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Gemeindefest zum Erntedank Sonntag, 27. September

Am Sonntagnachmittag, 27.9.2020, feiern wir unser Gemeindefest auf dem baumbestandenen Vorplatz der Thomaskirche und laden Groß und Klein herzlich dazu ein!

15.00 UhrFamiliengottesdienst zum Erntedank

mit Pfarrer Dr. Klaus Neumann und Gemeindepädagoge Achim Hoock

16.00 Uhr – Open air-Klavierkonzert bei Kuchen und Getränken

Gabriela Blaudow und Alesja Herb spielen vierhändig Feurig-Virtuoses von Brahms, Dvoràk und Liszt und schwungvolle Stücke aus Jazz und Moderne.

ab 17.00 UhrGrillen und Ausklang

Bitte beachten Sie die geltenden Hygieneregeln vor Ort und bringen einen Mund-Nasen-Schutz mit.

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Thomaskirche geöffnet

Wir freuen uns, wieder mit Ihnen Gottesdienst zu feiern!

Ab Juni feiern wir wieder zur gewohnten Zeit in der Thomaskirche um 10.00 Uhr (bzw. Familiengottesdienste um 11.00 Uhr).

Der Kirchenvorstand hat ein Sicherheitskonzept beschlossen, dem wir alle folgen müssen. Dazu gehört:

  • Bitte nehmen Sie den Sitz ein, der Ihnen vom Kirchenvorsteher gezeigt wird. Nur die Plätze, auf denen ein Gottesdienstblatt liegt, können belegt werden.
  • Bitte behalten Sie Ihre Maske während des Gottesdienstes auf.
  • Bitte halten Sie auch beim Ein- und Ausgang einen Abstand zu anderen Gottesdienstbesuchern von mindestens 2 Metern.
  • Bitte singen Sie bei den „Liedern ohne Worte“ nicht mit. Singen ist leider nicht erlaubt.
  • Bitte notieren Sie nach dem Gottesdienst Ihren Namen und Ihre Anschrift auf diesen Zettel und lassen Sie ihn auf Ihrem Platz liegen. (Wir sammeln die Blätter, verschließen sie in einem Umschlag und bewahren sie etwa drei Wochen auf für den unwahrscheinlichen Fall, dass eine Infektion dokumentiert werden muss.)

Wir danken Ihnen für die Beachtung und für Ihr Verständnis!

Der Kirchenvorstand der ev. Thomaskirchengemeinde

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Einander beistehen

Liebe Gemeindemitglieder,
liebe Nachbarinnen und Nachbarn
der ev. Thomasgemeinde!

Durch das Corona-Virus sind viele Dinge, die uns bisher selbstverständlich waren, derzeit nicht mehr möglich. Sie sollen aber wissen, dass wir gerade auch jetzt in dieser schwierigen Situation für Sie da sind! Einander beistehen, das können und wollen wir auch jetzt. Für ein seelsorgerliches Gespräch steht Ihnen Pfarrer Dr. Klaus Neumann gerne telefonisch unter 0611/52 35 46 zur Verfügung. 

Wir laden mit vielen anderen Gemeinden dazu ein, jeden Mittag gegen 12.00 Uhr, wenn die Glocken läuten, einen Moment innezuhalten und ein Vaterunser oder ein anderes Gebet zu beten: miteinander, füreinander, für die Kranken, für ihre Familien. Auch am Sonntag soll es um 12.00 Uhr für das gemeinsame Gebet läuten.

Ganz praktisch bieten wir Ihnen zusammen mit unserer katholischen Nachbargemeinde St. Mauritius unsere Hilfe an: Wer selbst auf Hilfe angewiesen ist und keine Angehörigen in der Nähe hat, den unterstützen wir gerne, in dem wir für Sie einkaufen. Wenden Sie sich hierfür bitte telefonisch an:

Anne Sophie Meine unter 0162/7474131 oder
Katrin Sünderhauf unter 0172/99 72 889 oder das
Pfarramt der Thomasgemeinde unter 0611/52 35 46.

