
Konzert in der Thomaskirche

Wiesbaden

Und er [Jesus] ging nach Jericho hinein und zog hindurch. Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden.
Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Lukasevangelium 19, 1-10)
„Es steht ja wohl nicht im Gesetz des Mose, dass eine alte Schachtel nicht auf einen Baum klettern darf“ – sagte Astrid Lindgren, die 71jährige stolze, unwürdige Greisin, hoch oben von einem Baum herab. (Bei einem Filmdreh im Jahre 1978)
Ganz im Gegenteil! Können wir heute ergänzen, wenn doch das Evangelium des Lukas den etwas zu klein geratenen Oberzöllner Zachäus ausdrücklich für seine unschickliche Kletterei belobigt.
Es mag bessere und schlechtere Gründe für das Besteigen von Bäumen geben – Obstdiebstahl im Pfarrgarten gehört nicht zu den guten, wie unser Nachbar vor ein paar Jahren schmerzlich zu spüren bekam, als er bei seinem nächtlichen Raubzug aus ein paar Metern Höhe vom Quittenbaum fiel und dort erst einmal wie ein gestrandeter Käfer auf dem Rücken mit den Beinchen nach oben liegen blieb. Reue hat er nicht gezeigt, aber die Worte des schönen und lauten Liedes beherzigt: „Steh auf, wenn du am Boden bist!“. Nach einer Verschnaufpause hat er jedenfalls – gebückt und humpelnd – sein Diebesgut nach Hause verbracht, wo es ihm hoffentlich nicht allzu gut geschmeckt hat. Denn das steht ja nun mal bestimmt im Gesetz des Mose, dass einer nicht stehlen soll, alter Knacker oder nicht.
Aber das sollten wir vielleicht unserem Nachbarn zugestehen, dass er irgendwann doch seine Meinung geändert hat, so wie Zachäus, der als Oberzöllner und Obersünder den Leuten das Geld aus der Tasche zieht, sich nun doch um ein neues Verhältnis zu Gott bemüht. Er beginnt damit, seinen Standpunkt zu verändern, seine Sicht zu verbessern, dem Impuls folgend: Sehen und gesehen werden. Er klettert auf einen Baum. Von da oben sieht die Welt ganz anders aus, nämlich größer und mehr von ihr. Und er – der Kleine – wird nun auf einmal ebenfalls gesehen, er wird wahrgenommen und für wichtig gehalten – sogar von dem, für den er auf den hohen Baum geklettert war; und hoch kann der Baum, wird er gewesen sein.
Ein Maulbeerfeigenbaum (nicht zu verwechseln mit dem Maulbeerbaum oder dem Feigenbaum!), also ein Maulbeerfeigenbaum oder Eselsfeige kann bis zu 20 Meter hoch werden und wächst außer im subsaharischen Afrika fast nur im Jordantal in der Gegend um Jericho. Die Früchte sollen ganz ok schmecken, nicht so gut wie richtige Feigen, aber wegen der Früchte ist Zachäus ja auch nicht hinaufgeklettert, anders als unser Früchtchen aus der Nachbarschaft, von dem schon die Rede war.
Merkwürdig ist auch diese Szene allemal: Ein etwas zu klein geratener, aber doch wohl autoritätsheischender Oberzöllner erklimmt auf offener Szene einen hohen Baum; zwar kein reputierlicher deutscher Finanzbeamter (aber sicherlich auch nicht so schrecklich wie der garstige, gierige Oberzöllner aus Amerika); eigentlich offiziell genug, um sich normalerweise einen solchen Klettergang zu verbieten, gegen den zwar kein Gesetz des Mose, aber Anstand und Sitte und das Gerede der Leute stehen. Was erlaubt der sich? Vielleicht hält er auch seinen Ruf als mutmaßlich betrügerischer Geldeintreiber der römischen Besatzer für hinreichend ruiniert, dass ihn das alles nicht mehr genieren müsste. Dabei ist ihm im anschließenden Wortwechsel seine Rechtschaffenheit durchaus ein Selbstlob wert. Ganz egal ist ihm zumindest das Urteil Jesu nicht.
