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Thomaskirche geöffnet

Wir freuen uns, wieder mit Ihnen Gottesdienst zu feiern zur gewohnten Zeit in der Thomaskirche um 10.00 Uhr (bzw. Familiengottesdienste um 11.00 Uhr).

Der Kirchenvorstand hat ein Sicherheitskonzept beschlossen, dem wir alle folgen müssen. Dazu gehört:

  • Es gilt die 3G-Regel (geimpft, genesen oder getestet) mit Nachweiskontrolle. (Stand: 27.11.21)
  • Bitte besuchen Sie den Gottesdienst nicht, wenn Sie Erkältungs- oder grippeähnliche Symptome haben.
  • Bitte nehmen Sie den Sitz ein, der Ihnen vom Kirchenvorsteher gezeigt wird. Nur die Plätze, auf denen ein Gottesdienstblatt liegt, können belegt werden.
  • Bitte tragen Sie bis zum Platz und während des Singens eine medizinische Maske. Bei Bedarf fragen Sie gerne den Kirchenvorstand. 
  • Bitte halten Sie auch beim Ein- und Ausgang einen Abstand zu anderen Gottesdienstbesuchern von mindestens 2 Metern.

Wir hoffen, dass wir alle durch eine möglichst hohe Impfbereitschaft das Infektionsrisiko in Zukunft senken können.

Wir danken Ihnen für die Beachtung und für Ihr Verständnis!

Der Kirchenvorstand der ev. Thomaskirchengemeinde

Neujahrsempfang der Thomasgemeinde

Sonntag, 30. Januar 2022, 10.00 Uhr

Wir freuen uns auf den Neujahrsempfang 2022 am kommenden Sonntag! 

Um 10.00 Uhr heißen wir Sie zum Gottesdienst mit Pfr. Dr. Klaus Neumann herzlich willkommen. Im Anschluss geben Gabriela Blaudow (Klavier) und Lisa Rau (Gesang) ein kleines festliches Konzert.

Der geplante Imbiss danach wird aufgrund der derzeitigen Corona-Lage auf einen Sonntag im Frühling verschoben. Der Termin wird noch rechtzeitig bekannt gegeben.

Wir wünschen allen Gemeindemitgliedern und Freunden der Thomasgemeinde ein gesundes und frohes neues Jahr 2022!

Predigttext für den 3. Sonntag nach Epiphanias, 23. Januar 2022

Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen. Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er’s. Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden! Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde. (Matthäus 8,5-13)

Nicht nur in diesen pandemischen Zeiten, in denen sich so ziemlich alles um Gesundheit und Krankheit dreht, kommt der gesundheitlichen Aufklärung ein besonderer Wert zu – und gerade darum hat sich die sogenannte Rentner-Bravo, alias Apotheken-Umschau seit nunmehr 66 Jahren Verdienste erworben, die kaum abschätzbar sind.

Mein lieber Vater – Gott hab ihn selig – hat sie im Alter vierzehntäglich durchgearbeitet und konnte dann beim nächsten Arztbesuch ordentlich glänzen, also dem staunenden Doktor haarklein erklären, was ihm fehlt und was zu tun sei. Und nur in den Fällen, in denen der behandelnde Arzt noch nicht auf dem gleichen Kenntnisstand war, konnte es zu unerfreulichen Diskussionen kommen, die nicht durchweg dem Heilungsprozess förderlich waren.

Der Hauptmann von Kapernaum folgt der gegensätzlichen Strategie und erstaunt mit seinem unerschütterlichen Vertrauen und ohne jedes medizinische Vor-Urteil den sich wundernden Jesus: Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund! Er leitet sein Vertrauen aus dem ihm als Militär vertrauten Lebenszusammenhang von Befehl und Gehorsam ab: ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er’s. Ob das mal so gestimmt hat; es gab ja auch immer schon Deserteure – wie den kürzlich hochbetagt verstorbenen Hardy Krüger – gegen die böse und um der guten Sache willen.

