
Freiluft-Gottesdienst an Christi Himmelfahrt 2025

Wiesbaden


Donnerstag, 27. März 2025, 18.15-19.15 Uhr
Ev. Thomasgemeinde und Kath. Kirchort St. Mauritius

Der Rimini-Altar zählt zu den größten und herausragendsten Alabaster-Ensembles Europas und bildet seit 1913 das Glanzstück der Mittelalter-Abteilung des Liebieghauses, der Skulpturensammlung des Frankfurter Städels. Die einstündige Führung durch die Mittelalter-Sammlung beginnt um 18.15 Uhr. Im Anschluss ist noch Zeit, sich in dieser Gründerzeitvilla am Schaumainkai die weiteren Schätze – Skulpturen aus Marmor, Holz, Terracotta, Bronze und Elfenbein von der Antike bis zum Klassizismus – anzuschauen.
Die Anreise erfolgt privat, z.B. mit der S-Bahn bis Frankfurt Hauptbahnhof und ca. 20 Minuten zu Fuß über den Holbeinsteg zum Museumsufer. Die Führung selbst ist für die Teilnehmenden kostenlos. Der Museumseintritt kostet 8 Euro.
Vor der Führung treffen wir uns, wer mag, um 17.00 Uhr im Café des Liebieghauses.
Da die Teilnehmerzahl auf 25 Personen begrenzt ist, bitten wir Sie um Ihre Anmeldung unter asmeine@gmx.de oder Tel. 0162 7474131.
https://www.liebieghaus.de/de/mittelalter
(Foto: Wikipedia)
Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: Ein Mann aus Makedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Makedonien und hilf uns! Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, da suchten wir sogleich nach Makedonien zu reisen, gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen.
Da fuhren wir von Troas ab und kamen geradewegs nach Samothrake, am nächsten Tag nach Neapolis und von da nach Philippi, das ist eine Stadt des ersten Bezirks von Makedonien, eine römische Kolonie. Wir blieben aber einige Tage in dieser Stadt. Am Sabbattag gingen wir hinaus vor das Stadttor an den Fluss, wo wir dachten, dass man zu beten pflegte, und wir setzten uns und redeten mit den Frauen, die dort zusammenkamen.
Und eine Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, eine Gottesfürchtige, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf, sodass sie darauf achthatte, was von Paulus geredet wurde. Als sie aber mit ihrem Hause getauft war, bat sie uns und sprach: Wenn ihr anerkennt, dass ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie nötigte uns.
(Apostelgeschichte 16,9-14)
Mit meinen Schülerinnen und Schülern der 7. Klasse erarbeiten wir uns gerade die Anfänge des Christentums: Wie und auf welchen Wegen hat sich der christliche Glauben ausgebreitet und warum hat er sich schließlich durchgesetzt? Wie kommt es vor ziemlich genau 1700 Jahren zum Konstantinischen Zeitalter, das nun womöglich nach 1700 Jahren gerade allmählich zu Ende geht? Und wie gelangte der christliche Glauben zu uns nach Germanien jenseits des Rheins knapp vor dem Limes, an die Grenze der römischen, ach sagen wir gleich: an die Grenze der zivilisierten Welt?
Und weil Umwege nicht nur beim Predigen, sondern auch im Unterricht die interessantesten Wege sind, haben wir uns zumindest in Gedanken und mit Bildern erstmal in das römische Wiesbaden, das römische Frankfurt und das römische Mainz versetzt, um insbesondere die Religion zu kennenzulernen, auf die die christliche Religion stieß und die sie überraschenderweise verdrängte. An wen und was haben die Menschen geglaubt, die kurze Zeit später an Jesus Christus glaubten, haben wir uns gefragt. Nämlich an Jupiter und Juno, an Merkur und Vulkan, an Diana und Apollo, an Sol invictus und Mithras; und besonders in Wiesbaden an die Götter von Heil und Heilung, wie neben Diana Matthiaca und Apollo Toutiorix die romanisierte keltische Göttin Sirona, die an der Schützenhofquelle verehrt wurde, gegenüber von Aldi; noch heute wärmen sich die Obdachlosen unter ihrem Graffiti an der ihr geweihten heißen Quelle.
Zusammen mit diesen römischen und römisch verehrten Gottheiten fanden sich bisher keine Spuren des christlichen Glaubens bei uns aus derselben Zeit, bis kürzlich – bis kürzlich – in einem Gräberfeld in Frankfurt ein sensationeller Fund gemacht wurde, ein offensichtlich christlicher Text aus römischer Zeit in germanischer Erde.
„(Im Namen?) des Heiligen Titus.
Heilig, heilig, heilig!
Im Namen Jesus Christi, Gottes Sohn!
Der Herr der Welt
widersetzt sich nach [Kräften?]
allen Anfällen(?)/Rückschlägen(?).
Der Gott(?) gewährt dem Wohlbefinden
Eintritt.
