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Ökumenischer Freiluft-Gottesdienst zum Tag des Apostels Thomas am 3. Juli 2020

Die Ev. Thomasgemeinde und der kath. Kirchort St. Mauritius laden Sie herzlich ein zum ökumenischen Freiluft-Gottesdienst zum Tag des Apostels Thomas am Freitag, 3. Juli 2020, um 20.00 Uhr vor der Thomaskirche.

Mit Pfarrer Dr. Klaus Neumann und Pastoralreferent Stefan Herok

Gabriela Blaudow am Klavier

Nachdem sich unser Johannisgottesdienst am 20. Juni solch großen Zuspruchs erfreut hat, möchten wir die Reihe der sommerlichen Freiluft-Gottesdienste gerne fortsetzen! Am 3. Juli geht es um den Namensgeber der Thomaskirche.

Bitte tragen Sie einen Mund-/Nasenschutz. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Bei Regen wird der Gottesdienst kurzfristig abgesagt.

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Thomaskirche geöffnet

Wir freuen uns, wieder mit Ihnen Gottesdienst zu feiern!

Ab Juni feiern wir wieder zur gewohnten Zeit in der Thomaskirche um 10.00 Uhr (bzw. Familiengottesdienste um 11.00 Uhr).

Der Kirchenvorstand hat ein Sicherheitskonzept beschlossen, dem wir alle folgen müssen. Dazu gehört:

  • Bitte nehmen Sie den Sitz ein, der Ihnen vom Kirchenvorsteher gezeigt wird. Nur die Plätze, auf denen ein Gottesdienstblatt liegt, können belegt werden.
  • Bitte behalten Sie Ihre Maske während des Gottesdienstes auf.
  • Bitte halten Sie auch beim Ein- und Ausgang einen Abstand zu anderen Gottesdienstbesuchern von mindestens 2 Metern.
  • Bitte singen Sie bei den „Liedern ohne Worte“ nicht mit. Singen ist leider nicht erlaubt.
  • Bitte notieren Sie nach dem Gottesdienst Ihren Namen und Ihre Anschrift auf diesen Zettel und lassen Sie ihn auf Ihrem Platz liegen. (Wir sammeln die Blätter, verschließen sie in einem Umschlag und bewahren sie etwa drei Wochen auf für den unwahrscheinlichen Fall, dass eine Infektion dokumentiert werden muss.)

Wir danken Ihnen für die Beachtung und für Ihr Verständnis!

Der Kirchenvorstand der ev. Thomaskirchengemeinde

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Einander beistehen

Liebe Gemeindemitglieder,
liebe Nachbarinnen und Nachbarn
der ev. Thomasgemeinde!

Durch das Corona-Virus sind viele Dinge, die uns bisher selbstverständlich waren, derzeit nicht mehr möglich. Sie sollen aber wissen, dass wir gerade auch jetzt in dieser schwierigen Situation für Sie da sind! Einander beistehen, das können und wollen wir auch jetzt. Für ein seelsorgerliches Gespräch steht Ihnen Pfarrer Dr. Klaus Neumann gerne telefonisch unter 0611/52 35 46 zur Verfügung. 

Wir laden mit vielen anderen Gemeinden dazu ein, jeden Mittag gegen 12.00 Uhr, wenn die Glocken läuten, einen Moment innezuhalten und ein Vaterunser oder ein anderes Gebet zu beten: miteinander, füreinander, für die Kranken, für ihre Familien. Auch am Sonntag soll es um 12.00 Uhr für das gemeinsame Gebet läuten.

Ganz praktisch bieten wir Ihnen zusammen mit unserer katholischen Nachbargemeinde St. Mauritius unsere Hilfe an: Wer selbst auf Hilfe angewiesen ist und keine Angehörigen in der Nähe hat, den unterstützen wir gerne, in dem wir für Sie einkaufen. Wenden Sie sich hierfür bitte telefonisch an:

Anne Sophie Meine unter 0162/7474131 oder
Katrin Sünderhauf unter 0172/99 72 889 oder das
Pfarramt der Thomasgemeinde unter 0611/52 35 46.

