Predigt zum Michaelstag am 29. September, 28.09.2025

Die Zweiundsiebzig aber kamen zurück voll Freude und sprachen: Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen. Er sprach aber zu ihnen: Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz. Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu treten auf Schlangen und Skorpione, und Macht über alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden. Doch darüber freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. (Lukas 10, 17-20)

Einen starken Engel wünsche ich mir. Einen starken Engel, der mich gegen Gewalt aller Art in mir und außer mir schützt, der mich gegen Gewalt von Schlangen und Skorpionen beschützt, gegen Blitz und Donner, gegen den Satan selbst beschützen kann; und der mir so den Himmel befreit. So wie der starke Engel Michael, auf den auch unser kleines Textstück anspielt; auf den Engelskampf nämlich, den Michael gegen Satan und alle Teufel dieser Erde und dieses Himmels kämpft und besteht, für uns besteht:

„Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel, und er siegte nicht, und ihre Stätte wurde nicht mehr gefunden im Himmel. Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt. Er wurde auf die Erde geworfen, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen.“ (Offenbarung des Johannes 12,7-9)

So sieht es der Seher Johannes und so schreibt dann der Evangelist vom starken Engel Michael, so wie ich ihn mir wünsche.

Und so wie wir ihn heute gemalt vor uns sehen, den starken Engel, die starken Engel, drei in eins und eins in drei (wir kennen das), wie ihn unsere liebe Nachbarin und Künstlerin Erika Fröhlich gesehen und für uns gemalt hat, in starken Farben. Lassen Sie ihn uns ein paar Minuten betrachten, jeder für sich und bedenken, was wir uns von diesem Engel wünschen würden … (Musik)

Ein starker Engel für mich, drei starke Engel (Nein, nicht die drei Engel!), drei in einem und einer in dreien, dreifach kraftvoll, kraftvoll farbig, die das in ihrer Mitte beschützen und stärken; die sich in Bewegung setzen, voller Bewegung sind und in das Licht streben, ihrer Mitte und ihrem Ziel entgegen. Das Dunkel ist überwunden, von dem wir alle wissen und von dem auch die Bibel weiß und spricht und nicht schweigt; das ganze Satans- und Teufelspack auf der ganzen Welt, dazu Blitz und Donner, Schlangen und Skorpione, die teuflischen Mächte und der ganze satanische Rest überall, außer uns und in uns selbst. Wir werden die nicht beherrschen. Aber Gott sendet uns starke Engel, seinen starken Engel Michael, uns zu gut, uns den Himmel zu befreien: Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.

Diesen starken Engel sollen wir uns gefallen lassen, damit wir uns nicht alles gefallen lassen müssen. Denn dieser Engel lässt sich nicht alles gefallen. Was mich übrigens an einen guten Schüler, aufgeweckten Konfirmanden und netten Nachbarn erinnert, der nach einer ausführlichen Unterrichtseinheit über die Bergpredigt – „Du sollst deinen Feind lieben, wie dich selbst. Wenn dich einer auf die rechte Backe haut, halte auch die linke hin. Selig sind die Friedfertigen“ – dieser Schüler, der wie wir alle diese Lektion aus der Bergpredigt durchaus nötig hatte, also antwortet auf die Frage an die Klasse, was denn nun das wichtigste Gebot sei, dass uns Jesus von Gott weitersagt und dass auch für uns wichtig sein soll; auf diese Frage antwortet er: „Sich nicht alles gefallen lassen.“ Oje! Das kann selbst den liberalsten Religionslehrer, der meistens noch die abwegigsten Antworten zurechtbiegt, aus der Reserve locken, aber wie wäre denn dieses: „Sich nicht alles gefallen lassen“ zu retten? Damals gar nicht. Damals habe ich nur gestaunt und wie so oft am Sinn meiner Unterrichtsbemühungen gezweifelt.

Heute bin ich etwas klüger; denn weder der starke Engel, dem wir heute begegnen, noch Jesus selbst, in dessen Namen und Auftrag dieser Engel handelt, lässt sich alles gefallen. In seltenen Momenten schmeißt ein ungehaltener Jesus die Händler aus dem Tempel, beschimpft seine Gegner als Schlangen und Otterngezücht (was nicht nett ist!), fährt seine Jünger an, weist seine Familie, seine Mutter zumal, zurecht. Nicht weil wir uns das selbst zur Regel machen sollten, sondern weil er sich eben nicht alles gefallen lässt und man sich nicht alles gefallen lassen muss.

