Martinsumzug am 10.11.2026

Der Martinsumzug des ökumenischen Kindergartens der ev. Thomasgemeinde und der kath. Mauritiusgemeinde findet am Dienstag, 10.11.26 statt. Er beginnt um 17.00 Uhr mit einem Gottesdienst mit Bläsern in der Mauritiuskirche. Danach folgt der Laternenumzug mit St. Martin auf dem Pferd und den Bläsern zur Thomaskirche. Dort klingt der Martinstag mit Weckmännern, Kinderpunsch und Glühwein aus.

Weitere Informationen und Kontakt: Ökumenischer Kindergarten Wiesbaden

18. Sonntag nach Trinitatis, 4. Oktober 2026

Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust. (5. Buch Mose 30,11-14)

Ausgerechnet heute, wenn uns die Predigtordnung dieses Lob des Gesetzes zu bedenken gibt, feiern Juden überall in der Welt, also auch in Wiesbaden, das Fest „Simchat Tora“, Freude an der Tora, Freude am Gesetz des Mose, Freude an den Geboten Gottes: „Simchat Tora“.

Heute werden überall in den Synagogen die letzten Abschnitte des 5. Buch Mose und der erste Abschnitt des 1. Buch Mose gelesen. Und dann begleitet wieder die Lesung der 5 Bücher Mose das religiöse Leben der Juden durch das Jahr, Woche für Woche, Samstag für Samstag, immer so weiter.

Und dazu wird heute am Festtag der Freude über Gottes Gebot ziemlich ausgelassen gefeiert, gesungen und getanzt in der Synagoge und in den Straßen, mit der Torarolle im Arm, alle feiern mit, auch die Kinder, dann eben mit Spielzeug- und Plüschtorarollen, die sie wie die Großen herumtragen.

Ich bin mal vor etlichen Jahren in Jerusalem unverhofft in diese Feier geraten, wusste damals noch nichts von dem Fest und wie es gefeiert wird, und war verblüfft, wie ausgelassen und wild eine religiöse Feier sein kann, mit welcher überschäumenden Freude das Gebot Gottes gefeiert werden kann; wie persönlich und naheliegend das Wort Gottes erlebt wird: In dir ist Freude!

Als vor drei Jahren das Fest auf den 7. Oktober fiel, und eine Terrorbande das Land Israel überfiel, wurde auch dann – sicherlich gedämpft – gefeiert und weitergefeiert und die Verse der Lesung werden noch einmal eindringlicher geklungen haben als in vielen anderen Jahren: „Israel wohnt sicher, der Brunnquell Jakobs unbehelligt in dem Lande, da Korn und Wein ist, dessen Himmel von Tau trieft. Wohl dir, Israel! Wer ist dir gleich? Du Volk, das sein Heil empfängt durch den Herrn, der deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges ist! “ (5. Mose 33,28f.) Auch diese Worte haben Juden gesprochen und gehört – und geglaubt! – als ihre Feinde mordeten und entführten; denn Gott ist größer als die Mächte des Bösen, sein Wort bleibt ewig, seine Gebote gelten – und sind Grund überschwänglicher Freude: In dir ist Freude in allem Leide.

Wenn wir als Nichtjuden heute mit ihnen das Gesetz und die Gebote Gottes mitfeiern, dann soll uns das ein Geschenk des Himmels sein, das uns von weither, von jenseits des Meeres – hier also: des Mittelmeeres – geholt wurde, damit auch wir uns daran freuen sollen. Und wir sollen es trotzdem als naheliegend erachten und eben nicht für weithergeholt halten: Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Denn es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.

In seinem Wort kommt Gott uns näher als wir uns selbst nahe sein können. Der Kirchenvater Augustinus spricht davon, dass der große hohe Gott, der höher als mein Höchstes ist, mir näher als mein innerstes Nächstes wird (interior intimo meo et superior summo meo, Bekenntnisse). Und der Weg Gottes in mein Innerstes geschieht – wie unter Menschen doch auch – durch sein Wort, als Wort der Liebe und der Mahnung, als Zuspruch und Anspruch, als Bestärkung und Kritik, als Evangelium und Gesetz. Wobei das Gesetz selbst schon barmherziges und Wort der Gnade ist, wieso es richtig ist, sich darüber zu freuen, an einem Tag der Freude über das Gesetz und das ganze Jahr.