Predigttext für den 3. Sonntag nach Trinitatis, 28. Juni 2020

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast. (Buch des Propheten Micha 7, 18-20)

Vorzeiten, also zur Zeit des Propheten Micha – vielleicht vor gut zweieinhalbtausend Jahren – konnte man davon ausgehen, dass etwas in die Tiefen des Meeres hineingeworfen verschwunden und dann für immer weg ist.

Wir Heutigen wissen, dass das nicht der Fall ist, denn wir haben es blödsinnigerweise ausprobiert und fahrlässig in Kauf genommen, dass wir unseren ganzen Müll ins Meer gekippt haben und noch immer hineinkippen. Weg ist der dann gerade nicht. Zigtonnenweise Plastik, Giftmüll, Dünnsäure, Öl, Schrott – der ganze Mist, den wir produzieren, landet zu großen Teilen im Meer. Weg ist der nicht.

Auf meiner Lieblingsinsel in der Ostsee wird immer mal wieder gefährliches Gift aus Waffenschrott, den wir Deutsche am Ende des Zweiten Weltkriegs ins Meer geschmissen haben, angespült. Ich habe zwar noch nie was davon gesehen, aber es ist ein unangenehmes Gefühl, dem Zeug begegnen zu können. Es soll echt ätzend sein.

Das passt nicht zusammen: Müll im Idyll, Meer und Strand und dann gefährlicher Abfall. Für uns Urlauber passt das nicht, aber für die, die dort im Meer wohnen schon gar nicht: für Fische und Wale und Meeresschildkröten und Robben und Krebse und Seepferdchen passt das nicht und immer wieder gehen sie daran zugrunde und werden angeschwemmt mit kiloweise Müll im Bauch – wobei bei einem Seepferdchen schon ein paar Mikrogramm Plastikmüll reichen. Weg ist der Müll nicht, wenn man ihn ins Meer schmeißt.

Und eigentlich hat man das auch schon in biblischer Zeit gewusst, dass Fische und andere Meerestiere, das, was ins Meer geworfen wird, aufschnappen und sogar an Land zurück bringen können. Jona hat davon profitiert, wurde im Bauch des Wals gerettet und von ihm ans Ufer gespuckt. Oder Petrus, der den Steuergroschen im Fischmaul findet. Das, was ins Meer geworfen wird, ist nicht weg.

Und so könnte man auch fragen, ob unsere Sünden, die Gott in die Tiefen des Meeres wirft, wirklich weg sind. Mehr noch: Man kann fragen, ob man sie sich weg wünschen soll. Denn böse Taten haben ja folgen, wir haben da was angerichtet, anderen weh getan, die Natur geschädigt, uns selbst damit auch. Da kann man ja nicht einfach so tun, als wäre nichts gewesen; ab ins Meer und Augen zu und womöglich weiter so wie bisher. Wer kann sich das wünschen? Wahrscheinlich ist doch eher, dass das irgendwann wieder an Land gespült oder an den Strand gespuckt wird: unsere Verfehlungen und Versäumnisse, unsere Vergehen und unsere Verbrechen. Verdrängtes kehrt wieder. Und dass es sich dann rächt, dass wir da nichts aufgearbeitet und aktiv wieder gut gemacht haben, so gut es eben geht.

Vielleicht meint es Gott zu gut mit uns hier, oder der Prophet Micha meint bloß, dass es Gott so gut mit uns meint. Könnte er sich mit seiner Idee der alles zudeckenden Gnade irren? (Micha natürlich, Gott irrt sich nicht, oder doch? Kann Gott sich irren? „Da reute es den Herrn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden“ leitet die Sintflutgeschichte ein, als Gott alles und wirklich alles – Sünde mitsamt den Sündern – ins Meer versenkt [1. Mose 6,6] und nach überstandener Katastrophe abermals sein Handeln bereut: „Ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.“ [1. Mose 8,21] Von Gottes Reue ist öfter die Rede. Irrt wer reut? Und ist das überhaupt anders denkbar, wenn Menschen echte Freiheit haben, dass sie dann so handeln, dass auch Gott als irrtumsfähig aber auch als fähig, sich selbst zu korrigieren, gedacht werden muss? Erarre divinum est?! Wäre dann Gottes Weisheit und Allwissenheit als gerade die Fähigkeit zu verstehen, einen Irrtum einzusehen und sich selbst zu korrigieren? Könnten wir ihn uns dann nicht für unser Handeln zum Vorbild nehmen?) Auch der Prophet Micha rechnet im Wesentlichen mit einem strafenden Gott (vgl. die Kapitel 1-6 seines Buches) und hofft dennoch, dass am Ende nicht Fluch sondern Segen das entscheidende Handeln Gottes sei, nicht Strafe sondern Gnade. Welche Gnade?