Um ihn, diesen Jesus geht es dem Zachäus. Von ihm hatte er gehört, nun will er ihn sehen, ihn erleben. Angeblich – so wurde es ihm erzählt – soll er sich mit Leuten wie ihm selbst abgeben, soll die anrüchige Gemeinschaft mit Sündern und Zöllnern pflegen, den damals sprichwörtlichen Sündern pflegen, warum nicht mit einem Oberzöllner wie ihm selbst. Von diesem Menschen Jesus heißt es, dass er die Verlorenen sucht und sie selig macht – und das sogar vom Gesetz des Mose für geboten hält: Selig die Verlorenen, denn sie sollen gefunden werden.
Dafür reckt und streckt sich der kleine Oberzöllner, klimmt sich die Äste empor, krabbelt den Stamm hinauf, bis ganz nach oben, wo er alles sehen und von allen gesehen werden kann. Er geht die Extra-Meile, klettert den Extra- Meter, strengt sich an, kämpft sich ab, fordert sich heraus. Könnten wir ihm auf seinen Baum folgen? Also ich schon mal nicht, der ich froh sein darf, meine drei Stufen zur Kanzel unfallfrei zu bewältigen. Wir Älteren sind entschuldigt, allerdings nicht durch ein Gesetz des Mose, wie Astrid Lindgren überzeugend dargelegt hat – sondern durch die Naturgesetze des Alters und der altersbedingten Wehwehchen.
Pädagogen und Mediziner beklagen, dass Kinder nicht mehr auf Bäume klettern, oft genug, weil wir Eltern unsere Kinder lieber mit dem Helikopter auf die Wipfel fliegen und nicht mehr auf die Bäume klettern lassen – und damit meine ich jetzt bestimmt nicht das betreute Klettern oben auf dem Neroberg. Gemeint ist vielmehr das freie und wilde, das glücklich machende; was sage ich: das allein seligmachende; genau, das Astrid Lindgrensche Klettern, von früher eben, als der Tag mit einer Platzwunde begann und den Erinnerungen an die eigenen Heldentaten endete – morgen versuche ich es noch einmal.
Aus seiner Komfortzone herausgeklettert lässt sich der Zöllner Zachäus von Jesus abholen, zeigt und sagt wie wichtig ihm die Sache mit Gott ist: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Worauf sich Jesus die naheliegende Antwort verkneift, dass er sich die Betrügerei doch gleich hätte schenken können, geschenkt! So wie dem Zöllner die Gnade Gottes durch Jesus geschenkt ist, Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.
Sollen wir jetzt dem Zachäus nachfolgen, und wie er die Leute betrügen, um anschließend zu ihm auf den Baum zu klettern, um sich mit ihm sehen und retten und selig machen zu lassen? Natürlich nicht! Und zumindest das erste, das Betrügen stünde ja sehr wohl im Gesetz des Mose, dass wir es zu unterlassen haben. Aber wie Zachäus die eigenen Verstrickungen hinter sich lassen, einen neuen Standpunkt und eine neue Sichtweise annehmen und damit Freiheit von sich selbst und für Gott erlangen – das wäre schon was. Wie schon die wundervolle Astrid Lindgren sagte: „Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.“ – Noch nicht einmal wie Zachäus.

Die ev. Thomaskirche, 1964 erbaut von Rainer Schell, ist am Sonntag, 13.9.2026, bis ca. 12.00 Uhr geöffnet und heißt Sie herzlich willkommen. Der Sonntagsgottesdienst findet um 10.00 Uhr statt. Im Anschluss laden wir Sie zum Kirchenkaffee im Vorraum der Kirche und auf dem Vorplatz ein.


Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr. (1. Korinther 3,9-16)
Was für ein Satz in diesen Zeiten der Kirchenverkäufe, der Umwidmungen und Schließungen!