Dieses Rettungsmittel(?) schütze
den Menschen, der sich
hingibt dem Willen
des Herrn Jesus Christus, Gottes Sohn,
da sich ja vor Jesus Christus
alle Knie beugen: die Himmlischen,
die Irdischen und
die Unterirdischen, und jede Zunge
bekenne sich (zu Jesus Christus).“
Das „Rettungsmittel“, von dem der kurze Text spricht, ist eine kleine Kapsel, kleiner als der kleine Finger, kürzer und dünner; eine Kapsel, in der eine entsprechend kleine Folie aus Silberblech gerollt war mit dem gerade verlesenen Text eines Gebets oder einer Beschwörungsformel. Nachdem sie vor ein paar Jahren im heutigen Frankfurt-Praunheim, dem römischen Nida, dem deutschen Pompeji, gefunden und aufwändig bearbeitet wurde, liegt sie mittlerweile in einer Vitrine, eher grau als silbern in einer Vitrine, ganz und gar unscheinbar im Archäologischen Museum in Frankfurt, das sonst nicht mit Sensationen glänzt.
Dieses Silberröllchen aber ist eine Sensation – manchen gelehrten Einwürfen zum Trotz – , in dem es das früheste Zeugnis des christlichen Glaubens abgibt nördlich der Alpen. Durch seinen Fundort in einem Grab lässt es sich ziemlich genau auf die Jahre 230-260 nach Christus datieren. Es markiert eine Zwischenstation zweihundert Jahre nach dem Wirken des Apostel Paulus, von dem wir heute hören, bis zum endgültigen Sieg des Christentums im römischen Reich, der Konstantinischen Wende, abermals 100 Jahre später.
Mit diesem Silberröllchen sehen wir, wie das christliche Abendland im Gebiet des heutigen Deutschland begann. So wie wir im Predigttext hören, wie Paulus den christlichen Glauben nach Europa trug. Dass sich hier Unterschiede zeigen, ist zu erwarten, ist selbstverständlich. Die Inschrift eines Amuletts als Grabbeigabe benennt notwendigerweise anderes als der Reisebericht über einen Apostel oder dieser selbst in seinen Briefen. Interessanter, überraschender, ja sensationeller sind für mich die Gemeinsamkeiten und Berührungspunkte. Wenn sich nämlich im Grab einer Soldatensiedlung an der äußersten Grenze des Römischen Reiches, dem Limes, zweihundert Jahre nach dem Wirken des Apostel Paulus Anspielungen von erstaunlicher Eindeutigkeit finden:
Offensichtlich wissen wir von dem weiten Weg des christlichen Glaubens in den ersten Jahrhunderten nur Anfang und Ziel, also vom Anfang bei den Jüngern Jesu und vom Ziel, der Anerkennung des Christentums durch Kaiser und Reich. Dazwischen liegen verschlungene Wege, Umwege bestimmt auch, weite Wege bis an die Grenzen des Reiches, bis an die „Enden der Erde“, wie es in der Apostelgeschichte gelegentlich heißt. Bis an den Limes gleich hinter Hoher Wurzel und Platte ist das Wort des Glaubens jedenfalls gekommen.
Trotz aller Bemühungen, den Gang des Wortes zu steuern und den Glauben zu definieren, wie etwa auf dem berühmten Konzil von Nizäa im Jahr 325, also vor genau 1700 Jahren, erstreckt sich eine Vielfalt christlicher Wege und Glaubensweisen, damals wie heute. Der Schreiber und Träger des Amuletts aus Praunheim drückt seinen Glauben anders aus als ein Schüler heute oder als ein Lehrer heute oder als ein Professor heute; aber diese wiederum anders als die versammelten Bischöfe in Nizäa oder etwa ein irischer Mönch, der nach hunderten von Jahren, in denen hier in dieser Gegend der Glaube in Vergessenheit geriet, ihn neu entfachen konnte; aber diese wiederum anders als der mächtige Erzbischof von Mainz oder sein Gegenspieler, der Reformator Martin Luther von jenseits der Elbe, der auch mal über den Rhein und durch Frankfurt kam; aber beide anders als die immer noch vielen Glaubenden heutzutage, wenn der christliche Glauben nicht mehr Mehrheitsreligion ist in unserer Gegend und das Konstantinische Zeitalter bei uns zu einem Ende gekommen zu sein scheint – während an vielen anderen Orten der Welt der christliche Glauben immer noch wächst.
Alle so unterschiedlich Glaubenden aber, die Genannten und viel mehr Ungenannte, beziehen sich auf je eigene, höchstpersönliche Weise auf das Wort Gottes, auf Jesus Christus, Gottes Sohn, als ihren Maßstab und Referenzpunkt, ihre Sonne und Licht, ihren Weg, ihre Wahrheit und ihr Leben. Sie sind angetrieben – wir sind das – von dieser Gewissheit, die schon Paulus aus Asien nach Europa brachte, von der wir heute hören: gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen. Und wir sind darauf angewiesen, über dieses Wort ins Gespräch zu kommen, uns gegenseitig in Vielfalt und Einheit des Glaubens wahrzunehmen: Wenn ihr anerkennt, dass ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und bleibt da.