Der Prophet einer anderen Situation, Dietrich Bonhoeffer (dessen 75. Todesjahr in dieser Corona-Zeit viel zu wenig gewürdigt wird und unterzugehen droht), unterscheidet billige und teure Gnade. Billige Gnade, also die vom theologischen Grabbeltisch oder vom Glaubens-Discounter sozusagen, ist zu billig, weil sie uns nicht verändert, weil sie uns eigentlich in unseren Sünden lässt. Was nichts kostet, ist auch nichts wert. Das könnte auch für Gottes Gnade gelten, wenn wir sie falsch verstehen. („Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf heute geht um die teure Gnade. Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost, verschleudertes Sakrament; Gnade als unerschöpfliche Vorratskammer der Kirche, aus der mit leichtfertigen Händen bedenkenlos und grenzenlos ausgeschüttet wird; Gnade ohne Preis, ohne Kosten. Das sei ja gerade das Wesen der Gnade, daß die Rechnung im voraus für alle Zeit beglichen ist. Auf die gezahlte Rechnung hin ist alles umsonst zu haben. Unendlich groß sind die aufgebrachten Kosten, unendlich groß daher auch die Möglichkeiten des Gebrauchs und der Verschwendung. Was wäre auch Gnade, die nicht billige Gnade ist? Billige Gnade heißt Gnade als Lehre, als Prinzip, als System; heißt Sündenvergebung als allgemeine Wahrheit, heißt Liebe Gottes als christliche Gottesidee. Wer sie bejaht, der hat schon Vergebung seiner Sünden. Die Kirche dieser Gnadenlehre ist durch sie schon der Gnade teilhaftig. In dieser Kirche findet die Welt billige Bedeckung ihrer Sünden, die sie nicht bereut und von denen frei zu werden sie erst recht nicht wünscht. Billige Gnade ist darum Leugnung des lebendigen Wortes Gottes, Leugnung der Menschwerdung des Wortes Gottes. Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders.“ Dietrich Bonhoeffer, Nachfolge 1937)

Man muss dem Propheten Micha nicht unterstellen, dass er uns Gottes Gnade zu billig verkaufen will, sondern wir selbst müssen uns hüten, den Preis für Gottes Gnade zu drücken. Wenn etwas zu billig wird, verlieren wir den Respekt davor. Was nichts kostet, ist auch nichts wert. Es gibt einen fairen Preis für die meisten Dinge. Das gilt auch für die Gnade Gottes (wie übrigens für Schweinefleisch. Geiz ist nicht geil, sondern garstig und grausam, grausam gegenüber Tier und Mensch. Das hätten wir schon längst wissen können [vgl. Upton Sinclair, The Jungle von 1906 über die Zustände in den Schlachtbetrieben in Chicago] und jetzt muss es jeder wissen. Wir sollten jedenfalls nicht damit rechnen, dass Gottes Gnade unsere Verantwortung für die Misshandlung von Mensch und Tier in der Fleischindustrie zudeckt und in die Tiefen des Meeres wirft.)

Aber widerspricht das nicht dem Begriff der Gnade, wenn ich sie mir durch mein Tun verdienen muss? Irgendwie schon. Umgekehrt verhöhnt es Gott, wenn ich seiner Gnade nicht durch meine Umkehr begegne. Ich schlage Gottes Gnade ja aus, wenn ich zwar seine Wohltat entgegennehme aber seinen Willen missachte. Gnade lebt davon, angenommen zu werden.

