie (1824 in Taubheit komponiert) schmettert der Chor mit voller Kraft: „und der Cherub steht vor Gott, vor Gott, vor Gott!“ Es folgt eine kurze, aber umso wirkungsvollere Pause: das ganze Gefüge hängt für einen atemlosen Moment in der Luft. Und dann folgt ein völlig neuer Teil. Noch dramatischer geht es in Igor Strawinskys Skandal-Ballett „Frühlingsopfer“ (1913) zu. Der erste Teil endet in einem irrsinnigen Tumult, der brutal abbricht. Ein unheilvolles Vorzeichen. Denn im leise beginnenden zweiten Teil wird nach heidnischem Ritus ein Mensch geopfert.

Den schmalen Grad zwischen Musik und Stille kannte niemand besser als Franz Schubert. Kurz vor seinem frühen Tod (1828) schrieb er sein Streichquintett C-Dur. Im Adagio gibt es eine sehr leise Stelle, wo die fünf Streicher wie blind und taub nach der Musik zu tasten scheinen. Die Pausen sind zwar sauber notiert, doch die Töne ergeben keinen Sinn mehr. Für einen Moment löst sich die Musik ins Nichts auf. Ganz ähnlich verfährt Arvo Pärt im 2. Satz „Silentium“ im Stück „Tabula Rasa“ (1977). Es bleiben –wie am Ende von Haydns Abschiedssinfonie – zwei Streichinstrumente übrig. Immer tiefer und leiser werdend, nähern sie sich der Stille an und verschmelzen schließlich mit ihr. Die Stille ist hier nicht mehr Gegenteil, sondern Teil der Musik.

Und schließlich John Cages „4‘33“. (1952) Der Musiker spielt viereinhalb Minuten: nichts. Cage dreht die Konzertsituation um. Also wird das Publikum unruhig und lauscht. Es horcht in sich hinein. Es nimmt den eigenen Atem, die Geräusche der anderen, die knisternde Stille wahr. Man könnte dies für einen simplen Kunstscherz halten, doch Cage führt hier etwas vor, was wir so oft vergessen. In der Stille schärft man seine Sinne und bemerkt vieles mehr als erwartet.

Anne Sophie Meine

CD-Tipp: Franz Schubert: Adagio aus Streichquintett C-Dur, Alban Berg Quartett, Heinrich Schiff; EMI. Arvo Pärt: Tabula Rasa: Viktoria Mullova, Paavo Järvi; Onyx.

Predigttext für den 24. Mai 2020, 6. Sonntag nach Ostern, Sonntag „Exaudi“, Konfirmation

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken. (Buch des Propheten Jeremia 31,31-34)

Binden, band, gebunden:

Zu den verständlichen und doch abwegigen Anliegen von Gemeinden, gehört der Wunsch, ihre Gemeindejugend, also auch die ehemaligen Konfirmanden „einzubinden“. Mein Kollege aus einer anderen Gemeinde erzählte auf seine ganz eigene Weise von der Vision, die sich seinem stets hellwachen Geist daraufhin unweigerlich einbildete: Er sieht ein Bündel Jugendlicher, gefesselt und geknebelt in einem dunklen Verlies hungernd und dürstend wie der Graf von Monte Christo im Chateau D´If vor Marseille – das müssen wir uns mal wieder anschauen nach Corona, aber von außen – also gefesselt und geknebelt irgendwo tief unter der Kirche – eingebundener in die Gemeinde geht’s nicht.

Zum Bund gehört Freiheit, sowohl beim Bundesschluss als auch im Bund selbst: Der große Theologe Karl Barth deutet die Bundeschlüsse zwischen Gott und den Menschen in der Bibel so: „Gott bindet sich in freier Liebe an den Menschen“. Barth meint, dass Gott ja auch ganz anders könnte, dass er aber auf seine absolute Freiheit verzichtet und sich um der Liebe zu den Menschen willen an sie bindet – mit allen Konsequenzen: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Johannes 3,16). Barth hat recht. (Auch wenn er das mit der gebundenen Freiheit in seinem eigenen Ehebund nicht so ganz hingekriegt hat. Fragt Eure Eltern, wie das geht mit dem Ehebund und der Freiheit, die sich in Liebe bindet und dabei so viel – nicht nur Euch! – auch Freiheit gewinnt.)