Damit ist übrigens auch eine vorläufige Antwort auf die Frage angedeutet, wie und warum sich der christliche Glauben gegen die religiöse Konkurrenz durchsetzen konnte: Kommt in mein Haus und bleibt da. Sozialer Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, persönliche Bindungen, Nächstenliebe – das waren nach Meinung der Gelehrten die entscheidenden Unterschiede zu anderen Kulten in der römischen Antike, die das Christentum erfolgreich machten. Amen.
Ökumenischer Ausflug mit St. Mauritius nach Taunusstein am 14.2.25: Beim Rundgang durch die Werkstätten und die Galerie erläuterte uns Gesellin Leandra die Details der verschiedenen Glasverarbeitung und -veredelungstechniken, gab sachkundig Antwort auf alle Fragen und zeigte uns die erstaunliche Vielfalt zeitgenössischer Glaskunst.



(Bild 2: Kunstwerk von Mark Angus; Fotos: privat;)
Er musste aber durch Samarien reisen.
Da kam er in eine Stadt Samariens, die heißt Sychar, nahe bei dem Feld, das Jakob seinem Sohn Josef gegeben hatte. Es war aber dort Jakobs Brunnen. Weil nun Jesus müde war von der Reise, setzte er sich an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kommt eine Frau aus Samarien, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken! Denn seine Jünger waren in die Stadt gegangen, um Speise zu kaufen. Da spricht die samaritische Frau zu ihm: Wie, du, ein Jude, erbittest etwas zu trinken von mir, einer samaritischen Frau? Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern. – Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und wer der ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken!, du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser.
Spricht zu ihm die Frau: Herr, du hast doch nichts, womit du schöpfen könntest, und der Brunnen ist tief; woher hast du denn lebendiges Wasser? Bist du etwa mehr als unser Vater Jakob, der uns diesen Brunnen gegeben hat? Und er hat daraus getrunken und seine Söhne und sein Vieh. Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wer von diesem Wasser trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt. (Johannes 4,4-14)
Die samaritische Frau soll dem Juden Jesus Wasser reichen. Aber: Wer könnte schon Jesus, dem Christus, das Wasser reichen? Also diese samaritische Frau schon mal nicht, und nicht nur weil sie Samariterin, also aus jüdischer Sicht eine Fremde ist; und nicht nur weil sie eine Frau, also im damals herrschenden patriarchalen Wertesystem dem Mann, jedem Mann untergeordnet ist; sondern weil sie als normaler Mensch dem Heiland und Gottesssohn in jedem Fall weit, unendlich weit niedriger ist – und ihm deshalb keinesfalls das Wasser reichen kann.
Jemandem das Wasser reichen können oder auch nicht reichen können, bezeichnet in unserer Sprache eine Form der Gleichrangigkeit in Fähigkeit oder Stand oder eben der Ungleichrangigkeit, bezeichnet also ein Stück vertikaler Etikette, ein Kapitel Manieren des Oben und Unten: Dem kann ich nicht das Wasser reichen – der ist viel besser als ich.
Das geht auch ungefähr historisch in Ordnung, wenn doch diese Redensart: Jemandem das Wasser reichen können, ursprünglich wohl aus der höfischen Etikette mittelalterlicher Festtafeln stammt, die regelt, welcher Diener seinem Herrn das Reinigungswasser für die Hände reichen kann. Besteck gabs noch nicht, gegessen wurde mit den Fingern, also mit der Hand in den Mund. Heute ist das – kann man sagen: Gottseidank anders – wenn etwa beim Neujahrsempfang alle ganz manierlich Messer und Gabel benutzen und der anfallende Schmutz im Rahmen bleibt. Verständlich, dass dagegen die bestecklose Form der Nahrungsaufnahme die gelegentliche Reinigung der Hände erforderte, auch schon während der Mahlzeit; und zu diesem Zwecke war geregelt, wer das sei, der helfen darf: Wer wem das Wasser reichen kann.
Ursprünglich eignet unserer Redewendung damit keine egalitäre Bedeutung: ursprünglich, war der, der jemandem das Wasser reicht – reichen kann und reichen darf – immer noch bloß sein Diener. Das unterscheidet den ursprünglichen aber nur wenig von unserem heutigen Gebrauch, der doch auch unterschwellig, atmosphärisch eine Rangfolge meint, wenn mit leichter Herablassung „Der kann ihm nicht das Wasser reichen“ soviel wie „Der kann ihm noch nicht mal das Wasser reichen“ heißt.