Am Beispiel der Corona-Krise lässt sich das verdeutlichen: Wir hier werden in der überwiegenden Mehrheit relativ und einigermaßen unbehelligt aus der Krise herauskommen. Diese Gnade, die die weitaus meisten erleben und erleben werden, sollten wir aber nicht als unser Recht und schon gar nicht als unser Verdienst ansehen (und schon überhaupt gar nicht als Beleg dafür, dass „die Virus-Gefahr überschätzt wurde“ wie die Blöd-Zeitung in unüberbietbarer Idiotie diese Woche titelt). Weder können wir hier etwas für das Glück zu überleben, noch können die Menschen in Bergamo, in Madrid, in New York und jetzt in Brasilien etwas dafür, die massenhaft sterben. Aber wir können und sollen danach sehen, was wir verändern müssen, um solche Seuchen zu verhindern oder zumindest ihre katastrophalen Folgen für so viele zu verhindern. (Und selbstverständlich gilt dasselbe – vielleicht noch dringlicher – für die drohende Klimakatastrophe!) Wir sollen und müssen in dem Geschehen den prophetischen Ruf zur Umkehr hören: Kehrt um! Wie es der Täufer Johannes, den wir in der vergangenen Woche gefeiert haben, in Tradition der Propheten wie Micha uns zuruft. Kehrt um! Prüft euer Handeln! Ändert euer Leben!

Gottes Gnade bezeichnet kein: Weiter so! sondern eine zweite Chance (oder eine dritte, vierte, siebte oder von mir aus siebenundsiebzigste – nein siebenmahl siebzigste – Chance, Matthäus 18,22), unser Leben so zu ändern, einzurichten, dass es der Gnade Gottes entspricht: Dass ich das zeige, an meinem Leben zeige, dass mir das Leben von Gott geschenkt ist; Dass ich zeige, an meinem Leben zeige und damit anerkenne, dass mich Gott wunderbar gemacht hat – und alle anderen auch, und alles andere auch; Dass Gott nicht einfach meine Sünde bedeckt oder in den Tiefen des Meeres versenkt, sondern mir tragen hilft; Dass er mir hilft, mein Leben zu verändern.

Wenn es nicht so katholisch klingen würde, könnte man sagen, dass die Gnade Gottes Hilfe zur Selbsthilfe ist. Trotzdem stimmt das. (Auch Katholiken irren nicht immer! Und Recht-haben-wollen ist nicht der edelste Charakterzug der Evangelischen – selbst wenn sie mal recht haben sollten!) Nur dass die Selbsthilfe – also die Umkehr zum gottgefälligen Leben – immer und in jedem Moment aus Gnade geschieht, das wäre festzuhalten! Sie – die Gnade – ist gleichzeitig Treibstoff und Kompass unserer Umkehr ins Leben.

Aber gehen müssen wir schon selbst. Amen.

Ökumenische Pilgerwanderung am Samstag, 13. Juni 2020 – Update Bilder

Bilder der Wanderung

Eine unserer Veranstaltungen, die wir vor der Corona-Zeit angekündigt hatten, musste nicht abgesagt werden und kann also stattfinden – vorausgesetzt, wir halten genügend Abstand zueinander: Zur ökumenischen Pilgerwanderung der Thomasgemeinde und St. Mauritius laden wir Sie herzlich ein!

Wir treffen uns am Samstag, 13. Juni 2020, um 9.00 Uhr am Kloster Klarenthal und wandern auf abwechslungsreichen Wegen in schöner Natur bis zum Kloster Eberbach.

Postkarte vom Kloster Klarenthal – © Virtuelles Stadtteilmuseum Wiesbaden-Klarenthal
Kloster Eberbach

Die Rückfahrt ist individuell mit Bus und Bahn. Gute Kondition und festes Wanderschuhwerk sind erforderlich. Die Wanderung dauert mehrere Stunden und führt über einige hundert Höhenmeter. Bei schlechtem Wetter (Dauerregen, Gewitter, Sturm) fällt die Pilgerwanderung aus.

Wir freuen uns auf die gemeinsame Wanderung!

Pfarramt der Thomasgemeinde: Tel. 0611. 52 35 46

Gedenkjahr – Dietrich Bonhoeffer (1906-1945)

