Empfohlen

Thomaskirche geöffnet

Wir freuen uns, wieder mit Ihnen Gottesdienst zu feiern zur gewohnten Zeit in der Thomaskirche um 10.00 Uhr (bzw. Familiengottesdienste um 11.00 Uhr).

Der Kirchenvorstand hat ein Sicherheitskonzept beschlossen, dem wir alle folgen müssen. Dazu gehört:

  • Bitte besuchen Sie den Gottesdienst nicht, wenn Sie Erkältungs- oder grippeähnliche Symptome haben.
  • Bitte nehmen Sie den Sitz ein, der Ihnen vom Kirchenvorsteher gezeigt wird. Nur die Plätze, auf denen ein Gottesdienstblatt liegt, können belegt werden.
  • Ab sofort sind auch in Gottesdiensten medizinische Masken zu tragen. Bei Bedarf wenden Sie sich gerne an den Kirchenvorstand. Bitte behalten Sie Ihre Maske während des Gottesdienstes auf.
  • Bitte halten Sie auch beim Ein- und Ausgang einen Abstand zu anderen Gottesdienstbesuchern von mindestens 2 Metern.
  • Bitte singen Sie bei den „Liedern ohne Worte“ nicht mit. Singen ist leider nicht erlaubt.
  • Bitte notieren Sie nach dem Gottesdienst Ihren Namen und Ihre Anschrift auf diesen Zettel und lassen Sie ihn auf Ihrem Platz liegen. (Wir sammeln die Blätter, verschließen sie in einem Umschlag und bewahren sie etwa drei Wochen auf für den unwahrscheinlichen Fall, dass eine Infektion dokumentiert werden muss.)

Wir danken Ihnen für die Beachtung und für Ihr Verständnis!

Der Kirchenvorstand der ev. Thomaskirchengemeinde

Gottesdienst an Christi Himmelfahrt im Kurpark

Wir laden ein zum Gottesdienst an Christi Himmelfahrt,
Donnerstag, 13. Mai
um 11.00 Uhr
im Kurpark (an der Dietenmühle/Parkstr)

Es sind keine Sitzmöglichkeiten vorhanden

Eine Anmeldung ist dringend notwendig unter Achim.Hoock@ekhn.de

Bei Regen fällt der Gottesdienst aus. Aktuelle Hinweise hier auf der Webseite oder unter unter www.ev-versoehnungsgemeinde-wiesbaden.de.

Bitte beachten Sie folgende Regeln:
Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt
Es muss eine FFP2 Maske oder medizinische getragen werden.
Der Abstand von 1,5 m ist einzuhalten.
Es darf nicht gesungen werden.
Die Gottesdienstbesucher*innen müssen sich in eine Liste eintragen (unter Angabe von Name, Adresse, Tel. Nr.)

Stadtspaziergang über den Nordfriedhof

Dienstag, 4. Mai 2021, 18.30 Uhr an der Trauerhalle

Anmeldung bitte unter Tel. 0611.52 35 46

Angelegt auf der Anhöhe zwischen Nerotal und Adamstal und 1877 eingeweiht, ist der Nordfriedhof heute der zweitgrößte Friedhof der Stadt. Wegen seiner Park- und Waldlandschaft und der vielen historistischen Grabmäler steht er als Ganzes unter Denkmalschutz. Er ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert, vor allem jetzt im Mai, wenn die Bäume blühen! Unseren Stadtspaziergang beginnen wir mit Pfarrer Dr. Neumann an der Trauerhalle mit einem Psalmgebet und erkunden dann einige der sepulkralen Kunstschätze und Kuriositäten des Nordfriedhofs. 

Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, melden Sie sich bitte telefonisch an unter Tel. 0611. 52 35 46. Bitte tragen Sie eine med. Maske und halten Sie zu jeder Zeit Abstand zueinander. Der Friedhof schließt um 20.00 Uhr. Bei starkem Regen fällt der Spaziergang aus. Änderungen unter www.thomasgemeinde.de

Predigttext für den Sonntag Jubilate, 25. April 2021

Als aber Paulus in Athen auf sie [nämlich auf seine Mitarbeiter Silas und Timotheus] wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, da er die Stadt voller Götzenbilder sah. Und er redete zu den Juden und den Gottesfürchtigen in der Synagoge und täglich auf dem Markt zu denen, die sich einfanden. Einige Philosophen aber, Epikureer und Stoiker, stritten mit ihm. Und einige von ihnen sprachen: Was will dieser Schwätzer sagen? Andere aber: Es sieht aus, als wolle er fremde Götter verkündigen. Denn er verkündigte das Evangelium von Jesus und von der Auferstehung. Sie nahmen ihn aber mit und führten ihn auf den Areopag und sprachen: Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du lehrst? Denn du bringst etwas Neues vor unsere Ohren; nun wollen wir gerne wissen, was das ist. Alle Athener nämlich, auch die Fremden, die bei ihnen wohnten, hatten nichts anderes im Sinn, als etwas Neues zu sagen oder zu hören.

Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat und den er vor allen Menschen bestätigt hat, indem er ihn von den Toten auferweckt hat. Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. So ging Paulus weg aus ihrer Mitte. Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen. (Apostelgeschichte des Lukas 17, 16-34)

Mein Chorbruder aus Weiterstadt, aus dessen Händen Sie Ihren Sonntagsspargel empfangen, hat in einem der besonders harmonischen Momente – so viele gabs davon nicht – während der Probe im Überschwang gesagt, dass man für die besten Chorlieder Latein brauche, dass sei das einzig Wahre.

Auch wenn dem jetzt nicht alle unbedingt zustimmen – die Matthäuspassion ist ja auch recht gelungen – möchte ich das Urteil eines wahren Kenners im Überschwang des Jubelsonntags Jubilate dahingehend erweitern, dass wahre Philosophie ebenfalls der Lateinischen Sprache bedarf. Und weil es heute, wie wir gehört haben um Philosophie geht, beginnen wir mal auf Latein.

Si tacuisses, philosophus mansisses. Hättest Du geschwiegen, wärst du ein Philosoph geblieben. Dieses lateinische Sprichwort, das sich nicht nur wegen der schönen auffälligen irrealen Konjunktive seit Schulzeiten in Erinnerung behält, möchte man z.B. gerne den 53 Schauspielern zurufen, die sich in der vergangenen Woche mit einer unsäglichen Aktion gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung blamiert haben: so selbstbezogen, so platt, so unlustig, so zynisch und abgehoben hätte man sie sich nicht gedacht, unsere Fernsehlieblinge; aber sie zeigen vor allem, dass sie witzig und pfiffig wohl nur bei guten Drehbüchern rüberkommen; dass sie in ihrer unheimlich verwöhnten Blase nicht mitbekommen zu haben scheinen, dass bisher allein in unserem Land weit über 80.000 Menschen und die meisten davon einen qualvollen Erstickungstod gestorben sind und viele, viele mehr persönlich oder durch Angehörige betroffen und Leidtragende dieser scheußlichen Plage geworden sind, gegen die sich zu wehren, jede Anstrengung wert ist; die Schauspieler zeigen, dass sie nicht mitbekommen haben, was gerade passiert und in welcher Zeit wir leben und sind genau darin das, was sie ausdrücklich vorgeben nicht zu sein: Corona-Leugner, Gesinnungsgenossen der Querdenker und Aluhütler, haltlose Schwätzer.

Si tacuisses, philosophus mansisses – Hättet ihr geschwiegen, hätte man euch weiterhin für witzig und spritzig, für verständig und sympathisch halten können.