Die Bibel berichtet von einer Reihe von Bundeschlüssen Gottes mit den Menschen – Noah, Abraham, Mose, Jesus – und spricht dabei auch im Alten Testament immer wieder vom Neuen Bund. (Das ist erklärungsbedürftig: Die Begriffe Altes Testament und Neues Testament übersetzen und bezeichnen – durchaus missverständlich – alten und neuen Bund; missverständlich deshalb, weil es in der Bibel, wenn es um Bund geht, nicht um das geht, was wir heute unter einem Testament verstehen, und weil alt und neu weder auf die beiden Teile der Bibel anzuwenden und zu verteilen ist, noch im Sinne von veraltet und ungültig einerseits und aktuell und gültig andererseits zu verstehen ist. Ein neues Testament bei uns ersetzt das alte; das ist mit den Begriffen Altes Testament und Neues Testament für die beiden Teile der Bibel genau nicht gemeint – außer man missversteht sie, vielleicht sogar absichtlich, was leider immer und immer wieder und immer noch passiert, vgl. den unfassbaren Berliner Streit um das Alte Testament vor ein paar Jahren, als ein Theologieprofessor der Humboldt-Universität behauptete, das Alte Testament – also Schöpfung, Noah, Abraham, Jakob, Mose, Jesaja, die Psalmen …! – gehöre nicht zum christlichen Glauben.)

Der Prophet Jeremia spricht jedenfalls eindeutig im Alten Testament vom neuen Bund, durch den Gott die Beziehung – die Bundesbeziehung – zu seinem Volk erneuern will: Ohne – und das ist nun echt wichtig! – ohne den „alten“ Bund aufzuheben, richtet Gott einen „neuen“ Bund auf. Der Prophet bezieht sich auf den „alten“ Bund mit Mose am Sinai, mit den Zehngeboten und dem ganzen Rest. Der ist von seinem Volk gebrochen worden – so wie ja auch von uns: durch Lügen und Betrügen, durch Stehlen und Begehren, in der Liebe und in der Religion immer und immer wieder gebrochen worden. Jetzt geht es Gott durch seinen Jeremias darum, die Beziehung trotz allem zu erneuern, zu bekräftigen, zu bestärken, zu revitalisieren!

Das Alte bewahren und das Neue ermöglichen! Was sich anhört wie der mittelmäßige Werbespruch einer wohlmeinenden aber etwas einfallslosen Volkspartei im ländlichen Raum – denken wir an Eckernförde oder Wanne-Eickel – fasst die prophetische Botschaft ganz gut zusammen. Das Alte bewahren und das Neue ermöglichen!

Und Jeremia gibt dazu drei ganz entscheidende Hinweise, die seiner Meinung nach das Neue des neuen Bundes ausmachen (ob die jeweils wirklich neu sind gegenüber dem Sinaibund mit Mose, sei dahingestellt). Bei der Gelegenheit, kann man ja gleich mal schauen, ob unser Konfiunterricht zu diesen Hinweisen passt.

1. Gott spricht: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben. „Learning by heart“ und „Knowing by heart“ – das heißt: etwas auswendig lernen und dann wissen. Man braucht also kein Buch mehr oder eine Computer-Cloud, um etwas zu wissen: sondern man hat es im Herzen geschrieben stehen. Es ist kein äußerliches Wissen mehr, sondern es gehört ganz tief zu einem da drin. Paradoxerweise ist ja gerade das die Kritik und der Grund, wieso wir nicht mehr die Konfirmanden auswendig lernen lassen: Das sei dann eben gerade nicht innerliches zu Herzen gegangenes Wissen, sondern plapperndes Papageiengeschwätz, pädagogisch nichts wert, schon gar nicht die mühevolle Aneignung. Ob wir uns da mal nicht täuschen. Ich z.B. bin kein guter Auswendiglerner, habe mich in der Schule immer vor dem großen Balladenaufsagen gedrückt, verhaspel mich wenn ich Pech habe und aufgeregt bin (und das bin ich im Gottesdienst immer) sogar beim Vaterunser oder beim Segen, aber was ich bei den Pfadfindern, im Kirchenchor, als Student – und merkwürdigerweise auch als Schüler in England: learning by heart – an Texten und Liedern gelernt habe, das sitzt tief und fest im Herzen und gehört jetzt zu mir. Es ist verinnerlicht – so ist das hier gemeint und gewollt beim Propheten Jeremia. Da müsst ihr also was nachholen, liebe Konfirmandinnen. (0:1 gegen unseren Konfiunterricht. Können wir das aufholen, den Anschlusstreffer erzielen, das Spiel noch umdrehen.)