Jesus jedenfalls hält sich keineswegs so lange wie wir mit diesen Fragen auf, sondern knüpft wie so oft an die relativ banale Alltagsfrage eine ungleich gewichtigere Frage des Glaubens an; Jesus verwandelt wie so oft Fragen der Etikette in solche der theologischen Ethik: Wie geht und was ist Leben, das vor Gott gilt – und deshalb „ewiges Leben“ genannt zu werden verdient?
Wenn das hier als Wassergeschichte, als Wer-wem-das-Wasser-reicht-Geschichte erzählt wird drängt sich die Taufe als Kontext auf. Das ist nach der Meinung der exegetischen Experten auch so gemeint vom Evangelisten Johannes, der sonst nicht von Taufe und Taufpraxis erzählt. So sind die Äußerungen Jesu an unserer Stelle als Taufpredigt zu verstehen. Verstehen wir sie?
Vor kurzem haben wir über die Taufe Jesu nachgedacht, wie sie erzählt wird und was sie uns bedeuten kann, und bemerkenswerter Weise wird auch jene Tauferzählung mit Fragen der Rangfolge verknüpft; auch da wird gefragt: Wer kann wem das Wasser, das Taufwasser reichen. Jesus begehrt von Johannes das Wasser der Taufe, Johannes weicht zurück – wie kann ich Dir das Wasser reichen? – Jesus besteht darauf – und er besteht darauf ohne wirkliche Begründung: um der Ordnung zu genügen, weil es sich so gehört, der Etikette wegen, weil Gott es so will; eigentlich weil er in der Taufe Jesu zeigen und verkünden will, dass dieser Jesus Gottes Sohn ist: „Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“
Das Wasser der Taufe wird gereicht, damit durch das Symbol des Wassers die Verhältnisse zwischen Gott und Mensch geklärt werden, wobei: „Wasser tut‘ s freilich nicht, sondern das Wort Gottes, das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der solchem Worte Gottes im Wasser traut. Denn ohne Gottes Wort ist das Wasser schlicht Wasser und keine Taufe; aber mit dem Worte Gottes ist’s eine Taufe, das ist ein gnadenreiches Wasser des Lebens und ein Bad der neuen Geburt im Heiligen Geist; wie Paulus sagt zu Titus im dritten Kapitel: ´Gott macht uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland, damit wir, durch dessen Gnade gerecht geworden, Erben des ewigen Lebens würden nach unsrer Hoffnung´.“ (Luthers Kleiner Katechismus)
Mit „ewigem Leben“ ist nun aber keineswegs die endlose Fortsetzung unseres natürlichen Lebens gemeint, wie manchmal fälschlicherweise angenommen wird, auch um diesen Gedanken – eines endlosen Weiterlebens – als offenkundig absurd zurückzuweisen; oder – umgekehrt und noch falscher und absurder – ihn mit technischen Mitteln in die Tat umzusetzen. Gerade unter den Computer- und Hightec – Milliardären soll es angeblich Anhänger dieses teuren Aberglaubens geben, den sie mit ihren Milliarden umzusetzen versuchen. Was für eine Verschwendung an Geld und Hoffnung!
„Ewiges Leben“ heißt biblisch und im Gegensatz dazu das Leben vor Gott; also das Leben, dass die Engel führen; das Leben, in das uns die Taufe führt; das Leben, in dem wir uns als Gottes Kinder wissen; das Leben, in dem wir nicht nach immer neuem und mehr Leben hungern und dürsten müssen; das Leben, für das uns Gott alles reichlich gegeben hat; das Leben in Fülle. „Ewiges Leben“ ist das Leben vor Gott; das Leben in der Begegnung mit Gott.
Am Jakobsbrunnen, an dem sich Jesus das Wasser reichen lässt, wird an Jakobs Begegnungen mit Gott erinnert, an Momente, in denen Jakob Gott nah kam, indem Gott dem Jakob nahe, bisweilen gefährlich nahe kam; in jener Nacht des Kampfes mit dem Engel am Jabbok, eines Kampfes ohne Sieger, aber mit dem Segen für den Versehrten: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“; oder jener anderen Nacht etwa, als ihm, dem Jakob, verlassen auf dem Feld von der Leiter und den Engeln darauf träumte; von den Engeln, die für uns und in Gottes Auftrag weite Wege gehen zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch. Ihrem Auftrag gemäß vermitteln sie, überbrücken, teilen mit, segnen – und sind darin Boten des Ewigen Lebens.
Am Jakobsbrunnen lässt sich Jesus das Wasser für uns reichen, damit wir Gott begegnen. Tief ist dieser Brunnen, unergründlich ist er zu nennen, aber es ist nicht der Brunnen der Vergangenheit, sondern der Ewigkeit. Nicht zurück soll unser Blick gehen, sondern nach oben. Es geht nicht darum, in die alten Geschichten zu tauchen. Religion ist nicht Archäologie, das Klopfen toter Steine; allerdings auch nicht Zukunftsforschung, geschweige denn Demoskopie, das Zählen ungelebter Leben; sondern Anleitung zur Erfahrung der Gegenwart Gottes – „der unmittelbaren Gegenwart des ganzen ungeteilten Daseins“ – des Ewigen Leben. Das will uns Jesus reichlich reichen.