Dabei taugt unser schönes lateinisches Sprichwort keineswegs als Leitlinie und Wahlspruch für alle Lebenslagen, wonach Ruhe dann wohl die erste Bürgerpflicht wäre. Manchmal muss man durchaus den Mund aufmachen, etwas riskieren, auch Missverständnisse riskieren um Missverhältnisse zu markieren. Manchmal muss man sich was trauen und dann heißt es auf gut Kölsch: Arsch huh Zeng ussenander! Hintern hoch und Zähne auseinander – und laut werden für die, denen Unrecht passiert; laut werden für die zu Unrecht Verfolgten, laut werden für die Gewalt Leidenden, laut werden für die Gerechtigkeit und die Wahrheit.

Manchmal muss man sich was trauen: Wenn gerade alles schief läuft, muss man sich was trauen wie vor 500 Jahren, ziemlich genau im April vor 500 Jahren 1521, als sich ein Augustinermönch aus dem wilden Sachsen sich was traut vor Kaiser und Reich, auf dem Reichstag in der alten Römerstadt Worms was traut und widersteht und widerspricht: Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Luther traut sich was – und zwar nicht nur um der durch die mittelalterliche Kirche unterdrückten Wahrheit des Evangeliums sondern auch um der Gerechtigkeit der zu Unrecht Verfolgten und Verfemten willen, die wie Luther in Acht und Bann um ihr Leben fürchten müssen. Der Wormser Moment verdichtet den reformatorischen Kampf um Glaubenswahrheit und Gewissensfreiheit in eine ikonische Szene.

Manchmal muss man sich was trauen: Auch Paulus traut sich was. Der Evangelist und Apostelgeschichtsschreiber Lukas verdichtet hier einen Athener Moment in der berühmten Areopagszene und zeigt Begegnung und Konfrontation der Wahrheit des Evangeliums mit dem weltlich philosophischen Wissen seiner Zeit, das die griechische Kultur in der römischen Welt immer noch prägt. Paulus traut sich was.

In der von Lukas gestalteten, wenn nicht erfundenen, aber wenn dann gut erfundenen Szene stellt Paulus die Athener in Athen, er fordert sie heraus in ihrer eigenen Stadt, immerhin immer noch der Kulturhauptstadt der antiken Welt, trotz allmählich verblassenden Ruhms immer noch damals zu Paulus Zeiten der Nabel der geistigen Welt. Paulus traut sich was.

Welten treffen aufeinander: hier Athen und da Paulus der Anatolier mit sicherlich für die Athener merkwürdigem Akzent und Aussehen, Außenseiter, kein Spitzenreiter sondern Hinterwäldler – Ossi, wenn man die Athener für Wessis halten mag – römischer Bürger zwar, aber gebürtiger Jude und getaufter Christ vom fernen östlichen Rand des Mittelmeers; Apostel eines noch ganz und gar obskuren und marginalen Kultes, hervorgegangen aus einer obskuren und marginalen Religion; gesendet mehr aus eigenem Antrieb als durch äußere Autorität; kein Philosoph selbst sondern philosophischer Dilettant, Autodidakt, die kennt man, das sind die schlimmsten, die Autodidakten: Besserwisser, Rechthaber, Schwätzer, die sich hier und da etwas herauspicken, halb verdauen und dann unverständig als der Weisheit letzter Schluss zum Besten geben.

Solche Schwätzer und Körnerpicker entscheiden sich ja auch in der gegenwärtigen Krise immer wieder gegen das Schweigen und für das Geschwätz, leider: Hätten sie geschwiegen, dann hätte man sie weiterhin für voll nehmen können, die Philosophen und Ökonomen und Soziologen, die mit scheinklugen Reden uns beeindrucken und das Virus wegerklären wollen. Das aber lässt sich von solchem Geschwätz nicht beeindrucken. Wir manchmal leider schon.

So aber verspotten die im Text genannten Epikuräer und Stoiker den Paulus als Schwätzer, wörtlich als Körnerpicker und witzigerweise erinnert dieses Spottwort im Griechischen – spermalogos – an eine wichtige Lehre der stoischen Philosophie – an den logos spermatikos – nämlich an das sich in allem Lebendigen verstreuende Schöpfungsprinzip; göttlicher Geist und göttliches Wort, das alles durchdringt (übrigens nicht Tat, hier irrte Goethe).