Predigttext für den 14. Sonntag nach Trinitatis, 13. September 2020

1Und er – Jesus – ging nach Jericho hinein und zog hindurch. 2Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. 3Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. 4Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. 5Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. 6Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. 7Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. 8Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.9Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. 10Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

(Lukasevangelium 19,1-10)

Es gibt verschiedene Gründe auf einen Baum zu steigen:

Geeignete Bäume, Kletterbäume sind natürliche Spielgeräte für Kinder. Auf Bäume Klettern macht Spaß, nicht zuletzt wegen des gewissen Nervenkitzels, ob man auch heil wieder runter kommt; wobei der Spaß bei spielenden Kindern naturgemäß größer ist als bei der elterlichen Aufsicht, die sich wenig trösten lässt von der Einsicht: runter kommen sie immer:

Es kommt ja darauf an, in welchem Zustand. Eine repräsentative Umfrage unter unseren Konfirmanden hat ergeben, dass sie das – also auf Bäume klettern – eigentlich alle als Kinder gerne gemacht haben – und erfreulicherweise ohne jeden bleibenden Schaden.

Auch bei der Obsternte ist gelegentlich ein Baum zu erklimmen durch den Besitzer wie auch durch sein Gegenteil. Der Gemeindequittenbaum an der Richard-Wagner-Straße weckt jeden Herbst geradezu unbezwingbare Begehrlichkeiten. Nicht wenige Passanten halten die Früchte für Birnen, rupfen sie ab, beißen hinein – und schmeißen sie weg. Andere wissen besser Bescheid, und kommen mit Sack und Pack zur illegalen Ernte. Zu meinem großen Erstaunen musste ich vor ein paar Jahren in der Dämmerung beobachten, wie ein betagter aber offensichtlich rüstiger Senior aus der Nachbarschaft unseren Quittenbaum erklomm und sich eine reife Frucht nach der anderen in die mitgeführte Einkaufstüte sammelte. Als das Behältnis schon gut gefüllt war, verließ den alten Herrn das Gleichgewicht und das Jagdglück und er fiel – zu seinem wie auch zu meinem Schrecken – vom Baum und auf den Rücken, zappelte dortselbst ein paar Minuten mit den nach oben gereckten Beinen wie ein verunglückter Käfer und konnte sich dann durch eine kühne Drehung zuerst in Bauchlage, dann in den Sitz und schließlich in den noch etwas unsicheren Stand bewegen, um sich zwar ohne Reue aber mit den geklauten Früchten nach Hause zu begeben.

Bei der nächsten Begegnung sprach er davon, unglücklich gefallen zu sein, wohl wahr!

Andere Gelegenheit zum Erklimmen eines Baumes kann die Flucht vor einem wilden Tier sein – wobei man sicher sein sollte, dass dieses nicht besser klettern kann als man selbst: Wildgewordene Kühe sind ok – Bären und Großkatzen eher nicht – bei Hunden bin ich mir eben nicht sicher.

Außerdem wäre das Überwinden von Hindernissen wie Mauern oder Bächen zu nennen, das durch günstig gewachsene Bäume erleichtert oder erst ermöglicht wird. Aber auch hier lauert Gefahr: wie leicht landet man im Bach oder auf der Nase.

Heute und mit dieser Zachäusgeschichte können wir unserem kleinen Katalog der Klettergründe einen weiteren Grund für das Besteigen von Bäumen hinzufügen: der etwas kurz geratene Zachäus will sich Überblick und Zugang zu einem interessanten Ereignis verschaffen, einem Event wie man heute sagen würde, eine celebrity kommt ins sonst eher verschlafene Städtchen, Neugier und Hunger auf die Sensation treiben ihn, religiöse Bedürfnisse ausdrücklich nicht: Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre.

Jesus, dem sein Ruf voraus geeilt ist, besucht Jericho, das Gedränge ist groß – undenkbar in unseren sozial distanzierten Zeiten gerade – und der zu spät gekommene und nicht gerade hünenhafte, sondern im Gegenteil kurz geratene Zachäus droht von dem Ereignis nur die Hinterköpfe und die Rücken der vor ihm Stehenden zu sehen.