Zumindest scheint – nebenbei gesagt – eine nicht unähnliche Hoffnung noch heute bei manchen dazu zu führen, in medizinischen Krisen wie der gegenwärtigen Pandemie militärischem Fachpersonal – keinem Hauptmann bloß, sondern einem General! – ihre Lösung anzuvertrauen und zuzutrauen. Höchst merkwürdig, aber wir kennen das. Im Kleinen haben viele von uns das auch schon erlebt, ich meine natürlich die Begegnungen mit den Bundeswehrsoldaten im Impfzentrum, in deren Obhut man sich gleich etwas sicherer vor dem Virus gefühlt hat. Aber ich schweife ab.

Als kurze lebenspraktische Zwischenbilanz wäre an dieser Stelle festzuhalten, dass sich – wie so oft im Leben – ein Mittelweg für den Umgang mit der eigenen Gesundheit empfiehlt: allgemeinverständliche Hintergrundinformationen und Empfehlungen zur Lebensweise gerne aus der Apotheken-Umschau, bei Konkreterem fragen wir unseren Arzt oder Apotheker. Noch der schlechteste Arzt dürfte unendlich viel bessere medizinische Kenntnisse haben als wir – womit dann auch zur Impffrage alles gesagt ist.

Für das Verständnis unseres Predigttextes ergibt sich, dass es weniger um ein Heilungswunder als um ein Glaubenswunder geht – nicht medizinische und therapeutische Fragen stehen im Vordergrund sondern solche des Glaubens und des Vertrauens: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!

Dabei ist doch auch und gerade der hier vorgestellte und von Jesus gelobte unerschütterliche, von keinem Zweifel gestörte Glaube, der sich Gott wie einen General gegenüber den Mächten der Natur denkt, höchst fragwürdig und mindestens erklärungsbedürftig; kein Wunder, dass Jesus solchen Glauben in Israel bei keinem gefunden hat, denn Israel leitet seinen Glauben ja nicht aus Praxis und Psychologie seiner Militärs ab, sondern aus seinen jahrhundertelangen Erfahrungen mit Gott; aus der Geschichte und den Geschichten des Heils; von Adam und Eva oder mindestens von Abraham und Sara her. Solcher Glaube findet sich in Israel.

Das Gottesbild unseres Hauptmanns ist hingegen mit gutem Recht kritisiert worden als das von einem „General, der seine Truppen sieht, obgleich sie ihn nicht oder selten sehen. Er befiehlt, sie gehorchen; bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Er ist der große, männliche Herrscher, der Chef, der Manager, der, der den Überblick hat und für alles zeichnet.“ Dieser General-Gott hat uns, wenn wir ihm denn anhängen – nach Meinung des Theologen Dietrich Ritschl – im Griff, sogar unsere Gedanken, ein General, „der uns zwingt, alles umzuinterpretieren: Leiden in verstecktes Glück, Tod in vermeintlichen Sinn, Diffamierung und Unterdrückung in gottgeplantes und -gewolltes pädagogisches Planen – Satan-Gott, wirklich! Ein Gott zum Hassen. Oft sind die Gläubigen wirklich so unterwürfig gewesen, dass sie bereit waren, alles umzuinterpretieren, das Leid, den Tod, den totalen Sinnverlust, die Liebe Gottes – alles waren sie bereit umzuinterpretieren, solange sie ihr Generalsbild von Gott aufrechterhalten konnten, die abstrakte Idee von seiner Allmacht.“ (Dietrich Ritschl, Auf der Suche nach dem verlorenen Gott, 1988)

Demgegenüber sollte es – ebenso nach Ritschl – darum gehen, solchen Glauben, wie er in Israel gefunden wurde und wird, neu zu hören und neu hören zu lassen; sich hineinzustellen in die Geschichten und die Geschichte von Gott und den Menschen. „Hineinschlüpfen müssten wir nachträglich in diese Geschichte Gottes mit Israel, Jesus und mit den frühen Christen, so sehr sie auch geirrt haben und so wenig vorbildlich sie auch gewesen sein mögen.“ (ebd.)