Und genau daran, an diese Lehre, scheint Paulus in den Worten des Lukas anzuknüpfen, in dem er tatsächlich weitere Körner und Brocken, weitere Ideen und Wörter aufnimmt, um sie nun aber in seine ganz eigenen und ganz anderen Gedanken als die der Philosophen hineinzubinden. Deshalb kann nicht erstaunen, dass diese ihm am Ende das Wort abschneiden, bzw. die etwas Höflicheren das Gespräch zumindest scheinbar vertagen. Wenn der Pseudophilosoph, der Sokratesdarsteller – auch er ein Schauspieler in der falschen Rolle! – der Paulus in den Augen und Ohren der Stoiker und vermutlich mehr noch der Epikuräer ist, wenn er nicht schweigen will, muss man ihn zum Schweigen bringen.

Dabei hatte der Paulus in den Worten des Lukas durchaus Wesentliches der stoischen Philosophie aufgepickt und in seine christliche Verkündigung hineinverdaut: Wenn er vom unbekannten Gott spricht, der nicht in von Menschen gemachten Bildern verehrt werden kann; und mehr noch, wenn er den logos spermatikos in dem Dichterwort aufnimmt, dass wir Menschen in dem unbekannten, alles durchdringenden Gott leben und insofern seiner, also göttlicher Art sind: Denn in ihm leben, weben und sind wir; Wir sind seines Geschlechts.

Es geht dem Paulus hier nicht um eine Stoizisierung, oder allgemeiner um eine Hellenisierung des Christentums, wie ihm oft vorgeworfen wird, sondern im Gegenteil um eine Christianisierung des Griechentums, also um eine Taufe stoisch-griechischer Gedanken; z.B. wenn er das eigentlich pantheistisch gemeinte Motiv, auf das Leben der Christen in Christus anwendet aber dabei natürlich völlig umdeutet: In ihm – also in Christus, und zwar in Christus als Auferstandenem! – leben, weben und sind wir; oder in des Paulus eigenen Worten: Ist jemand in Christus, dann ist er eine neue Kreatur; siehe Neues ist geworden

War Paulus erfolgreich mit seiner Rede in Athen auf dem Areopag, dem Arishügel, ein Steinwurf entfernt vom Parthenon, dem Tempel der jungfräulichen Athene, der Göttin der wehrhaften Weisheit, also der Sophia, die ihre Freunde, die Philosophen bis heute anzieht (da sollten wir auch mal hin als Gemeinde auf Gemeindefahrt nach Athen, wenn das wieder geht!) um sich herum schart und versammelt?

Eher nicht, denn er mag den einen Dionysos vom Areopag überzeugt haben und die eine Damaris und ein paar andere – insgesamt sind sie aber, die griechischen und die meisten anderen Philosophen – und man kann sagen bis heute – bei ihrer Lehre geblieben; stoische Gedanken sind immer noch populär, gerade jetzt; und der hedonistische Atheismus als Leitreligion unserer Zeit lässt sich durchaus auf die Lehren der Epikuräer zurückführen.

Und doch ist es gut, dass Paulus damals auf dem Areopag nicht geschwiegen hat, dass er sich den Philosophen seiner Zeit gestellt hat, was diese zwar nicht überzeugen konnte, was uns Christen aber die Philosophie zur Verfügung gestellt hat, durchaus als Körnerpicker, was sage ich: als Rosinensucher und cherry picker der Philosophie; aber hoffentlich nicht immer als Schwätzer; was uns Christen die Philosophie als Landkarte und Werkzeugkasten, als Wörterbuch und Bildersammlung zur Verfügung gestellt hat, damit wir mehr und mehr als Gottsuchende das Geheimnis Gottes ergründen; des Gottes, der trotz aller unserer Gedanken, auch der allerklügsten, niemals aufhört das Geheimnis der Welt zu sein: Denn in ihm leben, weben und sind wir. Amen.