Aber das Ereignis verspricht so interessant zu werden, dass Zachäus keine Mühe scheut, einen günstig stehenden Baum zu erklimmen – dabei auch das Risiko eines Sturzes in Kauf nehmend – um Jesu zu sehen und zu hören. Ganz ohne Komik – ich stelle ihn mir als kleinen, leicht übergewichtigen, sonst durchaus und jederzeit auf Autorität bedachten Finanzbeamten, nein Oberfinanzbeamten! vor, wie er umständlich und ungeübt den Baum erklimmt, dessen Äste unter der Last knacken und knirschen – ganz ohne Komik, ist das nicht. Eigentlich krabbeln gesetzte, wohlhabende Herren in Führungspositionen nicht auf Bäume.

So viel Interesse wecken nicht viele Prediger und auch Jesus, dem ja eigentlich durchweg die Leute zulaufen, nimmt den besonderen Eifer des Zachäus besonders wahr. Vielleicht fühlt er sich sogar ein bisschen geschmeichelt, dass da jemand diese Mühe auf sich nimmt, nur um ihm zu begegnen.

Jesus spricht den auf dem Baum Sitzenden an, macht ihn zum Gegenstand der Szene und der Geschichte und lädt sich bei ihm ein: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Zachäus bleibt nicht Besucher und Beobachter – sondern wird zur Hauptfigur neben Jesus, zu seinem Gastgeber, mehr noch: zu seinem Stichwortgeber; er scheint sich von einer Sekunde auf die andere zum Musterfrommen, zum frommen Streber zu wandeln: Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück .

Jesus nutzt die Situation und zeigt an Zachäus, worum es ihm überhaupt geht: Alle dürfen zu Gott, niemand wird ausgeschlossen, auch die Sünder nicht, gerade die nicht. Jesus wendet sich in Gottes Namen den Diskriminierten zu – und eben auch denen, die sich selbst diskriminieren – die wie der Zöllner Zachäus durch Betrügen und Geld Zusammenraffen sich selbst diskriminieren: Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Aufmerksame Leser des Lukasevangeliums – und die sind wir ja – werden allerdings bemerken, dass sich unsere Zachäusgeschichte direkt auf die Gleichnisgeschichte vom Pharisäer und dem Zöllner aus dem Kapitel davor bezieht, über die wir vor ein paar Sonntagen nachgedacht haben und die es den Lesern viel weniger einfach macht sich zu identifizieren als zuerst vermutet. Auch unsere Geschichte ist viel weniger eindeutig als unsere Schulweisheit es will.

Zachäus, der reiche Oberzöllner, den wir uns als Betrüger an seinem Volk und als Kollaborateur der römischen Besatzer denken müssen, wendet sich – gut hörbar für die Umstehenden! – mit beinahe denselben Worten an Jesus; mit denselben Worten, die der streberhafte Pharisäer der anderen Geschichte zu Gott betet: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Da geriert sich also jemand als Robin Hood von Jericho, der den betrügerischen Gewinn, sagen wir: seinen Zollraub, an die Armen verteilt.

Wahrscheinlich ist das nicht und das müssen wir ihm nicht glauben.

Das müssen wir ihm deshalb nicht glauben, weil er es ja – wie gesagt – gerade mit denselben streberhaften, prahlerischen und vermutlich heuchlerischen Worten sagt, mit denen der Pharisäer seine Qualitäten vor Gott und den Menschen anpreist, und die dort – nur ein Kapitel zuvor – ausdrücklich für diese Worte kritisiert werden.

Und das müssen wir auch deshalb nicht glauben, weil es nicht zum Fazit der Geschichte passen würde: Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. „Verloren“ zu nennen aus der Sicht Jesu, wäre ja der gerade nicht, der in solch vorbildlicher Weise Gerechtigkeit übt und sogar den Armen hilft – und dabei obendrein noch den römischen Herren ein Schnippchen schlägt; Zollbetrug als Akt des heimlichen Widerstands womöglich, statt Kollaboration Resistance – eher unwahrscheinlich!