Dabei hat doch Jesus so viel an sich geschehen lassen: Spott, Leid und Tod; und leidet noch heute im Leiden der Menschen mit. Und wir sollen nicht so tun, dass das Gottes Willen wäre, was da an Scheußlichkeiten geschieht – und ja doch auch unbegreiflicherweise für uns aus seinem Willen heraus – doch und trotzdem mit und gegen seinen Willen – geschieht. Als ob Gott selbst mit sich in Streit geraten wäre, als ob es einen Streit im Himmel selbst geben würde: Nemo contra deum nisi deus ipse, Niemand gegen Gott, wenn nicht Gott selbst, wie die großen Theologen dieses unlösbare Rätsel, zumindest in klaren Gedanken unlösbare Paradox – nun nicht lösen – aber auf den Punkt zu bringen versuchen. Niemand gegen Gott, wenn nicht Gott selbst. Als ob es einen Streit in Gott, im Himmel geben könnte.

Aber genau davon ist ja nun heute die Rede: „Und es entbrannte ein Streit im Himmel“, den Michael gegen Satan stellvertretend für Gott auf der einen und für uns Menschen auf der anderen Seite austrägt. Als großes Weltgemälde zeichnet uns das der Seher Johannes und nach seinem Bild der Evangelist Lukas – übrigens als einziger der vier Evangelisten, so ferne und so heikel ist ihnen dieses Bild – aber er zeichnet und malt damit ein Geschehen, das kaum in Worte zu fassen ist: Dass sich Gott selbst nicht alles gefallen lässt. Dass ein Streit im Himmel entbrennt.

Als seinen Stellvertreter schickt Gott seinen starken Engel Michael in den Kampf („Auf in den Kampf!“) gegen seinen stärksten Widersacher – und: lässt ihn siegen! Im Himmel zuerst kämpfen und siegen, damit dieser frei werde, auch für uns; aber eben auch bei uns auf dieser schönen Erde frei von Schlangen und Skorpionen und dem Otterngezücht, das schon Jesus geplagt hat, damit diese Erde wahrhaft schön wieder werde.

Ich will in den drei Engeln von Erika Fröhlich auch die auf die Erde kehrende kraftvolle Schar des Michael erkennen, wie sie aus dem Licht – aus dem neu Licht gewordenen Himmel – auf die Erde kommt uns zur Stärke und Hilfe, wie wir das zu Konfirmation auch unseren Konfirmanden zusprechen, besonders denen, die sich nicht alles gefallen lassen: Schutz und Schirm vor allem Argen, Stärke und Hilfe zu allem Guten, aus der gnädigen Hand Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Diesen starken Engel wünsche ich mir, gerade dann, wenn ich mir am meisten gefallen lassen muss. Amen.

„Du machst ja ein Gesicht wie die Muttergottes von Schmerlenbach!“

(Andacht für die Klausur des Nachbarschaftsraums in Schmerlenbach im Spessart, im September 2025)

Die hier im katholischen Teil des Spessarts angeblich wohlbekannte Redensart „ein Gesicht wie die Muttergottes von Schmerlenbach machen“ bezieht sich auf den leidenden Gesichtsausdruck des gotischen Gnadenbildes in der Wallfahrtskirche in Schmerlenbach. Kein künstlerisch besonders wertvolles Werk wie für ein Museum, sondern ein religiöser Kultgegenstand, der bis heute „in Betrieb“ ist. Ziemlich übertrieben – mindestens für protestantische Empfindlichkeiten ziemlich übertrieben, beinahe karikaturhaft, fast kitschig spritzen bei Jesus das Blut und bei Maria die Tränen hervor als unübersehbare Signale von Leid und Mitleid. Aber gerade seine kunstlose Naivität, seine in Marias Gesicht bildgewordene Pausbäckigkeit, nimmt für das Bild ein. Es hat gar nicht nötig, perfekt oder brillant zu sein. Wie ein Bild, das ein Kind gemalt hat, hat es andere Qualitäten als etwa die der nach demselben Thema geschaffenen römischen Pieta des Michelangelo, die doch beinahe viel zu schön ist, um sich mit ihr zu identifizieren (so schön wie dieser heldenhafte Jesus, wie die mädchenhafte Maria sind die wenigsten, die sie heutzutage im Petersdom betrachten).

