



Wiesbaden




Vor einiger Zeit gab es eine Plakataktion der evangelischen Kirche, die den christlichen Jahresfesten die zeitgleich oder in zeitlicher Nähe gefeierten jüdischen Festzeiten gegenüberstellte:
Weihnachten mit Chanukka, Karneval mit Purim, Ostern mit Pessach usw. Auch in unseren Schaukästen waren diese jahreszeitlich wechselnden Plakate zu sehen und haben hoffentlich etwas Aufmerksamkeit für die Feste unserer jüdischen Mutterreligion geschaffen. Und während die Bezüge über das ungefähre Datum hinaus bei den meisten Festen recht lose sind – an Chanukka werden auch Kerzen angezündet und an Purim verkleiden sich die Kinder -, kommen sich jüdische und christliche Tradition an Ostern und Passah so nah wie sonst kaum.
Die Osterereignisse mit Kreuz und Auferstehung werden von den Evangelien auf das Passahfest datiert, mit der kleinen aber bedeutsamen Abweichung, ob die Kreuzigung am Vorabend oder am Abend des Pessach (vermutlich des Jahres 30 oder 33) stattgefunden hat. Die Feiertagserzählung, die österlichen Texte und Symbole beziehen sich folgerichtig vielfach auf die Befreiung der Israeliten aus Ägypten und das diese feiernde jüdische Hochfest Passah: Jesus ist das Passahlamm, sein Blut errettet vom Tod, seine Auferstehung befreit zum neuen Leben bei Gott. In vielen anderen Sprachen, allerdings nicht im Deutschen, ist der Zusammenhang unüberhörbar: Pâques (Französisch), Pasqua (Italienisch), Påske (Dänisch) oder Pasen (Niederländisch) tragen das jüdische Pessachfest im Namen. Das deutsche „Ostern“ und das englische „Easter“ bilden eine schwer erklärliche Ausnahme, die sich übrigens trotz anderslautender und weit verbreiteter Legenden eher keiner altgermanischen Frühlingsgöttin „Ostara“ verdankt, die es sehr wahrscheinlich gar nicht gegeben hat; wohl aber dem Bezug des Wortes „Ostern/Easter“ auf Morgenröte und Licht.
Auch in diesem Jahr (2023) fallen christliches Osterfest (9. April) und jüdisches Pessachfest (Abend des 5. April – bis Abend des 13. April) – ungefähr – auf dieselben Tage des Kalenders, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass die ganze Woche von Palmsonntag (2. April 2023) bis Ostern einen feierlichen Zusammenhang bildet, nämlich den des österlichen Geheimnisses vom Durchgang vom Leben zum Tod zum Leben.
Beide Festzeiten richten sich – allerdings auf unterschiedliche Weise; daher die Abweichungen im Kalender – nach dem Frühlingsanfang: Ostern errechnet sich als erster Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling; Pessach wird vom 15. – 23. Tag des jüdischen Frühjahrsmonats Nisan gefeiert. Das erklärt sowohl die zeitliche Nähe als auch die tatsächlichen Abweichungen. Wichtiger als die sprachlichen und kalendarischen Beziehungen sind die inhaltlichen, theologischen Zusammenhänge, die ja schon anklangen. Während die Feiertagserzählungen selbst ganz verschieden sind – Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei auf der einen und Kreuz und Auferstehung Jesu auf der anderen Seite – geht es in beiden um den Durchgang vom Leben zum Tod zum Leben. Die Befreiung des Volkes Israel und die Auferweckung Jesu zielen – auf unterschiedliche Weise aber gleichermaßen – auf das neue Leben in Freiheit vor Gott. Die in der Auferweckung Jesu geschenkte Freiheit der Kinder Gottes ähnelt durchaus der Befreiung der Kinder Israels.
Also alles eins und dasselbe? Eher nicht. Trotz aller Bezüge und Zusammenhänge, die vermutlich für Christen viel interessanter sind als für Juden, fallen Ostern und Passah keineswegs ineinander. Eine gemeinsame Feier verhindert nicht nur die unterschiedliche Feiertagsberechnung sondern der gegenseitig andere Glauben an den einen Gott.
Klaus Neumann
Volles Haus in der Thomaskirche beim Kindermusical mit Gabriela Blaudow und dem Kinderchor