Und das müssen wir schließlich schon gleich gar nicht glauben, weil es die Pointe der ganzen Geschichte moralisiert und damit kaputt macht: Der Gute wird gelobt, wie langweilig! Nein der Böse wird trotz allem angenommen. Die Gnade Gottes, die sich im Kommen des Menschensohns zeigt, ist doch viel größer und viel überraschender dann, wenn sie sich am ganz und gar unwürdigen Objekt zeigt; nicht am Musterknaben sondern am Bösewicht.

Aber vielleicht irre mich auch. Vielleicht mache ich uns die Geschichte komplizierter als sie ist. Oder schlimmer: vielleicht spricht auch nur der falsche Pharisäer aus mir und meiner Deutung, die dem Zöllner nichts zutraut, die ihn mit meinen Vorurteilen auf seine Sünde behaftet und über Gottes Gnade, die sich dem offensichtlichen Sündern zuwendet, murrt: Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt.

Das ist die neidvolle Haltung derer, die alles richtig zu machen meinen, ihre eigene Sünde verkennen – nämlich die des Hochmuts, der Selbstgerechtigkeit und der Heuchelei – und die darüber murren, wenn sie sich von Gott übergangen fühlen. Dann wären die – also wir – die wahren Verlorenen, die verlorenen Verlorenen, die genau das – also ihr eigenes Verlorensein – in solchen Geschichten erkennen sollen, um dann – irgendwann – nicht auf sich zu vertrauen, sondern auf Gott zu hoffen, um am Ende auch mitgemeint zu sein: Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Oder vielleicht gibt es einfach nicht nur mindestens 4 Gründe auf einen Baum zu klettern sondern auch mehr als eine Art unsere Geschichte zu erklären. Vielleicht will uns ja Jesus – und wollen es seine Biographen wie Lukas – so in seine Geschichten hinziehen, involvieren, verwickeln und umhüllen, damit sie zu unseren werden, damit wir in ihnen leben und denken und sind; nicht um uns in ihnen zu verlieren sondern um in Ihnen von Gott gefunden zu werden. Amen.

Klaus Neumann, Pfarrer

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes und dein Recht wie die große Tiefe. Herr, du hilfst Menschen und Tieren. Wie köstlich ist deine Güte, Gott, daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben! Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses, und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht. (aus Psalm 36).

Mein Lieblingspsalm spricht und singt von der alles umfassenden Gnade Gottes, der Leben und immer mehr und neues Leben schenkt. Ich spreche ihn bei den meisten Tauf- und Traugottesdiensten, die in besonderer Weise Feste des Lebens sind, das Leben feiern, und spreche ihn auch sonst gern, und denke an ihn in der Natur, am Meer, in den Bergen, unter weitem Himmel: Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist. Auch in diesem Jahr ist das so, in dem so vieles anders ist oder doch anders scheint. Eindringlich, vielleicht eindringlicher als sonst oft vermittelt die Seuche die Zerbrechlichkeit unseres menschlichen Lebens; aber wer einmal ernsthaft krank war oder einen Sterbenden begleitet hat, wusste das eigentlich schon vorher, dass wir zerbrechlich, dass wir sterblich sind; das wussten ja schon die alten Griechen, die die Menschen die „Sterblichen“ nannten und in der Bibel steht es natürlich auch: Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden (Psalm 90,12).

Auch unsere Psalmverse wissen davon, deuten das an, wenn von Hilfe, von Zuflucht, von Licht die Rede ist: Hilfe wovor, Zuflucht wohin, Licht in der Dunkelheit? Ohne diese Tiefendimension, ohne den Schatten über dem Bild, das der Psalm zeichnet, wäre es bloß Kitsch, ein alberner Schlager oder leerer Trivialroman. Der könnte uns allenfalls betäuben, aber nicht erheben, was er doch tut. Menschliches Leben ist hilfsbedürftig, braucht Zuflucht und Schutz, sucht Orientierung, wenn es geht, Orientierung am Licht des Lebens, damit wir nicht im Dunkeln herumirren. Zerbrechlichkeit und Sterblichkeit kränken unseren Anspruch auf Autonomie, wieso es nur folgerichtig, aber absurd ist, dass viele Menschen und mittlerweile sogar das meistens doch ganz vernünftige Bundesverfassungsgericht den selbstgewählten Tod – also die definitive Negation von Autonomie – für den letzten Test und entscheidenden Ausdruck menschlicher Selbstbestimmung halten.