Selten hat der Kanzelsegen so gut gepasst wie heute:

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

500 Jahre Reformationsjubiläum – Wormser Reichstag 1521

Vor genau 500 Jahren, im April 1521, machte sich Martin Luther von Wittenberg aus auf den Weg durch Thüringen, Hessen und Rheinhessen nach Worms, wo er vor dem dortigen Reichstag den Widerruf seines Standpunkts verweigerte. Der Reformator verließ die Stadt als Geächteter des Kaisers und reiste wieder zurück nach Thüringen, zur Wartburg.

“Hier gehe ich, ich kann nicht anders” (frei nach Luther)

Unsere für den 24. April 2021 geplante Pilgerwanderung nach Worms können wir aufgrund der geltenden Corona-Bestimmungen nun nicht gemeinsam unternehmen. Stattdessen laden wir Sie ein zu einer individuellen Pilgerwanderung zwischen Wiesbaden und Worms, bei der Sie sich ein Wegstück selbst aussuchen und in der nächsten Zeit, wann sich Ihnen die Gelegenheit bietet, erwandern: etwa auf dem RheinTerrassenweg durch die Weinberge von Nackenheim zur Katharinenkirche in Oppenheim oder von der Bergkirche von Osthofen zum Landschaftspark von Schloss Herrnsheim weiter  in Worms zum Dom, zum Luther-Denkmal oder zum jüdischen Friedhof…

Genaue Etappenvorschläge – vom Spaziergang bis zum Tagesausflug – finden Sie unter www.lutherweg1521.de  und www.rheinhessen.de/rheinterrassenweg

https://www.lutherweg1521.de

Schicken Sie ein Foto Ihrer Wanderung an neumann-klausphilipp@t-online.de. Wir setzen unseren Pilgerweg als gemeinsame Fotostrecke auf www.thomasgemeinde.de. Alle, die ein oder mehrere Fotos einschicken, bekommen als Dankeschön eine Flasche vom Weinberg der EKHN in Nierstein. 

Wir freuen uns auf Ihre Entdeckungen!

(Fotos: Klaus Neumann)

500 Jahre Josquin Desprez († 1521)

Ob es Ludwig XI. oder Ludwig XII. war, dem Josquin, der wohl größte Komponist der Renaissance, einen Streich spielte, ist auch nach 500 Jahren noch nicht völlig geklärt. Auf jeden Fall war es der französische König persönlich, der den Meister um eine eigene Gesangspartie bat: er wolle bei einer Aufführung gerne einmal mitsingen. Josquin tat, wie ihm befohlen. Allerdings hielt er von den sanglichen Qualitäten des Königs so wenig, dass er dessen Stimme nur auf einem einzigen Ton komponierte.

Wer sich so etwas traut, weiß um seinen Wert. Nicht nur wegen seines kantigen Charakters wird Josquin oft mit Beethoven verglichen. Josquins Erneuerungen der frankoflämischen Vokalpolyphonie strahlten weit voraus bis hin zu J.S. Bach. Zwar sind die Stationen seines Lebens – St. Quentin, Aix-en-Provence, Paris, Mailand bei Kardinal Ascanio Sforza, Sixtinische Kapelle in

Rom, Mailand, Ferrara, zurück nach Nordfrankreich – nicht lückenlos rekonstruierbar. Aber einiges gilt doch als gesichert, z.B. dass Josquin 1503 in Ferrara als Kapellmeister am Hofe des Herzogs Ercole I. d’Este mit 200 Dukaten das höchste Gehalt verhandelte, das je ein Musiker dort erhalten hatte. Für den Herzog, eine schillernde, Pracht liebende Persönlichkeit, schrieb er eine ebenso prachtvolle Messe, die “Missa Hercules dux Ferrariae”. Schon zu Lebzeiten war sein Vorname in aller Munde, bei Herrschern, Musikern und Dichtern. In Italien verglich man ihn posthum mit Michelangelo. Als erstem Komponisten der Musikgeschichte wurde ihm ein Individualdruck seiner Messen mit dem hochmodernen Notendruckverfahren mit Metalllettern gewidmet. Eine größere Ehre gab es nicht.