Der Betrachter der Schmerlenbacher Pieta ist eingeladen, das Bild für sich zu nutzen, eigene Erfahrungen hier einzutragen und darin Trost zu empfangen: Dem Gottessohn, der Gottesmutter geht’s wie mir. Unmittelbar einleuchtend und universell anschlussfähig überträgt sich die elementare Botschaft vom leidenden Kind und mitleidenden Eltern – wer in der Welt kennt das denn nicht? -; verbindet sich mit den religiösen Prägungen unserer Lebensgeschichten, knüpft an die Geschichten der Bibel an, die wir kennen, verdichtet sich zum Konzept christlicher Nächstenliebe als wesentlichem Kennzeichen unseres Glaubens; der Nächstenliebe, die Leiden und Sterben aushält, das Liebste umarmt und in Armen hält: Niemand kann tiefer fallen als in die Hände des liebenden Gottes, der spricht: Ich will dich trösten, wie dich eine Mutter tröstet.

Dass Mitleid mehr ist als eine sentimentale Regung und Nächstenliebe anderes als ein ethisches Konzept, versucht uns die Bibel durchweg zu lehren. Als Gesinnung des Glaubens, die der Bewegung Gottes zum Leid der Menschen folgt, beschreibt Paulus sie anhand des Philipperhymnus (Philipper 2,5-11, hier: 5-8):

Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:
Er, der in göttlicher Gestalt war,
hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,
sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an,
ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.
Er erniedrigte sich selbst
und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. …

Nächstenliebe ist demnach verbunden mit dem Verzicht auf das eigene; mit dem Verzicht, auf das, was mir gehört und angeblich verdientermaßen zukommt; auf das, was ich für mich beanspruche; auf das, was ich so kostbar wie für Raubgut halte und um jeden Preis festhalten will, koste es, was es wolle – koste es mich selbst und andere, was es wolle; und selbst wenn es mir noch so sehr schadet, meinen angeblichen „Besitz“ festzuhalten, dennoch mit aller Kraft und allem Starrsinn daran festhaltend.

Anders damals der Samaritaner, den es etwas kostet zu helfen, nämlich genau das, was die anderen beiden Passanten nicht zu zahlen bereit sind. Es mag ja sogar sein, dass wir manchmal günstig mit unserem Mitleid wegkommen; aber wir müssen damit rechnen, dass unsere Knausrigkeit dem Leidenden nicht entgeht. Dahingeplappertes Mitleid tröstet nicht, das kann man sich sparen. Aber die teure Liebe tut, was sie sagt.

Aus einer gewissen, unfreiwillig neuerworbenen Expertise heraus kann ich bestätigen, dass sich mit der gesteigerten Mitleidsbedürftigkeit auch das Sensorium darüber verfeinert, welches Mitleid ernst gemeint ist, welche Nächstenliebe weiterhilft und welcher Trost tröstet. Und man könnte es das Nächstenliebe-Paradox nennen, dass die am meisten hilft, die am wenigsten verspricht, am wenigsten aus dem blauen Himmel herunter oder aus sich selbst heraus verspricht – und am wenigsten dem widerspricht, was sie tut. Je einfacher, schlichter und naiver, desto besser.

Darin trifft die kindlich-naive Pieta in Schmerlenbach ihr Thema, das Wesen des Mitleids, gerade in ihren unbeholfenen künstlerischen Mitteln und ihrer unerschütterlich schlichten Glaubensweisheit. Am Ende hilft eh nur gemeinsam aushalten, in den Armen halten, für den anderen da sein. Amen.