9.3.: Wenn Sie eine Mitfahrgelegenheit von der Thomaskirche zur Thalkirche wünschen, melden Sie sich gerne bis Mittwoch, 5.3., in unserem Gemeindebüro unter Tel. 0611 20 46 331.

Und Josua sprach zum Volk: Heiligt euch, denn morgen wird der Herr Wunder unter euch tun. Und Josua sprach zu den Priestern: Hebt die Bundeslade auf und geht vor dem Volk her! Da hoben sie die Bundeslade auf und gingen vor dem Volk her. Und der Herr sprach zu Josua: Heute will ich anfangen, dich groß zu machen vor ganz Israel, damit sie wissen: Wie ich mit Mose gewesen bin, so werde ich auch mit dir sein. Und du gebiete den Priestern, die die Bundeslade tragen, und sprich: Wenn ihr an das Wasser des Jordans herankommt, so bleibt im Jordan stehen. …
Siehe, die Lade des Bundes des Herrn der ganzen Erde wird vor euch hergehen in den Jordan. So nehmt nun zwölf Männer aus den Stämmen Israels, aus jedem Stamm einen. Wenn dann die Fußsohlen der Priester, die die Lade des Herrn, des Herrn der ganzen Erde, tragen, in dem Wasser des Jordans stillstehen, so wird das Wasser des Jordans, das von oben herabfließt, nicht weiterlaufen, sondern stehen bleiben wie ein einziger Wall. …
Und die Priester, die die Lade des Bundes des Herrn trugen, standen still im Trockenen mitten im Jordan. Und ganz Israel ging auf trockenem Boden hindurch, bis das ganze Volk über den Jordan gekommen war. (Josua 3, 5-8.11-13.17)
Das Mitführen eines sperrigen, schweren Kastens auf langen Reisen durch Wüste und Wasser muss uns nicht unmittelbar einleuchten; aber dass selbst der, der gerne mit leichtem Gepäck reist, das Nötigste dabeihaben will und muss, leuchtet sehr wohl ein. Entscheidend ist natürlich die Definition des „Nötigsten“, über die nicht ohne Weiteres Einigung zu erzielen ist: „Muss das jetzt wirklich alles mit, Liebste?“. Manchmal schon und manchmal muss es eine Bundeslade sein.
In der privaten Mythologie meiner Familie bezeichnete Bundeslade die Reisehandtasche meiner Mutter. In diese Bundeslade, eine Handtasche von nicht geringem Ausmaß, verstaute sie alles Wichtige für eine Reise: Zahlungsmittel ob Geld oder Reisechecks, Pässe, Gesundheitsausweise, Versicherungspolicen, Hotelunterlagen, Reiseführer; also alles, was heute im vergleichsweise winzigen Smartphone geborgen und auf Tastendruck vorgelegt werden kann; was damals aber ein beträchtliches Taschenvolumen erforderte. Diese Tasche verlangte Aufmerksamkeit und Schutz – „Wo ist die Bundeslade?“ Ihre Trägerin war nicht einfach nur die Reiseleiterin, sondern ihre teure Last verlieh ihr einen besonderen, quasi auratischen Status. Die Bundeslade öffnete Türen, ebnete Wege, ermöglichte Weiterfahrt und glückliche Wiederkehr. Wurde sie bewahrt, waren wir bewahrt. Wenn sie verloren ginge, wäre alles verloren.
Diese Metapher war keinesfalls respektlos gemeint, sondern traf ziemlich gut, was es mit der Bundeslade der Israeliten auf sich hatte, sozusagen ihre Funktion als Garantie der Reise, Wegbereiter, Türöffner durch ihren wertvollen – natürlich ungleich wertvolleren – Inhalt: hier nun der Zehn Gebote, des Wortes Gottes, Gottes selbst. Gott begleitet sein Volk auf seiner Reise durch die Wüste in das gelobte Land in Gestalt der echten, einzigen und originalen Bundeslade. In ihr und aus ihr heraus „geschieht“ das Wort Gottes – wie es in der biblischen Sprechweise heißt, als wirkmächtiges, machtvolles Wort. Es begleitet und beschützt sein Volk in dem Maße, dass dieses sich durch das Wort schützen lässt. Solange und in dem Maße Israel seinem Gott glaubt, sein Wort hört, seine Gebote bewahrt, an ihn sein Herz hängt, begleitet und beschützt Gott sein Volk. Insofern verleiht Gott selbst dieser Lade eine Aura, ist Gott selbst in dieser Lade anwesend.