2. Es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr . Das Herzenswissen, das Gott in seinem neuen Bund in unsere Herzen legt, ist kein Herrschaftswissen. Auch das ist auf eine überraschende Weise zutreffend. Es gibt kein Weisheitsprivileg für Alter und Erfahrung; das alberne Ausflugslied von den blauen Bergen und dem um keinen Deut klügeren Lehrer als seine Schüler bewahrheitet sich jederzeit tagtäglich in Schule und Gemeinde. Es kann einem als Pfarrer passieren, dass einem morgens der Knirps im Kindergarten etwas erklärt – von der Güte Gottes oder der Liebe einer Mutter – was der akademische Ruheständler auch im 100. Treffpunkt Theologie abends nicht begreifen wird. In den nicht so schwierigen Themenfeldern wie Quantenmechanik, Astrophysik oder Mikrobiologie mag das Schüler-Lehrer-Verhältnis gerechtfertigt sein; bei den wirklich wichtigen Dingen des Lebens – Wahrheit, Gerechtigkeit, Erbarmen und Liebe – gibt es andere Übertragungswege, die uns noch viel unbekannter sind als die einer Virusinfektion. Es könnte also für reine Anmaßung gelten, wenn wir uns im Konfiunterricht als Lehrer aufspielen und die anderen für unsere Schüler halten. Zumal wir es ja immer wieder erleben, dass die Lehrer von den Schülern mehr gelernt haben als umgekehrt. (Oje, 0:2, „Hoch werd mas nimma gwinnen“ – „Hoch werden wir das Spiel nicht mehr gewinnen“ – das waren die unsterblichen Worte des österreichischen Fußballers Anton Pfeffer beim Qualispiel gegen Spanien 1999 in der Halbzeitpause, als es 0:5 gegen unsere österreichischen Freunde stand; er sollte recht behalten, am Ende gabs ein 0:9, eine Jahrhundertklatsche. Wird es uns auch so gehen? Gemach, einer geht noch!)

3. (Wir sind immer noch bei den Hinweisen des Jeremias zum neuen Bund: 3.) Und letztens: Gott spricht: „Ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken“ Glück gehabt! Gott vergibt den ärgsten Sündern, also sogar seinen Dienern. Wie im Fußball werden Tore nicht einfach gezählt sondern gewichtet; manche Treffer zählen mehr. Die Big Points! Und so ist das auch mit Gottes Gnade, die allemal mehr zählt als unsere Verfehlungen. An den eigenen Ansprüchen gescheitert, haben wir doch gewonnen, wenn Gott auf unserer Seite ist.

Es waren die Propheten des Alten Israel, die das entdeckt haben, was man das Erbarmensgesetz nennen kann und das Jesus später in das Zentrum seiner Verkündigung gestellt hat: Schon dass Gott einen Bund mit seinem Geschöpf schließt, ist ja reine Gnade; dass er uns Menschen durch menschenfreundliche Gebote Lebensmöglichkeiten gibt, Räume eröffnet, auch durch menschengemäße gute Regeln, ist schon Barmherzigkeit: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, wie es Mose überliefert hat und Jesus aufnimmt.

Aber dass Gott – wie hier beim Propheten Jeremias – die Vergebung zum Prinzip seines Handelns macht uns zum Vorbild, lässt ganz zu Recht von einem neuen Bund sprechen. Weil ich auf die Vergebung Gottes hoffen kann, bin ich frei – so frei, dass ich anderen ebenfalls vergeben und sie dadurch befreien kann. So sollen wir ja beten: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern! Weil Gott mich von meinen Verfehlungen freispricht, bin ich nicht mehr an meine Vergangenheit gefesselt – und kann andere von ihren Vergangenheiten lösen.

Höchste Zeit also, die Jugendlichen aus den Kellerverliesen der Kirchen zu befreien, mit der Fackel in der Hand die Finsternis zu erleuchten, die Fesseln falscher Vorstellungen über Gott und die Welt zu lösen – und in die Welt zu entlassen, nach und nach.

Umso schöner wenn wir uns dann und wann, gerne bald mal – freiwillig! – wiedersehen. Auf Wiedersehen in der Freiheit der Kinder Gottes!

Klaus Neumann, Pfarrer

Einfach spitze – für die Kinder

Liebe Kinder!
Wir möchten Euch zum Himmelfahrtstag eine Geschichte erzählen…

Außerdem haben wir hier einige Lieder aufgenommen, die wir oft singen. Hier könnt ihr mitsingen und tanzen, die Bewegungen kennt ihr ja! Viel Freude damit und wir freuen uns, wenn wir uns bald wiedersehen!

