Ostermontag, 6. April 2026

Als sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen.

Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden. (Lukas 24,36-45)

Essen ist Leben!

Wer isst, wer essen muss, lebt. Wer ist, isst.

Das dürfte so etwa der Beweisgang unserer österlichen Anekdote sein, die ja auch etwas Komisches hat, wenn man sie nämlich als Gespensterprobe liest: Kommt ein Geist zu einer Mahlzeit … Dem, den man für einen Geist hält, auch nach ausführlicher Betrachtung und Berührung für einen Geist halten muss, dem wird Fisch vorgelegt, um ihn auf die Probe zu stellen: denn Geister, das wusste schon damals jedes Kind, so scheint´s, haben keinen Appetit. Aber was passiert? Der vermeintliche Geist verspeist sichtlich angetan die Mahlzeit; voila, kein Geist; siehe da, ein Mensch! (Umgekehrt funktioniert der Test leider nicht, denn merkwürdigerweise verweigern nicht nur Geister sondern auch manche Menschen Fisch zur Mahlzeit.)

Essen ist Leben! Das stimmt ja nicht nur biologisch (Lebewesen brauchen Energie, die sie sich bekanntlich durch Nahrung zuführen), nicht nur kulinarisch oder meinetwegen ökotrophologisch – sondern auch sozial – im Alltag und anlässlich von Festen und Feiern. Auch die Gemeinschaft Jesu feierte ihre Gemeinschaft regelmäßig als Mahl. Das gemeinsame Essen ist noch heute für viele der Moment am Tag, wenn wir unsere Familie und Mitbewohner treffen, unsere Gemeinsamkeit erleben; und die wir eben an besonderen Tagen – an Geburtstagen – an Feiertagen, doch auch jetzt zu Ostern! – feiern; das darf dann auch mal etwas größer und etwas mehr sein als sonst. Ein Fest ohne Festessen ist kaum denkbar. Warum nicht ein Stück gebratener Fisch?

Andere Tests auf menschliches Leben lassen sich denken. Sie müssten geeignet sein, das zu prüfen, was uns zu wirklich lebenden, wahrhaft lebendigen – also liebenden, mitfühlenden, denkenden, strebenden – Menschen macht. Und dabei dürfte die Unterscheidung der Menschen von Geistern an Bedeutung verlieren – und die Unterscheidung der Menschen von Maschinen und ihren Programmen gewinnen. Alle Welt spricht von KI, von künstlicher Intelligenz, und dass ihre Produkte kaum oder gar nicht mehr von denen von Menschen zu unterscheiden seien. Ob das stimmt? Oder ob das nicht ein alter Fisch ist, der uns da vorgesetzt wird und uns entgegen stinkt. Ich behaupte: Noch der Gestank von Gammelfisch besteht demgegenüber den Wirklichkeitstest; um wieviel mehr der verführerische Duft einer Bouillabaisse, wie sie mir in letzter Zeit gelegentlich gelingt.

Aber es mag schon sein, dass wir uns gelegentlich täuschen lassen; oder – wie ich finde – noch schlimmer: dass wir uns selbst täuschen, also selbst hinter unseren menschlichen Möglichkeiten zurückbleiben und von Maschinen ununterscheidbar werden. Vielleicht produzieren wir einfach selbst zu viel überflüssigen Text, der doch genauso gut – oder genauso schlecht! – künstlich hergestellt werden könnte. Dann wäre der Test, dem wir uns zu stellen haben, nur noch das zu produzieren, was uns als Menschen zeigt – mit unserer Lebendigkeit, unseren Gefühlen, unserer natürlichen Intelligenz und in unserem künstlerischen Ausdruck. Jeder Mensch ist ein Künstler! Eben, aber nicht seine technische Reproduktion. Auf ziemlich unwahrscheinliche Weise nötigte uns damit der Umgang mit sogenannter künstlicher Intelligenz, uns unserer Menschlichkeit zu vergewissern und unser Gegenüber darauf zu testen – ganz anders und ganz gleich wie in unserer Ostergeschichte vom gebratenen Fisch.

Die Osterbotschaft verkündet den Sieg des menschlichen Lebens über die Mächte des Todes. Darauf gibt es keinen Test außer dem, dass wir uns als lebendige Menschen zeigen, die das Leben lieben.