Predigttext für den 8. Sonntag nach Trinitatis, 2. August Juli 2020

Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder. (Johannesevangelium 9,1-7)

Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben. (Johannes 8,12)

Wer unsere seltsame Heilungsgeschichte im Zusammenhang des Johannesevangeliums liest und hört, weiß schon einiges über den Streit von Licht und Finsternis, über das Licht, dass Jesus in die Welt bringt, und davon, dass Jesus unser Leben in ein neues Licht setzt. Denn davon ist ja die ganze Zeit die Rede. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hats nicht ergriffen. (Johannes 1,4f.)

Und dafür – also dafür, dass Jesus das Licht unseres Lebens ist – bietet unsere Wunderheilungsgeschichte ein Gleichnis: So wie der Blindgeborene wieder sehend wird durch Jesus, so öffnet auch uns Jesus die Augen für das Licht unseres Lebens, für die Wahrheit unseres Lebens – dass die Werke Gottes offenbar werden an ihm – und an uns.

Aber merkwürdig ist die Wundergeschichte eben schon; nicht umsonst ist sie der Anfang und Anlass längerer Diskussionen mit den Pharisäern, denen erfahrungsgemäß so schnell kein Licht aufgeht. Wird es uns besser ergehen? Wird uns ein Licht aufgehen?

Ein Heiler streicht Brei aus Speichel und Staub einem Blinden auf die Augen, der wäscht sich das Zeug wieder ab und: wird gesund, kann wieder sehen! Ein klassischer Fall alternativer Medizin, oder nicht?

Eher nicht, denn der Begriff „alternative Medizin“ setzt eine wissenschaftlich begründete, evidenzbasierte Medizin voraus. Die gab es aber zur Zeit Jesu noch nicht! Also können seine Heilungen auch keine Beispiele alternativer Medizin sein.

Dennoch trifft auch seine Heilung das berechtigte Misstrauen, mit dem wir vernünftigerweise der heutigen sogenannten Alternativmedizin begegnen – oder doch begegnen sollten: „Für viele alternativmedizinische Therapien [wie etwa der Homöopathie oder der anthroposophischen Medizin] konnte weder ein wissenschaftlich plausibler pharmakologischer Wirkmechanismus, noch eine pharmakologische Wirkung, die über einen Placeboeffekt hinausgeht, nachgewiesen werden. Einige Verfahren der Alternativmedizin lassen sich den Pseudowissenschaften zuordnen.“ (Wikipedia) Also Fake-Medizin.

In ruhigeren Zeiten könnte man die Sache auf sich beruhen lassen. Warum nicht bei harmlosen Malessen gelegentlich ein paar Zuckerkügelchen naschen, die zwar keine Wirkung haben, aber eben auch keine Nebenwirkungen, und – scheinbar! – keinen weiteren Schaden anrichten? Warum nicht? Vielleicht deshalb nicht:

„Als gravierende direkte Risiken wurden zum Beispiel Verletzungen, Immunreaktionen und Arzneimittel-Interaktionen dokumentiert. Indirekte Gesundheitsrisiken liegen im Versäumen notwendiger medizinischer Diagnostik und Therapie. Dies betrifft besonders lebensbedrohliche Erkrankungen, wie zum Beispiel Krebs. Infolge alternativmedizinischer Konzepte und Methoden sind sogar Todesfälle von Patienten dokumentiert. Etwa die Ablehnung von Impfungen kann darüber hinaus auch zu einer kollektiven Gefährdung der Gesellschaft führen (siehe Impfmüdigkeit).“ (Immer noch der Wikipedia-Artikel „Alternativmedizin“; mehr Information im Buch der Ärztin und Ex-Homöopathin Nathalie Grams, Was wirklich hilft, 2020)

Dabei ist ja die zitierte Impfmüdigkeit nur ein – allerdings ein besonders schädlicher und gefährlicher – Aspekt einer viel umfassender destruktiv wirkenden Wirkung „alternativer Medizin“, dessen Schädlichkeit und Gefährlichkeit aber gerade in der Corona-Krise unabweisbar und bedrängend deutlich wird: „Alternative Medizin“ schadet, wie überhaupt das Geschwafel von „Alternativen Fakten“ oder das Streuen von „Fake-News“, weil sie unser Urteilsvermögen beschädigen und letztlich unseren Sinn für Wahrheit und Lüge verwirren. (Der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt hat dazu – lange vor Donald Trump! – den leider unübersetzbaren Begriff „bullshit“ analysiert, der im Unterschied zur vergleichsweise harmlosen Lüge, die totale Gleichgültigkeit gegenüber Wahrheit und Lüge bezeichnet; Harry G. Frankfurt, On Bullshit, 2005)

In der Licht-Dunkelheit-Metaphorik des Johannes gesprochen bemüht sich die „alternative Medizin“ und ihre ebenso hässlichen Schwestern „alternative Fakten“ und „Fake-News“ um einen Grauschleier, der die Unterscheidung des Lichts der Wahrheit von der Nacht der Unwahrheit verhindert – oder im religiösen Bereich die Grenze zwischen Glaube und finsterem Aberglaube verwischt – nach dem Motto: Wer an die Auferstehung glaubt, muss auch nicht an Globuli zweifeln.

Der christliche Glauben hat hier viel zu verlieren: Wenn nämlich – wie gesagt – die Grenze zwischen Glauben und Aberglauben verwischt und entweder jeder Humbug für möglich gehalten wird – oder mit dem Humbug zusammen auch der christliche Glaube entlarvt und abgelehnt wird. (Wie das die oben zitierte Ärztin und Autorin Grams leider tut.)

Noch einige Male – beinahe penetrant oft – nennt unsere Geschichte im Fortgang die merkwürdige Heilung mit dem Brei aus Staub und Spucke, der anschließend abgewaschen wird. Schon dem Evangelisten Johannes geht es darum, das Merkwürdige – eher das Absurde – dieses Vorgangs herauszustellen, der in keinem Verhältnis zu seiner Wirkung steht.

Er möchte hier nichts alternativmedizinisch plausibilisieren, sondern den riesigen Unterschied zwischen absurder Handlung und ihrem „Ergebnis“ verdeutlichen. Nicht die Handlung selbst sondern der Handelnde allein (solus Christus!) bewirkt die Heilung: Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Kein Brei aus Dreck heilt – sondern Jesus heilt.

Und sowenig die Handlung selbst zur Heilung führt sondern der Heilende allein, sowenig kann sie der Kranke verhindern. Damit sind wir auf einen zweiten großen Aberglauben rund um die Medizin gestoßen, dass nämlich Krankheit Strafe für unsere Sünden wäre, was aber klar zurückgewiesen wird: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern. Das spukt ja immer noch überall herum, dass es moralische Gründe für Krankheit und Seuche geben könnte, dass hier ein Fehlverhalten bestraft würde, dass jemand moralische Schuld für seine Krankheit oder die Seuche hätte.

Das ist gar nicht so leicht auszuhalten und auseinanderzuhalten, dass es einerseits sinnvoll ist nach Gründen für Krankheit und Plage zu forschen – und dann im günstigsten Fall die Ursachen festzustellen und zu beseitigen; und andererseits nicht diese Ursachen zu moralisieren, um dann die Krankheit für eine Strafe zu halten. Selbst gutgemeinte Gesundheitskampagnen können bewirken, dass Lungenkrebs, Leberzirrhose oder Fettleibigkeit moralisiert und dann irgendwann für die gerechten Strafen für Raucher, Trinker und Esser gehalten werden – was sie nicht sind. Auch Corona ist keine Strafe – schon gar keine Strafe Gottes – sondern eine Krankheit (bzw. ihr Erreger), wie sie zur Natur in der wir leben gehört, schon immer gehört hat und – so unangenehm die Aussicht auch ist – immer gehören wird.

Ein kluger Augenarzt in unserer Gemeinde (der in seiner Praxis ganz ohne Spuckebrei und Dreck auskommt) hat mir einmal damit die Augen geöffnet, dass er in Reaktion auf die Frage, warum es gerade diese oder jene mit einer schweren Krankheit getroffen habe, meinte, dass nicht die Krankheit die erklärungsbedürftige Abweichung – sondern Gesundheit und noch mehr: Heilung das bestaunenswerte Wunder sei. Dass wir krank werden ist das Normale, dass wir gesunden ist das Besondere. Dass wir leben; das Leben eben!

Und genau das dürfte die Pointe unseres Textes sein: dass die Werke Gottes offenbar werden an ihm: Leben und immer neues Leben zu schaffen. Dass wir unser Leben als Gottes Geschenk verstehen; aus Gott leben und nicht aus uns selbst.

Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben. (Johannes 8,12)

Amen.

Predigttext für den 4. Sonntag nach Trinitatis, 5. Juli 2020

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.
Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«
Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22).
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
(Brief des Apostel Paulus an die Römer 12, 17-21)

Der Apostel Paulus nimmt hier eine Idee von Jesus auf, ohne diesen wörtlich zu zitieren: „Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.“ (Lukasevangelium 6, 27; wobei wir natürlich nicht wissen, wie wörtlich oder wie frei Lukas Jesus zitiert, da die Jesusworte bei Matthäus noch einmal anders klingen: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ´Du sollst deinen Nächsten lieben´ [3.Mose 19,18] und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ Matthäusevangelium 5, 43-45)

„Liebt eure Feinde!“ Das klingt so absurd wie es ur-christlich zu sein scheint: Wenn ich meine Feinde liebe, dann sind sie es ja gar nicht mehr! Eben drum! Es geht nicht um die Einführung einer eigentlich unmöglichen spirituellen Spezialdisziplin verbunden mit den berühmt berüchtigten Kampf- und Laufsportarten: „Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.“ (Matthäus 5,39-41 par Lukas) Es geht keineswegs um den Spaß an einer scheinbar ganz verqueren ethischen Forderung, sondern mit Ernst um das Ende von Feindschaft und Gewalt.

In der Schule gehen wir das regelmäßig durch. Da findet sich schnell Einigkeit über die Unmöglichkeit der Forderung und Entrüstung über das geforderte Handeln:

„Wenn ich dem Angreifer auf dem Schulhof oder in der Nacht in der Stadt nach einem Schlag auch noch die andere Backe hinhalte, verschlimmere ich doch die Situation (feurige Kohlen auf sein Haupt).“

„Immer nur nachgeben funktioniert nicht, dann komme ich nie zu meinem Recht.“

„Es gibt einfach Typen, mit denen man keinen Frieden halten kann.“

Stimmt alles, aber wie kann dann Gewalt begrenzt und beendet werden? Oft hilft es ja, sich der Gewalt einfach zu entziehen: man vermeidet brenzliche Situationen und schlimme Gegenden (die in Amerika-Reiseführern empfohlene Frage am Hoteltresen, in welchen Straßen man „safe“ ist, und ab wo es „unsafe“ wird, zielt darauf ab) , man wechselt die Straßenseite, man flieht (auch eine evolutionär sehr bewährte Laufdisziplin im Umgang mit Gewalttätern). Blöd nur, wenn der Angreifer schneller ist oder sich zwischendurch in andere Gegenden ausgebreitet hat. Dann brauche ich weiteren Schutz.

