Von drauß‘, vom Walde komm ich her …

Zu den schönsten Weihnachtserinnerungen aus meiner Kindheit gehört die jährliche Feier der Waldweihnacht mit den Pfadfindern. Ein kleines Häuflein zieht in der Dämmerung in den Wald Richtung Platte, heißen Tee und Weihnachtsgebäck im Rucksack. Nach einem ordentlichen Weg durch den dunklen Wald findet sich ein geschützter Platz unter Tannen, Laternen werden angezündet, Lieder gesungen, Geschichten vorgelesen, gemeinsam gebetet. Dann gibt’s Tee und Kekse und noch mehr Lieder und Geschichten. Irgendwann ist allen kalt genug, dass man sich wieder aufmacht zurück nach Hause. Da ist es noch viel schöner, wenn man von draußen wieder ins Warme, Helle kommt. Ich bin froh, dass wir in unserer Gemeinde auch Waldweih- nacht feiern, anders als damals, in größerer Runde meistens, aber doch auch draußen, am Waldrand an der Feldkapelle oben im Tennelbachtal, auch im Dunkeln und im Kalten, mit Liedern, Geschichten und Keksen. Die Kapelle ist weniger ein Unterschlupf als ein Wegzeichen. Das Kreuz am Waldrand nur schemenhaft unterm Nachthimmel zu erkennen. Zeichen dafür, dass wir Gott in die Natur tragen und in der Natur suchen. Das machen wir ja im Jahresverlauf häufiger – und seit es die Feldkapelle gibt, meist dort als Station oder Ziel. Wir werden von ihr in die Natur, in den Wald gelockt, um auch dort Gott zu finden. Im Sommer habe ich eine andere Feldkapelle besucht, vor ein paar Jahren vom großen schweizerischen Architekten Peter Zumthor errichtet und dessen Landsmann Nikolaus von Flüe gewidmet, dem Bruder Klaus, wie er volkstümlich genannt und noch heute in seiner Heimat sehr verehrt wird. Dieser andere Nikolaus war ein echter alpenländischer Waldschrat, ein Eremit, der sein Haus verlassen und eine Behausung im Wald gesucht hat, um dort Gott zu finden. Hat er uns was zu sagen? Vielleicht, dass die Behausung, die uns Gott gibt, mehr ist als das Haus, in dem wir wohnen. Dass wir bisweilen anders auf unser Leben, auch unser Haus, blicken sollten – von draußen sozusagen – um es neu wertzuschätzen. Dass wir an Weihnachten eingeladen sind, auf das Urbild jeder Feldkapelle – die Krippe im Feld! – zu schauen und von dort zurück auf uns, auf unser Leben, in dem nun Gott wohnen will. Dass wir – gerade an Weihnachten – einen Blick für das Wesentliche bekommen.

Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich führet zu dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.

Nikolaus von Flüe (1417-1487)

Eine gesegnete Weihnachtszeit!

Ihr Klaus Neumann

Nachlese zum Lutherjahr 2017

„Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von allen“ – mit Karl Valentin kann man sich nicht nur durch kirchliche Sitzungen retten, sondern er passt auch gut am Ende des Reformationsjubiläums. Mit den Feiern rund um den 31. Oktober ist es zu Ende gegangen, mit einem schönen Fest hier in Wiesbaden in der Lutherkirche mit viel Musik (und – ganz evangelisch – wenig Essen und Trinken). Auch in der Thomasgemeinde haben wir das Jubiläum begangen mit unzähligen Gesprächsabenden und Gottesdiensten, mit der Einführung der „neuen“ Lutherbibel und einem neuen Gesangbuch als Ergänzung zum gewohnten, mit den beiden großen Gemeindefahrten nach Wittenberg (2015) und Rom (2017), mit einem

Tintenfasswurf nachher

„experimentellen Tintenfasswurf“ (Actionpainting, Exorzismus und Rorschachtest zugleich und in einem!) und einem brillanten und in jeder Weise „irenischen“ Vortrag von Professorin Dingel aus Mainz über „Das Reformatorische an der Reformation“ und vielem mehr. Für mich ist „Reformation“ nicht nur ein fernes Geschehen von vor 500 Jahren, sondern ein wichtiges Merkmal der Kirche: Erneuerung aus Gottes Wort. Es geht um die Erneuerung der eigenen (!) Kirche an „Haupt und Gliedern“, um die Kritik der kirchlichen Organisation im Geist des Evangeliums. Keins der damaligen Themen ist wirklich abgearbeitet und erledigt: Finanzen, hierarchische Organisation, Bildung – so viel liegt noch oder wieder im Argen, so dass mehr als genug bleibt für die folgenden 500 Jahre; oder in Abwandlung von Karl Valentin: „Religion ist schön, macht aber viel Arbeit“.