Die Kinderchöre der ev. Thomaskirche und der kath. Kirche St. Kilian führen unter der Leitung von Gabriela Blaudow und Anja Komarnicki gemeinsam das Musical Tuishi Pamoja auf. Die Veranstaltung in der Thomaskirche Wiesbaden findet statt am Sonntag, 26. März um 16 Uhr -Eintritt frei, Spenden erwünscht – viel Spaß!
(Genesis 16,13; Jahreslosung 2023)
Dass wir – unsere Person, unser Leben – Beachtung finden, versteht sich nicht von selbst. Gerade ausstehende Jubiläen, runde Geburtstage oder der näher rückende Eintritt in den Ruhestand lassen uns fragen, welchen Unterschied unser Leben gemacht haben könnte, wem wir etwas über den direkten Familienkreis hinaus bedeuten, welche Spuren wir hinterlassen werden, welche Hoffnungen wir erfüllt haben. Wer sieht uns, wer beachtet uns, wem sind, wem waren wir einen Moment der Aufmerksamkeit wert? Und allen, denen dann keiner so recht einfallen mag, setzt Gott seine Beachtung entgegen; zu ihm
können und sollen wir sagen: Du bist ein Gott, der mich sieht. Das ist hier und ursprünglich das Bekenntnis der Hagar, die zuvor aus Verzweiflung in die Wüsteneinsamkeit gegangen war, um sich da womöglich etwas anzutun. Sie erträgt dieses Leben nicht mehr; sie möchte dem scheinbar unlösbaren Konflikt in dem Haushalt entfliehen, in dem sie lebt, der nicht ihr eigener ist, in dem sie aber ihrem Herrn, dem Abraham – quasi als Leihmutter – einen Sohn und Erben geboren hat, weil ihre Herrin, die Sara, das aus naheliegenden Gründen nicht selbst kann (beide, also Abraham und Sara, haben die 80 schon weit überschritten). Darüber sind sie in Streit gefallen.
Gott aber lässt das Unglück der Hagar nicht geschehen, geht der Sache nach, sieht nach ihr, schickt seinen Engel zu Hagar, der ihr eine Perspektive für sich und das Kind eröffnet. Das Leben geht für sie weiter. Zur Erinnerung – so will es die Geschichte – nennt man den Brunnen, wo das geschah: Brunnen des Lebendigen, der mich sieht. Der lebendige Gott schöpft neues Leben.
Und Hagar, die von Gott Gesehene und Gerettete, versteht, was mit ihr geschah und sagt es uns vor: Du bist ein Gott, der mich sieht. Und weiter: Gewiss hab ich hier hinter dem hergesehen, der mich angesehen hat. Was doch wohl heißen soll, dass in der Erfahrung der Rettung der sichtbar wird, der sie ansieht in ihrer
Not. Und damit hat die Hagar, die dem uralten Urvater Abraham seinen ersten Sohn geboren hat, auch an uns sozusagen theologische Geburtshilfe geleistet: Der Gott, der mich sieht, macht sich mir genau darin – dass er mich sieht, mich rettet, mich erlöst – sichtbar.
Als sehender, rettender Gott wird er sichtbar, was natürlich deshalb bedeutsam ist, weil Gott damit seine Unsichtbarkeit, seine ihm wesentliche Verborgenheit verlässt. In seinem Rettungshandeln enthüllt sich der verborgene Gott. Er tritt aus dem Dunkel ins Licht; nein, gerade umgekehrt: er tritt aus seiner Herrlichkeit, aus seinem göttlichen Lichtglanz in das Dunkel der Welt, wie wir aus anderem Zusammenhang wissen: „Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat´s nicht ergriffen.“ Und dabei bleibt es nicht: „Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.“
(Johannesevangelium 1,5.9)
So wie Gott in seiner Zuwendung zu uns Menschen sichtbar wird, so werden wir sichtbar durch Gott. Hagar erhält nicht nur ein neues Leben eigenen Rechts von Gott, sondern er macht sie bekannt, noch uns bekannt, bis heute. Er zieht sie sozusagen aus dem unergründlichen Brunnen der Vergangenheit, der sich damit als Brunnen des Lebendigen, der mich sieht, erweist. Der Gott, der mich sieht, schenkt nicht jedem die berühmten fünf Minuten Ruhm, der eh verblassen muss, sondern rettende Aufmerksamkeit in Ewigkeit, ewiges Heil.
Klaus Neumann
Im Rahmen der diesjährigen Familienchristvesper am Heiligen Abend konnte nach der Coronapause endlich wieder das Krippenspiel des Kinderchores der Thomasgemeinde unter der Leitung von Gabriela Blaudow stattfinden.

Das Team Tannenbaum war gestern wieder aktiv und nun steht er, der diesjährige Weihnachtsbaum in der Thomaskirche. Wir freuen uns aufs Fest.