In modernen Gesellschaften ist der Schutz des einzelnen an Organe des Staates delegiert: Polizei und Justiz nach innen und Landesverteidung nach außen. Aber auch Polizisten und Soldaten sind fehlbare, irrtumsfähige Menschen und entwickeln darüber hinaus Eigenlogiken als waffentragende Gruppierungen. Jeder, der einigermaßen bei Trost ist, wird sofort die Notwendigkeit dieser Träger des staatlichen Gewaltmonopols einsehen. Andrerseits gehören sie wie jede staatliche Einrichtung gewissenhaft kontrolliert. Anzeigen gegen einzelne Polizisten, die sich etwas zu Schulden haben kommen lassen, sind eine Selbstverständlichkeit; Anklagen und Beschuldigungen gegen „die Polizei“ sind haltlos und falsch. Aber noch die beste Polizei bleibt eine Notlösung, indem sie zwar notwendig ist, die durch Ausbrüche von Gewalt hervorgerufene Not aber nur begrenzen und nicht beenden vermag. („Die Schrift sagt uns, dass der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat, in der noch nicht erlösten Welt, in der auch die Kirche steht, nach Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen.“ Barmer Theologische Erklärung 5, 1934)

Christen und Kirchen haben in ihrer Geschichte durchweg und von wenigen Ausnahmen abgesehen Staat, Polizei und das Gewaltmonopol des Staates anerkannt und wollten doch auch auf die Bergpredigt hören und Jesus folgen. Es ging darum, beides zu vereinbaren: Gewaltverzicht und Feindesliebe auf der einen Seite, die Anerkennung der Bedrohung durch Gewalt und ihre Begrenzung durch staatliche Gegengewalt auf der anderen Seite. Nicht alle Vorschläge zu ihrer Vereinbarkeit können als gelungen angesehen werden, wenn etwa die Geltung der Bergpredigt zeitlich, räumlich oder personell so eng begrenzt wurde, dass sie eigentlich gar nicht mehr galt (also z.B. nur zur Zeit Jesu oder nur in den Klostermauern oder nur im Privaten). Eher gelungen scheinen die Auslegungen, die nach dem Sinn und dem Geist der Jesusgebote fragen.

Und hier kommt Paulus ins Spiel. Er zitiert Jesus nicht wörtlich, wiederholt das „Liebet eure Feinde!“ laut und vernehmlich nicht, aber er nimmt es erkennbar auf und befragt seinen Sinn. Anders als immer wieder behauptet, zeigt sich Paulus dabei überaus lebensnah.

Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Damit erkennt der Apostel Paulus und er erkennt es an, dass mein Friedenswillen notwendig aber keineswegs hinreichend für den Frieden ist: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.“ (Schiller, Wilhelm Tell IV,3) Umgekehrt muss ich natürlich der Versuchung widerstehen, das als bloße Ausrede zu verwenden, dass wenn´s kracht, immer der andere Schuld ist.

Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

Es wird den jüdischen Talmud-Gelehrten Rabbi Paulus (ehemals Saulus) geschmerzt haben, dass Feindesliebe in solchen Gegensatz zu den Lehren des Alten Testaments gerückt wurde („Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ´Du sollst deinen Nächsten lieben´ [3.Mose 19,18] und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch …“ Matthäus 5,43), deshalb bemüht er sich hier und im Folgesatz um gleich zwei Schriftzitate, die zeigen, wie sehr Feindesliebe in der Fluchtlinie alttestamentlichen und jüdischen Denkens liegt: Nicht wir sollen (Gerechtigkeit wiederherstellende) Vergeltung anstreben, sondern das Gott überlassen. (Das sein Zitat vom „rächenden Gott“ seine eigenen Probleme hat, nimmt Paulus in Kauf.) Es gibt Feinde, aber Feindschaft soll nicht auch noch gepflegt und vergrößert werden.

Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22). Auch das zweite Schriftzitat verankert die Feindesliebe im Alten Testament und benennt darüber hinaus eine psychische Ambivalenz des Gegengewaltverzichts: Der kann auch beschämen und provozieren und im ungünstigen Fall neue Gewalt erst anstacheln. (Die „glühenden Kohlen“ können bloße Folge aber auch volle Absicht des Gewaltverzichts sein – dann als passive Aggressivität. Damit verkehrte sich die Bergpredigt in ihr Gegenteil.)

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Darum geht es: Um die Überwindung der Strukturen des Bösen, das immer neues Böses aus sich heraussetzt, sich gegenseitig bedingt und steigert („Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären.“ Schiller, Wallenstein – Die Piccolomini V,1; noch prägnanter: „Blood will have blood.“ Shakespeare, Macbeth III,4) Schon der – rechtmäßige und notwendige – Selbstschutz in Notwehr kann das anfängliche Böse steigern und muss daher unbedingt auf das Notwendigste begrenzt bleiben. Wer sich von seinem Gegner Gewalt als sein eigenes Handeln aufzwingen lässt, hat schon verloren. Wir müssen dem Feind die Feindschaft verweigern, da nicht mitmachen, wenn´s irgendwie geht.

Und dann ist unsere Phantasie zum Frieden gefragt. Wir brauchen Beispiele, Bilder, Geschichten des Friedens – und die müssen wir uns weitererzählen. Vielleicht hat es ja diese merkwürdigen Typen in merkwürdigen Situationen wirklich gegeben: Der eine, der sich nicht hauen wollte und deshalb auf eine Backpfeife die andere Backe hingehalten hat; die andere, der es zu blöd war, um einen Mantel zu streiten und ihn der Streitenden überlassen hat; oder die, die uns erst die Gemeinschaft aufgenötigt haben und die wir dann nicht allein gelassen haben. Vielleicht haben wir ja mal ähnliches erlebt – im Auto die Vorfahrt gewährt, die der andere gar nicht hatte; oder im Gespräch auf eine Belehrung verzichtet, die auf den zweiten Blick eh nicht nötig war.

Dem Feind die Feindschaft verweigern und aus dem Gegner – meinem „Fernsten“ – meinen Nächsten machen; das ist nicht leicht aber in meinem ganz eigenen Interesse. Verzicht auf Gegnerschaft ist ein Gewinn für mich selbst. Mir selbst geht es dann besser, wenn ich im Frieden leben kann. In den anderen den Menschen sehen, der ich auch bin; im anderen Gottes Kind erkennen; so wie Jesus das lehrt: „auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Matthäus 5,45) Mein Gegner ist auch nur ein Mensch – auch ein Mensch.

Klaus Neumann, Pfarrer

Predigttext für den 3. Sonntag nach Trinitatis, 28. Juni 2020

Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast. (Buch des Propheten Micha 7, 18-20)

Vorzeiten, also zur Zeit des Propheten Micha – vielleicht vor gut zweieinhalbtausend Jahren – konnte man davon ausgehen, dass etwas in die Tiefen des Meeres hineingeworfen verschwunden und dann für immer weg ist.

Wir Heutigen wissen, dass das nicht der Fall ist, denn wir haben es blödsinnigerweise ausprobiert und fahrlässig in Kauf genommen, dass wir unseren ganzen Müll ins Meer gekippt haben und noch immer hineinkippen. Weg ist der dann gerade nicht. Zigtonnenweise Plastik, Giftmüll, Dünnsäure, Öl, Schrott – der ganze Mist, den wir produzieren, landet zu großen Teilen im Meer. Weg ist der nicht.

Auf meiner Lieblingsinsel in der Ostsee wird immer mal wieder gefährliches Gift aus Waffenschrott, den wir Deutsche am Ende des Zweiten Weltkriegs ins Meer geschmissen haben, angespült. Ich habe zwar noch nie was davon gesehen, aber es ist ein unangenehmes Gefühl, dem Zeug begegnen zu können. Es soll echt ätzend sein.

Das passt nicht zusammen: Müll im Idyll, Meer und Strand und dann gefährlicher Abfall. Für uns Urlauber passt das nicht, aber für die, die dort im Meer wohnen schon gar nicht: für Fische und Wale und Meeresschildkröten und Robben und Krebse und Seepferdchen passt das nicht und immer wieder gehen sie daran zugrunde und werden angeschwemmt mit kiloweise Müll im Bauch – wobei bei einem Seepferdchen schon ein paar Mikrogramm Plastikmüll reichen. Weg ist der Müll nicht, wenn man ihn ins Meer schmeißt.

Und eigentlich hat man das auch schon in biblischer Zeit gewusst, dass Fische und andere Meerestiere, das, was ins Meer geworfen wird, aufschnappen und sogar an Land zurück bringen können. Jona hat davon profitiert, wurde im Bauch des Wals gerettet und von ihm ans Ufer gespuckt. Oder Petrus, der den Steuergroschen im Fischmaul findet. Das, was ins Meer geworfen wird, ist nicht weg.

Und so könnte man auch fragen, ob unsere Sünden, die Gott in die Tiefen des Meeres wirft, wirklich weg sind. Mehr noch: Man kann fragen, ob man sie sich weg wünschen soll. Denn böse Taten haben ja folgen, wir haben da was angerichtet, anderen weh getan, die Natur geschädigt, uns selbst damit auch. Da kann man ja nicht einfach so tun, als wäre nichts gewesen; ab ins Meer und Augen zu und womöglich weiter so wie bisher. Wer kann sich das wünschen? Wahrscheinlich ist doch eher, dass das irgendwann wieder an Land gespült oder an den Strand gespuckt wird: unsere Verfehlungen und Versäumnisse, unsere Vergehen und unsere Verbrechen. Verdrängtes kehrt wieder. Und dass es sich dann rächt, dass wir da nichts aufgearbeitet und aktiv wieder gut gemacht haben, so gut es eben geht.

Vielleicht meint es Gott zu gut mit uns hier, oder der Prophet Micha meint bloß, dass es Gott so gut mit uns meint. Könnte er sich mit seiner Idee der alles zudeckenden Gnade irren? (Micha natürlich, Gott irrt sich nicht, oder doch? Kann Gott sich irren? „Da reute es den Herrn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden“ leitet die Sintflutgeschichte ein, als Gott alles und wirklich alles – Sünde mitsamt den Sündern – ins Meer versenkt [1. Mose 6,6] und nach überstandener Katastrophe abermals sein Handeln bereut: „Ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.“ [1. Mose 8,21] Von Gottes Reue ist öfter die Rede. Irrt wer reut? Und ist das überhaupt anders denkbar, wenn Menschen echte Freiheit haben, dass sie dann so handeln, dass auch Gott als irrtumsfähig aber auch als fähig, sich selbst zu korrigieren, gedacht werden muss? Erarre divinum est?! Wäre dann Gottes Weisheit und Allwissenheit als gerade die Fähigkeit zu verstehen, einen Irrtum einzusehen und sich selbst zu korrigieren? Könnten wir ihn uns dann nicht für unser Handeln zum Vorbild nehmen?) Auch der Prophet Micha rechnet im Wesentlichen mit einem strafenden Gott (vgl. die Kapitel 1-6 seines Buches) und hofft dennoch, dass am Ende nicht Fluch sondern Segen das entscheidende Handeln Gottes sei, nicht Strafe sondern Gnade. Welche Gnade?

Der Prophet einer anderen Situation, Dietrich Bonhoeffer (dessen 75. Todesjahr in dieser Corona-Zeit viel zu wenig gewürdigt wird und unterzugehen droht), unterscheidet billige und teure Gnade. Billige Gnade, also die vom theologischen Grabbeltisch oder vom Glaubens-Discounter sozusagen, ist zu billig, weil sie uns nicht verändert, weil sie uns eigentlich in unseren Sünden lässt. Was nichts kostet, ist auch nichts wert. Das könnte auch für Gottes Gnade gelten, wenn wir sie falsch verstehen. („Billige Gnade ist der Todfeind unserer Kirche. Unser Kampf heute geht um die teure Gnade. Billige Gnade heißt Gnade als Schleuderware, verschleuderte Vergebung, verschleuderter Trost, verschleudertes Sakrament; Gnade als unerschöpfliche Vorratskammer der Kirche, aus der mit leichtfertigen Händen bedenkenlos und grenzenlos ausgeschüttet wird; Gnade ohne Preis, ohne Kosten. Das sei ja gerade das Wesen der Gnade, daß die Rechnung im voraus für alle Zeit beglichen ist. Auf die gezahlte Rechnung hin ist alles umsonst zu haben. Unendlich groß sind die aufgebrachten Kosten, unendlich groß daher auch die Möglichkeiten des Gebrauchs und der Verschwendung. Was wäre auch Gnade, die nicht billige Gnade ist? Billige Gnade heißt Gnade als Lehre, als Prinzip, als System; heißt Sündenvergebung als allgemeine Wahrheit, heißt Liebe Gottes als christliche Gottesidee. Wer sie bejaht, der hat schon Vergebung seiner Sünden. Die Kirche dieser Gnadenlehre ist durch sie schon der Gnade teilhaftig. In dieser Kirche findet die Welt billige Bedeckung ihrer Sünden, die sie nicht bereut und von denen frei zu werden sie erst recht nicht wünscht. Billige Gnade ist darum Leugnung des lebendigen Wortes Gottes, Leugnung der Menschwerdung des Wortes Gottes. Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders.“ Dietrich Bonhoeffer, Nachfolge 1937)

Man muss dem Propheten Micha nicht unterstellen, dass er uns Gottes Gnade zu billig verkaufen will, sondern wir selbst müssen uns hüten, den Preis für Gottes Gnade zu drücken. Wenn etwas zu billig wird, verlieren wir den Respekt davor. Was nichts kostet, ist auch nichts wert. Es gibt einen fairen Preis für die meisten Dinge. Das gilt auch für die Gnade Gottes (wie übrigens für Schweinefleisch. Geiz ist nicht geil, sondern garstig und grausam, grausam gegenüber Tier und Mensch. Das hätten wir schon längst wissen können [vgl. Upton Sinclair, The Jungle von 1906 über die Zustände in den Schlachtbetrieben in Chicago] und jetzt muss es jeder wissen. Wir sollten jedenfalls nicht damit rechnen, dass Gottes Gnade unsere Verantwortung für die Misshandlung von Mensch und Tier in der Fleischindustrie zudeckt und in die Tiefen des Meeres wirft.)