Offensichtlich und unüberhörbar übersteigt das, was hier Gesetz genannt wird, das was wir gewöhnlich unter Gesetz verstehen. Nach dem Alten Testament und im Glauben der Juden ist Gesetz viel mehr als eine Vorschrift, etwas zu tun, oder ein Verbot, etwas zu unterlassen; Gesetz ist viel mehr als eine Regel, der zu folgen wäre, oder eine Grenze, die meine Freiheit beschränkte – das alles auch, aber vor allem und zuerst ist das Gesetz Wort Gottes, das befreit und überhaupt erst Freiräume schafft. Das Gesetz ist die gute Botschaft, das Evangelium, das mich aus der Gesetzlosigkeit befreit. Das Gesetz schafft überhaupt erst Raum zum Leben als Bereich guter Ordnung inmitten von Willkürfreiheit, nach der das Unrecht des Stärkeren gilt und der Mensch dem Menschen ein Wolf ist.

So berechtigt also die Freude über das Gesetz ist und so schön sein Lob erklingt, ist da doch eine Mahnung eingeschlossen, nämlich dass es nicht nur uns immer schon nahe ist, sondern dass wir es uns nahe sein lassen sollen. Wenn wir das Gesetz nicht verinnerlichen, es nicht zur inneren verpflichtenden Stimme unseres eigenen Gewissens werden lassen, sondern es bloß äußerlich bleibt, als bloß hemmend und drängend erfahren wird, und entsprechend als etwas, dass wir austricksen und zu unseren Gunsten manipulieren können, dann droht, wie der Apostel Paulus eingeschärft hat, dass das gute und heilige Gesetz zum Werkzeug der Sünde wird. Damit das nicht passiert, sollen wir das Gesetz verinnerlichen, um uns daran zu freuen.

Zu meinen schmachvollsten Niederlagen als Lehrer gehört noch immer die Antwort eines Schülers nach einigen Unterrichtsstunden über die 10 Gebote und die Nächstenliebe: Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst! – dass dieser Schüler auf die Frage, was denn nun das wichtigste Gebot für ihn sei, antwortete: Sich nichts gefallen lassen. So schön und selten eine ehrliche Antwort in der Schule ist, so sehr dokumentiert diese das völlige Versagen meiner Unterrichtsbemühungen. Dass es dem Gesetz nicht nur um meine höchstpersönliche Freiheit geht, sondern dass es einen Raum der Freiheit für alle schafft, insbesondere für die Schwächeren, die sich nicht selbst Recht verschaffen können, konnte ich nicht vermitteln. Und schon gar nicht, dass die Angst, als der Ehrliche der Dumme zu sein, läppisch ist, gegen die Freude am Gesetz.

Eine weitere Perle des Alltagsunrechts, die mir ebenfalls in der Schule begegnet ist, allerdings selbst als Schüler und immer wieder von ein und demselben Lehrer – ironisch, witzig, zynisch – geäußert, lautet, das höchste Gebot sei: Sich nicht erwischen lassen. Und wir hören das so oft und erleben das entsprechende Verhalten, nicht nur bei den schlimmen Ganoven, sondern bei uns Kleinkriminellen jeden Tag. Erst neulich bei einem netten Gespräch, als sich ein gewiss rechtschaffener Freund darüber mokierte, dass ihn die Polizei beim Fahrradfahren in der Fußgängerzone erwischt und ihm ein Knöllchen aufgedrückt habe. Alle gaben ihm in seiner Empörung recht, zu Recht?

Ich kannte einen, der sich ein paar Monate als Rekonvaleszent nach schwerer Krankheit und noch ein wenig wackelig auf den Beinen nicht in die Stadt zu gehen traute, aus Angst von Rad- oder Rollerfahrern angestoßen zu werden und sich dann nicht halten zu können. Wie vielen Älteren und Schwächeren wird es genauso gehen? Und wie unendlich viel größer müsste doch die Freude sein, ist die Freude ganz gewiss, einem guten, offensichtlich sinnvollen Gesetz zu folgen, als der Ärger den Stadtpolizisten kein Schnippchen geschlagen zu haben, ihnen diesmal nicht entwischt zu sein.

Entsprechend und viel größer ist die Freude am Gesetz Gottes, wenn ich ihm folge und es zum Gesetz meines Herzens mache; ich damit zum Teil eines moralischen Universums werde, wie es von Gott geschaffen und von Anfang an gemeint ist: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ (1. Mose 1,31; Teil der Lesung zu Simchat Tora) 

Hubertusandacht an der Feldkapelle

Sonntag, 18. Oktober 2026, 17.00 Uhr

(Foto: R. Jeep)

Seit vielen Jahren laden die ev. Thomasgemeinde und der kath. Kirchort St. Mauritius zur ökumenischen Hubertusandacht an der Feldkapelle im Tennelbachtal ein. Die Andacht wird von Pfarrer Dr. Klaus Neumann und Pastoralreferent i.R. Stefan Herok gehalten. Die musikalische Begleitung liegt wie gewohnt in den Händen des Parforcehorncorps Jagdschloss Platte unter der Leitung von Karl-Heinz Kliegel.