Ökumenische Hubertusandacht

Sonntag, 19.10.25, 17.00 Uhr an der Feldkapelle im Tennelbachtal

Ev. Thomasgemeinde und Kath. Kirchort St. Mauritius

Wir feiern diese ökumenische Freiluft-Andacht mit Pfarrerin Beatrix Stöhr und Pfarrer Matthias Stöhr (Ev. Kirchengemeinde Rambach) und Pastoralreferent i.R. Stefan Herok. Die musikalische Gestaltung liegt wie gewohnt beim Parforcehorn-Corps Jagdschloss Platte unter der Leitung von Karl-Heinz Kliegel.

Ökumenischer Museumsbesuch: Führung im Museum Wiesbaden


Donnerstag, 6.11.25, 19.15-20.15 Uhr 

Die Alten Meister des Museums Wiesbaden zeigen sich in einer neuen Sammlungspräsentation, und wir schauen sie uns unter dem Stichwort Christentum bei einer Führung genauer an. Wer mag, kommt im Anschluss noch mit auf ein Gläschen Wein. Der Museumseintritt kostet 8€. Gerne können Sie sich für die Führung bis 1.11.25 anmelden unter asmeine@gmx.de oder 0162 7474131.

Alberto Piazza da Lodi (Meister der Wiesbadener Heimsuchung, *1490, zuletzt erwähnt 1528–1529),
Heimsuchung Mariae, um 1520, Öl auf Pappelholz, 210 x 164 cm, erworben 1936. Copyright Museum Wiesbaden

Tag des offenen Denkmals 2025

Sonntag, 14. September 2025

Die ev. Thomaskirche, 1964 erbaut von Rainer Schell, ist an diesem Tag bis 15.00 Uhr geöffnet und heißt Sie herzlich willkommen! Der Sonntagsgottesdienst findet um 10.00 Uhr statt. Im Vorraum der Kirche finden Sie außerdem eine Foto-Dokumentation zu den anderen Sakralbauten und weiteren Gebäuden des Wiesbadener Architekten Schell.

Plakat des 60. Jubiläums der ev. Thomaskirche von 2024

https://thomasgemeinde.de/category/aus-der-thomasgemeinde/page/3

Gemeindefest zu Erntedank

Sonntag, 21. September 2025

15.00 Uhr: Erntedank-Familiengottesdienst mit Gemeindepädagoge Achim Hoock und dem Kinderchor (Ltg. Gabriela Blaudow)

im Anschluss: Kaffee und Kuchen, Spielangebote für Kinder und Live-Musik: Gabriela Blaudow (Klavier) und Prisca Otto (Saxofon)

Ab 17.00 Uhr beginnt das Grillen!

Alle sind herzlich eingeladen!

(Foto: privat. Erntedank-Gaben auf dem Altar der ev. Thomaskirche)

Sonntag nach Trinitatis, 24. August 2025

Gnade sei mit euch und Frieden von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Der Predigttext für den heutigen 10. Sonntag nach Trinitatis steht bei Markus im 12. Kapitel:

Und es trat zu ihm (zu Jesus) einer der Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« 5. Mose 6,4-5. Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« 3. Mose 19,18. Es ist kein anderes Gebot größer als diese.

Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Ja, Meister, du hast recht geredet! Er ist einer, und ist kein anderer außer ihm; und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und mit aller Kraft, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. Da Jesus sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen. (Markus 12,28-34)

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder, liebe Konfirmanden!

Mal was ganz anderes vorneweg: Wer lässt sich nicht gerne ablenken?

Also gerade dann ablenken, wenn etwas zu erledigen ist, was vielleicht nicht nur Spaß macht, sondern auch anstrengend sein könnte. Holt ihr euch vorher auch noch gerne was zu trinken, schaut aus dem Fenster, macht die Lieblingsmusik an, sendet noch schnell einen Text oder schaut euch ein Bild an, wenn es eigentlich mit der Arbeit losgehen sollte? Die vorläufig gute Nachricht für uns Abgelenkte ist, dass es seit längerem einen schicken Begriff für solche Ablenkungen gibt: Multitasking. Multitasking ist – und jetzt übertreibe ich nur ein ganz klein wenig – die vornehme Version der Ablenkung.