Apropos Irrtum: Was wäre, wenn wir es hier bei unserem Predigttext gleich mit einem doppelten Irrtum zu tun hätten; also zum ersten mit dem Irrtum des Hauptmanns von Kapernaum, der sich Gott als gleichsam stärkere Ausgabe seiner selbst denkt, als kosmischen General, der über die Kräfte des Kosmos befiehlt – aber eben einem produktiven Irrtum, der durch die Barmherzigkeit Jesu nicht beschämt wird, nicht bloßgestellt wird – wie es schlechte Lehrer mit unseren Irrtümern machen; sondern die Wahrheitsmomente unter allem Irrtum hervorheben, wie es die guten Lehrer machen, die nicht die Fehler bewerten sondern das, was richtig ist. Wahr wäre am Irrtum des Hauptmanns, dass er und wir uns auf Gott verlassen können, dass er über Kräfte der Heilung verfügt, von denen wir nichts ahnen und von denen noch nicht einmal die Apotheken-Umschau weiß. Wahr am Irrtum des Hauptmanns ist sein enthusiastischer, naiver, forscher, fordernder Glauben, alles von Gott zu erbitten, „denn er wird´s wohl machen“ (Psalm 37).

Und dann ist da noch der zweite Irrtum, den Jesus leider nicht mehr wie den ersten ausbügeln konnte, weil ihn seine Jünger und Biografen erst posthum notiert haben; der so stehen geblieben ist und nun durch unsere – hoffentlich nicht selber allzu irrtümliche – Deutung zurechtgebogen werden muss: ich meine die hässlichen, antijüdisch klingenden Worte vom Austausch des Gottesvolkes, vom Hinausst0ßen der Kinder des Reichs, also der Kinder Israels in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern. Ich will nicht glauben, dass Jesus selbst das gesagt hat und schon gar nicht, dass er es selbst so gemeint haben könnte; wie hätte er nur als geborener und jüdisch lebender Jude.

Viel eher dürfte er sich hier auf die uralte, alttestamentlich-jüdische Hoffnung der Völkerwallfahrt zum Zion, zur heiligen Stadt Jerusalem beziehen, wenn er verheißt: Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen. Von diesem Glauben war in Israel schon seit Jahrhunderten die Rede; jeder dort dürfte von diesem Glauben in Israel gehört haben:

„Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen, und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. 

Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ (Sowas hören Generäle nicht gerne; damit es nicht überhört werden kann, zur Sicherheit gleich doppelt überliefert: Jesaja 2,2-4; Micha 4,1-5)

Und das wäre dann auch Pointe und Evangelium unseres Predigttextes: Alle können zu Gott, niemand wird abgewiesen; jeder kann sich in die Geschichte seines Volkes stellen und seine Geschichten hören; alle können zu Gott aus allen Ländern dieser Erde – mit ihrem Glauben und mit ihren Irrtümern; und noch unsere größten Irrtümer vermag Gott in Glaubenswahrheit zu verwandeln. Gott beschämt niemanden, der zu ihm kommt.

Oder mit den Worten unserer Jahreslosung: „Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen“ (Johannes 6,37).

Besuch der Wiesbadener Synagoge

Foto: www.alemannia-judaica.de

Mit einer kleinen Zeitungsannonce gab die Jüdische Gemeinde am 26.7.1945 die Wiederaufnahme ihrer Aktivität in der Geisbergstraße 24 bekannt. Die Wiedereinweihung der stark beschädigten Synagoge an der Friedrichstraße kam ein Jahr später, während jene am Michelsberg 1938 für immer zerstört worden war. Vor 55 Jahren wurde der Synagogenneubau an der Friedrichstraße 31/33 eingeweiht. Steve Landau, Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde und Leiter des Jüdischen Lehrhauses, gibt eine Führung am Dienstag, 8. Februar 2022, um 19.00 Uhr. 

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung bis Samstag, 5. Februar, per Mail bei asmeine@gmx.de oder unter Tel. 0162.7474131. (Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.)

Es ist ein Ros entsprungen

(“Wurzel Jesse” von Conrad Seyfers im Dom St. Peter, Worms; Foto: K. Neumann)

Unser Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen“ (EG 30; GL 243) besingt entgegen anderslautender Gerüchte kein davonspringendes Pferd und ursprünglich noch nicht einmal eine aufblühende Rose, sondern Trieb oder Knospe des Isai [des Vaters des Königs David] nach einem Wort des Propheten Jesaja: Es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des Herrn (Jesaja 11,1f.) Je nach Zusammenhang konnte die „Wurzel Jesse“ dann als Rose erblühen wie im Lied oder zur Weinranke werden – wie in dem weihnachtlichen Relief, das der Bildhauer Conrad Seyfers 1488 in der Weinstadt Worms für den Kreuzgang des Doms geschaffen hat: Aus dem liegenden Isai wächst die Ranke mit den Königen Israels, ganz oben Maria mit ihrem Jesuskind, die dann – je nach konfessioneller Färbung die eine oder der andere – als Rose besungen werden. 