Klaus Neumann

Was ist das Reformatorische an der Reformation? – Update

Zum Ende des Reformationsjubiläums lädt die Thomasgemeinde
zu einem Vortrag ein:

Irene Dingel (Mainz):
Was ist das Reformatorische an der Reformation?
Dienstag, 24.10.2017, 19:30 Uhr
Gemeindehaus der Thomasgemeinde
Richard-Wagner-Straße 88, 65193 Wiesbaden

Professorin Dr. Irene Dingel, Kirchenhistorikerin an der Universität Mainz, Direktorin des Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte und Autorin bedeutender Werke zur Reformation, zum Gegenstand ihres Vortrags:

In vielerlei Hinsicht konnte die Reformation an Reformansätze anknüpfen, die auch schon im Spätmittelalter thematisiert wurden. Dennoch ging sie weit darüber hinaus. Die von Wittenberg und anderen Zentren der Reformation im frühen 16. Jahrhundert ausgehenden reformatorischen Impulse veränderten Kirche und Frömmigkeit, Familie und Gesellschaft sowie die rechtlichen und politischen Dimensionen der damaligen Lebenswelt. Manches ist bis heute prägend. Der Vortrag stellt jene Entwicklungen in den Mittelpunkt, an denen das typisch Reformatorische und die langfristig wirkenden Veränderungen deutlich werden.

Hier geht es zum Vortragstext…

Was ist mein persönlicher Friede?

Den folgenden Text haben drei Konfirmanden der Thomasgemeinde im Rahmen der Vorbereitungen für den Vorstellungsgottesdienst am 14. Mai 2017 geschrieben:

Jeder empfindet etwas anderes als Frieden,
und hat es mit der Zeit für sich entschieden.
Für den einen ist es etwas Materielles,
und für den anderen etwas Spezielles.
Was es für uns auch immer ist,
es kommt aus dem Herzen Jesu Christ.

Ob Handy oder Haus,
für den Computer eine neue Maus,
Egal, was man davon noch schreibt,
der Sinn bleibt bei allen Sachen gleich.
Diese Sachen bringen dich geistlich nicht weiter,
nur für den Moment ist man etwas heiter.

Für viele ist es der Frieden in der Welt,
wovon jeder etwas erhält.
Alle sind darüber nur traurig am Reden,
aber kaum jemand tut wirklich etwas dagegen.
Viele Menschen sind zufrieden mit dem, was sie haben
während sich andere nur mit Kleinigkeiten beklagen.

Manch einer braucht nur die Religion zum Leben,
um sich damit zufrieden zu geben.
Abendmahl, Vaterunser und Glaubensbekenntnis,
was für viele das Sonntagsevent ist,
bringt viele zur sinnlichen Ruhe,
wofür man noch nicht einmal braucht die neuesten Schuhe.

Daher kann man abschließend sagen,
dass man für den Frieden nicht braucht viele Gaben
Und wir uns sollten nicht zu viel beklagen
denn wir haben ja Essen im Magen
um seinen persönlichen Frieden zu finden
muss man sich manchmal aber auch überwinden.

Chorkonzert mit Cantando Cantabile am 10. Juni 2017

Unter dem Motto„Bis zum Mond und zurück“ wird der Frauenkammerchor Cantando Cantabile am 10.06.2017 um 19.30 Uhr in der Thomaskirche Wiesbaden ein Konzert gestalten. Gemeinsam mit ihrem Dirigenten Ernie Rhein und dem Pianisten und Organisten Harald Eggert werden die Damen musikalisch durch Raum und Zeit reisen und die ganze Bandbreite ihres Repertoires vorstellen. Der Gastchor, das Ensemble Rossignol aus Limburg unter der Leitung von Matthias Schmidt, wird das Programm mit seinen ausgebildeten Männerstimmen und der vielseitigen Literatur bereichern.

Karten sind erhältlich bei Schreibwaren Ellinger in Taunusstein, der Hubertusapotheke in Wiesbaden-Sonnenberg und bei allen Sängerinnen.

Nähere Infos gibt es unter: www.cantando-cantabile.de.