Multitasking ist unter anderem die Vorstellung, mehrere Sachen gleichzeitig erledigen zu können; als ob ich also neben dem Aufschreiben meiner Predigt auch noch Emails erledigen und den einen oder anderen Anruf entgegennehmen könnte; oder für Schüler vielleicht etwas lebensnäher, als ob ich gleichzeitig meine Hausaufgaben erledigen (dumme Sache!), Musik hören, meine Accounts pflegen und den einen oder anderen Anruf entgegennehmen könnte. Wäre ja praktisch und zeitsparend – – – klappt aber nicht! Das war schon die schlechte Nachricht.

Denn Multitasking ist ein Gerücht: Je mehr andere Sachen nebenherlaufen, desto schlechter wird das Ergebnis der Hauptsache, die ich eigentlich machen will und soll. Klar, irgendetwas wird schon irgendwie dabei herauskommen, die Seiten werden möglicherweise gefüllt, aber vielleicht doch nicht so, wie es eigentlich möglich wäre. Je mehr Sachen laufen, desto mehr verteilt sich die Energie, desto weniger habe ich für das eine wichtige, auf das es doch eigentlich ankommt. Nicht selten habe ich, wenn ich zu viel gleichzeitig will, gar nichts in den Händen. Und es geht mir womöglich so wie den Leuten in dem alten Witz aus der alten DDR: Keine Wurst gibst gegenüber, hier gibt’s keinen Käse.

Umgekehrt: je weniger nebenherläuft, desto besser wird mein Ergebnis; das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, was übrigens auch die Experten, die nichts mit Kirche am Hut haben, bestätigen. Die empfehlen uns bei Aufgaben und Erledigungen aller Art, uns auf eins und nur eins zu konzentrieren – one at a time. Sie empfehlen uns, unsere Energie zu fokussieren und das ganze andere Zeugs mal beiseite zu lassen.

Und genau das – diese Konzentration, diesen Fokus – empfiehlt uns heute auch der Religionsexperte, also eigentlich empfehlen es die drei Experten in Sachen Religion, die in unserem Text zu Wort kommen und glasklar übereinstimmen: Mose, der Gesetzeslehrer der Juden, dann ein weiterer jüdischer Schriftgelehrter und Jesus, ebenfalls jüdischer Schriftgelehrter, aber noch viel mehr. Jesus will ja das Beste seiner jüdischen Religion – und das ist fast alles! – für uns Nichtjuden erreichbar und hörbar machen, so dass wir daran glauben und unser Leben daran ausrichten können. Er lässt uns heute das eine Wort konzentrierten, kondensierten, fokussierten, verdichteten Glaubens hören, das uns mit unseren ganzen religiösen Aufmerksamkeitsproblemen hilft:

»Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« Und: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«

Jeder fromme Jude spricht dieses Wort, den ersten Teil davon, jeden Tag. Es ist das berühmte „Schma Jisrael“, mit dem sich jeder Jude – und wenn es nach Jesus geht – eben auch jeder Christ auf den einen und einzigen Gott konzentriert und – zumindest für die Zeit des Gebets das andere Zeugs mal sein lässt. Kein Multitasking, sondern Monotasking, wie es im Lehrbuch steht. Keine Ablenkung, sondern vollen Fokus auf den einen und einzigen Gott.

Das ist – wenig überraschend und keineswegs zufällig – das Programm für den Konfirmandenkurs, der nun so richtig beginnen soll: Lasst uns gemeinsam auf Gottes Wort hören! Lasst uns gemeinsam hören und miteinander besprechen, was Gott uns zu sagen hat! Lasst uns diskutieren und herausfinden, was es für uns heißen kann, Gott zu lieben und unseren Nächsten, also unseren Mitmenschen wie uns selbst. Und lasst uns dabei mit den Experten unserer Religion – natürlich auch mit eurem Gemeindepädagogen und mit eurem Pfarrer – aber zuerst und vor allem mit Mose und Jesus und den Aposteln ins Gespräch kommen, was es mit Gottesliebe und Nächstenliebe auf sich hat.

Jetzt könnten Schlaumeier – die sich nicht so leicht ablenken lassen! – fragen: Gottesliebe und Nächstenliebe? Das sind doch schon zwei Sachen statt einer und einzigen, zu denen wir aufgefordert werde, streng genommen müsste hier doch schon ein schwerer Fall von Multitasking vorliegen. Und angeblich geht doch nur eins; entweder ich entscheide mich für die Religion, also Gott zu lieben – oder für die Menschen. Anders verfehle ich beide, oder nicht?