 

Lebendiger Adventskalender 2021

Kath. Kirchort St. Mauritius und Ev. Thomasgemeinde

Vom 1. bis 22. Dezember treffen wir uns jeweils von 19.00 bis 19.15 Uhr zu adventlichen Geschichten und Gedichten im Kerzenschein vor einer Tür in der Nachbarschaft. Alle sind herzlich eingeladen!

Bitte nur im Freien aufhalten, jederzeit eine med. Maske tragen und auf den nötigen Abstand (1,5m) achten. Aktuelle Änderungen unter www.thomasgemeinde.de oder Tel. 0162.7474131.

60 Jahre Thomasgemeinde Pilgerwanderung auf dem Lutherweg nach Worms

Impressionen vom Samstag, 2.10.21

Von der Katharinenkirche in Oppenheim ging es bei schönstem Wetter durch die herbstlichen Weinberge zur Heidenturmkirche nach Guntersblum und in Worms vom Lutherdenkmal zum Dom St. Peter und Heylshof-Park – bis zu der Stelle, wo der ehemalige Bischofshof stand und Luther sich beim Reichstag 1521 weigerte, seine Schriften zu widerrufen.

 

Ökumenische Hubertusandacht an der Feldkapelle

Sonntag, 17. Oktober 2021, 17.00 Uhr, Feldkapelle im Tennelbachtal

Hubertusandacht 2020: Parforcehorn-Corps Jagdschloss Platte

Zur ökumenischen Tradition von St. Mauritius und der Thomasgemeinde zählt die von Hörnerklang begleitete Hubertusandacht an der Feldkapelle im Tennelbachtal. Auch in diesem Jahr wollen wir uns wieder zu einer herbstlichen Andacht am Waldrand treffen.

Mit Pfarrer Matthias Ohlig (Kath. Kirchort St. Mauritius), Pfarrer Dr. Klaus Neumann (Ev. Thomasgemeinde) und den Musikerinnen und Musikern des Parforcehorn-Corps Jagdschloss Platte unter der Leitung von Karl-Heinz Kliegel.

Wir bitten Sie, eine medizinische Maske zu tragen. Damit wir die nötigen Abstände einhalten können, werden keine Stühle gestellt. Bei starkem Regen wird die Andacht kurzfristig abgesagt.

17. Sonntag nach Trinitatis, 26. September 2021

Brüder und Schwestern [Im Original sind nur die „Brüder“ genannt!], meines Herzens Wunsch ist und ich flehe auch zu Gott für sie [nämlich seine jüdischen Brüder und Schwestern], dass sie gerettet werden. Denn ich bezeuge ihnen, dass sie Eifer für Gott haben, aber ohne Einsicht. Denn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und suchen, ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten, und sind so der Gerechtigkeit Gottes nicht untertan. Denn Christus ist des Gesetzes Ende, zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt. Mose schreibt von der Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt (3. Mose 18,5): »Der Mensch, der dies tut, wird dadurch leben.« Aber die Gerechtigkeit aus dem Glauben spricht so (5. Mose 30,11-14): »Sprich nicht in deinem Herzen: Wer will hinauf gen Himmel fahren?« – nämlich um Christus herabzuholen; oder: »Wer will hinab in die Tiefe fahren?« – nämlich um Christus von den Toten heraufzuholen. Aber was sagt sie? »Das Wort ist dir nahe, in deinem Munde und in deinem Herzen.« Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen. Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und glaubst in deinem Herzen, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wer mit dem Herzen glaubt, wird gerecht; und wer mit dem Munde bekennt, wird selig. Denn die Schrift spricht (Jesaja 28,16): »Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.« Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. Denn »wer den Namen des Herrn anruft, wird selig werden« (Joel 3,5). Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? 

Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jes 52,7): »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!« Aber nicht alle waren dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jesaja 53,1): »Herr, wer glaubte unserm Predigen?« So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi. (Brief des Paulus an die Römer 10, 1-17)

Einen Regierungschef, der vor den Vereinten Nationen in der Klimadebatte Kermit den Frosch aus der Muppet-Show zitiert („Es ist nicht leicht, grün zu sein“) nur um ihm gleich zu wiedersprechen („Ist es eben doch!“) und ihn dann obendrein noch der übertriebenen Grobheit an Miss Piggy schilt, was merkwürdig ist, weil meiner Erinnerung nach sie die viel gröbere in ihrer komplizierten Beziehung war – einen Regierungschef, der im selben Atemzug den antiken Dramatiker Sophokles im altgriechischen Original interpretiert und andere Interpreten verbessert; der darüber hinaus spaßhaft erwägt, seinen Namen Boris in Boreas zu verändern, seiner Leidenschaft für die Windkraft wegen und zu Ehren also des nördlichen Gottes des Windes – klar, dass ich vom britischen Premierminister Boris Johnson spreche – einen solchen Bundeskanzler voller verspielter Gelehrsamkeit und windiger Rhetorik und absurdem Humor werden wir uns auch am heutigen Abend nicht gewählt haben; vielleicht besser so, denn es warten ja genug ernsthafte Anliegen auf ihn oder sie, denen er gerecht werden soll. 

Überhaupt: Eifer für die Gerechtigkeit für alle und in allen Belangen, das scheint doch eine ganz passende Kurzfassung seiner – oder wie wir in den vergangenen 16 Jahren erlebt haben: ihrer! – Dienstbeschreibung zu sein. 

Was aber schon unter Menschen immer wieder und oft neu errungen werden muss – was ist gerecht? Was kommt jedem gerechterweise zu? Was ist das Meine und was das Deine? – das ist zwischen Gott und den Menschen noch um einiges strittiger, meinte wenigstens der Apostel Paulus, meint auch der Reformator Martin Luther und das trifft auch heute noch zu: Wie erlange ich Gerechtigkeit vor Gott? Wenn es schon manchmal schwierig genug ist, oder sogar unlösbar scheint, zwischen Menschen – also etwa z.B. zwischen Radfahrern und Autofahrern, zwischen Hausbesitzern und Mietern, zwischen Einwanderern und Einheimischen, zwischen Alten und Jungen, zwischen Reichen und Armen – Gerechtigkeit zu finden und zu erwirken; um wieviel mehr zwischen Gott und den Menschen, die wie wir wissen einen unheilbaren Drang und Zwang von Gott weg, in die Ungerechtigkeit zum eigenen Vorteil hin haben; oder wie die alten Theologen, wie Paulus und Luther und der ganze Rest davon sagen: der Sünde. Wie erlange ich Gerechtigkeit vor Gott – trotz meiner Sünde?  

Paulus übernimmt diese Fragestellung aus seiner – und über die Generationen hinweg ja auch unserer – Mutterreligion, dem jüdischen Glauben seines Volkes Israel, dem er – und also wir – bleibend verbunden sind. Darum geht es im Zusammenhang unserer Bibelstelle: um die bleibende Verbundenheit zwischen Juden und Christen und – viel mehr noch – um die bleibende Erwählung seines Volkes Israel durch Gott.

Paulus insistiert mit der ihm eigenen Beharrlichkeit auf die bleibende Erwählung seines Volkes Israel durch Gott – auch wenn sie, sehr zu seinem Bedauern und sehr zu seinem Unwillen – nicht die gute Botschaft von Jesus Christus annehmen – zumindest nicht in ihrer großen Mehrheit annehmen: und das obwohl Paulus ihnen den Eifer für Gott attestiert.

Für Paulus ist dieser Eifer nämlich fehlgeleitet: statt nach Glauben und Vertrauen in Gott durch Jesus Christus zu streben – eifern sie nach der genauen und pünktlichen Erfüllung des Gesetzes des Mose. 