Was für ein Satz, liebe Gemeinde, der doch allen Sparkommissaren der Kirchenverwaltung in den Ohren klingen müsste, die oft gar nicht mehr von Kirchen sprechen, sondern bloß noch von ihren Kosten oder von Standorten, die möglichst bald zu schließen wären. Wissen wir was wir tun? Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.
Ein Haus Gottes ist weit mehr als die Metapher einer Gemeinde oder das Bild von uns Menschen – das ja auch, wie der Apostel Paulus hier schreibt. Aber eine Kirche wie die Thomaskirche und eigentlich jede Kirche sagt zuerst etwas darüber aus, wie Gemeinde gedacht und gemeint ist, mal vorausgesetzt, dass der Architekt und die Bauherren Spielräume zur Gestaltung haben und eben nicht nur äußeren Zwängen gehorchen. Natürlich war das Geld knapp und die Gemeinden groß Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts; Baumaterial war rar, man musste nehmen, was da ist und was bezahlbar war. An der Thomaskirche kann man genau ablesen, dass damals kein Überfluss herrschte; dass man auf Vorgefertigtes zurückgreifen musste, und dass gleichzeitig viele Menschen kirchlich behaust werden sollten.
Aus den Selbstzeugnissen jener Zeit wird dennoch deutlich, dass Architekt und Gemeinde genaue Vorstellungen hatten, wie das Mögliche verwirklicht werden könnte. Rainer Schell wollte seiner Gemeinde, also unserer Gemeinde, in der er damals selbst wohnte und gut vernetzt war, das passende „Gehäuse“ schaffen, wie er sagte, ohne Pomp und Prunk, ohne faule Sentimentalität oder falsche Anleihen an vergangenen, verlorenen, geborgten Glanz – sondern sachlich, nüchtern, ehrlich, öffentlich, zugänglich; durchaus so wie die bekannten Bauwerke seines Lehrmeisters Egon Eiermann, etwa die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin oder der lange Eugen in Bonn. Mehr Demokratie nach furchtbaren Jahren. Raum für das Wesentliche statt Rahmen zum Renommieren. Less is more, wie ein anderer Baumeister jener Zeit, Mies van der Rohe, auf den sich sowohl Eiermann als auch Schell beziehen, gesagt hat und der danach seinen einzigen Tempel, seine geniale „God-Box“, seine Gotteskiste in Chicago errichtete: Quadratisch, kubisch, praktisch, gut. In Schlichtheit und Klarheit, geradezu ein älteres Geschwister unserer Thomaskirche. Einfache Hülle, goldener Schnitt, klarer Grundriss. Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus; soll heißen: Einen andern Grund kann eh niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Und der muss erkennbar bleiben.
Wenn wir uns auf ein solches Gebäude einlassen, wird es uns in unserem gemeinschaftlichen Christsein beeinflussen und über die Jahre beinahe notwendig verändern. Hierarchisch monarchisches Pfarrherrentum passt hier nicht herein. Es muss beinahe komisch wirken, wenn wir uns diesem Gebäude, seiner Idee, verweigern und unseren – sei es mittelalterlichen Zierrat, sei es wilhelminischen Ballast – mit hineinnehmen, hineinstopfen und unsere eigene Gotteskiste damit verrümpeln. Die lebt vielmehr vom lebendigen Leben der Mitglieder und Besucher, und zeigt sich gleichermaßen im wilden Gewusel eines Familiengottesdienstes an Heilig Abend wie an einer stillen Andacht mitten im Jahr. Nichts Falsches und nichts Gekünsteltes drängt sich vor, keine Ablenkung bietet sich, Zerstreuung findet man hier nicht. So kann sich niemand, der die Kirche betritt, dem Anblick des Gekreuzigten entziehen. Für mich ist unser großes Kruzifix sichtbarer, unübersehbarer, unvermeidlicher Ausdruck dessen, was der Apostel meint: Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Und zwar der einzige Grund, auf dem und weswegen wir uns hier versammeln. Der einzige Grund, der hält und trägt.