Zu Josquins berührendsten Werken zählt die französische Trauermotette über den Tod Ockeghems, der 1497 an der damaligen Pandemie, der Pest, verstarb. Die “déploration de la mort de Jehan Ockeghem” imitiert mit fünf Stimmen den Stil des älteren Komponisten in unablässig ineinanderfließenden Linien über einem Cantus firmus aus dem Introitus “Requiem aeternam”. Ein pures Meisterwerk ist die “Missa Pange Lingua” für vier Gesangsstimmen. In der Regel singen höchstens drei Sänger je eine Stimme. Allen fünf Sätzen (Kyrie, Credo, Gloria, Sanctus und Agnus Dei) liegt der gleichnamige Hymnus von Thomas von Aquin zugrunde. Größere und kleinere Fragmente der berühmten Melodie ziehen sich nach den komplexen Regeln des Kontrapunkts echoartig durch das gesamte Stück. Gleichzeitig lässt Josquin kaum eine Gelegenheit der expressiven Ausdeutung des Textes durch die Musik aus und verleiht ihm dadurch noch mehr Tiefe. Mit Josquin setzt die Kunst der musikalischen Interpretation des Textes, später ein Hauptmerkmal des Barock, ein.

Luther schätzte Josquins Musik sehr und kannte sie in Form von Lautentabulaturen, also Transkriptionen von polyphonen Gesangsstücken für Zupfinstrumente. In den Tischreden schrieb er über den Nordfranzosen, der selbst nie in Deutschland gewesen war: “So hat Gott das Evangelium auch durch die Musik gepredigt, wie man an Josquin sieht.”

Anne Sophie Meine

CD-Tipps: The Tallis Scholars sing Josquin, Label Gimell 2015, mit “Missa Pange Lingua”; The Hilliard Ensemble: Missa Hercules Dux Ferrariae, Motets & Chansons, Label Plg Classics Warner 2004, mit “La déploration de la mort de Jehan Ockeghem”.

Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist

Jesus Christus spricht:
Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist.
(Lukasevangelium 6,36; Jahreslosung für das Jahr 2021)

Es versteht sich nicht von selbst, dass wir Gott für barmherzig und schon gar nicht, dass wir ihn für einen barmherzigen Vater halten. Gerade in Zeiten der Seuche könnte man ja auch auf das Gegenteil kommen, dass er grausam wäre, ein grausamer Herrscher, der uns Menschlein mit harter Hand straft und prüft und uns zeigt, wer der Herr ist. Es soll ja sogar solche Väter gegeben haben, die ihre Kinder mit harter Hand erziehen, getreu dem Bibelwort: „Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er, und er schlägt jeden Sohn, den er annimmt.“ (Hebräerbrief 12,6 nach Sprüche 3,12) Und es soll sogar Theologen gegeben haben, die diese Form der schwarzen Pädagogik als die höhere Barmherzigkeit verkauften, Pfui Teufel!

Wahr bleibt, dass weder Gottes Barmherzigkeit am Lauf der Welt ablesbar ist (was die Bibel übrigens auch nicht behauptet; wohl aber gibt es historische Momente göttlicher Barmherzigkeit!), noch dass alle real existierenden Väter zum Bild der Barmherzigkeit taugen (was ebenfalls den Autoren der Bibel nicht entgangen ist; wohl aber erzählen sie und nicht nur ausnahmsweise von löblichen Beispielen!). Dennoch wissen wir, auch wenn wir selbst keinen solchen erlebt haben sollten, was mit der väterlichen Barmherzigkeit gemeint ist und nicht umsonst hat sich in der Bibel das Gottesbild „Vater“ weithin durchgesetzt – nach eher zurückhaltenden Anfängen im Alten Testament hin zur dominanten Metapher bei Jesus, der uns seinen Vater im Himmel als unseren Vater zu glauben gibt: „Vater unser im Himmel …“