14. Sonntag nach Trinitatis

Und er [Jesus] ging nach Jericho hinein und zog hindurch. Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden.

Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Lukasevangelium 19, 1-10)

„Es steht ja wohl nicht im Gesetz des Mose, dass eine alte Schachtel nicht auf einen Baum klettern darf“ – sagte Astrid Lindgren, die 71jährige stolze, unwürdige Greisin, hoch oben von einem Baum herab. (Bei einem Filmdreh im Jahre 1978)

Ganz im Gegenteil! Können wir heute ergänzen, wenn doch das Evangelium des Lukas den etwas zu klein geratenen Oberzöllner Zachäus ausdrücklich für seine unschickliche Kletterei belobigt.

Es mag bessere und schlechtere Gründe für das Besteigen von Bäumen geben – Obstdiebstahl im Pfarrgarten gehört nicht zu den guten, wie unser Nachbar vor ein paar Jahren schmerzlich zu spüren bekam, als er bei seinem nächtlichen Raubzug aus ein paar Metern Höhe vom Quittenbaum fiel und dort erst einmal wie ein gestrandeter Käfer auf dem Rücken mit den Beinchen nach oben liegen blieb. Reue hat er nicht gezeigt, aber die Worte des schönen und lauten Liedes beherzigt: „Steh auf, wenn du am Boden bist!“. Nach einer Verschnaufpause hat er jedenfalls – gebückt und humpelnd – sein Diebesgut nach Hause verbracht, wo es ihm hoffentlich nicht allzu gut geschmeckt hat. Denn das steht ja nun mal bestimmt im Gesetz des Mose, dass einer nicht stehlen soll, alter Knacker oder nicht.

Aber das sollten wir vielleicht unserem Nachbarn zugestehen, dass er irgendwann doch seine Meinung geändert hat, so wie Zachäus, der als Oberzöllner und Obersünder den Leuten das Geld aus der Tasche zieht, sich nun doch um ein neues Verhältnis zu Gott bemüht. Er beginnt damit, seinen Standpunkt zu verändern, seine Sicht zu verbessern, dem Impuls folgend: Sehen und gesehen werden. Er klettert auf einen Baum. Von da oben sieht die Welt ganz anders aus, nämlich größer und mehr von ihr. Und er – der Kleine – wird nun auf einmal ebenfalls gesehen, er wird wahrgenommen und für wichtig gehalten – sogar von dem, für den er auf den hohen Baum geklettert war; und hoch kann der Baum, wird er gewesen sein.

Ein Maulbeerfeigenbaum (nicht zu verwechseln mit dem Maulbeerbaum oder dem Feigenbaum!), also ein Maulbeerfeigenbaum oder Eselsfeige kann bis zu 20 Meter hoch werden und wächst außer im subsaharischen Afrika fast nur im Jordantal in der Gegend um Jericho. Die Früchte sollen ganz ok schmecken, nicht so gut wie richtige Feigen, aber wegen der Früchte ist Zachäus ja auch nicht hinaufgeklettert, anders als unser Früchtchen aus der Nachbarschaft, von dem schon die Rede war.

Merkwürdig ist auch diese Szene allemal: Ein etwas zu klein geratener, aber doch wohl autoritätsheischender Oberzöllner erklimmt auf offener Szene einen hohen Baum; zwar kein reputierlicher deutscher Finanzbeamter (aber sicherlich auch nicht so schrecklich wie der garstige, gierige Oberzöllner aus Amerika); eigentlich offiziell genug, um sich normalerweise einen solchen Klettergang zu verbieten, gegen den zwar kein Gesetz des Mose, aber Anstand und Sitte und das Gerede der Leute stehen. Was erlaubt der sich? Vielleicht hält er auch seinen Ruf als mutmaßlich betrügerischer Geldeintreiber der römischen Besatzer für hinreichend ruiniert, dass ihn das alles nicht mehr genieren müsste. Dabei ist ihm im anschließenden Wortwechsel seine Rechtschaffenheit durchaus ein Selbstlob wert. Ganz egal ist ihm zumindest das Urteil Jesu nicht.