Was immer das Baumaterial unseres Gotteshauses ist, ob Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, oder auch eben Backstein und Beton, es soll sich daran prüfen lassen, ob wir diesem einen Grund vertrauen, ob wir uns von ihm tragen lassen. Da muss nun jede Generation und jede Gemeinde zusehen, wie weit dass für sie zutrifft; ob in den Gottestempeln und Kirchenburgen das Wort vom Kreuz laut genug geworden ist, oder ob es in den Betonkisten nicht zumindest leichter, weil weniger widersprüchlich möglich gewesen wäre, die Botschaft vom gekreuzigten Auferstandenen laut und klar unter die Leute zu bringen.
Am Ende geht es um den Menschen und nicht um das Gebäude. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Das könnte die wichtigste Aufgabe unserer Kirchengebäude sein, dass sie sich nicht selbst als Tempel missverstehen, sondern vielmehr uns, ihre Bewohner, als Gottes Tempel gelten lassen uns erst eigentlich zur Geltung bringen; dass sie also nicht mehr und nicht weniger als das bloße Gehäuse derer sind, die sich von Gottes Geist bewegen lassen – so könnte es unser Thomaskirchenarchitekt Rainer Schell gemeint haben.
Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Also zumindest könnten wir es wissen, denn der Apostel Paulus gibt sich alle Mühe, es uns zu sagen, in dem Brief an die Korinther, aus dem unser Satz stammt, aber auch sonst wo. Gottes Tempel zu sein schließt seiner Meinung nach jede Art der Selbstherrlichkeit und der Arroganz aus, die sich ja nicht nur in unseren Kirchenbauten zeigen kann. Gottes Tempel zu sein wendet sich gegen eine Vorstellung von Autonomie und Willkürfreiheit, die sich selbst absolut setzt. Paulus sagt gelegentlich, dass zwar alles erlaubt sei – erstaunlich genug – aber dass nicht alles zuträglich ist. Also, dass trotz umfassender gottgegebener Freiheit nur die freiwillige Selbstbeschränkung in manchen Dingen der von Gott gemeinten Freiheit entspricht. Gottes Tempel zu sein heißt auch, auf sich zu achten, Selbstachtung zu üben, sich etwas wert zu sein und die eigene Würde nicht anzutasten.
Die Vorstellung von Gottes Tempel, in dem der Geist Gottes wohnt, stärkt aber auch gegen die falsche Behauptung der Marktförmigkeit kirchlichen Bauwesens. Denn der Wert einer Kirche ist nicht ihr Preis, sondern errechnet sich durch ihren Mehrwert religiöser Bedeutung und ihrer Fähigkeit Menschen religiöse Heimat zu geben. Ihre Grund-bedeutung, ihr Grund-wert ist Jesus Christus.
Tempel kann also eine Kirche dann genannt werden, wenn sie die Menschen Tempel Gottes sein lässt.



(Fotos: K. Neumann)
„Wahn! Wahn!
Überall Wahn!“
So besingt der Meistersinger Hans Sachs den Wahnsinn der Welt.
„Wahn! Wahn!
Überall Wahn!
Wohin ich forschend blick‘,
in Stadt- und Weltchronik,
den Grund mir aufzufinden,
warum gar bis aufs Blut
die Leut‘ sich quälen und schinden
in unnütz toller Wut!
Hat keiner Lohn
noch Dank davon:
in Flucht geschlagen,
wähnt er zu jagen;
hört nicht sein eigen Schmerzgekreisch,
wenn er sich wühlt ins eig’ne Fleisch,
wähnt Lust sich zu erzeigen!