Für Paulus, den ehemaligen und rechtskundigen Pharisäer, erlangen Juden durch die genaue Erfüllung des mosaischen Gesetzes Gerechtigkeit vor Gott, also Heil und Rettung; beziehungsweise: Sie bemühen sich darum voller Eifer, müssen aber – nach Paulus – daran scheitern, weil ihnen die Sünde ein Schnippchen schlägt. Das Gesetz kann nach Paulus nur die Aufgabe haben, diese Sünde aufzudecken: Ich soll nicht das begehren, was meinem Nachbarn gehört, sagt das Gesetz; ich tue es aber trotzdem, ich elender Sünder; oder wie Paulus an anderer Stelle sagt: „Das Gute, das ich will, das tue ich nicht; und das Böse, das ich nicht will, das tue ich“ (Römer 7, 19; oder wie der englische Premierminister, der die Wälder von Windrädern über den Wellen des Ärmelkanals preist aber gleichzeitig erwägt, darunter die Schürfrechte für fossile Brennstoffe zu verscherbeln) 

Für Paulus, den bei Damaskus zum Apostel Christi konvertierten – also gedrehten und gewendeten – ehemaligen Juden, ist Jesus Christus das Ende des Gesetzes als Weg zu Gott. Nicht meine ohnehin zum Scheitern verurteilten Gerechtigkeitsbemühungen um das Gesetz führen zu Gott – sondern allein der Glaube daran, dass Jesus Christus das Gesetz für mich erfüllt hat: „So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“ (Römer 3,28; das „allein“ steht nicht im Text des Paulus und ist eine der berühmtesten oder – je nach Sichtweise – berüchtigtsten Textergänzungen Martin Luthers)

Sola fide! Der Glaube ist alles, was ich vor Gott brauche. Allein der Glaube an Jesus Christus, der uns durch das Wort Gottes in der Bibel und in ihrer Auslegung vermittelt wird, führt uns zu Gott. Der Glaube allein reicht zum Seelenheil: Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und glaubst in deinem Herzen, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wer mit dem Herzen glaubt, wird gerecht; und wer mit dem Munde bekennt, wird selig.

Womit zugleich prägnant der Unterschied zwischen Religion und Politik genannt ist. Für die, nämlich für die Politik, reichen Herzensglaube und Lippenbekenntnis nicht. Da sollten schon Taten folgen und es sollten besser Taten der Gerechtigkeit sein. 

Auch wenn wir wissen und nicht vergessen dürfen, dass jedes menschliche Bemühen um Gerechtigkeit – nun vielleicht nicht, wie Paulus meint, zum Scheitern verurteilt ist, aber doch – vom Scheitern bedroht ist; allein deshalb, weil es fehlbare, also sündhafte Menschen sind, die sich im politischen Leben um Gerechtigkeit bemühen. Aber das sollten wir von unseren Politikern verlangen und nur solchen eine Stimme geben, von denen wir annehmen können, dass sie sich mit vollem Eifer für das Gesetz um Gerechtigkeit in dieser Welt bemühen.   

Damit erhöht der Glaube den Anspruch an die Politiker, nicht nur Ansprüche zu vertreten oder Interessen zu kanalisieren, sondern für die Gerechtigkeit aller zu eifern. 

Und damit entlastet er sie gleichzeitig, wenn er ihre Fehlbarkeit noch vor ihrer Wahl einpreist; ja, auch diese Politiker, die wir heute wählen, werden Fehler machen, hoffentlich nicht allzu schlimme.

Für Rettung und Heil unserer Seelen ist gottseidank ein anderer zuständig. Amen

Griechische Kapelle und russischer Friedhof auf dem Neroberg

Eindrücke von der Führung am 25.9.2021

Ev. Thomasgemeinde und Kath. Kirchort St. Mauritius

Nicht oft hat man als Besucher der “Russisch-Orthodoxen Kirche der Hl. Elisabeth” das Glück, von jemandem geführt zu werden, der diesen Ort und seine Gemeinde so gut kennt: Maja Speranskij, seit 1954 Mitglied der russisch-orthodoxen Gemeinde, zeigte unserer Gruppe nicht nur die kulturhistorischen Schönheiten der Kirche selbst, sondern auch die nur sehr selten zu besichtigende Gruft mit der Grabstätte der Prinzessin Elisabeth. Der Gang über den gepflegten russischen Friedhof in der Herbstsonne war ein besonders schöner Abschluss unseres ökumenischen Ausflugs.

Fotos: K. Neumann