„Woran du dein Herz hängst“ – sagt Luther – „das ist dein Gott“. Für die Israeliten erfüllte das – solange es keinen festen Ort, keinen Tempel Gottes gab – die Bundeslade, die als mobiles, als ambulantes, als Reiseheiligtum mitgeführt werden konnte.
Anders als heute, waren Reisen in alter Zeit kein Vergnügen, keine Erholung, nicht Ausdruck von Neugier, sondern Folge von Not, von Wirtschaftsflucht, von Krieg – oder im besonderen Fall des Volkes Israel eben auch gottgewollt und Funktion seiner Religion: Aufbruch und Wanderung, Weg und Ankunft – gehören sozusagen zur DNA dieser Religion. Wandernd erschließt sich ihr Gott. Der Weg ist das Ziel. Aber auch Ausgangs- und Ankunftspunkte haben Bedeutung. Der Jordan bezeichnet gewissermaßen die Ziellinie eines Laufs, der am Schilfmeer begann.
Genau betrachtet spiegelt sich sogar hier im Jordan das Schilfmeer, ist diese Geschichte hier vom Durchzug durch den Jordan der Rettung aus dem Schilfmeer nachgebildet – bis in Motive und Begriffe hinein: Das Wasser des Jordans, das von oben herabfließt, wird nicht weiterlaufen, sondern stehen bleiben wie ein einziger Wall. …Und ganz Israel ging auf trockenem Boden hindurch, bis das ganze Volk über den Jordan gekommen war.
Genauso war es am Beginn der großen Reise, als das Volk Israel trockenen Fußes durchs Meer schritt in die Freiheit. Zwischen Schilfmeer und Jordan liegen vierzig Jahre, Wanderung durch die Wüste, Prüfung und Reifung, Entbehrung und Bewährung, Begleitung durch Gott, sichtbar in Gestalt der Bundeslade als Ort seiner machtvollen Gegenwart. Gegenwärtig auch hier am Ziel, das vorläufig bleibt; hier und jetzt gegenwärtig jedenfalls in, mit und durch die Bundeslade, die den Wasserfluss staut und die sichere Passage ermöglicht: Und die Priester, die die Lade des Bundes des Herrn trugen, standen still im Trockenen mitten im Jordan. Und ganz Israel ging auf trockenem Boden hindurch, bis das ganze Volk über den Jordan gekommen war.
Bleibt eigentlich nur die Frage, warum wir ausgerechnet heute – am ersten Sonntag nach Epiphanias, in der allmählich ausklingenden Weihnachtszeit – eingeladen sind, ausgerechnet über diese Erzählung eines so überaus bedeutenden Ereignisses aus der Geschichte Israels nachzudenken; einer Geschichte, die wir uns ja ohnehin immer zu eigen, zu unserer eigenen Geschichte machen und in unsere Lebensgeschichte hineinschreiben sollen.
Zum einen geht es natürlich an Epiphanias um die Gegenwart Gottes und die verschiedenen Weisen dieser Gegenwart, wie sie sich ereignet und zeigt. Hier also als heiliges Gepäck (nicht Gebäck, wobei das auch richtig sein kann!), als das unverzichtbar Heil- und Sinnstiftende, das wir immer mitzuführen haben, als das, womit uns Gott auf unserer Reise durch das Leben begleitet: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Wer sind wir? Gottes geliebte Kinder auf dem Weg von Gott zu Gott.
Das aber – dass wir Gottes geliebte Kinder auf dem Weg von Gott zu Gott sind – wird – zum anderen – nirgendwo so deutlich wie im Geschehen der Taufe und unserer Erinnerung daran, unserem Taufbewusstsein: „Ich bin getauft“ schreit Luther dem Teufel entgegen, weil er nicht dem Teufel sondern zu Gott gehört durch die Taufe.
Deren „Urort“ und Originalschauplatz ist der Jordan. Mit seinem Wasser werden wir getauft, auch wenn unser Taufwasser aus der Leitung in Wiesbaden kommt. Wie dort am Jordan die Israeliten sind wir durch Gott beschützt vor den Todesfluten, die uns zu ersäufen drohen. Gottes Bundeslade ist die Arche, die uns bewahrt, damit wir nicht verloren gehen. Von Gott haben wir das Gepäck, das nicht wir tragen, sondern dass uns durch das Leben trägt.
Ökumenischer Ausflug nach Taunusstein am Freitag, 14. Februar 2025
Ev. Thomasgemeinde und Kath. Kirchort St. Mauritius

Viele Kunstwerke aus Glas in Klöstern, Kirchen, Schulen, Universitäten und öffentlichen Gebäuden auf der ganzen Welt stammen aus den Derix Glasstudios in Taunusstein-Wehen. Wir laden Sie herzlich ein zu einer Führung durch die Derix-Galerie während der regulären Öffnungszeiten der Glasstudios, bei der uns sakrale und weltliche Ausstellungsstücke gezeigt und die Geheimnisse dieser Handwerkskunst erläutert werden.