Hier einige Eindrücke der wundervoll winterlichen Waldweihnacht am 18. Dezember 2022 an der Feldkapelle Wiesbaden



Am Samstag, 17. Dezember 2022, 16 Uhr, findet in der Thomaskirche Wiesbaden, Richard-Wagner-Str. 88, ein Adventskonzert des Mädchenchores Wiesbaden mit seinen Chören:
Kichererbsen
Hauptchor
Frauenchor „enCHORe“ und
Ensemble „Vocalisma“
statt.
Eintritt frei
Ein Kostenbeitrag wird
dankend angenommen!
Am Vorabend des sechsten Dezembers – das weiß jedes Kind, die besonders – feiern wir den heiligen Nikolaus. Und hier ist das „wir“ ziemlich umfassend, geradezu „katholisch“ gemeint, weil er wegen seiner Menschenfreundlichkeit in der katholischen wie auch in der orthodoxen Kirche einer der populärsten, gar „apostelgleichen“ Heiligen überhaupt ist, außerdem auch bei vielen evangelischen Christen als Gabenbringer gefeiert wird und er sogar in seiner säkularen Schrumpfform als Weihnachtsmann (und sei es in der kaum tauglichen Beleidigung „Sie Weihnachtsmann!“) in der immer größer werdenden Nichtkirche der Unreligiösen eine erstaunliche Karriere gemacht hat; wenn das mal keine kulturelle Aneignung ist!
An den antiken Bischof Nikolaus (3./4. Jahrhundert) aus der Hafenstadt Myra, dem heutigen Demre an der türkischen Riviera (unweit Antalyas), haben sich früh zahlreiche Legenden geheftet, die allesamt nur insoweit „wahr“ genannt werden können, als dass sich in ihnen die Menschenfreundlichkeit Gottes in einem Menschen spiegelt. Er verschenkt im Namen Gottes und auf eigene Kosten neues Leben und neue Lebensmöglichkeiten, z.B. in der bei uns besonders bekannten und beliebten Erzählung, nach der der wohlhabende Nikolaus mit dem nächtlichen Hineinwerfen dreier Goldklumpen in das Haus einer verarmten Familie die drei Töchter vor der Zwangsprostitution bewahrt. Nach einer anderen Geschichte gelingt ihm sogar die Reanimation eines zerteilten und im Salzfass eingelegten Jünglings. Entscheidend und in diesem Sinne „wahr“ ist hier wie dort und in weiteren Legenden, dass die Taten und Wunder des Nikolaus den Betroffenen neues Leben durch Gott ermöglichen.
Seine Popularität hat dafür gesorgt, dass Seeleute (andere sagen Piraten) aus dem süditalienischen Bari im Jahr 1087 seine Gebeine aus Myra geraubt und in ihre Heimatstadt überführt haben, was bis heute etwas euphemistisch als „translatio“ in einem großen Volksfest in Bari im Mai gefeiert wird. Die übrige Zeit des Jahres liegen seine Gebeine (wobei die türkischen Grabwächter im verwaisten Demre natürlich davon ausgehen, dass die falschen geklaut wurden und die richtigen noch an ihrem Ort sind!) in einer romanischen Basilika in der baresischen Altstadt, tief verehrt von den Pilgern aus West und Ost. So sehr im Osten verehrt, dass sie erst kürzlich – und zum allerersten Mal seit ihrer Ankunft in Bari – im Jahr 2017 neuerlich auf Reisen gingen, nach Russland nämlich, wo sie allein in Moskau von mehreren Millionen Menschen besucht wurden – dem Vernehmen nach auch von einem gewissen Präsidenten, gegen dessen Besuch sich der Heilige Nikolaus leider nicht wehren und dessen Gewissen er nicht schärfen konnte: Nicht alle, die ihm begegnen, lassen sich von der Menschenfreundlichkeit des Nikolaus berühren.
Als strengen Prüfer des Gewissens habe ich den Nikolaus als Kind wie viele meiner Generation kennengelernt, nämlich auf seinen Hausbesuchen am Vorabend des Nikolaustages, wenn er laut polternd Einlass in die Wohnung begehrte, zu meinem Schrecken auch bekam und erst nach einer reichlich verstörenden Befragung, die eindeutig Insiderwissen über meine Missetaten verriet, seine guten Gaben aus dem Sack ließ, für die ich aus lauter Angstschweiß und Tränen aber keinen Blick mehr hatte. Es dauerte dann einige Jahrzehnte, mein Nikolaustrauma zu überwinden, um den Menschenfreund Nikolaus für mich neu zu entdecken und mich selbst als glücklicher und stolzer Träger seines Namens zu fühlen – wie doch wohl alle Niklasse oder Kläuse, jeder Niccolo oder Nikita, Klaas, Nick, Nils oder Lasse; und noch die Damen und Herren Klose, Lose oder Nietzsche (eine noch viel längere Liste von Namensderivaten findet sich bei Manfred Becker-Huberti: Der Heilige Nikolaus, Leben, Legenden und Bräuche, Köln 2005, das für eigene Nikolausstudien wärmsten empfohlen werden kann).
Klaus Neumann
St. Mauritius & ev. Thomasgemeinde
Auch in diesem Jahr gibt es wieder unsere nachbarschaftliche Aktion:
Vom 1. bis 22. Dezember treffen wir uns jeweils von 19.00-19.15 Uhr zu adventlichen Gedichten, Geschichten und Liedern im Kerzenschein vor einer Tür in der Nachbarschaft. Alle sind herzlich eingeladen!