(Dass wir diesem Urteil des Gerichts weniger als die notwendige Beachtung und Kritik zuwenden, gehört zu den Kollateralschäden der Seuche, die alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.) Das Leben aktiv zu beenden oder dabei zu helfen, darf nicht für staatliche oder ärztliche Pflicht gehalten werden, sondern vielmehr die Fürsorge der Lebenden für die Sterbenden. (Und dass in Zeiten der Seuche so viele Menschen unbegleitet und ungetröstet sterben mussten, das ist allerdings ihr größter Schaden.)

So wie Religion möglicherweise im Bestattungskult einen Ursprung hat, so lässt sich – glaube ich – umgekehrt unser Sterben nicht ohne den Glauben denken und ertragen. Mit dem Leben hat uns Gott das Sterben gegeben, leben können heißt sterben müssen (was hier religiös gemeint ist, aber auch biologisch stimmt.) Unsere Aufgabe als Menschen, unsere Lebensaufgabe besteht darin, das Geschenk unseres Lebens anzunehmen – zu feiern! – und dabei dem, der uns das Leben gab, so zu vertrauen, dass wir es loslassen können, wenn er es uns wieder nimmt. Nicht zufällig bildet der Himmel den Ort ab, an den uns Gott nach dem Tod führt: Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist – viel weiter, als wir uns das denken können.

Klaus Neumann, Pfarrer

Ökumenischer Freiluft-Gottesdienst zum Tag des Apostels Thomas am 3. Juli 2020 – Update Bilder

Die Ev. Thomasgemeinde und der kath. Kirchort St. Mauritius laden Sie herzlich ein zum ökumenischen Freiluft-Gottesdienst zum Tag des Apostels Thomas am Freitag, 3. Juli 2020, um 20.00 Uhr vor der Thomaskirche.

Mit Pfarrer Dr. Klaus Neumann und Pastoralreferent Stefan Herok

Gabriela Blaudow am Klavier

Nachdem sich unser Johannisgottesdienst am 20. Juni solch großen Zuspruchs erfreut hat, möchten wir die Reihe der sommerlichen Freiluft-Gottesdienste gerne fortsetzen! Am 3. Juli geht es um den Namensgeber der Thomaskirche.

Bitte tragen Sie einen Mund-/Nasenschutz. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Bei Regen wird der Gottesdienst kurzfristig abgesagt.

Ökumenische Pilgerwanderung am Samstag, 13. Juni 2020 – Update Bilder

Bilder der Wanderung

Eine unserer Veranstaltungen, die wir vor der Corona-Zeit angekündigt hatten, musste nicht abgesagt werden und kann also stattfinden – vorausgesetzt, wir halten genügend Abstand zueinander: Zur ökumenischen Pilgerwanderung der Thomasgemeinde und St. Mauritius laden wir Sie herzlich ein!

Wir treffen uns am Samstag, 13. Juni 2020, um 9.00 Uhr am Kloster Klarenthal und wandern auf abwechslungsreichen Wegen in schöner Natur bis zum Kloster Eberbach.

Postkarte vom Kloster Klarenthal – © Virtuelles Stadtteilmuseum Wiesbaden-Klarenthal
Kloster Eberbach

Die Rückfahrt ist individuell mit Bus und Bahn. Gute Kondition und festes Wanderschuhwerk sind erforderlich. Die Wanderung dauert mehrere Stunden und führt über einige hundert Höhenmeter. Bei schlechtem Wetter (Dauerregen, Gewitter, Sturm) fällt die Pilgerwanderung aus.

Wir freuen uns auf die gemeinsame Wanderung!