Einfach spitze…
Er hält die ganze Welt
Vom Anfang bis zum Ende
Wir singen alle Hallelu

250 Jahre Ludwig van Beethoven (1770-1827): Die Missa solemnis (1824)

Das berühmteste aller Beethoven-Portraits (J.F. Stieler, 1820) zeigt den großen Jubilar mit selbstbewusstem, sinnendem Blick, romantischer Sturmmähne, feuerrotem Tuch und einem Skizzenbuch in der Hand. „Missa solemnis“ steht auf dem Deckblatt. Beethoven selbst nannte sie mehrmals sein „größtes Werk“. Kaum ein Stück hatte ihn über so viele Jahre (1817-1824) in Atem gehalten, noch nicht einmal seine parallel entstandene, ebenso monumentale „Neunte“. Ursprünglich war die „feierliche Messe“ für die Inthronisation des Erzherzogs Rudolph zum Erzbischof von Olmütz 1820 gedacht. Doch der Komponist hielt die Frist nicht ein. Das Projekt wuchs und wuchs und verlangte immer mehr Zeit. Beethoven erklärtes Ziel lag jenseits aller üblichen Zwecke, selbst dem einer Bischofsweihe. Es ging ihm um „wahre Kirchenmusik“. So schrieb er 1821 dem Erzbischof, seinem Freund, Förderer und Schüler: „Höheres gibt es nichts, als der Gottheit sich mehr als andere Menschen nähern, u. von hier aus die Strahlen der Gottheit unter das Menschengeschlecht verbreiten“. Die Missa solemnis hat den Charakter einer Bekenntnismusik, zum eigenen Trost und zum Wohle der
Menschheit.

Dass Beethoven ausgerechnet eine Messe für sein gelungenstes Werk hielt, ist schon bemerkenswert. Denn auf die Institution Kirche war der Komponist nicht immer gut zu sprechen. Seine geistlichen Werke lassen sich an einer Hand abzählen. Er war kein Kirchgänger und spöttelte gern über den Klerus. Als kritischer Geist verfolgte er aufmerksam die Umbrüche seiner Zeit, die Aufklärung, die Französische Revolution, die napoleonischen Kriege. Die alten Autoritäten, ob weltlich oder klerikal, stellte er prinzipiell in Frage und hing doch finanziell von ihnen ab. Zeitgleich lässt sich in Tagebüchern und Briefen eine Hinwendung zur Religion, eine intensive Beschäftigung mit Fragen des Glaubens feststellen. Während der akribischen Arbeit an der Missa solemnis war Beethoven von Krankheit, Geldsorgen und dem Vormundschaftsstreit um den Neffen geplagt und oft am Rande der Verzweiflung. Bei der Musikalisierung des Jahrhunderte alten und schon tausendfach vertonten Messtextes suchte er, taub und isoliert, nach eigenen Antworten. 1824 dann schrieb er, bei dieser Messe sei die „Hauptsache“, „sowohl bei den singenden als Zuhörenden religiöse Gefühle zu wecken und dauernd zu machen.“

Wie so oft bei Beethoven, dem „Titanen“, überschreitet auch die Missa solemnis alle Grenzen des Gewohnten. Zeitgenössische Kritiker suchten verwirrt nach passenden Umschreibungen. Auch heute noch kann sich der Zuhörer halb hingezogen, halb ausgeliefert fühlen, so schnell folgen nach dem „Knall“ des ersten Taktes die gegensätzlichsten Ideen in dem großen, festen Gefüge aufeinander. Kirchenmusikalische Vergangenheit wie
Choräle und Fugen wechseln mit Opernhaftem und Sinfonischem, plötzliche Momente tiefster Innerlichkeit bei den Solisten mit gewaltigen Klangströmen des Chores. Mittendrin fällt überraschend ein sanftes Violinsolo (Benedictus) vom Himmel. Beim „Dona nobis pacem“ erklingt drohende Kriegsmusik mit Blech und Schlagwerk, womit der Rahmen des Liturgischen nun vollends verlassen wird. Der Schluss bleibt absichtlich in der Schwebe. Auch das gehört zu Beethovens persönlichem Bekenntnis.

Konzerttipp: Rheingau Musik Festival, 20.8.2020; CD-Tipp: Einspielungen
unter Frieder Bernius (Carus 2019) und Nikolaus Harnoncourt (Sony 2016).