Vor 75 Jahren ist Dietrich Bonhoeffer am 9. April 1945 nach langer Haft von den Nazis als Widerständler und Mitverschwörer des 20. Juli 1944 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet worden – wenige Tage vor Kriegsende. Wie kein anderer evangelischer Theologe des vergangenen Jahrhunderts hat Bonhoeffer durch sein Werk – und mehr noch durch sein Leben – Kirche und Theologie, aber auch die öffentliche Erinnerung an die Naziherrschaft geprägt. Wenn es einen evangelischen Märtyrer und „Heiligen“ gibt, dann Bonhoeffer. Als solcher ist er z.B. auf dem Portal der Westminster Abbey in London mit anderen Glaubenszeugen unterschiedlicher Nationen und Konfessionen abgebildet, so wie auf zahlreichen Denkmälern überall. Aber auch sein Werk, das für seine wenigen Lebens- und Schaffensjahre erstaunlich umfangreich ist, beinhaltet wichtige Stichworte und Anstöße bis heute, ohne dass man sagen könnte, dass die Kirche ihm gefolgt wäre. Ihm gelingen Wendungen, die noch heute im Ohr klingen: Dem Rad in die Speichen fallen, damit meint Bonhoeffer Recht und Pflicht des christlichen Widerstands gegen staatliches Unrecht, wenn kirchliche Kritik daran wirkungslos und praktische Hilfe für „die unter das Rad“ Gefallenen erschöpft und vergeblich sind.

Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen hat er seinen Vikaren in der Ausbildung der Bekennenden Kirche eingeschärft als erster und lange Zeit einziger deutscher Theologe, der sich gegen das nationalsozialistische Unrecht an den Juden wandte.

Kirche für andere war für Bonhoeffer die einzig wahre und mögliche Kirche, d.h. eine Kirche, die sich nicht um sich selbst dreht und mit sich selbst beschäftigt, sondern sich in der Nachfolge Jesu um die „Mühseligen und Beladenen“ kümmert und dazu konsequent auf eigenen Besitz und Sicherheit verzichtet.

Religionsloses Christentum wendet seine Idee von der „Kirche für andere“ auf theologische Grundsatzfragen an: Auch die Theologie hat den überkommenen Besitz und Ballast religiöser Sondersprache aufzugeben, um in einer säkularen Umwelt gehört zu werden und sich ganz ihrer Aufgabe zu widmen, den Glauben an Jesus Christus weiterzugeben.

Billige und teure Gnade unterscheidet ebenfalls theologisch zwischen menschengemachten Wunschvorstellungen von Gott („dem lieben Gott“, der uns alle gleich lieb hat, dem wir aber auch gleichgültig wären und der uns letztlich auch gleichgültig ist) und der Wirklichkeit Gottes (dem fordernden Gott, der uns zu Jesus am Kreuz stellt, aber uns auch dort zu halten und retten vermag).

Und in seinem Lied Von guten Mächten wunderbar geborgen trifft er einen Ton, der uns trösten kann. Er hat es 1944 im Gefängnis in der Haftanstalt Tegel in Berlin verfasst.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

Klaus Neumann

Als Treffpunkt Theologie digital diskutieren wir gegenwärtig Bonhoeffer-Texte. Wer mitmachen will, melde sich bei: Neumann-klausphilipp@t-online.de
Bildquelle: https://www.dietrich-bonhoeffer.net

Ökumenischer Johannisgottesdienst

mit Johannisfeuer

Samstag, 20. Juni 2020, 21.00 Uhr Vorplatz der Thomaskirche

Pfarrer Dr. Klaus Neumann, Ev. Thomasgemeinde, und Pastoralreferent Stefan Herok, Kath. Kirchort St. Mauritius

Gabriela Blaudow, Klavier

In der Zeit um die kürzeste Nacht des Jahres wird in vielen Gemeinden an den Geburtstag von Johannes dem Täufer mit einem Gottesdienst und einem Johannisfeuer – bei uns ein Feuerkorb in der Mitte des Kirchplatzes – gedacht. Bitte tragen Sie einen Mundschutz. Bei ein paar Regentropfen ziehen wir uns unter die Arkaden zurück. Bei Regen wird der Gottesdienst kurzfristig abgesagt.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Das Phänomen der Stille

In der Anfangszeit der Krise, als der Alltagslärm verstummte, nahmen wir alle plötzlich wieder wahr, wie still es sein kann. Seit es ihn gibt, horcht der Mensch. Er muss die Stille deuten. Ist eine unsichtbare Gefahr im Verzug? Oder ist sie Ausdruck des Friedens? Ganz still ist es nie. Naturgeräusche gehören dazu. Das Singen entstand daraus, und aus ihm die Musik. Sie ist wiederum ohne Stille nicht denkbar, denn Musik wird von Stille eingerahmt. Eine gezähmte Stille, in ihrer Dauer sauber notiert und gezielt gesetzt, ist die Pause. Dauert sie länger als erwartet, wird sie zur Stille umgedeutet. Der Mensch horcht auf (wie wir heute): Was passiert hier? Wann geht es weiter?