Der Treffpunkt ist am Freitag, 14.2.25, um 13.50 Uhr, an der Platterstraße 94 in Taunusstein-Wehen. Die Führung findet von 14.00 bis 14.45 Uhr statt. Um 15.30 Uhr kehren wir zu Kaffee und Kuchen im Gasthof Jagdschloss Platte ein. Die Anreise erfolgt privat, z.B. in Fahrgemeinschaften, ggf. per Großraumtaxi. Der Eintritt ist für Sie frei. (Evtl. Fahrkosten je nach Anfahrt.) Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bitten wir um Ihre Anmeldung bis 7.2.25 unter asmeine@gmx.de oder Tel. 0162 7474131.
(Foto: (c) Derix Glasstudios)
Hört mir zu, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt, die ihr den Herrn sucht: Schaut den Fels an, aus dem ihr gehauen seid, und des Brunnens Schacht, aus dem ihr gegraben seid. Schaut Abraham an, euren Vater, und Sara, von der ihr geboren seid. Denn als einen Einzelnen berief ich ihn, um ihn zu segnen und zu mehren. Ja, der Herr tröstet Zion, er tröstet alle ihre Trümmer und macht ihre Wüste wie Eden und ihr dürres Land wie den Garten des Herrn, dass man Wonne und Freude darin findet, Dank und Lobgesang.
Merke auf mich, mein Volk, hört mich, meine Leute! Denn Weisung wird von mir ausgehen, und mein Recht will ich gar bald zum Licht der Völker machen. Denn meine Gerechtigkeit ist nahe, mein Heil tritt hervor, und meine Arme werden die Völker richten. Die Inseln harren auf mich und warten auf meinen Arm. Hebt eure Augen auf gen Himmel und schaut unten auf die Erde! Denn der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich, und meine Gerechtigkeit wird nicht zerbrechen.
Hört mir zu, die ihr die Gerechtigkeit kennt, du Volk, in dessen Herzen mein Gesetz ist! Fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen, und entsetzt euch nicht, wenn sie euch verhöhnen! Denn die Motten werden sie fressen wie ein Kleid, und Würmer werden sie fressen wie ein wollenes Tuch. Aber meine Gerechtigkeit bleibt ewiglich und mein Heil für und für. (Buch des Propheten Jesaja 51, 1-8)
Hört zu, schaut an, schaut an, merke auf, hört, hebt eure Augen auf, schaut auf, hört zu!
Da will einer gehört, da will einer gesehen werden. Da macht einer auf sich aufmerksam. Aufmerksamkeit ist ein teures Gut. Das wird der erlebt haben, der so spricht, dass so schnell nichts unsere Panzer des Selbstinteresses und die Mauern unserer Aufmerksamkeitsdefizite durchdringt. Was könnte auch interessanter sein als ich selbst? „Nichts dringt in mein Gehirn. Meine Reflexe sind zu schnell.“ Sagt ein galaktischer Superheld auf seine entwaffnend dämliche und himmelschreiend komische Art: „Nichts dringt in mein Gehirn. Meine Reflexe sind zu schnell.“ (Drax aus den Guardians of the Galaxy)
Kollektives ADS gehört zur Diagnose unserer Zeit: Kollektives Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom allerdings bei gleichzeitiger maximaler Beschallung durch Aufmerksamkeitserreger. Die technischen Möglichkeiten, Aufmerksamkeit zu erregen, versuchen mit den Steigerungen unserer Aufmerksamkeitsdefizite Schritt zu halten, ohne große Aussicht auf Erfolg. Selbst millionenfache Gefolgschaft in den sogenannten sozialen Medien verschafft nur eine Form von vermeintlicher Aufmerksamkeit, die eigentliche Aufmerksamkeit, also Teilnahme, Anteilnahme vermeidet, verhindert. Die Filter fehlen, oder es sind die falschen. Die tatsächliche Gegenwart dringt nicht in unser Gehirn vor. Klassisch ist das Bild der Gruppe im Lokal, die alle ihr Telefon in der Hand haben, alle sprechen, ohne miteinander zu sprechen.
Hört zu, schaut an, schaut an, merke auf, hört, hebt eure Augen auf, schaut auf, hört zu!
Wenn man den Prognosen glaubt – aber es reicht ja schon den eigenen Augen zu trauen! – werden es immer weniger und immer weniger werden – jedenfalls bei uns – die dem Aufmerksamkeit schenken, der da ruft. Er scheint es gewohnt zu sein, dass ihm niemand zuhört, ihm niemand glaubt. Egal ist es ihm gleichwohl nicht. Gott schafft sich seine Wege, seine Kanäle der Kommunikation. Und es sollen schon welche auf ihn aufmerksam geworden sein auf dem Wege der sogenannten sozialen Medien. Warum denn nicht? Seine Wege sind unerforschlich, er liebt das Paradox, in ihm treffen sich die Gegensätze und sein Geheimnis offenbart er gerne einmal unter dem Gegenteil. „Nichts ist so groß, Gott ist noch größer. Nichts ist so klein, Gott ist noch kleiner.“ Warum sollte er nicht auch durch das Internet, diesem unwahrscheinlichsten Ort der Gottesrede zu uns hindurchschlupfen?