Aber widerspricht das nicht dem Begriff der Gnade, wenn ich sie mir durch mein Tun verdienen muss? Irgendwie schon. Umgekehrt verhöhnt es Gott, wenn ich seiner Gnade nicht durch meine Umkehr begegne. Ich schlage Gottes Gnade ja aus, wenn ich zwar seine Wohltat entgegennehme aber seinen Willen missachte. Gnade lebt davon, angenommen zu werden.

Am Beispiel der Corona-Krise lässt sich das verdeutlichen: Wir hier werden in der überwiegenden Mehrheit relativ und einigermaßen unbehelligt aus der Krise herauskommen. Diese Gnade, die die weitaus meisten erleben und erleben werden, sollten wir aber nicht als unser Recht und schon gar nicht als unser Verdienst ansehen (und schon überhaupt gar nicht als Beleg dafür, dass „die Virus-Gefahr überschätzt wurde“ wie die Blöd-Zeitung in unüberbietbarer Idiotie diese Woche titelt). Weder können wir hier etwas für das Glück zu überleben, noch können die Menschen in Bergamo, in Madrid, in New York und jetzt in Brasilien etwas dafür, die massenhaft sterben. Aber wir können und sollen danach sehen, was wir verändern müssen, um solche Seuchen zu verhindern oder zumindest ihre katastrophalen Folgen für so viele zu verhindern. (Und selbstverständlich gilt dasselbe – vielleicht noch dringlicher – für die drohende Klimakatastrophe!) Wir sollen und müssen in dem Geschehen den prophetischen Ruf zur Umkehr hören: Kehrt um! Wie es der Täufer Johannes, den wir in der vergangenen Woche gefeiert haben, in Tradition der Propheten wie Micha uns zuruft. Kehrt um! Prüft euer Handeln! Ändert euer Leben!

Gottes Gnade bezeichnet kein: Weiter so! sondern eine zweite Chance (oder eine dritte, vierte, siebte oder von mir aus siebenundsiebzigste – nein siebenmahl siebzigste – Chance, Matthäus 18,22), unser Leben so zu ändern, einzurichten, dass es der Gnade Gottes entspricht: Dass ich das zeige, an meinem Leben zeige, dass mir das Leben von Gott geschenkt ist; Dass ich zeige, an meinem Leben zeige und damit anerkenne, dass mich Gott wunderbar gemacht hat – und alle anderen auch, und alles andere auch; Dass Gott nicht einfach meine Sünde bedeckt oder in den Tiefen des Meeres versenkt, sondern mir tragen hilft; Dass er mir hilft, mein Leben zu verändern.

Wenn es nicht so katholisch klingen würde, könnte man sagen, dass die Gnade Gottes Hilfe zur Selbsthilfe ist. Trotzdem stimmt das. (Auch Katholiken irren nicht immer! Und Recht-haben-wollen ist nicht der edelste Charakterzug der Evangelischen – selbst wenn sie mal recht haben sollten!) Nur dass die Selbsthilfe – also die Umkehr zum gottgefälligen Leben – immer und in jedem Moment aus Gnade geschieht, das wäre festzuhalten! Sie – die Gnade – ist gleichzeitig Treibstoff und Kompass unserer Umkehr ins Leben.

Aber gehen müssen wir schon selbst. Amen.

Predigttext für den 2. Sonntag nach Trinitatis, 21. Juni 2020

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. (Matthäusevangelium 11, 25-30)

In diesen Tagen, den längsten des Jahres, „wenn der Sommer nicht mehr weit ist“, wenn wir Johannis oder Mitsommer feiern, feiern wir darin das Leben in all seiner Fülle. Wie Konstantin Wecker singt:

„Wenn der Sommer nicht mehr weit ist/ Und der Himmel violett,/ Weiß ich, daß das meine Zeit ist,/ Weil die Welt dann wieder breit ist,/ Satt und ungeheuer fett.

Wenn der Sommer nicht mehr weit ist/ Und die Luft nach Erde schmeckt,/ Ist’s egal, ob man gescheit ist,/ Wichtig ist, daß man bereit ist/ Und sein Fleisch nicht mehr versteckt.“

(Letzteres muss nicht immer die richtige Entscheidung sein… Und man kann Weckers Hymne auf das sommerliche Leben und den Lebensgenuss sicherlich nicht hören, ohne an seine Probleme mit dem Leben und dem Genuss zu denken. Das macht das Lied aber nicht schlechter sondern noch besser, zumal die Untiefen des Lebens zwar nicht im Text aber in der Musik deutlich hörbar sind.)

Wir preisen Gott unseren Vater, Herrn des Himmels und der Erde für die Weite des Himmels und die Kraft der Erde, weil wir beides unmittelbar erleben – unmittelbar zu erleben scheinen: die Schöpfung, wie sie ursprünglich gemeint war, offenbar, ohne Geheimnis, ohne Grenze, als „unmittelbare Gegenwart des ganzen ungeteilten Daseins“, Leben vor Gott, der dazu sagt: „Siehe, es war alles sehr gut“ (1. Mose 1, 31; Weckers Vers zum Fleisch ist vielleicht ein Verweis auf die paradiesische Nacktheit, die sich nicht versteckt. Erst der Eindruck der Sünde zwingt uns, uns zu bedecken.)

Unsere Sehnsucht nach dem Paradies führt uns ja auch in die Urlaubsparadiese – und mit etwas Glück sogar auch in diesem Jahr. Das sah ja nicht immer danach aus. Neben anderen Gründen, in den Urlaub zu fahren – Unterhaltung, Erholung, Bildung – geht es um diese Suche nach dieser ursprünglichen Einheit, die Rückkehr ins Paradies – auch wenn wir wissen, dass es das längst nicht mehr gibt; aber vielleicht doch für diesen einen Augenblick, dem man dann sagen kann, dass er verweilen soll, weil er so schön ist.

Allerdings wissen wir schon, spüren es vielleicht auch mit diesem leichten nagenden Schmerz im Hintergrund, dass dieser Moment da eben doch nicht verweilen wird; dass auch der schönste Moment zu Ende gehen und „sterben“ wird („Auch das Schöne muss sterben“), und selbst der schönste Sommer und der schönste Urlaub wird zu Ende gehen. (Meinen Vater – Gott hab ihn selig – packte gerade um Mitsommer herum, eine schmerzhafte Melancholie, dass nämlich nun die Tage wieder kürzer werden „und es stramm auf den Winter zugeht“; gerechterweise konnte er um die Wintersonnenwende einen entsprechenden Moment des Glücks empfinden.)

Es gehört zu den besonderen Leistungen der Religion, unserer Endlichkeit etwas entgegenzusetzen. Wie ja umgekehrt eine religionslose Zeit beinahe hilflos dem Ende ausgesetzt ist, den Tod darüber verdrängen muss – und erst von der Seuche wieder zu diesem Thema genötigt wird: Ja, Menschen sind sterblich; keine Medizin wird das ändern (auch der herbeigesehnte Impfstoff wird keine Unsterblichkeitsmedizin sein, kein pharmakon athanasias, wie die antiken Theologen das Abendmahl genannt haben; und selbst das war es nicht!); mit oder ohne Seuche, die Sterblichkeit von Menschen liegt bei genau 100%.

Dass unserer Endlichkeit dennoch etwas entgegenzusetzen ist, ist allerdings ein Geheimnis, dass sich besonders den Weisen und Klugen verschließt, weil es der Weisheit und Klugheit von uns Menschen zuwiderläuft, die an nichts glauben wollen, was ihrem Wissen entgegensteht oder es übersteigt, und nur das wissen wollen, was messbar, prüfbar und nachweisbar ist. Wir verpassen da etwas.

Das Geheimnis, von dem unser Predigttext spricht – Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will – Dieses Geheimnis ist nämlich nicht einfach ein mehr oder weniger interessanter Umstand unsere Welt betreffend, auch keine Tatsache, die ich durch Forschung herausbekommen könnte, auch kein bloßes Kuriosum, ein fun fact ohne Belang – sondern es ist das Geheimnis unserer Welt (Eberhard Jüngel, Gott als Geheimnis der Welt) und unseres Lebens, dass offenbart wird und auch als geoffenbartes Geheimnis ein Geheimnis bleibt – und dabei doch unser Leben völlig verändert (auf den Kopf stellt oder auf die Füße, je nach Perspektive).

Das Geheimnis unserer Welt und unseres Lebens besteht darin, dass uns Jesus Christus zu sich ruft – wie hier mit seinem sogenannten „Heilandsruf“: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nicht unser Forschen und Suchen und Grübeln wird uns Gott entdecken, sondern wir werden angerufen, angesprochen von diesem Menschen Jesus, einem von uns, der aber dennoch in einzigartiger Weise zu Gott in Beziehung steht, der spricht: Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

Wenn wir auf Jesus Christus hören, uns von ihm ansprechen lassen, erfahren wir etwas von dem Geheimnis unserer Welt und unseres Lebens. Das ist aber wie gesagt kein bloßes Wissen, sondern unsere ganze Existenz betreffende, verändernde, heilende Gewissheit, die unseren Lebenshunger stillt und unseren Lebensschmerz heilt (Nicht nur die Melancholie der Sommersonnenwende, die aber auch, denn im Johannisfest sind wir nun auf Christus verwiesen. Johannes´ Aufgabe ist ja, auf Jesus zu zeigen.), so dass wir Ruhe finden für unsere Seelen.

Indem wir zu Jesus gehören, gehören wir zu Gott; das können wir uns sonst in besonderer Weise im Abendmahl vergegenwärtigen (was wir normalerweise am 2. Sonntag nach Trinitatis thematisch und programmatisch ausdrücklich tun); jetzt und heute aber gerade nicht: seuchenbedingt. Auch das Abendmahl ist aber zuerst ein Zeichenwort und ein Wortzeichen, das nach evangelischem Glauben dem Wort Jesu, das uns ruft, nichts Wesentliches hinzufügt. Auch ohne Abendmahl sind wir wohlversorgt, gestärkt und erquickt – durch sein Wort. (Trotzdem kann man sich natürlich darauf freuen, dass Wort recht bald auch wieder in der Gestalt des Abendmahls zu haben!)

Dem Ruf Jesu können wir antworten, dazu ist der Gottesdienst ja da, nämlich durch Gebet und Gesang Antwort geben auf Gottes Wort. (Wir feiern Gottesdienst, damit „unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort und wir umgekehrt mit ihm reden durch unser Gebet und Lobgesang“ in Martin Luthers berühmten Worten über den Gottesdienst, seiner Torgauer Formel von 1544 während der Einweihung der Torgauer Schlosskirche).