Pfarramt der Thomasgemeinde: Tel. 0611. 52 35 46

Gedenkjahr – Dietrich Bonhoeffer (1906-1945)

Vor 75 Jahren ist Dietrich Bonhoeffer am 9. April 1945 nach langer Haft von den Nazis als Widerständler und Mitverschwörer des 20. Juli 1944 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet worden – wenige Tage vor Kriegsende. Wie kein anderer evangelischer Theologe des vergangenen Jahrhunderts hat Bonhoeffer durch sein Werk – und mehr noch durch sein Leben – Kirche und Theologie, aber auch die öffentliche Erinnerung an die Naziherrschaft geprägt. Wenn es einen evangelischen Märtyrer und „Heiligen“ gibt, dann Bonhoeffer. Als solcher ist er z.B. auf dem Portal der Westminster Abbey in London mit anderen Glaubenszeugen unterschiedlicher Nationen und Konfessionen abgebildet, so wie auf zahlreichen Denkmälern überall. Aber auch sein Werk, das für seine wenigen Lebens- und Schaffensjahre erstaunlich umfangreich ist, beinhaltet wichtige Stichworte und Anstöße bis heute, ohne dass man sagen könnte, dass die Kirche ihm gefolgt wäre. Ihm gelingen Wendungen, die noch heute im Ohr klingen: Dem Rad in die Speichen fallen, damit meint Bonhoeffer Recht und Pflicht des christlichen Widerstands gegen staatliches Unrecht, wenn kirchliche Kritik daran wirkungslos und praktische Hilfe für „die unter das Rad“ Gefallenen erschöpft und vergeblich sind.

Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen hat er seinen Vikaren in der Ausbildung der Bekennenden Kirche eingeschärft als erster und lange Zeit einziger deutscher Theologe, der sich gegen das nationalsozialistische Unrecht an den Juden wandte.

Kirche für andere war für Bonhoeffer die einzig wahre und mögliche Kirche, d.h. eine Kirche, die sich nicht um sich selbst dreht und mit sich selbst beschäftigt, sondern sich in der Nachfolge Jesu um die „Mühseligen und Beladenen“ kümmert und dazu konsequent auf eigenen Besitz und Sicherheit verzichtet.

Religionsloses Christentum wendet seine Idee von der „Kirche für andere“ auf theologische Grundsatzfragen an: Auch die Theologie hat den überkommenen Besitz und Ballast religiöser Sondersprache aufzugeben, um in einer säkularen Umwelt gehört zu werden und sich ganz ihrer Aufgabe zu widmen, den Glauben an Jesus Christus weiterzugeben.

Billige und teure Gnade unterscheidet ebenfalls theologisch zwischen menschengemachten Wunschvorstellungen von Gott („dem lieben Gott“, der uns alle gleich lieb hat, dem wir aber auch gleichgültig wären und der uns letztlich auch gleichgültig ist) und der Wirklichkeit Gottes (dem fordernden Gott, der uns zu Jesus am Kreuz stellt, aber uns auch dort zu halten und retten vermag).

Und in seinem Lied Von guten Mächten wunderbar geborgen trifft er einen Ton, der uns trösten kann. Er hat es 1944 im Gefängnis in der Haftanstalt Tegel in Berlin verfasst.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

Klaus Neumann

Als Treffpunkt Theologie digital diskutieren wir gegenwärtig Bonhoeffer-Texte. Wer mitmachen will, melde sich bei: Neumann-klausphilipp@t-online.de
Bildquelle: https://www.dietrich-bonhoeffer.net

Ökumenischer Johannisgottesdienst

mit Johannisfeuer

Samstag, 20. Juni 2020, 21.00 Uhr Vorplatz der Thomaskirche

Pfarrer Dr. Klaus Neumann, Ev. Thomasgemeinde, und Pastoralreferent Stefan Herok, Kath. Kirchort St. Mauritius

Gabriela Blaudow, Klavier

In der Zeit um die kürzeste Nacht des Jahres wird in vielen Gemeinden an den Geburtstag von Johannes dem Täufer mit einem Gottesdienst und einem Johannisfeuer – bei uns ein Feuerkorb in der Mitte des Kirchplatzes – gedacht. Bitte tragen Sie einen Mundschutz. Bei ein paar Regentropfen ziehen wir uns unter die Arkaden zurück. Bei Regen wird der Gottesdienst kurzfristig abgesagt.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Das Phänomen der Stille