Was genau ist mit der väterlichen, genauer (wie gleich zu sehen ist): elterlichen Barmherzigkeit gemeint, mit der uns Gott begegnet und mit der wir anderen begegnen sollen? Barmherzigkeit ist eher Kraft als bloße Eigenschaft, und zwar die, die von sich selbst absieht und anderes Leben schenkt: einem anderen seiner selbst Platz zum Leben einräumt. Das wird bildlich überdeutlich sichtbar an einem der vielen Begriffe für Barmherzigkeit in der Hebräischen Bibel, der nämlich zugleich auch Mutterleib bedeutet.

Natürlich ist Barmherzigkeit als das Geschenk des Lebens nicht zuerst oder vor allem biologisch gemeint, sondern umfassend als Selbstzurücknahme, als Verzicht auf eigene Ansprüche zugunsten eines anderen, der seine Ansprüche nicht anmelden, geschweige denn durchsetzen kann. Der Barmherzige gibt von dem, was er zu viel hat, einem anderen, der davon zu wenig hat. Das müsste er nicht – aber vielleicht doch und deshalb hat die Bibel Alten Testaments neben die großen Bereiche des Straf- und des Kultgesetzes den nicht geringeren des Erbarmensgesetzes gesetzt, dessen Grund und Auftrag unser Bibelwort zusammenfasst: Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist.

Barmherzigkeit ist nach biblischem Verständnis nicht die philanthropische Kür der Privilegierten, die sie sich leisten können, sondern von Gott auferlegte Pflicht, sich von der Bedürftigkeit anderer anrühren zu lassen und mit ihnen die eigenen Lebensmöglichkeiten zu teilen. Sie ist der für eine gelingende Gesellschaft unverzichtbare Verzicht auf eigene Privilegien zugunsten von Solidarität mit denen, die weniger vom Leben haben, damit auch die leben können.

Klaus Neumann, Pfarrer

Kirchenvorstandswahl 2021

Am Sonntag, 13. Juni 2021, findet in der Evangelischen Thomaskirchengemeinde die Kirchenvorstandswahl statt. Das Wahllokal im Gemeindehaus, Richard-Wagner-Str. 88, ist am Wahltag von 11.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Folgende Kandidatinnen und Kandidaten stellen sich als Team zur Wahl. Erstmals ermöglicht ein neues Kirchengesetz, ein Team zum Wahlvorschlag zu bringen, das gemeinsam gewählt werden kann.

Hier finden Sie nähere Informationen zum Ablauf:

Anfang Mai erhalten Sie eine Wahlbenachrichtigungskarte per Post. Sie zeigt Ihnen, dass Sie in der Wählerkartei der Evangelischen Thomaskirchengemeinde erfasst sind. Sollten Sie eine solche Karte nicht erhalten haben (z.B. weil Sie erst nach dem 25. März zugezogen oder aus einem anderen Grund nicht erfasst sind) können Sie wählen, wenn Sie glaubhaft machen können, dass Sie Mitglied der Gemeinde sind (z.B. durch eine Kopie des Meldeformulars). Wahlberechtigt sind alle, die am Wahltag das 14. Lebensjahr vollendet haben. Sollten Sie am Wahltag verhindert sein, können Sie bis zum 11.6. schriftlich oder mündlich eine Briefwahl im Gemeindebüro beantragen. Sie bekommen dann den Briefwahlschein und Ihren Stimmzettel zugeschickt. Sollten Sie am Wahltag kurzfristig verhindert sein, z.B. wegen Krankheit, bekommen Sie den Briefwahlschein bis 12.00 Uhr beim Wahlvorstand im Wahllokal. Auf jeden Fall muss der Briefwahlschein mit Stimmzettel spätestens bis zum Ende der offiziellen Wahlzeit beim Wahlvorstand eingegangen sein.