Im vielleicht schönsten Sommerlied, das wir haben, und mit dem wir auf Gottes Wort und Werk antworten können, verpackt der Dichter Paul Gerhardt in die unbändige Freude über das sommerliche Fest des Lebens – „Geh aus mein Herz und suche Freud“ – auch den Schmerz über die Vergänglichkeit (Paul Gerhardt dichtet sein Lied im Jahr, als der Dreißigjährige Krieg zu Ende geht; er verliert vier seiner fünf Kinder im Kleinkindalter; er kennt das Leben) und beides in die Hoffnung auf Gottes Garten im Himmel: „Ach denk ich, bist du hier so schön/ und lässt du´s uns so lieblich gehen/ auf dieser armen Erden:/ Was will doch wohl nach dieser Welt/ dort in dem reichen Himmelszelt und güldnem Schlosse werden?“

Angesprochen von Gottes Wort in Jesus Christus können wir uns an der sommerlichen Natur freuen, ohne darin selbst Erfüllung suchen zu müssen – die wir dort auch im Leben nicht finden würden. So nimmt er uns die unerträgliche Last der Selbsterlösung und befreit uns zum Leben: Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. Amen.

Klaus Neumann, Pfarrer

Predigttext für den Johannistag (24. Juni), 20. Juni 2020

Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer; der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er.

Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis heute leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, reißen es an sich. Denn alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis hin zu Johannes; und wenn ihr’s annehmen wollt: Er ist Elia, der da kommen soll. Wer Ohren hat, der höre!

Mit wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? Es ist den Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und rufen den andern zu: Wir haben euch aufgespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint.

Denn Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht, und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt, und sie sagen: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder!

Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden aus ihren Werken. (Matthäusevangelium 11, 11-19)

„Ich träume oft davon ein Segelboot zu klau’n/ Und einfach abzuhau’n“
So dichtet und so singt es der unvergleichliche Udo Lindenberg, schon 1976, aber es klingt dem damals Jugendlichen bis heute nach:

„Ich träume oft davon ein Segelboot zu klau’n/ Und einfach abzuhau’n/ Ich weiß noch nicht wohin/ Hauptsache, daß ich nicht mehr zu hause bin/ Mit den Alten haut das nicht mehr hin.
Jetzt wolln wir doch mal seh’n/ Wie weit die Reise geht/ Und wohin der Wind mich weht/ Es muß doch irgendwo ne Gegend geben/ Für so ‘n richtig verschärftes Leben/ Und da will ich jetzt hin.“ (Musik und Lied zum Film „Nordsee ist Mordsee“ von 1976, unbedingt wiedersehen!)

Die Suche nach dem richtig verschärften Leben – nach der Fülle des Lebens – theologisch gesagt – führt uns von uns weg, an die Grenzen, hinaus aufs Meer, hinein in die Wüste.

Wir können annehmen, dass es diese Lebenssehnsucht gewesen ist und der Streit mit dem gewohnten Leben, die schon den Johannes in die Wüste hat gehen und viele andere zu ihm hat kommen lassen.

Wer war das überhaupt: Johannes der Täufer? —- (Lesen des Predigttextes)

Wer war das überhaupt: Johannes der Täufer?

Dieses Geschlecht – seine Zeitgenossen – Dieses Geschlecht wird ihn als merkwürdigen Wüstenschrat erlebt haben, der sich seltsam kleidet, seltsam ernährt, seltsame Worte spricht und an entlegenen Orten seltsame Dinge tut: zum Kamelhaarmantel trägt er einen ledernen Gürtel, ernährt sich von Honig und Heuschrecken, ermahnt seine Besucher eindringlich, ihre Lebensweise zu ändern: Kehrt um! ruft er ihnen zu und taucht sie im Wasser des Jordans unter – mitten in der Wüste weitab jeglicher Zivilisation. Ein merkwürdiger, seltsamer Schrat. Hat der uns etwas zu sagen? Würden wir uns etwas von ihm sagen lassen? – von diesem merkwürdigen, seltsamen Schrat?

Schon möglich, denn es haben sich viele von ihm etwas sagen lassen. Er hatte – vielleicht gerade durch sein merkwürdiges Auftreten – durchaus Zulauf, Erfolg, Anhänger, vielleicht keine Massen aber eine Menge; auch Jesus kommt zu ihm, lässt sich von ihm taufen.

Johannes repräsentiert die religiös aufgewühlte Stimmung jener Zeit, ihre Sinnsuche in all den Erschütterungen, die vielfältigen Reaktionen und Möglichkeiten, als Aktualisierung und Neuinterpretation der Propheten des Alten Testaments. Johannes ist ein Prophet in dieser Tradition; einer der die Zeichen der Zeit liest, nach Gottes Willen fragt und seine Mitmenschen zur Umkehr ruft.

Seine Kleidung, sein Verhalten sind auch immer Zeichenhandlungen im Dienste seiner Aufgabe. Er will Aufmerksamkeit, will mit seiner Kleidung etwas sagen, will damit entgegenhalten; wie die Hippies, wie die Rocker, wie die Punks unserer Zeiten. Wenn man Johannes so versteht, dann passt er doch ganz gut zu uns, dann kann er uns etwas sagen: Was sind das für Zeiten, was ist Gottes Willen für uns, sind wir bereit umzukehren? Wollen wir uns etwas sagen lassen, wollen wir uns das von ihm sagen lassen?

Johannes – aber auch Jesus selbst – beide haben die Erfahrung gemacht, dass sie viele aber längst nicht alle erreichten. Darauf heben die schönen Bildworte ab, die besagen, dass die Leute, viele Leute einfach nichts kapiert haben, nicht mitgespielt haben, sich nichts haben sagen lassen: Sie sind den Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und rufen den andern zu: Wir haben euch aufgespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint.

Und das andere viel dunklere Wort über Johannes und seine Zeit hebt darauf ab, dass das wovon Johannes sagt, und das, was Jesus herbeiführt, nicht mit Gewalt herbeizuführen ist: Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis heute leidet das Himmelreich Gewalt, und die Gewalt tun, reißen es an sich. Weil nämlich nicht wir das Reich Gottes herbeiführen, sondern weil es über uns kommt, kommen wird, von Gott herbeigeführt und sonst von niemandem.

Und dass es unterschiedliche Lebensformen gibt in der Erwartung des Reiches Gottes, dass es nicht nur die eine und für alle gültige Lebensweise gibt; sondern dass wir die uns gemäße finden sollen, in Verzicht oder Teilhabe, in Askese oder Genuss, Hauptsache wir erwarten Gott in unserem Leben und in dieser Welt: Denn Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht, und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt, und sie sagen: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder!

Unterschiedlicher, gegensätzlicher könnten die Lebensweisen nicht sein. Dennoch ist unser Leben nicht beliebig. Es kann unterschiedliche Formen annehmen, ganz verschieden aussehen – aber wir sollen uns je auf unsere Weise auf Gott und sein Kommen vorbereiten. Denn darauf zeigt Johannes: Dass Gott kommt, dass er sich uns gegenwärtig macht – und dass wir uns darauf vorbereiten sollen.

Der Johannistag ist ein Zeige-Tag: Wir sollen aufmerksam werden für unsere Zeit, sollen Gottes Willen erkennen für und in unserer Situation und sollen uns bereit machen für die Umkehr. Was erleben wir eigentlich jetzt gerade, was passiert da im Zeichen, im Schatten der Seuche, was bewährt sich von unserer Lebensweise und was erweist sich als Irrtum, als Irrweg? Wie gelingt das Leben – mit der Natur, mit anderen Menschen, mit mir selbst? Was geht da – andrerseits – grundsätzlich schief, wenn ich nicht mit der Natur lebe sondern gegen sie; wenn ich nicht mit meinen Mitmenschen lebe sondern gegen sie; wenn ich sogar mich selbst zum Gegner habe, in mich verkrümmt bin, Gefangener meiner selbst bin, meiner unmäßigen Ansprüche an das Leben, der Kränkung, dass mein Leben enden wird.

Johannes selbst gibt noch keine fertigen Antworten, weist keine Wege – er bereitet ja den Weg eines anderen. Johannes setzt selbst keine Normen. Indem er durch seine unkonventionelle Art Aufmerksamkeit erregt, unterbricht er unseren Alltagstrott, verweigert er das Immerweiter und Immermehr, lässt uns innehalten und fragen: Was ist da eigentlich los? Was geht hier ab? Was passiert gerade mit uns?

Und dann verweist er auf den, dem wir folgen sollen: auf Jesus. Ihm sollen wir nachgehen. Auf ihn zeigt er. Ihm sollen wir folgen. Und zwar: Damit wir das Leben neu aus Gott empfangen. Das ist mit dem „Reich Gottes“, von dem die beiden sprachen, gemeint; das ist mit „Auferstehung“, mit „Wiedergeburt“ und dem „neuen Leben“ gemeint: Das Leben aus Gott empfangen. Die Fülle des Lebens aus Gott empfangen.

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ Sagt Jesus und deshalb zeigt Johannes auf diesen Jesus:

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ Amen.

Predigttext für den 1. Sonntag nach Trinitatis, 14. Juni 2020

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.

Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen.

Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.

Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

(Apostelgeschichte 4,32-37)

Heute müssen wir über Geld reden!

Das ist oft kein so erquickliches Thema; für die, die keins haben, sowieso nicht; und für die, die viel haben, auch nicht immer. Denn dieselben Augen, die beim Blick ins Sparbuch leuchten, füllen sich angesichts der Bibel mit Tränen. Dabei ist doch alles ganz einfach: Weg damit! Sagt die Bibel und alles wird gut. Nicht jeden überzeugt das. Gleichwohl: Weg damit! Sagt die Bibel auch heute. Wird es uns überzeugen?

Geld ist ein schwieriges Thema: Beim Geld hört die Freundschaft auf. Es soll ja sogar fromme Leute geben, die über dem Geld der Kirche die Freundschaft kündigen.

Wenn man einen guten Freund los werden will, wenn man die lange Freundschaft gefährden will, dann ist das ein totsicheres Mittel: ihn um Geld zu bitten; sein Gesicht wird sich verziehen, die Miene verdunkeln, er wird es vielleicht zähneknirschend geben, aber die Freundschaft ist dahin. Warum eigentlich?

Sogar in der Ehe, der intimsten möglichen Verbindung zweier Menschen, gibt es bisweilen getrennte Kassen – um des Friedens willen. Bei einem starken Gefälle der Vermögensverhältnisse wird das sogar dringend empfohlen – im Blick auf eine zukünftige Trennung. Gütertrennung, aber warum eigentlich? Ist Geld und Gut soviel bedeutender und dadurch heikler als Leib und Liebe und Leben, die ich in der Lebensgemeinschaft teile und dann im unglücklichsten Fall geteilt habe? Warum schmerzt uns die verlorene Intimität und der Abbruch der gemeinsamen Lebensgeschichte weniger als ein paar Zahlen auf dem Konto und die Grundstücke im Tessin. (Das ist ja das berühmte Reichtumsparadox: Je mehr ich habe, desto mehr fürchte ich den Verlust: der Reiche als Geizige!)

Auch in Staaten und zwischen Staaten (um mal von den leidigen Kirchenfinanzen zu schweigen) ist das immer das schwierigste Thema: Geld und Steuern; Ausgleich und Transfer; persönlicher Gewinn und Vergemeinschaftung. Über viele Jahre konnten Parteien und Verbände ordentlich Wind machen mit Forderungen, Steuern zu senken, während andere das bedingungslose Grundeinkommen forderten. Wir stöhnen über Steuern, maulen über Nettozahlungen in den europäischen Süden – erleben aber gerade in der Krise, dass gut ausgestattete Gesundheits- und Sozialsysteme am ehesten in der Lage sind, der Seuche etwas entgegen zu halten (und nicht nur der Seuche: letztlich müssen wir ja wissen, dass sozialer Friede, ohne den auch der Reichste nicht im Frieden leben kann, nur bei einigermaßen ähnlichen Lebensmöglichkeiten erhalten bleibt: Steuern finanzieren nicht nur Straßen und Schulen sondern auch das gemeinsame Leben überhaupt) – und staunen wiederum, dass ausgerechnet in Großbritannien mit seinem steuerfinanzierten nationalen Gesundheitssystem und sogar im schwedischen Wohlfahrtstaat, dem legendären „Folkhemmet“ (dem Volksheim), wie es früher hieß, so viel schief zu laufen scheint.