Eine unglaubliche Idee übernahmen die antiken Pythagoräer von den Babyloniern: die Sphärenharmonie. Sie stellten sich die Strecke von der Erde zum Himmel als gespannte Saite vor, die von den umlaufenden Planeten in exakten Höhenverhältnissen zum Schwingen gebracht wird. Dass ausgerechnet der Mensch die Sphärenharmonie nicht hören kann, war noch lange kein Argument gegen ihre Existenz. Die Idee wurde Jahrhunderte lang immer wieder diskutiert. Schließlich überwog die uns heute noch prägende Dialektik: Musik ist das Hörbare – Stille ist ihr Gegenteil.

Der Barockmusiker Johann Sebastian Bach setzte die längere Generalpause als rhetorische Figur ein, die z.B. in beiden Passionen den Tod Christi nach den Worten „…und verschied“ eindrucksvoll symbolisiert. Ein Freigeist wie Beethoven nutzte oft sehr dramatische Pausen. Ein Beispiel: Im Schlusssatz der 9. Sinfonie (1824 in Taubheit komponiert) schmettert der Chor mit voller Kraft: „und der Cherub steht vor Gott, vor Gott, vor Gott!“ Es folgt eine kurze, aber umso wirkungsvollere Pause: das ganze Gefüge hängt für einen atemlosen Moment in der Luft. Und dann folgt ein völlig neuer Teil. Noch dramatischer geht es in Igor Strawinskys Skandal-Ballett „Frühlingsopfer“ (1913) zu. Der erste Teil endet in einem irrsinnigen Tumult, der brutal abbricht. Ein unheilvolles Vorzeichen. Denn im leise beginnenden zweiten Teil wird nach heidnischem Ritus ein Mensch geopfert.

Den schmalen Grad zwischen Musik und Stille kannte niemand besser als Franz Schubert. Kurz vor seinem frühen Tod (1828) schrieb er sein Streichquintett C-Dur. Im Adagio gibt es eine sehr leise Stelle, wo die fünf Streicher wie blind und taub nach der Musik zu tasten scheinen. Die Pausen sind zwar sauber notiert, doch die Töne ergeben keinen Sinn mehr. Für einen Moment löst sich die Musik ins Nichts auf. Ganz ähnlich verfährt Arvo Pärt im 2. Satz „Silentium“ im Stück „Tabula Rasa“ (1977). Es bleiben –wie am Ende von Haydns Abschiedssinfonie – zwei Streichinstrumente übrig. Immer tiefer und leiser werdend, nähern sie sich der Stille an und verschmelzen schließlich mit ihr. Die Stille ist hier nicht mehr Gegenteil, sondern Teil der Musik.

Und schließlich John Cages „4‘33“. (1952) Der Musiker spielt viereinhalb Minuten: nichts. Cage dreht die Konzertsituation um. Also wird das Publikum unruhig und lauscht. Es horcht in sich hinein. Es nimmt den eigenen Atem, die Geräusche der anderen, die knisternde Stille wahr. Man könnte dies für einen simplen Kunstscherz halten, doch Cage führt hier etwas vor, was wir so oft vergessen. In der Stille schärft man seine Sinne und bemerkt vieles mehr als erwartet.

Anne Sophie Meine

CD-Tipp: Franz Schubert: Adagio aus Streichquintett C-Dur, Alban Berg Quartett, Heinrich Schiff; EMI. Arvo Pärt: Tabula Rasa: Viktoria Mullova, Paavo Järvi; Onyx.

Einfach spitze – für die Kinder

Liebe Kinder!
Wir möchten Euch zum Himmelfahrtstag eine Geschichte erzählen…

Außerdem haben wir hier einige Lieder aufgenommen, die wir oft singen. Hier könnt ihr mitsingen und tanzen, die Bewegungen kennt ihr ja! Viel Freude damit und wir freuen uns, wenn wir uns bald wiedersehen!

Einfach spitze…
Er hält die ganze Welt
Vom Anfang bis zum Ende
Wir singen alle Hallelu