In der Anfangszeit der Krise, als der Alltagslärm verstummte, nahmen wir alle plötzlich wieder wahr, wie still es sein kann. Seit es ihn gibt, horcht der Mensch. Er muss die Stille deuten. Ist eine unsichtbare Gefahr im Verzug? Oder ist sie Ausdruck des Friedens? Ganz still ist es nie. Naturgeräusche gehören dazu. Das Singen entstand daraus, und aus ihm die Musik. Sie ist wiederum ohne Stille nicht denkbar, denn Musik wird von Stille eingerahmt. Eine gezähmte Stille, in ihrer Dauer sauber notiert und gezielt gesetzt, ist die Pause. Dauert sie länger als erwartet, wird sie zur Stille umgedeutet. Der Mensch horcht auf (wie wir heute): Was passiert hier? Wann geht es weiter?

Eine unglaubliche Idee übernahmen die antiken Pythagoräer von den Babyloniern: die Sphärenharmonie. Sie stellten sich die Strecke von der Erde zum Himmel als gespannte Saite vor, die von den umlaufenden Planeten in exakten Höhenverhältnissen zum Schwingen gebracht wird. Dass ausgerechnet der Mensch die Sphärenharmonie nicht hören kann, war noch lange kein Argument gegen ihre Existenz. Die Idee wurde Jahrhunderte lang immer wieder diskutiert. Schließlich überwog die uns heute noch prägende Dialektik: Musik ist das Hörbare – Stille ist ihr Gegenteil.

Der Barockmusiker Johann Sebastian Bach setzte die längere Generalpause als rhetorische Figur ein, die z.B. in beiden Passionen den Tod Christi nach den Worten „…und verschied“ eindrucksvoll symbolisiert. Ein Freigeist wie Beethoven nutzte oft sehr dramatische Pausen. Ein Beispiel: Im Schlusssatz der 9. Sinfonie (1824 in Taubheit komponiert) schmettert der Chor mit voller Kraft: „und der Cherub steht vor Gott, vor Gott, vor Gott!“ Es folgt eine kurze, aber umso wirkungsvollere Pause: das ganze Gefüge hängt für einen atemlosen Moment in der Luft. Und dann folgt ein völlig neuer Teil. Noch dramatischer geht es in Igor Strawinskys Skandal-Ballett „Frühlingsopfer“ (1913) zu. Der erste Teil endet in einem irrsinnigen Tumult, der brutal abbricht. Ein unheilvolles Vorzeichen. Denn im leise beginnenden zweiten Teil wird nach heidnischem Ritus ein Mensch geopfert.

Den schmalen Grad zwischen Musik und Stille kannte niemand besser als Franz Schubert. Kurz vor seinem frühen Tod (1828) schrieb er sein Streichquintett C-Dur. Im Adagio gibt es eine sehr leise Stelle, wo die fünf Streicher wie blind und taub nach der Musik zu tasten scheinen. Die Pausen sind zwar sauber notiert, doch die Töne ergeben keinen Sinn mehr. Für einen Moment löst sich die Musik ins Nichts auf. Ganz ähnlich verfährt Arvo Pärt im 2. Satz „Silentium“ im Stück „Tabula Rasa“ (1977). Es bleiben –wie am Ende von Haydns Abschiedssinfonie – zwei Streichinstrumente übrig. Immer tiefer und leiser werdend, nähern sie sich der Stille an und verschmelzen schließlich mit ihr. Die Stille ist hier nicht mehr Gegenteil, sondern Teil der Musik.

Und schließlich John Cages „4‘33“. (1952) Der Musiker spielt viereinhalb Minuten: nichts. Cage dreht die Konzertsituation um. Also wird das Publikum unruhig und lauscht. Es horcht in sich hinein. Es nimmt den eigenen Atem, die Geräusche der anderen, die knisternde Stille wahr. Man könnte dies für einen simplen Kunstscherz halten, doch Cage führt hier etwas vor, was wir so oft vergessen. In der Stille schärft man seine Sinne und bemerkt vieles mehr als erwartet.

Anne Sophie Meine

CD-Tipp: Franz Schubert: Adagio aus Streichquintett C-Dur, Alban Berg Quartett, Heinrich Schiff; EMI. Arvo Pärt: Tabula Rasa: Viktoria Mullova, Paavo Järvi; Onyx.