Tatsächlich gibt es Menschen, und durchaus welche, die sich den Anstrich von Experten geben, die genau das seit jeher behaupten.

Die z.B. sagen, dass es nicht so sehr auf den Glauben ankäme, viel wichtiger sei es doch, ein guter Mensch zu sein. Und andere umgekehrt, die sagen, dass wenn ich Gott liebe und er mich, ich mir doch eigentlich alles erlauben kann – und sei es noch die größte Schweinerei. „Gottes Freund und aller Welt Feind“, war der Wahlspruch des bösen und gefürchteten Piraten Klaus Störtebecker in der Ostsee – da waren jetzt gerade manche von uns. Und manchmal wird sogar behauptet, dass das eine das andere beschädigt oder regelrecht unmöglich macht: Wer Gott liebt, kann das Leben nicht lieben. Ist das so?

Darüber wollen und werden wir ins Gespräch kommen in der nächsten Zeit. Und wir werden gemeinsam und jeder für sich prüfen, was für uns dran ist mit der Religion, welche Antworten auf unsere Fragen die Bibel bereithält. Eine ziemlich geniale Antwort, gerade auch auf unsere Frage ist Jesus Christus, womit jetzt nicht der alte Witz aus der Schule gemeint ist, dass die Antwort „Jesus“ im Reli-Unterricht eigentlich immer stimmt (Für die, die den Witz nicht kennen oder nochmal hören wollen: Einer der Schüler, nennen wir ihn Fritzchen, ist abgelenkt und starrt aus dem Fenster, soll vorkommen. So spannend ist das jetzt gerade alles nicht. Ein Eichhörnchen hüpft vorbei. Die menschenfreundliche Lehrerin fragt: Fritzchen, was ist das? Worauf es dieser mit der Goldstandard-Antwort versucht: Jesus?)

In Jesus Christus begegnen wir Gott und den Menschen zugleich, womit sich die Frage nach verbotenem Multitasking erstmal erledigt hätte: Gottesliebe und Nächstenliebe fallen nicht auseinander, sondern ineinander. Wer seinen Mitmenschen liebt, begegnet Gott. Komplizierter wird es nicht, aber auch nicht einfacher mit dem Glauben.

Die Prognose besteht, dass wir uns auch in der kommenden Zeit des Unterrichts ablenken lassen. Ablenkungen, Abschweifungen, Störungen allerart sind zu erwarten. Aber am Ende werden wir uns von Gott rufen lassen und unter sein Wort versammeln: Gott ist die Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott in ihm. Amen.

Abschluss der Sommerkirche „Heilige Berge“: gemeinsamer Freiluft-Gottesdienst vor der Thomaskirche

Am 17.8.25 fand der siebte und letzte Gottesdienst der Sommerkirche im Nachbarschaftsraum Nord statt: mit Pfr’in Petra Hartmann (Versöhnungsgemeinde), Pfr. Thomas Hartmann und Vikarin Michaela Karrer (Thalkirchengemeinde Sonnenberg), Pfr’in Bea Stöhr und Pfr. Wolf-Matthias Stöhr (Ev. Kirchengemeinde Rambach) sowie für die Thomasgemeinde Dekanin Arami Neumann, die Pfr. Klaus Neumann krankheitsbedingt vertreten hat. Den Freiluft-Gottesdienst begleitete Steve Holloway am Flügel unter den Arkaden. (Fotos: privat)

Konzert mit Orgel, Klavier und Gesang am 7. September

Plakat Konzert mit Orgel und Klavier sowie Gesang am 7.9.25 in der Thomaskirche
Plakat Konzert mit Orgel und Klavier sowie Gesang am 7.9.25 in der Thomaskirche

Wir laden herzlich ein zum Konzert mit Orgel, Klavier und Gesang am

Sonntag, 7. September 2025 um 17 Uhr in der Thomaskirche

Gabriela Blaudow, Andreas Leuck und Lisa Rau spielen bzw. singen Musik von Händel, Mozart, Michel und Dvořák. Der Eintritt ist frei, um eine Spende an die Musikerinnen wird gebeten.