Und gerade jetzt, wenn es darum geht, die ganzen Fantastillionen, die niemand hat, sinnvoll gegen die Krisenfolgen einzusetzen, erklären uns die einen ganz genau, wieso das xte Hilfspaket jetzt um die Milliarden zu klein ist, für die es die anderen zu groß halten, derweilen sich die üblichen verdächtigen Ganoven schon mal ein paar Geldsäcke beiseiteschaffen. Warum hört eigentlich immer spätestens beim Geld der Spaß auf?

Eine vorläufige, einfache Antwort (aber Vorsicht bei einfachen Antworten!) lautet: Weil die meisten Menschen Geld für mehr halten und Geld deshalb mehr sein lassen, als es ist oder eigentlich sein sollte: Ein geniales Zahlungsmittel, das uns den Weg zum Supermarkt erleichtert, weil wir statt der sperrigen Tauschmittel (wie Teppiche, Schafe, Kamele), ein paar Scheine oder – noch besser – eine Plastikkarte dabeihaben. Ein geniales Zahlungsmittel soll es sein – aber zu einem Symbol und einem Speicher übermäßiger Bedeutung laden wir es auf. Geld repräsentiert Besitz, Macht, Bedeutung, Sinn, sogar Gott!

„Worauf du nun (sage ich) dein Herz hängst und verlässest, das ist eigentlich dein Gott.“ sagt Luther in seinem Großen Katechismus (von 1529) zur Erklärung des ersten der 10 Gebote („Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“) „Es ist mancher, der meint, er habe Gott und alles genug, wenn er Geld und Gut hat, verlässt und brüstet sich darauf so steif und sicher, dass er auf niemand etwas gibt. Siehe, dieser hat auch einen Gott, der heißt Mammon, das ist Geld und Gut, darauf er all sein Herz setzt, welches auch der allergewöhnlichste Abgott ist auf Erden. Wer Geld und Gut hat, der weiß sich sicher, ist fröhlich und unerschrocken, als sitze er mitten im Paradies; und wiederum, wer keins hat, der verzweifelt und verzagt, als wisse er von keinem Gott. Denn man wird ihrer gar wenig finden, die guten Mutes sind, nicht trauern noch klagen, wenn sie den Mammon nicht haben; es klebt und hängt der Natur an bis in die Grube.“ (Ebd.)

Viel lässt sich gegen die Macht des Geldes offensichtlich nicht machen. Aber der christliche Glaube versucht durchaus etwas dagegenzusetzen. Lukas zeichnet an unserer Stelle des Predigttextes – auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam – das verklärende Ideal eines ursprünglichen „Liebeskommunismus“ (verklärend deshalb, weil Lukas ehrlicherweise gleich die katastrophale Geschichte von Hananias und Saphira anfügt, in der das liebeskommunistische Ideal in Zwang umschlägt und am Geiz der Reichen und im Terror der Strafe zerbricht [Apostelgeschichte 5,1-11]. Das hätte Lenin verstanden und Stalin sowieso. Allerdings: Dass Kommunismus nicht klappt, weil eine zarte, edle Idee an der harten Realität zerbricht, hätte man also schon in der Bibel lesen können).

Darin spiegeln sich die geld- und mammonkritischen Äußerungen Jesu: „Niemand kann zwei Herren dienen. … Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ (Matthäus 6,24) – „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt“ (Matthäus 19,24) – „Verkaufe alles was du hast und gib es den Armen“ (Matthäus 19,21) – aber auch: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon!“ (Lukas 16,9) – und: „Lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.“ (Matthäus 6,3)

Das heißt: dem Reichen als Geizigen – wird nicht etwa der edle Arme (der so edel meistens nicht ist oder sein kann vor lauter Armut, denn „erst kommt das Fressen und dann kommt die Moral“, wie der große Bibelkenner Bert Brecht wusste: „Meine Lieblingslektüre? Sie werden lachen, die Bibel.“) sondern dem Reichen als Geizigen wird der Reiche als der Großzügige entgegengesetzt: wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. Wenn schon reich, dann gib davon ab!

Ein uns sonst nicht weiter bekannter Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig wird als gutes Beispiel angeführt: der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen. Die Idee ist offensichtlich, dass das gute Beispiel Schule macht und andere, uns andere mitzieht.

Und damit kommen wir ganz aktuell zum exemplarischen guten Reichen unserer Zeit, zum Mäzen der Seuchenbekämpfung, der neben Virologen und Politikern auf der einen und den Idioten auf der anderen Seite der Krise ein Gesicht gibt: zu Bill Gates. Den muss man nicht mögen; und als Mensch, der in den 90er Jahren in die Computerwelt hineingewachsen ist, muss man ihn schon gar nicht mögen, ihn, der mit einem mittelmäßigen, zusammengestoppeltem Computerprogramm ein unmäßiges, unfassbares Vermögen zusammengerafft hat. (Wobei er es bei allem teuren Pfusch, den er uns immer noch andreht, natürlich trotzdem nicht verdient hat, mit zwar albernen aber doch sicher kränkenden Verschwörungstheorien behängt zu werden.) Aber man kann Schlimmeres und Blöderes machen mit seinem ganzen Geld, als es der Welt, der er es vorher für seine Computerprogramme abgeknöpft hat, zur Seuchenbekämpfung zurückzugeben. „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon!“ Als hätte Bill Gates die Bibel gelesen.

Man muss Bill Gates nicht mögen, aber als Mäzen der Weltgesundheit zeigt er den anderen Reichen und auch uns, die wir in der Mehrzahl ebenfalls mehr haben als wir brauchen, was wir mit unserem Reichtum, unserem Wohlstand, dem ganzen vielen Geld machen sollen – nach Gottes Willen: Lasst es uns mit den Armen teilen!

Denn: Geld allein macht nicht unglücklich, stimmt schon; aber ob der, der ohnehin zu viel hat, von immer mehr davon glücklicher wird, ist sehr zu bezweifeln; aber der, der zu wenig oder nichts hat, der könnte schon etwas glücklicher ohne Geldsorgen sein. Lasst es uns mit den Armen teilen!

Und außerdem – und das ist natürlich der Horizont unserer Geschichte angesichts des als nahe herbeigekommen erwarteten Gottesreiches, bzw. der Begrenztheit unseres Lebens: Es gibt mehr und wichtigeres im Leben als Geld und Gut. Wir verlieren nichts Lebenswichtiges, wenn wir das Geld, das wir eh nicht brauchen und im Leben nicht ausgeben können, abgeben. (Irgendeiner muss das den kaum volljährigen Fußballprofis und Popidolen mal erzählen: Ihr werdet eure Millionen in diesem Leben nicht ausgeben können, also gebt davon ab!) Aber wir gewinnen so viel, wenn wir unseren Eifer auf anderes richten.

Das können wir Jesus glauben: Wir gewinnen, wenn wir teilen. Wir werden reicher, wenn wir von unserem Reichtum abgeben. Und wenn wir das endlich verstehen, dann wird ein anderer Lukas vielleicht über uns sagen: große Gnade war bei ihnen allen.

Überzeugt?

Klaus Neumann, Pfarrer

Predigttext für den Sonntag Trinitatis, 7. Juni 2020

Und der Herr redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne. (4. Buch Mose 6,22-27)

Alles wird gut: Andrá tutto bene – So haben wir es gelernt in dieser Zeit, als sich Menschen in Not und Verzweiflung gegenseitig Mut zusprachen. Die die alles noch besser wissen, haben gleich gemault, dass das doch ein bisschen platt wäre, so etwas Heile-Gänschen-haftes hätte, eigentlich gar nicht alles gut würde, selbst wenn dieses Krise vorbei wäre, denn die nächste käme bestimmt: Nach der Krise ist vor der Krise. Stimmt schon, aber nicht ganz.

Andrá tutto bene: Den Weichherzigen oder wenn man so will Rührseligen – wie mir – ging das direkt ins Herz, erstens weil in Italienisch vieles gleich viel bedeutender und herzlicher klingt als es sich in unserer teutonischen Muttersprache anhört und zweitens, weil wir es ja von den Menschen hörten und sahen, die wir sonst im Urlaub besuchen in dem Land, in das wir uns hinsehnen, besonders dann, wenn unseres mal kalt und hässlich ist oder uns doch so scheint. („Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,/Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,/Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,/ Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht/ …“)

Als das schöne Wort gesagt und auf die Balkone gemalt wurde, hatte sich gerade unser Urlaubstraum in einen Albtraum der Seuche verwandelt, das gelobte Land war in Chaos zurückversetzt, das Schöpfungsversprechen und Gottes Urteil: „Und siehe, es war alles sehr gut!“ scheinbar zurückgenommen, Segen in Fluch verwandelt, so musste es scheinen. In dieser Situation durfte und darf man das „Alles wird gut“ als Glaubenszeugnis gegen den Augenschein verstehen, als Hoffnungswort, dass Gottes Segen weiterhin gelten möge, dass Gott eben nicht sein Antlitz von uns Menschen abwendet, seine Augen nicht verdunkelt und sein Gesicht nicht vor uns verbirgt.

Segen und Segenswunsch verlieren ihre Wahrheit nicht, wenn sie der Verzweifelte ausspricht. Vielleicht wird der Segen sogar noch bedeutender, wenn ich vom Fluch weiß, den Segen also nicht für eine Selbstverständlichkeit halte und einfach so mit ihm rechne. (So – als banale Selbstverständlichkeit – kann man das andrá tutto bene auch hören, aber dann wäre es – glaube ich – falsch.)

Es wäre zwar sicherlich gotteslästerlich, Gott als gleichmäßig Segen und Fluch austeilenden gleichsam neutralen Schöpfer zu zeichnen (so wie es gotteslästerlich ist, die Seuche für Gottes Fluch zu halten; oder noch gotteslästerlicher, einen angeblich fluchend-zornigen Gott im Alten Testament dem liebevoll-segnenden Gott im Neuen Testament gegenüberzustellen: Christus aber hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für unsdenn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt« –, 14 auf dass der Segen Abrahams zu den Heiden komme durch Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben.“ Galater 3,13f.) Gottes Handeln ist Segen.

Aber dass sich Segen vor dem Hintergrund des Fluchs konturiert, stimmt nicht nur sprachlich. Wo Licht ist, ist auch Schatten, bzw. erst die umgebende Dunkelheit zeigt das Licht. (Je heller es ist, desto stärker muss das Licht sein, um es zu sehen; deshalb sehen wir tagsüber die Sterne nicht und nachts nur, wenn wir es nicht zu hell machen.) Zumindest biblisch stimmt das auch, denn Gottes Segen spendende Schöpfungstätigkeit, die die große biblische Erzählung eröffnet, erleuchtet im ersten Akt der Schöpfung das finstere Chaos mit dem Urlicht: „Und die Erde war wüst und leer (Tohuwabohu), und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach [als erstes schöpfungswirksames Segenswort]: Es werde Licht! Und es ward Licht.“ (1. Mose 1) (Unbedingt nachhören bei Haydn: Die Schöpfung!)

Viele Religionen haben die Möglichkeit, diese zwei Aspekte und viele weitere Aspekte Gottes auf unterschiedliche Gottheiten zu verteilen, in für Außenstehende komplizierte und phantasievolle Götterwelten ausgeweitet , und damit gemacht, was im christlichen Glauben, der aus dem jüdischen hervorging, nicht geht. Wir glauben an einen – und nur einen! – Gott. Aber das Christentum ist weitergegangen als die anderen Ausprägungen ihrer Religionsfamilie (also dem Judentum, dem Christentum, dem Islam; die bisweilen die abrahamitischen Religionen genannt werden; s.o. das Zitat aus dem Galaterbrief.) um die Vielfalt göttlichen Wirkens und die Beziehung Gottes in sich selbst zu bedenken und auszudrücken.

Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist, also dreieinig zu verehren und als seine Trinität zu bedenken, ist ein kühner, geradezu verwegener Versuch, Gottes Wirken als Segen zu verstehen und dabei die innergöttlichen Beziehungen – auch Spannungen – mitzudenken. Das kann eigentlich nur schiefgehen: Wie sollten wir Menschen in Gott hineinschauen – wo wir ihn doch schon von außen nicht ansehen können („Niemand hat Gott je gesehen.“ 1. Johannes 4,12). Das kann überhaupt nur gelingen, wenn Verehrung, Anbetung, Lobpreis den Bemühungen Gott „nach-zudenken“ vorausgehen. Gott ist immer größer als meine Gedanken über ihn! („Gott ist nicht nur ein grosses, weites Wesen, das die Welt füllt und über sie hinausragt, gleich als ob ein Strohsack voll Stroh steckt. Aber Gott ist nicht ein solches ausgerecktes, langes, breites, dickes, hohes oder tiefes Wesen, sondern ein übernatürliches, unerforschliches Wesen. Er ist zugleich ganz und gar in jedem kleinen Korn und dennoch in allen und über allen und ausser allen Kreaturen. … Nichts ist so klein, Gott ist noch kleiner. Nichts ist so gross, Gott ist noch grösser, nichts ist so kurz, Gott ist noch kürzer, nichts ist so lang, Gott ist noch länger. Nichts ist so breit, Gott ist noch breiter, nichts ist so schmal, Gott ist noch schmaler. Es ist ein unaussprechliches Wesen, über und ausser allem, das man nennen oder denken kann.“ Martin Luther, Vom Abendmahl Christi. Bekenntnis 1528; oder in meinem Lieblingskindergartenlied: „Gottes Liebe ist so wunderbar:/ So hoch, was kann höher sein?/ So tief, was kann tiefer sein?/
So weit, was kann weiter sein? So wunderbar groß!“)

Gott ist immer größer als meine Gedanken über ihn. Und gleichzeitig kommt mir Gott näher als ich mir selbst nahe kommen kann. (Augustinus: deus interior intimo meo) Das beides möchte die Trinitätsvorstellung zusammendenken. Gott bleibt nicht bei sich, irgendwo über den Wolken in seiner ganzen einsamen herrlichen Herrlichkeit; sondern er kommt mir näher als ich mir selbst nahe zu kommen vermag. Deshalb hat der christliche Glauben und das christliche Denken, Jesus Christus und den Heiligen Geist als göttlich, als zu Gott gehörig geglaubt und gedacht – ohne die Einzigkeit und die Einheit Gottes aufzugeben. Im christlichen Glauben hat Gott eine Geschichte, an deren Ende Jesus Christus die Herrschaft an Gott den Vater übergibt (1. Korinther 15,24: „das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt.“) damit Gott eins und einer und alles in allem sei ( „Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge.“ Römer 11, 36).

Am Ende ist alles gut (und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!). Am Ende ist alles gut – Andrá tutto bene: das bezeichnet die christliche Hoffnung, das am Ende Gott alles in allem sei, dass alles Böse, alles Schreckliche, alles Übel, alle Krankheit, auch diese blöde und gemeine Seuche überwunden ist; dass Gott durch sein Licht alle Finsternis überwunden hat; dass sein Segen über allem liegt (uns so sein Schöpfungsversprechen einlöst: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe , es war sehr gut.“ 1. Mose 1, 31).

Daran erinnert uns sein Segenswort, das am Ende alles gut sein wird, das wir teilhaben an der „unmittelbaren Gegenwart des ganzen ungeteilten Daseins“ (Friedrich Schleiermacher nach der Formulierung seines norwegischen Freundes Henrik Steffens). Und manchmal können wir es schon jetzt sogar erkennen, erahnen, im Lächeln unser Liebsten, im Lachen unserer Kinder, im Gesang der Vögel am frühen Morgen, wenn die Sonne aufgeht über einer Landschaft wie dem Rheingau. Auch bei uns ist es beinahe italienisch schön: Andrá tutto bene:

Der Herr segne dich und behüte dich;
der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Klaus Neumann, Pfarrer

Predigttext für Pfingsten, 31. Mai 2020

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.

Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen! Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage; sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe der große Tag der Offenbarung des Herrn kommt. Und es soll geschehen: wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«      

(Apostelgeschichte 2,1-21)

Alle reden durcheinander, niemand hört auf den anderen, niemand versteht den anderen, sie sprechen in ihren verschiedenen Sprachen, kommen sich gegenseitig spanisch vor, was sage ich: Parthisch, Medisch und Elamitisch, Kappadokisch, Phrygisch, Pamphylisch – keine Ahnung, wie sich das anhört – Ägyptisch, Römisch, Kretisch oder Arabisch – eigentlich großartig, diese Vielfalt von Sprachen und Kulturen und Menschen, aber schade, wenn sie sich nicht verstehen, sich nicht verstehen wollen, nur ihre eigene Perspektive wahrnehmen, die anderen nicht sehen und nicht hören, nur ihren je eigenen Regeln und Traditionen folgen, sich nicht kümmern um Verständigung und die Gereiztheit dann wächst – das kommt uns bekannt vor:

Aus manchen Schulstunden, wenn alle herumkrakeelen und keiner aufeinander und schon gar nicht auf den Lehrer hört, Papierkügelchen gespuckt werden – oje, das geht ja nicht mehr – also geschnippst, Schwämme geschmissen und Stühle gekippt werden – der ganz normale Wahnsinn an höheren Bildungseinrichtungen. Und nicht nur dort!

Das kennen wir von Familienfeiern, wenn alle Lieben wieder einmal zusammenkommen und wir merken müssen, dass wir uns auseinandergeliebt und auseinandergelebt haben, unsere Sprachen sich auseinanderentwickelt haben, Gewohnheiten nicht mehr dieselben sind; die, die sich noch nie so grün waren, sich immer noch nicht mögen; und die, die einst ein Herz und eine Seele waren, sich nicht mehr verstehen, sich nichts mehr zu sagen haben; oder sich nur noch in Überlautstärke ihre Rechthabereien an den Kopf schmeißen. Und nicht nur die!

Das sehen wir in Talkshowrunden, wenn wir sie überhaupt noch ansehen mögen: wer am lautesten schreit, hat zwar ziemlich sicher unrecht, aber glaubt damit, wenigstens gehört zu werden, und mit ein bisschen Glück sogar eine Schlagzeile in der BLÖD-Zeitung zu ergattern. Wo sonst?

Auch in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Debatte – nach zwei, drei Monaten im Schatten von Corona – scheint die Verständigungsbereitschaft aufgebraucht zu sein: lieber nicht aufeinander hören, sondern gegenseitig angiften; lieber nicht über Politik nachdenken, sondern Politiker beschimpfen; lieber nicht auf die Wissenschaftler hören, sondern sie verleumden – auch da geht das genannte Blatt mit den großen Buchstaben giftig leuchtend voran; Ängste nutzen und schüren und wieder nutzen! Wenn alle durch das Neue und Böse verunsichert sind, die Unsicherheit vergrößern! Vielleicht lässt sich daraus ein Gewinn erzielen.

Dann sagen sich politische und andere Idioten: „Was, Corona-Bazillus? Hab noch nie nicht keinen gesehen“. „Das sind doch alles Verschwörer“, sagen die neuen Verschwörer, diese Geisterfahrer des Ungeistes („Was? Ein Geisterfahrer auf der A3? Hunderte!“) – verdrängen mal schnell die LKW-Kolonnen mit den Särgen in Bergamo, die Sterbezelte in New York, das jederzeit drohende Inferno auch bei uns – und verbinden sich auch noch mit den uralten Hassern gegen die phantasierte Weltverschwörung des ewigen Erb- und Erzfeindes („Ist doch klar, wer daran Schuld ist. Die, die schon immer Schuld waren“.)

Da hat sich ein böser Geist gebildet, bösartige Flatulenz eher, ein Faulgas eher, das ja auch sonst gelegentlich herumwabert – antipfingstlich sozusagen – unter Impfgegnern und Klimawandelleugnern und Mobiltelefonnetzphobikern und Ernährungsapostel (Veganer und Carnivore treffen sich ja auch irgendwo in extremis, was schon Nikolaus von Kues erkannte) und multipel Empörten – um die eher harmlosen Varianten zu nennen. (Die Liste der sinnlosen Missionen – „mission imbecile“[kein Schreibfehler!] – lässt sich beinahe beliebig verlängern.) Aber es wabert und dampft und stinkt eben auch unter den Bösartigen und Gefährlichen: unter Fremdenhassern und Antisemiten, Fundamentalisten und Frauenfeinden. Mief also unter gefährlichen Irren und unter sonst harmlosen Spinnern – ein stinkender Mief, der ihnen in diesen Tagen in die Segel und unter den Aluhut bläht. (Neulich habe ich doch tatsächlich einen Alubehüteten auf dem schönen Sonnenberger Dorfplatz gesehen. Konnte es kaum glauben und hätte es so gerne für eine dadaistische Aktion im Geiste des großen Joseph Beuys gehalten, der sich auch herrlich sinnlos aufregen konnte, aber anders und richtig.)   

Die Ausgangssituation der Pfingstgeschichte kann uns also ganz schön bekannt vorkommen: Alle reden durcheinander, niemand hört auf den anderen, niemand versteht den anderen, wir sprechen in verschiedenen Sprachen und leben in unseren eigenen Welten, halten unsere „Narrative“ für Wahrheiten (bezweifeln, dass es überhaupt Wahrheit gibt; schwafeln von „meiner eigenen Wahrheit“, die meistens noch nicht einmal die eigene, also selbstständig erworbene Meinung ist [Das radikal konstruktivistische „Es gibt nur meine eigene Wahrheit“ bildet neben dem fundamental hedonistischen „Mein Spaß ist der Sinn des Lebens“ das Grunddogma der zu bildenden Jugend, das einem beinahe täglich in der Schule begegnet. Von wem haben die das bloß? Von uns Alten natürlich!]; zeigen uns überrascht, überrumpelt und überfordert, wenn wir in Wissenschaftlern Wahrheitssuchende erkennen, erkennen müssten; verkennen, dass wir selbst aus nichts als der Wahrheit leben und sonst verkümmern und vergehen und eingehen wie eine Primel), kümmern uns nicht um Verständigung und die Gereiztheit wächst. Wir Corona-Gereizten sticheln und stänkern in einem fort. (Ich ja auch gerade. Und so oft wie in dieser Zeit habe ich noch nie einen Streit mit meiner Frau angezettelt.) –

Und dann:

Und dann passiert etwas, etwas völlig Neues („And now for something completely different“):

Ein Wind weht, ein Licht leuchtet, ein Fenster geht auf, ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen: Geistesblitze! Wind und Feuer – als Zeichen des Neuen. Neue Schöpfung. Reine Emergenz. Der Heilige Geist. Was bewirkt der?     

Wind und Geistesblitze bewirken Verständigung unter vorher Verständnislosen. Das verblüfft die Außenstehenden so sehr, dass sie es – gewiss in Spiegelung eigener Erfahrungen – für ein Besäufnis halten müssen, was sie da erleben: Sie sind voll des süßen Weins! (Die neue Verständigung wird also vom Außenstehenden als alkoholgesteuertes Übermaß gedeutet und folglich als sich selbst missverstehende Verständigung. Selbst in dieser Fehldeutung spiegelt sich noch eine gültige Beobachtung, nämlich die der bloß illusionären Verbrüderung von Saufkumpanen und Trinkschwestern, die den nächsten Kater aber nicht übersteht. Am Aschermittwoch ist alles vorbei.)