Anne Sophie Meine

Predigttext für den 15. März 2020, Sonntag Okuli, 3. Sonntag in der Passionszeit

Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst.
Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, daß ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.
Aber Jesus sprach zu ihm: Laß die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!
Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, daß ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind.
Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lukasevangelium 9,57-62)

Laß die Toten ihre Toten begraben. Kein einfaches Wort in diesen Zeiten – und sonst ja auch nicht. Denn hier wird die Nachfolge mit der Erwartung des ganz nahen Gottesreiches verbunden. Ein Abschied wird gefordert von allen bisherigen Bindungen und Loyalitäten um sich ganz Jesus anzuhängen angesichts einer unmittelbar bevorstehenden Umwälzung aller Verhältnisse durch Gott. Das passt nicht zu uns ordentlichen Leuten in bürgerlichen Existenzen in einem meistens gleichmäßig dahingleitenden und allseits gesicherten Leben. Aber irgendwie gelingt es der Predigt dann doch meistens Nachfolge und Gottesreich soweit zu domestizieren, dass sie zu uns passen. (Und was nicht passt, wird …)

Heute ist alles anders. Die Glocken bleiben stumm, die Kirchentür geschlossen, die Kirche leer. Und wir hören und lesen von Menschen, die alleine leiden und sterben müssen. Nicht nur kann ihnen medizinisch nicht mehr geholfen werden, sondern sie bleiben auch unbegleitet und ungetröstet durch Angehörige oder Geistliche. Lasst die Toten ihre Toten begraben – das klingt normalerweise bloß unpassend, heute klingt es unerträglich passend.

Ich verstehe, dass Menschen in Seuchenzeiten voreinander geschützt werden müssen und habe ganz nebenbei in diesen Tagen gelernt, dass sich unsere Quarantäne (in der das lateinisch – italienische Wort Quaranta/Vierzig wiederklingt) einer Idee aus der Bibel verdankt. Aber es überfordert mich, dass in dieser Situation Nächstenliebe nur in der Trennung von meinen Nächsten bestehen kann. Deshalb sollten wir jede Gemeinsamkeit, die nicht den direkten und deshalb gefährlichen Kontakt erfordert, um so mehr fördern und pflegen: Winkt euch zu, ruft euch an, nutzt soziale Netzwerke!

Unsere Quarantäne fällt in die vierzig Tage vor Ostern, die Passionszeit, in der Christen seit jeher Verzicht einüben und Buße tun. „Das Kreuz der Asche segne deine Umkehr“, haben Stefan Herok und – von ihm eingeladen – auch ich den Kindern der Schumannschule am Aschermittwoch zugesprochen. Was in den Jahren zuvor auch spielerisch gemeint war, wird nun ernst. Die Tage und womöglich Wochen der Quarantäne zwingen uns Verzicht auf und nötigen uns, unser Leben auf Wesentliches zu reduzieren. Und – wie gesagt – die erzwungene Isolation macht es so schwer, die uns Menschen gemäße und von Jesus geforderte Gemeinschaft zu pflegen. „Sieben Wochen ohne …“ Gemeinschaft und direkte Kommunikation – darauf wäre jetzt kein flotter Texter für fromme Passionskampagnen gekommen. (Allerdings verlangt schon der diesjährige Slogan „Sieben Wochen ohne Pessimismus“ dem theologischen Verstand alles ab.)

Uns bleibt die Hoffnung auf eine Rückkehr in unser normales Leben und die Gewissheit, das Gott uns dahin begleiten wird. Unser Predigttext hat neben seiner Irritation eine grundsätzliche Botschaft der Hoffnung: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Wir sollen nach vorne blicken.Selbst die pessimistischste Prognose für die aktuelle Seuche lässt die allermeisten von uns unbehelligt.

Und wenn wir jetzt nicht miteinander beten können, dann lasst uns einstweilen füreinander beten.

Bleiben Sie gesund!

Ihr Klaus Neumann, Pfarrer

Betrifft: Vorsicht in Zeiten von Corona

Die Thomasgemeinde informiert:

Alle Veranstaltungen, zu denen Menschen auf engem Raum zusammenkommen, bergen das Risiko, dass Viren übertragen werden und anschließend in neue Kreise der Bevölkerung gelangen. Dies gilt umso mehr für Veranstaltungen, zu denen Menschen überregional anreisen. Deshalb sagen wir alle Gottesdienste und Veranstaltungen bis zunächst 20. April ab.

Falls eine Änderung (hoffentlich zum Besseren) eintritt, werden wir rechtzeitig darüber informieren.

Bitte bleiben Sie gesund!