Um ihn, diesen Jesus geht es dem Zachäus. Von ihm hatte er gehört, nun will er ihn sehen, ihn erleben. Angeblich – so wurde es ihm erzählt – soll er sich mit Leuten wie ihm selbst abgeben, soll die anrüchige Gemeinschaft mit Sündern und Zöllnern pflegen, den damals sprichwörtlichen Sündern pflegen, warum nicht mit einem Oberzöllner wie ihm selbst. Von diesem Menschen Jesus heißt es, dass er die Verlorenen sucht und sie selig macht – und das sogar vom Gesetz des Mose für geboten hält: Selig die Verlorenen, denn sie sollen gefunden werden.

Dafür reckt und streckt sich der kleine Oberzöllner, klimmt sich die Äste empor, krabbelt den Stamm hinauf, bis ganz nach oben, wo er alles sehen und von allen gesehen werden kann. Er geht die Extra-Meile, klettert den Extra- Meter, strengt sich an, kämpft sich ab, fordert sich heraus. Könnten wir ihm auf seinen Baum folgen? Also ich schon mal nicht, der ich froh sein darf, meine drei Stufen zur Kanzel unfallfrei zu bewältigen. Wir Älteren sind entschuldigt, allerdings nicht durch ein Gesetz des Mose, wie Astrid Lindgren überzeugend dargelegt hat – sondern durch die Naturgesetze des Alters und der altersbedingten Wehwehchen.

Pädagogen und Mediziner beklagen, dass Kinder nicht mehr auf Bäume klettern, oft genug, weil wir Eltern unsere Kinder lieber mit dem Helikopter auf die Wipfel fliegen und nicht mehr auf die Bäume klettern lassen – und damit meine ich jetzt bestimmt nicht das betreute Klettern oben auf dem Neroberg. Gemeint ist vielmehr das freie und wilde, das glücklich machende; was sage ich: das allein seligmachende; genau, das Astrid Lindgrensche Klettern, von früher eben, als der Tag mit einer Platzwunde begann und den Erinnerungen an die eigenen Heldentaten endete – morgen versuche ich es noch einmal.

Aus seiner Komfortzone herausgeklettert lässt sich der Zöllner Zachäus von Jesus abholen, zeigt und sagt wie wichtig ihm die Sache mit Gott ist: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Worauf sich Jesus die naheliegende Antwort verkneift, dass er sich die Betrügerei doch gleich hätte schenken können, geschenkt! So wie dem Zöllner die Gnade Gottes durch Jesus geschenkt ist, Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Sollen wir jetzt dem Zachäus nachfolgen, und wie er die Leute betrügen, um anschließend zu ihm auf den Baum zu klettern, um sich mit ihm sehen und retten und selig machen zu lassen? Natürlich nicht! Und zumindest das erste, das Betrügen stünde ja sehr wohl im Gesetz des Mose, dass wir es zu unterlassen haben. Aber wie Zachäus die eigenen Verstrickungen hinter sich lassen, einen neuen Standpunkt und eine neue Sichtweise annehmen und damit Freiheit von sich selbst und für Gott erlangen – das wäre schon was. Wie schon die wundervolle Astrid Lindgren sagte: „Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.“ – Noch nicht einmal wie Zachäus.

„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“

(Hebräer 13,14)

Vergänglichkeitsgedanken Richtung Lebensende oder einfach nur der fällige Umzug nach Jahrzehnten im selben Zuhause (nicht selten fallen beide zusammen) mögen die naheliegenden Anwendungen unseres schönen Bibelwortes aus der Paulustradition sein. Schon der Apostel Paulus selbst sprach von unserem, also der Gläubigen „Bürgerecht im Himmel“, das uns gewährt wird für den Fall, dass „unser Haus, diese Hütte verfällt“.

Diesmal habe ich das Bibelwort für einen anderen Zweck ausgewählt, nämlich um mir das Filmereignis dieses Sommers, Christopher Nolans Film „The Odyssee“ aufzuschließen; oder vielleicht eher umgekehrt, diese große Geschichte, aus einer Perspektive der Bibel zu betrachten. Dabei lautet doch schon einer der berechtigten Einwände gegen Nolans Film, dass er übermäßig christliche Gedanken eintrage, etwa dass Odysseus ein von seinem Gewissen Getriebener sei, was dem – so die Auskunft der Kundigen – uralten griechischen Denken ganz fremd gewesen wäre.