Diese Fehldeutung des Geschehens korrigiert der bibelkundige Petrus mit etwas, das man ebenfalls als Fehldeutung verstehen könnte – und dann aber missverstehen müsste. Er erinnert sich an ein Wort des Propheten Joel, wie es in den letzten Tagen, also am Weltende sein wird: Von gewaltigen Zeichen spricht er, von Wunder oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden. Aber nichts davon passiert ja. Irrt sich Petrus – oder zitiert er seinen Joel einfach nur vollständiger, als es seiner Erklärung gut tut? (Selbst ein richtiges Zitat kann das falsche sein.)

Denn aus dem Rest des Zitats, der besser zum beobachteten Geschehen passt, geht tatsächlich der entscheidende Hinweis hervor: Spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen .  

Gott gießt seinen Heiligen Geist aus, in einer Zeit der Bedrängnis; und er gießt ihn auf Söhne und Töchter, auf Jünglinge und Alte, auf Knechte und Mägde, also auf die am Rande der Gesellschaft, auf die Marginalisierten, auf die, die sonst wenig oder nichts zu sagen haben: auf die ganz Jungen und die ganz Alten, auf die Schwachen und Beeinträchtigten, auf die Recht- und Machtlosen, auf die, die nicht für sich selbst sprechen können, dass sie Gesichte sehen und Träume haben – also mehr sehen, als einfach vor Augen liegt.

Was will uns der Prophet Joel, was der Apostel Petrus, was Gott selbst denn damit sagen? Warum bekommen nicht alle und ausgerechnet wir nicht Gottes Geist? Wir Etablierten, Saturierten, Privilegierten, in der Mitte der Gesellschaft, wir Stützen der Gesellschaft? Sollen wir etwa geistlos bleiben, so geistlos wie wir sind? Oder brauchen wir ihn bloß deshalb nicht, weil wir ihn schon hätten, den Geist. Das hätte wir gern! (So wie Obelix, der deshalb keinen Zaubertrank mehr bekommt, weil er als Kind schon reingefallen ist? Das träumt der Obelix in mir, berauscht und voll des süßen Weins, den wir mit goldenen Löffeln geschlürft hätten. Aber selbst Obelix ist immer wieder scharf auf neuen Zaubertrank.)

Tatsächlich weht Gottes Geist – das ist die Pfingstbotschaft – von den Rändern her. In Wahrheit öffnet Gottes Geist Perspektiven der anderen unserer selbst. Die Ränder werden ausgeleuchtet, damit ein klares Bild entsteht. (Wie jeden Sonntag in der Sonntagszeitung, wenn Hauck&Bauer uns auf ihre Weise die Gesellschaft vom Rand her zeigen.)

Um eine Gesellschaft, um menschliches Leben überhaupt zu verstehen, muss man die am Rande der Gesellschaft sehen, ihre Armen, ihre Alten, ihre Schwachen, ihre Fremden, ihre Behinderten verstehen, die Unbedeutenden, die die nichts zu sagen haben, die Risikogruppen. Die Sichtweise derer am Rande ist der Schlüssel. (Sogar die der Spinner: Und so wären auch Wahrheitsmomente der oben genannten Randfiguren am „idiot fringe“ zu stärken, die sich ja in ihren eher harmloseren Varianten [die aber auch nicht harmlos sind, noch nicht einmal, wenn wir sie für uns behalten!] unter ihrer jeweiligen Verfallsform verbergen: Sorge ums Tierwohl, soziale Gerechtigkeit, menschenzugewandte Medizin etc. – Die bösartigen haben allerdings keine Wahrheit in sich. Da ist sie abgestorben.)     

Gottes Geist verleiht uns den empathischen Blick, aus dem folgt die Tat der Nächstenliebe: Nichts für sich selbst zu sein zur vermögen, wie es Mose und Jesus lehren: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Das ist die Gabe des Geistes.

Gut möglich, dass ausgerechnet die Gesichtsmaske zum Symbol unserer Krise und ihrer Überwindung wird. Zugegeben, sie nervt, sie behindert das Atmen, sie verdeckt unsere Persönlichkeit, unser Ich, sie schützt nicht einmal den, der sie trägt – aber sie schützt meinen Nächsten, sie zeigt und erweist darin meine Nächstenliebe – und erst darin schützt sie auch mich. („Warum trägst du die Maske? Die schützt dich doch gar nicht.“- „Aber dich!“)

Ganz ähnlich wie bei der Himmelfahrtsgeschichte, geht es also auch an Pfingsten nicht um das spektakuläre Geschehen an sich, hier also nicht eigentlich um Windesbrausen und Feuerflammen; das kann sogar vom Sinn der Sache ablenken. Es geht vielmehr um eine Umkehrung der Blickrichtung und um nicht weniger als ein neues Weltbild: Vom egozentrischen Weltbild weg – zu einem, das sich um die Blickrichtung meines Nächsten bemüht, damit ich ihn verstehe.

Die Wende vom egozentrischen zum empathischen Weltbild (eine noch viel größere als die berühmte kopernikanische Wende!) – das wirkt der Heilige Geist und das feiern wir an Pfingsten.  

Klaus Neumann, Pfarrer

Predigttext für den 24. Mai 2020, 6. Sonntag nach Ostern, Sonntag „Exaudi“, Konfirmation

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken. (Buch des Propheten Jeremia 31,31-34)

Binden, band, gebunden:

Zu den verständlichen und doch abwegigen Anliegen von Gemeinden, gehört der Wunsch, ihre Gemeindejugend, also auch die ehemaligen Konfirmanden „einzubinden“. Mein Kollege aus einer anderen Gemeinde erzählte auf seine ganz eigene Weise von der Vision, die sich seinem stets hellwachen Geist daraufhin unweigerlich einbildete: Er sieht ein Bündel Jugendlicher, gefesselt und geknebelt in einem dunklen Verlies hungernd und dürstend wie der Graf von Monte Christo im Chateau D´If vor Marseille – das müssen wir uns mal wieder anschauen nach Corona, aber von außen – also gefesselt und geknebelt irgendwo tief unter der Kirche – eingebundener in die Gemeinde geht’s nicht.

Zum Bund gehört Freiheit, sowohl beim Bundesschluss als auch im Bund selbst: Der große Theologe Karl Barth deutet die Bundeschlüsse zwischen Gott und den Menschen in der Bibel so: „Gott bindet sich in freier Liebe an den Menschen“. Barth meint, dass Gott ja auch ganz anders könnte, dass er aber auf seine absolute Freiheit verzichtet und sich um der Liebe zu den Menschen willen an sie bindet – mit allen Konsequenzen: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Johannes 3,16). Barth hat recht. (Auch wenn er das mit der gebundenen Freiheit in seinem eigenen Ehebund nicht so ganz hingekriegt hat. Fragt Eure Eltern, wie das geht mit dem Ehebund und der Freiheit, die sich in Liebe bindet und dabei so viel – nicht nur Euch! – auch Freiheit gewinnt.)

Die Bibel berichtet von einer Reihe von Bundeschlüssen Gottes mit den Menschen – Noah, Abraham, Mose, Jesus – und spricht dabei auch im Alten Testament immer wieder vom Neuen Bund. (Das ist erklärungsbedürftig: Die Begriffe Altes Testament und Neues Testament übersetzen und bezeichnen – durchaus missverständlich – alten und neuen Bund; missverständlich deshalb, weil es in der Bibel, wenn es um Bund geht, nicht um das geht, was wir heute unter einem Testament verstehen, und weil alt und neu weder auf die beiden Teile der Bibel anzuwenden und zu verteilen ist, noch im Sinne von veraltet und ungültig einerseits und aktuell und gültig andererseits zu verstehen ist. Ein neues Testament bei uns ersetzt das alte; das ist mit den Begriffen Altes Testament und Neues Testament für die beiden Teile der Bibel genau nicht gemeint – außer man missversteht sie, vielleicht sogar absichtlich, was leider immer und immer wieder und immer noch passiert, vgl. den unfassbaren Berliner Streit um das Alte Testament vor ein paar Jahren, als ein Theologieprofessor der Humboldt-Universität behauptete, das Alte Testament – also Schöpfung, Noah, Abraham, Jakob, Mose, Jesaja, die Psalmen …! – gehöre nicht zum christlichen Glauben.)

Der Prophet Jeremia spricht jedenfalls eindeutig im Alten Testament vom neuen Bund, durch den Gott die Beziehung – die Bundesbeziehung – zu seinem Volk erneuern will: Ohne – und das ist nun echt wichtig! – ohne den „alten“ Bund aufzuheben, richtet Gott einen „neuen“ Bund auf. Der Prophet bezieht sich auf den „alten“ Bund mit Mose am Sinai, mit den Zehngeboten und dem ganzen Rest. Der ist von seinem Volk gebrochen worden – so wie ja auch von uns: durch Lügen und Betrügen, durch Stehlen und Begehren, in der Liebe und in der Religion immer und immer wieder gebrochen worden. Jetzt geht es Gott durch seinen Jeremias darum, die Beziehung trotz allem zu erneuern, zu bekräftigen, zu bestärken, zu revitalisieren!

Das Alte bewahren und das Neue ermöglichen! Was sich anhört wie der mittelmäßige Werbespruch einer wohlmeinenden aber etwas einfallslosen Volkspartei im ländlichen Raum – denken wir an Eckernförde oder Wanne-Eickel – fasst die prophetische Botschaft ganz gut zusammen. Das Alte bewahren und das Neue ermöglichen!

Und Jeremia gibt dazu drei ganz entscheidende Hinweise, die seiner Meinung nach das Neue des neuen Bundes ausmachen (ob die jeweils wirklich neu sind gegenüber dem Sinaibund mit Mose, sei dahingestellt). Bei der Gelegenheit, kann man ja gleich mal schauen, ob unser Konfiunterricht zu diesen Hinweisen passt.

1. Gott spricht: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben. „Learning by heart“ und „Knowing by heart“ – das heißt: etwas auswendig lernen und dann wissen. Man braucht also kein Buch mehr oder eine Computer-Cloud, um etwas zu wissen: sondern man hat es im Herzen geschrieben stehen. Es ist kein äußerliches Wissen mehr, sondern es gehört ganz tief zu einem da drin. Paradoxerweise ist ja gerade das die Kritik und der Grund, wieso wir nicht mehr die Konfirmanden auswendig lernen lassen: Das sei dann eben gerade nicht innerliches zu Herzen gegangenes Wissen, sondern plapperndes Papageiengeschwätz, pädagogisch nichts wert, schon gar nicht die mühevolle Aneignung. Ob wir uns da mal nicht täuschen. Ich z.B. bin kein guter Auswendiglerner, habe mich in der Schule immer vor dem großen Balladenaufsagen gedrückt, verhaspel mich wenn ich Pech habe und aufgeregt bin (und das bin ich im Gottesdienst immer) sogar beim Vaterunser oder beim Segen, aber was ich bei den Pfadfindern, im Kirchenchor, als Student – und merkwürdigerweise auch als Schüler in England: learning by heart – an Texten und Liedern gelernt habe, das sitzt tief und fest im Herzen und gehört jetzt zu mir. Es ist verinnerlicht – so ist das hier gemeint und gewollt beim Propheten Jeremia. Da müsst ihr also was nachholen, liebe Konfirmandinnen. (0:1 gegen unseren Konfiunterricht. Können wir das aufholen, den Anschlusstreffer erzielen, das Spiel noch umdrehen.)