Gott weiss, wie das geschah?“ (Richard Wagner, Die Meistersinger von Nürnberg, 3. Akt)
Aber weil es eben die verrückte Zeit um die Johannisnacht ist, die Zeit der „midsummer madness“, die auch Shakespeare kennt und nennt und ihr ein ganzes traumhaft wundervolles Stück widmet, in der alle Welt verrücktspielt – auf nette und überaus lustige Weise verrücktspielt – wechselt auch Hans Sachs bei seinem Meister Richard Wagner das Register bei der Ursachenforschung. Die ernste Frage beantwortet er sich mit einem Spaß:
„Ein Kobold half wohl da:
ein Glühwurm fand sein Weibchen nicht;
der hat den Schaden angericht’t.
Der Flieder war’s: Johannisnacht!“
„Ist denn die ganze Welt verrückt geworden?“ – fragt einer meiner keineswegs immer mental stabil wirkenden Lieblingsfilmfiguren Walter (in „The Big Lebowski“); „Ist denn die ganze Welt verrückt geworden?“ – und weil das wohl nicht nur heute, sondern zu vielen Zeiten ganz entschieden bejaht werden muss, wenden wir uns Johannes dem Täufer zu, der „hamletgleich“ einer verrückt gewordenen Welt den Verrückten vorspielt, um ihre Verrücktheit wie in einem Spiegel zu zeigen und sie zu entlarven:
Normal war es jedenfalls nicht wie Johannes in die Wüste zu ziehen, sich von Honig und Heuschrecken zu ernähren, einen ausgesprochen shabby chic zu pflegen, also einen Kamelhaarmantel – aber einen von der abgerissen, verlotterten Sorte – zu tragen, interessierte Passanten auf Wunsch ins Wasser zu tauchen, ihnen zu predigen, dass sie alles falsch machen und alles anders machen sollen, und sogar den herbeigelaufenen Soldaten zu erklären, dass sie doch besser auf Gewalt verzichten mögen.
Ein verrückter Schrat – und damit würdige Ikone unserer verrückten Zeit, oder etwa nicht?
Sonntag, 21. Juni 2026, 11.00 Uhr
Der Kirchenvorstand lädt interessierte Gemeindemitglieder zu einer Gemeindeversammlung im Anschluss an den Gottesdienst ein.
Die Tagesordnung lautet:
1. Begrüßung
2. Die Thomasgemeinde im Nachbarschaftsraum
3. Verschiedenes
Der Kirchenvorstand der Ev. Thomasgemeinde Wiesbaden
Richard-Wagner-Str. 88, 65193 Wiesbaden
Ökumenischer Freiluft-Gottesdienst mit Pfarrerin Arami Neumann und Pastoralreferent i.R. Stefan Herok am Samstag, 20. Juni 26, um 20.30 Uhr
In der Zeit um die kürzeste Nacht des Jahres wird in vielen Gemeinden Johannes des Täufers gedacht, auch in diesem Jahr wieder in St. Mauritius und der ev. Thomasgemeinde. „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“, so die Worte des letzten Propheten und Wegbereiters Jesu nach Joh 3,30. Das Johannisfeuer symbolisiert Johannes‘ Zeugnis vom „wahren Licht der Welt“. Im Anschluss an den musikalisch von Gabriela Blaudow begleiteten Gottesdienst vor der Thomaskirche (bei Regen in der Kirche) laden wir Sie herzlich zu einem Umtrunk ein.

25. Mai 2026, 10.00 Uhr vor der Thomaskirche
Der ökumenischer Gottesdienst mit St. Mauritius findet in diesem Jahr in der Thomasgemeinde statt. Pfarrer Ralf-Andreas Gmelin und Pastoralreferent i.R. Stefan Herok feiern den Pfingstmontag mit uns auf dem Vorplatz der Thomaskirche, am Flügel begleitet von Gabriela Blaudow. Im Anschluss an den Gottesdienst laden wir Sie alle herzlich zu einem kleinen Umtrunk unter den Kastanien ein!

(Foto: Pfingstmontag 2020, A. Neumann)


(Fotos: K. Neumann)
Gottesdienst zur Konfirmation am 17. Mai 2026 mit festlicher Musik in der Thomaskirche