Lasst uns das Unwahrscheinliche tun, und heute auf ihn hören! Schaut den Fels an, aus dem ihr gehauen seid, und des Brunnens Schacht, aus dem ihr gegraben seid. Was macht uns zu Menschen? Was macht unsere Menschlichkeit aus? Aus welchem Holz sind wir geschnitzt? Krummes Holz, aufrechter Gang. Aufrecht mögen auch die Pinguine gehen, aber sich den aufrechten Gang als das wesentlich Menschliche zu denken, können nur Menschen. Auf dem Boden bleiben und doch nach oben sehen. Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um den Ort zu sehen, zu erkennen, auf dem man steht. Und nicht jeder Fortschritt ist zu empfehlen, sagt der Mensch, der in den Abgrund blickt.
Hebt eure Augen auf gen Himmel und schaut unten auf die Erde! Denn der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Was man für eine Reportage aus den Kriegsgebieten und den Katastrophenlagen unserer Gegenwart halten kann, soll keineswegs Zukunft beschreiben. Solche Prophezeiungen werden nicht gemacht, um die Zukunft anzusagen, sondern um sie zu verändern. So wie beschrieben soll es gerade nicht werden. Und damit es so nicht wird, müssen wir uns ändern, umkehren, unsere Wege verlassen, neue finden. Dabei Irrtümer in Kauf nehmen, Verwirrung riskieren. Aber ohne zu vergessen, wer wir sind.
Fürchtet euch nicht, wenn euch die Leute schmähen, und entsetzt euch nicht, wenn sie euch verhöhnen! Denn die Motten werden sie fressen wie ein Kleid, und Würmer werden sie fressen wie ein wollenes Tuch. Die neuen Lautsprecher in Politik und Gesellschaft, im Netz allüberall, die Schmäher und Verhöhner, klingen noch in dem Moment, in dem sie das herausplärren, was sie für Neuigkeiten halten, älter als ihre eigenen Großeltern. Es mag unvornehm sein, den Ewiggestrigen Würmer und Mottenfraß zu wünschen, unfromm ist es ausweislich unseres Propheten nicht. Ihr Verfallsdatum ist längst abgelaufen. Sie haben das bloß noch nicht gemerkt.
Und woher wissen wir das? Was gibt uns Gewissheit, dass es zwar schlimm kommen aber nicht schlimm bleiben wird? Auf Selbstheilungskräfte zu vertrauen, erscheint mir etwas leichtsinnig in einer multimorbiden Welt: Umwelt, Klima, Demokratie, Wohlstand, internationale Beziehungen, Frieden – werden nicht von allein heilen; werden nicht in einem Akt magischen Denkens einfach gut werden; werden sich nicht gutwünschen lassen. Obwohl es natürlich hilft, sich die Dinge gut und nicht etwa schlecht zu wünschen, wie es die Mächte des Bösen wohl tun. Noch kleinste Schritte – baby steps – zu Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung – wie es zu einer anderen Zeit und in einem anderen Leben hieß, aber auch nur gerade mal vierzig Jahre her so hieß – sind nötig, um den großen Schritt – vom Abgrund weg – zu tun. Was ein kleiner Schritt für mich wäre, könnte ein großer für die Menschheit sein.
Und dann brauchen unsere realen Veränderungen allerdings sehr wohl den Glauben, dass sie nicht vergeblich sein müssen, sondern gelingen können. Veränderungen gehen davon aus, dass sie sich lohnen. Umkehr braucht einen Ort wohin. Deshalb geht die Bibel davon aus, dass Gott alles gut gemacht hat und alles gut machen will und dass sich gute Taten lohnen. Dass ein moralisches Universum sei, ist die große Hypothese des biblischen Glaubens. Dafür will der Prophet unsere Aufmerksamkeit.
Hört zu, schaut an, schaut an, merke auf, hört, hebt eure Augen auf, schaut auf, hört zu!
Worauf? Darauf, dass Ja, dass der Herr Zion tröstet, er tröstet alle ihre Trümmer und macht ihre Wüste wie Eden und ihr dürres Land wie den Garten des Herrn, dass man Wonne und Freude darin findet, Dank und Lobgesang.
Und warum? Darum und trotz allem, weil Gott spricht und es so meint: Aber mein Heil bleibt ewiglich, und meine Gerechtigkeit wird nicht zerbrechen.
Aber meine Gerechtigkeit bleibt ewiglich und mein Heil für und für. Amen.