2. Es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr . Das Herzenswissen, das Gott in seinem neuen Bund in unsere Herzen legt, ist kein Herrschaftswissen. Auch das ist auf eine überraschende Weise zutreffend. Es gibt kein Weisheitsprivileg für Alter und Erfahrung; das alberne Ausflugslied von den blauen Bergen und dem um keinen Deut klügeren Lehrer als seine Schüler bewahrheitet sich jederzeit tagtäglich in Schule und Gemeinde. Es kann einem als Pfarrer passieren, dass einem morgens der Knirps im Kindergarten etwas erklärt – von der Güte Gottes oder der Liebe einer Mutter – was der akademische Ruheständler auch im 100. Treffpunkt Theologie abends nicht begreifen wird. In den nicht so schwierigen Themenfeldern wie Quantenmechanik, Astrophysik oder Mikrobiologie mag das Schüler-Lehrer-Verhältnis gerechtfertigt sein; bei den wirklich wichtigen Dingen des Lebens – Wahrheit, Gerechtigkeit, Erbarmen und Liebe – gibt es andere Übertragungswege, die uns noch viel unbekannter sind als die einer Virusinfektion. Es könnte also für reine Anmaßung gelten, wenn wir uns im Konfiunterricht als Lehrer aufspielen und die anderen für unsere Schüler halten. Zumal wir es ja immer wieder erleben, dass die Lehrer von den Schülern mehr gelernt haben als umgekehrt. (Oje, 0:2, „Hoch werd mas nimma gwinnen“ – „Hoch werden wir das Spiel nicht mehr gewinnen“ – das waren die unsterblichen Worte des österreichischen Fußballers Anton Pfeffer beim Qualispiel gegen Spanien 1999 in der Halbzeitpause, als es 0:5 gegen unsere österreichischen Freunde stand; er sollte recht behalten, am Ende gabs ein 0:9, eine Jahrhundertklatsche. Wird es uns auch so gehen? Gemach, einer geht noch!)

3. (Wir sind immer noch bei den Hinweisen des Jeremias zum neuen Bund: 3.) Und letztens: Gott spricht: „Ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken“ Glück gehabt! Gott vergibt den ärgsten Sündern, also sogar seinen Dienern. Wie im Fußball werden Tore nicht einfach gezählt sondern gewichtet; manche Treffer zählen mehr. Die Big Points! Und so ist das auch mit Gottes Gnade, die allemal mehr zählt als unsere Verfehlungen. An den eigenen Ansprüchen gescheitert, haben wir doch gewonnen, wenn Gott auf unserer Seite ist.

Es waren die Propheten des Alten Israel, die das entdeckt haben, was man das Erbarmensgesetz nennen kann und das Jesus später in das Zentrum seiner Verkündigung gestellt hat: Schon dass Gott einen Bund mit seinem Geschöpf schließt, ist ja reine Gnade; dass er uns Menschen durch menschenfreundliche Gebote Lebensmöglichkeiten gibt, Räume eröffnet, auch durch menschengemäße gute Regeln, ist schon Barmherzigkeit: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, wie es Mose überliefert hat und Jesus aufnimmt.

Aber dass Gott – wie hier beim Propheten Jeremias – die Vergebung zum Prinzip seines Handelns macht uns zum Vorbild, lässt ganz zu Recht von einem neuen Bund sprechen. Weil ich auf die Vergebung Gottes hoffen kann, bin ich frei – so frei, dass ich anderen ebenfalls vergeben und sie dadurch befreien kann. So sollen wir ja beten: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern! Weil Gott mich von meinen Verfehlungen freispricht, bin ich nicht mehr an meine Vergangenheit gefesselt – und kann andere von ihren Vergangenheiten lösen.

Höchste Zeit also, die Jugendlichen aus den Kellerverliesen der Kirchen zu befreien, mit der Fackel in der Hand die Finsternis zu erleuchten, die Fesseln falscher Vorstellungen über Gott und die Welt zu lösen – und in die Welt zu entlassen, nach und nach.

Umso schöner wenn wir uns dann und wann, gerne bald mal – freiwillig! – wiedersehen. Auf Wiedersehen in der Freiheit der Kinder Gottes!

Klaus Neumann, Pfarrer

Predigttext für Christi Himmelfahrt, 21. Mai 2020

Christus spricht: Ich bitte aber nicht allein für sie [die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast. Verse 6-8], sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war. Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen. (Johannesevangelium 17, 20-24 [+ 6-8])

Der unvergleichliche Schauspieler und Komödiant Bjarne Mädel beschenkt uns auch in diesen witzlosen Zeiten mit seinem Witz: „Wenn alle immer nur meckern, können wir so was wie Corona nicht mehr machen“.

Damit ein Witz nicht verstanden wird, muss eine von drei Bedingungen erfüllt sein; wenn man sicher gehen will, besser alle drei: Der Witz muss schlecht sein, er muss schlecht erzählt werden und er muss auf einigermaßen begriffsstutzige Leute treffen. Umgekehrt erklärt sich, warum so wenig gelacht wird.

Ähnliches gilt für die Geschichten der Bibel, die zwar nicht durchweg aufs Lachen zielen (vgl. aber die Geschichte vom Ostermontag mit der Fisch-Gespenster-Probe, Lukas 24), die aber auch alle eine Pointe haben, die man kapieren muss – und die ähnlich wie ein Witz eine befreiende, eine reinigende, eine kathartische Wirkung auf den Geist haben wollen – und dabei allerdings genauso schief gehen können. Man muss sie nur hinreichend schlecht erzählen oder dem falschen Publikum (an der Bibel als Vorlage liegt es anders als bei vielen Witzen meistens nicht). Und damit wäre dann auch erklärt, wieso sich die Kirchen leeren, obwohl das ja im Moment andere Gründe hat.

Die Himmelfahrtsgeschichte lenkt von ihrer eigenen Pointe ab. Man kann sie gut missverstehen. (Die Fähigkeit Witze wie Bibelgeschichten misszuverstehen hängt nur uneigentlich – sozusagen logarithmisch – vom Bildungsgrad der Hörer und Leser ab; gerade ein hohes Maß theologischer Halbbildung verhindert zuverlässig das Textverständnis, während schlichte Gemüter verblüffend hohe Trefferquoten auf Sinn und Pointe einer guten Geschichte haben.) Anders als man denken könnte, geht es der Himmelfahrtsgeschichte nicht um die Sensation und nicht um das Spektakel, dass da ein Mensch in den Himmel gehoben wird. Das ist hier eher so wie bei den Gemälden der alten niederländischen Meister, die ihren Gegenstand häufig im Offensichtlichen verstecken – und zwar unter einer Fülle anderer, oft viel spektakulärerer Motive – wahrscheinlich um uns allererst zu interessieren, uns in die Geschichte hineinzuziehen, uns zu verwickeln in den Grund, auch den Hintergrund oder die Abgründe einer Geschichte.

Also an Himmelfahrt geht es schon mal nicht um eine Fahrt in den Himmel – es geht noch nicht einmal um den Himmel, oder nur sehr indirekt. (Das heißt ja nicht, dass man „Himmel“ nicht als Aufhänger und Sprungbrett seiner Himmelfahrtspredigt verwenden könnte mit allen Aktualisierungen, die einem dazu so einfallen: Raumfahrt, Mondlandung, Science Fiction von Perry Rhodan [Tausende, nein: sagenhafte 160.000! Seiten herrlichster Schund und reinster Eskapismus] über Captain Kirk zu Han Solo und Luke Skywalker, Luftverkehr, „Open Skies“, Fluglärm, Flugangst, Flughafen Rhein-Main, Reinhard May: Über den Wolken, um nur eine kleine Auswahl der selbst erprobten Aktualisierungen der letzten Jahre zu nennen – aber die einem über die Jahrzehnte des Pfarrdienstes irgendwann dann doch ausgehen oder nicht immer überzeugen.)

Es geht also weder um Himmel noch Himmelfahrt sondern vielmehr um die Bewältigung von Abwesenheit: „Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier.“ (Osterevangelium Markus 16,6); oder in Anlehnung an eine berühmte Definition von Religion: um Absenzbewältigung (ursprünglich spricht Niklas Luhmann von „Kontingenzbewältigung“). Damit ist seit der „Himmelfahrt“ nicht nur ein diffuses opakes Wegsein gemeint („er ist nicht hier“), sondern dem Wegsein wird ein präziser Ort zugewiesen: Der Himmel.

Es geht an Himmelfahrt um Bewältigung von Abwesenheit als Präzisierung von Abwesenheit: Ich sehe ihn nicht, aber ich weiß wenigstens, wo er ist (Das hat schon manche Eltern beruhigt, wenn die Kinder weg waren, aber man wusste wenigstens wo weg). Jesus Christus ist damit auf eine präzise, qualifizierte Art weg. (Also vielleicht die Inversion der „qualifizierten Anwesenheit“ von Schülern, die ich mir als Benotungskriterium für die Sorte Schüler ausgedacht habe, die zwar meistens nix sagen, aber immer – und durch gelegentliche Nachfragen überprüfbar – mitdenken. Nur der oberflächliche Pädagoge belohnt nicht das tiefgründige Schweigen!) Dazu findet (erfindet?) der Evangelist Lukas die Himmelfahrt, die anderen Autoren der Bibel folgen ihm nicht (noch nicht einmal die, die ihm chronologisch folgen, also etwa Johannes).

Aber Johannes beschäftigt sich mit demselben Problem und beantwortet es auf seine Weise. Er kleidet es wie auch sonst in eine feinsinnig komponierte Jesusgeschichte und an unserer Stelle in das sogenannte Hohepriesterliche Gebet. Er betet und bittet hier für die Seinen, zuerst für seine Jünger (vgl. die eckige Klammer als Ergänzung unseres Predigttextes) und dann für alle, die sein Wort hören und in seiner Liebe leben (also uns!) und darin mit ihm und dem Vater eins sind: die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast … ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seiendamit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

Johannes verortet also ebenfalls wie Lukas den abwesenden Jesus, nun aber nicht in einem spektakulären Geschehen: der Himmelfahrt, und einem maximal entfernten Ort: dem Himmel, sondern in seinen Worten und in der Liebe, die von ihm ausgehend uns verbindet. Johannes leistet ebenfalls Absenzbewältigung, aber der Ort der präzisen Abwesenheit ist Jesu Wort und unsere Liebe.

Damit gelingt dem Johannes die Absenzbewältigung nicht äußerlich als Sensation aber theologisch umso spektakulärer: er nimmt „Entmythologisierung“ (Bultmann), Kritik der Religion (Barth) und „nichtreligiöse Interpretation“ (Bonhoeffer) ein paar Jahrhunderte (also zwanzig) vorweg. Der im „Himmel“ abwesende Jesus ist in seinem Wort und in unserer Liebe anwesend. Damit haben wir für Himmelfahrt unser Thema auf den Punkt gebracht. Die Worte Jesu sind weiterzutragen, immer wieder neu zu erzählen, den anderen zu kommunizieren und in unserem Handeln zu bezeugen: „Wie geht das mit dem gelingenden Leben?“ – „Eigentlich ganz einfach: Nicht nur an sich selbst denken. Den anderen berücksichtigen. Nichts für sich selbst zu sein zu vermögen. Den Nächsten lieben wie dich selbst. Wer ist dein Nächster? Der Dich braucht.“ Dann und darin ist der Abwesende anwesend: in unserer Liebe. „Gott ist Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1. Johannes 4,16; Herbert Braun hat das in der theologischen Nachfolge der drei Meister noch einmal radikalisiert und umgekehrt: „Liebe ist Gott“. Dem konnten aber die wenigsten folgen.)

Die nichtmythologische Interpretation des Johannes von Himmelfahrt ist geeignet, sogar der Seuche standzuhalten. Sie bereitet uns auf das Ertragen von Abwesenheit vor: unsere eigene im von uns für normal gehaltenen Leben, die von unseren Nächsten in unserem sozialen Nahbereich, die von uns und den meisten in Kirche und Gemeindehaus – und trotzdem Nähe, das Miteinander, sogar das Ineinander zu wissen! Wir sollen das aushalten, ohne die religiöse Normalform auszukommen. Sie lehrt uns Absenzbewätigung, indem wir das unter Extrembedingungen gerade Mögliche uns genügen lassen: aus Gottes Wort den anderen lieben – sogar, wenn der gar nicht da ist, was für eine Pointe!

Ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seiendamit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

Klaus Neumann, Pfarrer