Tatsächlich geht es um die Heimkehr, den nostos (den wir übrigens aus dem Wort „Nostalgie“ gut kennen, das wir allerdings etwas anders verwenden). Homer erzählt in seinem Epos die lange Zeit durch Abenteuer und Gefahren verhinderte, aber letztlich erfolgreiche Heimkehr des Odysseus. Länge und Lärm des Films, die zumindest mich auf Dauer gestört haben, könnten auch darin ihre Ursache haben, dass Autor und Regisseur Nolan so viele fremde und teils widersprüchliche Themen unterbringen wollte. (Wohl noch abwegiger, als das Geschehen vom Gewissen des Odysseus abhängig zu machen, ist die Idee vom Untergang der Zivilisation, die der Trojanische Krieg ausgelöst hätte.)

Das größte Verdienst des Films liegt darin, dass so viele – wir ja auch – dieser Geschichte neu begegnen, alte Ausgaben hervorkramen und neue bestellen. Nimm und lies selbst, ist wie immer (auch bei der Bibel!) die beste Empfehlung. Aus den Quellen selbst sprudeln die besten Gedanken und die ergiebigsten Fragen, meine zum Beispiel: Was sind die Irrtümer und Irrfahrten meines Lebens? Wo bin ich Zuhause? Wie kehre ich dahin zurück? Was verhindert meine Heimkehr?

Das Wort, aus dem heraus Homer seine Odyssee erzählt, nostos, kommt im Neuen Testament der Bibel gar nicht vor. Aber es gibt verwandte Begriffe und ähnliche Geschichten, die unser Leben als Irrfahrt nach Hause beschreiben. Paulus selbst begibt sich auf gefährliche Irrfahrten im Mittelmeer und seine Wegstrecke wird sich mit der des Odysseus vielfach gekreuzt haben, ohne dass er unseres Wissens je heimgekehrt wäre. Oder die berühmte Gleichniserzählung vom verlorenen Sohn, der sich selbst verirrt und verliert, aber am Ende nach Hause zurückkehrt. Oder die Heimkehr des Volkes Israel aus dem Babylonischen Exil.

Ich stelle mir vor, dass auch diese Geschichten der Bibel und ihre Erzähler zuerst, auch viele ihrer Hörer und Leser von Odysseus wussten, auch wenn sie nicht wie Paulus hellenistisch gebildet waren; dass sie vom „vielgewandten“, „listenreichen“ Irrfahrer gehört hatten, der endlich nach unzähligen, unglaublichen Gefahren und Abenteuern schließlich nach Hause findet; so wie wir auch in Kinderbüchern, in Hörspielen und nun eben in einem spektakulären und trotz allem Spektakel sehenswerten Film noch heute von ihm hören und sehen.

„Nostalgie“ in ihrer eigentlichen Bedeutung, als Sehnsucht nach unserem Zuhause, scheint eine dieser Ur-Ideen von uns Menschen zu sein. Im Glauben erfahren wir, dass uns Gott dieses Zuhause bereitet.

Klaus Neumann

Ökumenischer Ausflug: Führung im Frankfurter Städel zu Maria Magdalena

Samstag, 19. September 2026, Treffpunkt: 15.20 Uhr an der Museumskasse des Städel Museums

Ev. Thomasgemeinde und Kath. Kirchort St. Mauritius

Wir besuchen die neue Sonderausstellung im Frankfurter Städel. Dazu heißt es auf der Museumsseite: „Zwischen Heiliger, Sünderin und enger Gefährtin Christi: Seit Jahrhunderten zählt Maria Magdalena zu den faszinierendsten Frauenfiguren der Bibel und der Kunstgeschichte. Das Städel Museum und die Liebieghaus Skulpturensammlung präsentieren die erste umfassende Ausstellung im deutschsprachigen Raum, die ihr gewidmet ist. Dabei erscheint sie nicht nur als Projektionsfläche kultureller und religiöser Vorstellungen, sondern auch als eigenständige Figur, an der sich unterschiedliche Vorstellungen von Körper, Glaube und gesellschaftlichen Rollen zeigen.“ https://www.staedelmuseum.de/de/maria-magdalena

Der Treffpunkt ist um 15.20 Uhr an der Museumskasse, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt. Die 60-minütige Führung durch die Sonderausstellung beginnt um 15.30 Uhr. Die Anreise erfolgt privat, z.B. mit einem Gruppenticket mit der S-Bahn ab Wiesbaden Hbf gegen 14.00 Uhr. Parkhäuser finden sich in Laufnähe. Der Gruppen-Eintritt pro Person kostet 17,00 Euro und gilt für das ganze Museum. Es lohnt sich also, etwas früher zu kommen und die übrigen Säle des Städels zu besuchen. Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung bis Freitag, 18.9., unter asmeine@gmx.de oder Tel. 0162 7474131.